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PYRAMAZE: Interview mit Michael Kammeyer

01.01.1970 | 01:00

Dänisches Dynamit ist ein europaweit, nein weltweit bekannter geflügelter Begriff, mit dem man auch leicht die Wucht und Power des Erstlingswerks der dänischen Power-Metal-Fraktion PYRAMAZE beschreiben kann. Die Jungs legen mit "Melancholy Beast" ein Debüt vor, das von der ersten bis zur letzten Sekunde mit erstklassig arrangiertem Metal wuchert, der mit seinen exzellenten Melodiebögen jeden traditionsbewussten Metaller mit Bestimmtheit in seinen Bann schlägt. Mit der Power einer Tram und der Schubkraft einer Turbine bahnt sich mit "Melancholy Beast", bereits zur Jahreshälfte ein Highlight des Heavy Metal, seinen Weg durch die Membrane. Von solch hochklassigem Material gleichermaßen überrascht und begeistert, fragte ich bei Hauptsongwriter und Gitarrist Michael Kammeyer nach, wer und was sich hinter PYRAMAZE verbirgt.

Alex:
Hi Michael, zunächst mal möchte ich von dir ein wenig über die Geschichte von PYRAMAZE erfahren. Kannst du mir was über die musikalischen und nicht-musikalischen Wurzeln der Band und ihrer Mitglieder erzählen?

Michael Kammeyer:
Nun, meine musikalischen Roots liegen bei Bands wie BON JOVI, METALLICA und AEROSMITH. Aber heutzutage höre ich meistens Sachen von BLIND GUARDIAN, ICED EARTH, NIGHTWISH und STRATOVARIUS. Es ist schwer für mich exakt zu bestimmen, welche Wurzeln die anderen prägen. Am besten, du fragst sie irgendwann selbst, wenn man sich auf Tour sieht.
Die Wurzeln von PYRAMAZE begannen zu schlagen, als die Idee aufkam, ein komplettes Album voll eigener Sachen einzuspielen. Ich liebe es Musik zu komponieren und Texte zu schreiben und im Winter 2001/02 entschied ich mich dazu, einen abendfüllenden Longplayer zu komponieren. Die nächsten fünf bis sieben Monate gehörten ganz dem Entstehungsprozess der Songs. Als die Arrangements in trockenen Tüchern waren, hielt ich Ausschau nach den passenden Musikern, die meine Musik adäquat umsetzen können. Die ersten beiden, die hinzu kamen, waren Morten (drums) und Niels (bass). Beide sind an ihren Instrumenten wirklich phantastisch, und ihre exzellente und unproblematische Integrierung in meine Klangwelten ließ meine Wahl auf sie fallen. Ich hatte Morton einige Male live performen sehen und mir auch einige CDs besorgt, auf denen er die Felle gerbte. Ich spielte ihm dann einfach meine Ideen vor und er sagte ja. Dann hörte ich eines Tags Niels in einem lokalen Club zocken und seine Fähigkeiten begeisterten mich total. Einige Tage später rief ich ihn an und bat ihn, uns bei unserer weiteren Suche zu unterstützen und gleichzeitig in der Band einzusteigen. Er war sehr erfreut über die Offerte und wurde so zum nächsten Mitglied.
Als nächstes hielt ich Ausschau nach einem fähigen Keyboarder und ich musste wirklich nicht lange die Clubs beackern. Ich las ein Posting auf der Wacken-Open-Air-Homepage, das von einem gewissen Jonah verfasst wurde. Er offerierte seine Dienste über dieses Portal, allerdings war er zur dieser Zeit auf einem Australien-Trip mit einer lokalen Band unterwegs. Es lief da drüben allerdings nicht so, wie er sich das vorstellte, und so sah er sich zufällig zur selben Zeit nach einer neuen Band um. Ich schickte ihm eine Mail, in der ich ihm mein "Projekt" vorstellte und wir vereinbarten, uns gegenseitig Promomaterial zu schicken. Einige Tage später trudelte ein Video bei mir ein, auf dem Jonah die Keyboards malträtierte und mich mit seiner Performance voll in den Bann schlug. Ebenso begeistert war er von meinen Ideen, sodass der Rest schnell beschlossen. Die Vocals wollte ich zu Beginn eigentlich selber übernehmen, was sich aber als nur schwer umsetzbar entpuppte. Ich beschloss also mit meinen Managern, einen fähigen Sänger zu finden, der mit Lance an der Oberfläche auftauchte. Ich habe von meinen Managern fünf oder sechs Promos erhalten, auf denen sich unterschiedliche Sänger die Ehre gaben. Lance King war bereits nach der ersten Sichtung der Mann, der mich am meisten von den Schlappen riss. Wir schickten ihm unser Material und er entschied sich schnell dazu, ein Part von PYRAMAZE sein zu wollen.

