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Perlen der Redaktion: Nils Machers Highlights 2020

27.01.2021 | 18:18

Ein musikalischer Gourmet-Jahrgang.

Was. Für. Ein. Jahr. Wir haben es zwar irgendwie geschafft, zur selben Zeit wie Lemmy auf dieser Erde zu wandeln, aber die Corona-Pandemie gehört leider ebenso dazu. Mit nur wenig Konzerten am Anfang des Jahres verlagert sich die Metalszene zunehmend ins Internet - wie so ziemlich jeder andere Lebensbereich. Eigentlich Routine für ein Online-Magazin, sollte man meinen. Doch die aufgezwungene Distanz macht uns auch zu schaffen, letztendlich überwiegt aber die Liebe zur Musik und die Motivation, weiter über alles Berichtenswerte zwischen Rock und Metal zu schreiben. Darüber hinaus ist die Branche meines Arbeitgebers glücklicherweise nicht von der Krise gebeutelt, sodass zahlreiche hochkarätige Veröffentlichungen den Weg in meine Sammlung gefunden haben. Die Top 20-Liste war eigentlich Ende November schon fertig - doch ein Dezember-Album hat sich an fast allen Kandidaten vorbeischleichen können. Lasst uns loslegen!

CIRITH UNGOL. Wow! Ja, als Underground-affiner Mensch besitze ich die vier alten Alben und für Charakterstimmen wie Tim Baker hatte ich schon immer ein Ohr. Dass dann aber "Forever Black" so dermaßen zündet, hätte ich vorher nie gedacht. Die Gründe dafür habe ich in unserer Gruppentherapie dargelegt, deswegen sei an dieser Stelle einfach nochmal an die Highlights in Form von 'Legions Arise', 'Fractus Promissum' oder 'The Frost Monstreme' erinnert. Wer bei der bloßen Nennung noch nicht die überirdischen Refrains im Ohr hat, sollte seinen metallischen Werdegang der letzten zwölf Monate noch einmal überdenken.

Das Jahr war so gut wie Geschichte, dann kam ABIGOR. "Totschläger (A Saintslayer's Songbook)" legt eine ähnliche Laufbahn in meiner Anlage hin wie "Forever Black". Seit Erscheinen gab es nur wenige Tage, an denen dieses zeitgenössische und doch traditionelle Black-Metal-Meisterwerk nicht mindestens ein Mal lief. In der klassischen Besetzung haben die Österreicher ein infernalisches Album aufgenommen, dessen Zauber garantiert noch nachhaltig auf die Szene wirken wird. Famose Songs, die man nicht mehr aus dem Kopf bekommt treffen auf eine garstig-opulente Atmosphäre, die in dieser Intensität Seltenheitswert hat. Das gepaart mit dem Anspruch EMPERORs ergibt ohne Zweifel eines der besten Genre-Alben der letzten Jahre.

Eine bärenstarke Bronzemedaille kommt aus Norwegen: ENSLAVEDs "Utgard" war ja meine ursprüngliche #2, wurde aber auf den letzten Metern überholt. Das tut der Qualität der Scheibe aber gar keinen Abbruch, ist es zumindest für meine Begriffe das beste, griffigste und konsequenteste ENSLAVED-Album der Prog-Ära. Selten zuvor gingen schwarzmetallische Wurzeln so kohärent eine Bindung mit proggigen Einflüssen ein. "Intuitiv und außerweltlich" schrieb ich im September - das würde ich nach wie vor unterschreiben. Wer es nicht kennt, hört 'Jettegryta' und 'Homebound' - aber Vorsicht: Suchtpotenzial!