Alex:
In meinen Worten ist "Melancholy Beast" High-Tech-Entertainment mit einem ganzen Haufen verschiedener Einflüsse. Die superben, höchst eingängigen Melodien brechen die stets an ICED EARTH erinnernde Riffgewalt zu jeder Zeit. Siehst du diese explosive Mischung als Stigma von PYRAMAZE?

Michael Kammeyer:
Was du auf "Melancholy Beast" hören kannst, ist zu einhundert Prozent das, was PYRAMAZE ausmacht und ich bin mir ziemlich sicher, dass sich unsere Stilistik auch in den nächsten Jahren nicht bahnbrechend ändern wird. Sicherlich wagen wir hier und da einige Experimente, die PYRAMAZE noch interessanter für den Hörer machen sollen. Schlussendlich bietet "Melancholy Beast" aber einen perfekten Eindruck von PYRAMAZE.

Alex:
Bereits angesprochen, sehe ich besondere Parallelen zwischen PYRAMAZE, ICED EARTH und SAVATAGE. Was denkst du darüber?

Michael Kammeyer:
Da ich seit unzähligen Jahren beide Bands zu meinen Favoriten zähle denke ich, dass du da Recht haben kannst. Obwohl ich finde, dass wir einen eigenen Stil gefunden haben, der sich lediglich in der Schnittmenge beider Acts bewegt.

Alex:
Wie lange hat sich der Aufnahmeprozess hingezogen?

Michael Kammeyer:
Die Aufnahmeprozess hat nur siebzehn Tage gedauert, inklusive Mix und Mastering. Wenn du aber die komplette Entstehung des Albums vor Augen hast, das heißt inklusive Songwriting, dann hat es über vierzehn Monate gedauert.

Alex:
Kannst du mir etwas über die Lyrics auf "Melancholy Beast" erzählen?

Michael Kammeyer:
Die Scheibe beinhaltet eine ausgewogene Mischung aus fiktiven Storys und persönlichen Elementen. Ich bin wahnsinnig interessiert an übernatürlichen Geschichten, verarbeite aber auch ganz persönliche Momente meines Lebens.

Alex:
Die Scheibe hat einen sehr schnittigen, dynamischen und differenzierten Sound mit jeder Menge Punch. Wo und von wem ist "Melancholy Beast" produziert worden?

Michael Kammeyer:
Der Produzent ist Jakob Hansen aus Dänemark. Üblicherweise produziert er Bands, die ein wenig härter zu Werke gehen als wir. Doch genau das war der ausschlaggebende Punkt, warum ich ihn wählte. Ich wollte auf gar keinen Fall ein weiteres glatt produziertes, schön klingendes und konturloses Power-Metal-Album. Ich lege ein massives Gewicht auf die Melodien innerhalb der Songs. Genauso viel möchte ich aber von der Räudigkeit haben. Jacobs Studio befindet sich in Ribe (DK), wo alles außer den Vocals aufgenommen wurde. Die Gesangsspuren hat Lance in seinem eigenen Studio in Minneapolis aufgenommen.

Alex:
Das Coverartwork von "Melancholy Beast" ist sehr geschmackvoll ausgefallen. Kannst du mir etwas über den Zeichner erzählen?

Michael Kammeyer:
Das Cover wurde von Rob Alexander angefertigt, einem amerikanischen Künstler. Über die Jahre hinweg hat er ein paar wirklich phantastische Arbeiten abgeliefert. Darunter unter anderem das "Lord Of The Rings"-Kartenspiel und die "The Crow"-Comics.

Alex:
Die dänische Szene ist nicht unbedingt berühmt für ihre Heavy-Metal-Fraktion. Kannst du mir etwas über dänisches Dynamit erzählen und etwas Licht ins Dunkel des dänischen Metal-Undergrounds bringen?