Auch jenseits der Top 3 hat der Black Metal mir viel Freude bereitet: Mit dem wahnhaften "Melinoë" aus dem Hause AKHLYS, dem bockstark produzierten neuen DARK FORTRESS-Album "Spectres From The Old World" und IMHA TARIKATs "Sternenberster" ist klar, welches Genre mein Jahr dominiert hat. Und mal wieder zeigt sich, wie divers die Szene derzeit aufgestellt ist, könnten doch alle fünf Black-Metal-Alben nicht unterschiedlicher sein. SECRETS OF THE MOON verorte ich inzwischen zwar nicht mehr im Black Metal, deren neues Album "Black House" hat sich aber mit jedem Spin mehr ins Herz gespielt.

Etwas gelitten hat im letzten Jahr der Prog, wo aber das vermeintlich letzte FATES WARNING-Opus "Long Day Good Night" mit Rang 5 bei mir hoch im Kurs steht. Meine Faves HAKEN bewegen sich irgendwie auf der Stelle, was ihnen immerhin noch Platz 20 einbringt, aber weit von meinen Jubelarien vergangener Tage entfernt ist. Wer mag, zählt natürlich die italienische Konstante DARK QUARTERER zum Prog, deren neues Juwel "Pompei" endlose Stunden mit schönen Entdeckungen verspricht. Vergessen wir JOHN PETRUCCI nicht, der mal wieder großartig aufspielt und mit seinen Kumpels Mike Portnoy und Dave LaRue ein tolles Album aufgenommen hat. Böse Stimmen dichten mir an, ich würde "Terminal Velocity" lieber mögen als das letzte DT-Album...

Death Metal gehört nicht zu meiner Kernkompetenz, doch der jüngste ULCERATE-Brecher "Stare Into Death And Be Still" ist ein so vernichtendes Werk, dass es sich verdient den achten Platz geschnappt hat. Ein bisschen wahnsinnig muss man dafür allerdings sein, mit HM-2-Kommerz haben diese Neuseeländer nix am Hut! In diese Richtung geht dann schon eher "Dawn Of The Damned", das pechschwarze Album aus dem Hause NECROPHOBIC. Catchy, mir gefällt es!

Für mich überraschend finden sich auch LORD VIGO mit "Danse De Noir" (schön eigenständig, viele Ohrwürmer), THEM ("Return To Hemmersmoor" ist das beste Album der Trilogie) und MEGATON SWORD (klassischer Heavy Metal mit MANOWAR-Schlagseite) in meiner Bestenliste wieder. Wenig überraschend hingegen sind wohl die Platzierungen von ARMORED SAINT und NIGHTWISH. Scheuklappenfreie Hörer können auch meine #17 (SWEVEN, die Fortführung von MORBUS CHRON) und #20 (HEXENBRETT mit der zweiten Beschwörung; äußerst geschmackvoll-finsterer Dark/Black Metal) antesten.

Ein weiterer Beweis für die musikalische Klasse des Jahres 2020 ist die Tatsache, dass es starke Bands wie COMMUNIC, FALCONER, HEATHEN, KANSAS, PANZERFAUST oder UADA nur auf die weiteren Plätze geschafft haben; definitiv Highlights im jeweiligen Genre.

Rang Band Album
01. Cirith Ungol Forever Black
02. Abigor Totschläger (A Saintslayer's Songbook)
03. Enslaved Utgard
04. Akhlys Melinoë
05. Fates Warning
Long Day Good Night
06. Secrets Of The Moon Black House
07. Dark Fortress Spectres From The Old World
08. Ulcerate Stare Into Death And Be Still
09. Megaton Sword Blood Hails Steel - Steel Hails Fire
10. Imha Tarikat Sternenberster
11. Lord Vigo Danse De Noir
12. John Petrucci Terminal Velocity
13. Them Return To Hemmersmoor
14. Dark Quarterer Pompei
15. Armored Saint
Punching The Sky
16. Nightwish Human. :II: Nature.
17. Sweven Eternal Resonance
18. Necrophobic Dawn Of The Damned
19. Hexenbrett Zweite Beschwörung: Ein Kind Zu Töten
20. Haken Virus

Redakteur:
Nils Macher

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