Michael Kammeyer:
Wenn du mich fragst, sind die heißesten Eisen im dänischen Metallfeuer ganz klar MANTICORA und WUTHERING HEIGHTS. Ich mag beide Bands sehr und ihre Mitglieder sind sehr begabte Talente. Aber wie du bereits richtig festgestellt hast, ist Dänemark kein großes Metalland, obwohl wir einig wenige fantastische Bands am Start haben. Metal ist in Dänemark richtiger Underground, so dass es dänische Metalbands immer schwer haben, sich außerhalb des Landes einen Namen zu machen.

Alex:
Zwischen den wenigen Uptempokrachern auf "Melancholy Beast" geht ihr überwiegend in gemäßigtem Tempo zur Sache. Ich denke, ihr klingt in diesen Geschwindigkeitsregionen intensiver und weitaus düsterer. Was meinst du dazu?

Michael Kammeyer:
Da stimm ich dir zu. Ich mag es nicht sonderlich, wenn ein Album überwiegend von schnellem Riffgemetzel dominiert wird und weit und breit keine Melodie in Sicht ist. Das ist der Grund, warum wir zum Großteil in diesen Stampfrhythmen operieren. Wenn es die Melodien erlauben, ziehen wir aber auch das Tempo an.

Alex:
Kannst du mir deine Lebenseinstellung näher bringen?

Michael Kammeyer:
Mensch, da wird sicherlich ein Buch draus. Ich werde versuchen, es kurz zu machen. Grundlegend versuche ich eine Persönlichkeit an den Tag zu legen, die anderen mit Respekt gegenüber tritt. Ich hasse Krieg und Kämpfe und besonders kotzen mich Kriege im Namen irgendwelcher Religionen an. Ich bin ein Fan von Lebensfreude und lebe jeden Tag, so gut ich es kann. Ich arbeite hart und investiere meine verdiente Freizeit in Dinge, die mein Leben verschönern. Musik, Filme und Motorradfahren gehören auf jeden Fall dazu. Ich denke, jeden Tag zu leben, als wäre es der letzte, ist eine gute Philosophie. Aber bei dem heutigen Alltagsstress hört sich das wie ein stupides Klischee an. Nun, ich glaube daran, dass es gut ist Dinge zu erschaffen, nicht sie zu zerstören. Und genau das ist der Grund, warum ich Musiker geworden bin.

Alex:
Was willst du mit PYRAMAZE ausdrücken?

Michael Kammeyer:
Ich will einige gute Geschichten zum Besten geben, mit denen sich einige Leute identifizieren können. Einfach gutes Entertainment.

Alex:
Was kannst du mir noch zu deinem Songwriting sagen? Stellst du deine fertigen Arrangements im Proberaum vor und ihr spielt lediglich gemeinsam ein? Oder hat jedes Bandmitglied sein Votum?

Michael Kammeyer:
Ich schreibe alle Songs für PYRAMAZE. Ich schreibe die Musik und die Texte. Wenn ich das Material fertig komponiert habe, rekrutiere ich die anderen. Dann arrangieren wir gemeinsam im Proberaum und feilen an der finalen Struktur der Songs. Das ermöglicht den anderen natürlich, eigene Ideen einzubringen.

Alex:
Wie sieht es mit Touraktivitäten im Jahr 2004 aus? Irgendwas für Deutschland geplant?

Michael Kammeyer:
Wir bestreiten eine Mini-Eurotour im September. Im Zuge dessen werden wir auch in Deutschland Station machen. Dort werden wir auf jeden Fall im Hamburger "Headbangers Ballroom" gastieren. Genaue Daten und Locations kannst du aber unter http://www.pyramaze.com einsehen.

Alex:
Grenz mal deinen Musikgeschmack genauer ein!

Michael Kammeyer:
Ich höre denselben Stil, dem PYRAMAZE frönt und dazu noch haufenweise Moviescores.

Alex:
Ich danke dir für das Interview, Michael. Grüß die anderen und lasst euch gestärkt auf der Tour blicken.

Michael Kammeyer:
Danke dir, vor allem für die Chance, uns mit diesem Interview in Deutschland vorzustellen.

Redakteur:
Alex Straka

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