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PRAYING MANTIS: Interview mit Chris Troy

12.07.2009 | 15:45

Die britischen Soundcheck-Stürmer zu ihrem großartigen Comeback-Album "Sanctuary", das Melodic-Rocker und Metalheads gleichermaßen begeistern kann!




Sechs Jahre nach ihrem letzten Studioalbum ist es den britischen Melodic-Rockern von PRAYING MANTIS mit ihrem achten Studioalbum "Sanctuary" gelungen, unseren Soundcheck im Sturm zu nehmen. Dass ich von der Scheibe auch sehr begeistert bin, das könnt ihr meinem Review entnehmen. So ist es eine Ehrensache für uns, die Band zum ersten Mal zum Interview mit unserem Magazin zu bitten. Bassist und Gründungsmitglied Chris Troy stand uns Rede und Anwort!

Rüdiger Stehle:
Mit eurem neuen Album "Sanctuary" habt ihr es in unserem Soundcheck auf Rang 4 von 30 geschafft und im Review habt ihr 9.5 von 10 Punkten bekommen. Gratulation dazu! Ist es eigentlich normal für euch, dass ihr in einem Heavy-Metal-Magazin so gut abschneidet, oder ist das eine Ausnahme?

Chris Troy (Foto oben):
Zum Glück scheint das mit diesem Album der Regelfall zu sein. Aber normalerweise sind wir das nicht gewohnt. Es ist aber ein Wandel, der uns sehr willkommen ist.

Rüdiger Stehle:
Wie waren die Reaktionen auf "Sanctuary" denn so im Allgemeinen? Gab es viel positives Feedback von Fans und Medien?

Chris Troy:
Ja, es war bisher fantastisch! Nachdem wir die endgültigen Mixes bekamen, dachten wir, dass dieses Album irgendwie etwas Besonderes sei, und das hat sehr viel mit dem Produzenten Andy Reilly zu tun, der wirklich das Beste aus den Songs heraus geholt hat. Als wir dann zurück zu Hause im UK waren, war es toll, so viel brillantes Feedback zu bekommen. Und zwar von jedem, dem wir es vorgespielt haben. Wir hoffen, dass diese wirklich positiven Rückmeldungen anhalten!

Rüdiger Stehle:
In meinem Review hab ich festgestellt, dass das Album einige härtere Momente hat, wenn man es mit den beiden Vorgängern vergleicht. Sowohl instrumental als auch beim Gesang. Auch wenn man sich das Artwork und die recht düsteren Lyrics anschaut. Stimmst du mir zu, dass "Sanctuary" mehr nach vorne losgeht und intensiver ist als "The Journey Goes On", oder liege ich hier falsch? Beschreibe doch bitte kurz eure Entwicklung von "Nowhere To Hide" über "The Journey Goes On" zum neuen Album!

Chris Troy:
Zweifellos gibt es einige härtere Songs und Abschnitte auf "Sanctuary". Wir sind überzeugt, dass wir so auch ein viel größeres Spektrum von Fans erreichen können. Das gilt auch für die Lyrics, die in einigen Songs wirklich dunkler und schwermütiger sind. Ich glaube, dass "Sanctuary" in dieser Hinsicht ein großer Schritt nach vorne gegenüber den beiden Alben ist, die du genannt hast. Es sieht so aus als wäre unser Sound um eine neue Dimension erweitert worden.

Rüdiger Stehle:
Haben einige Lyrics oder das Album insgesamt eine spezielle Botschaft?

Chris Troy:
Es gibt einige sehr tiefgründige Messages in den Texten und das Album-Cover-Konzept hilft auch sehr dabei, diese Message rüber zu bringen. Der Song 'Sanctuary' handelt zum Beispiel davon, seinem Leben zu entfliehen und in einer anderen dimensionalen Ebene eine Alternative zum bisherigen Leben zu finden. An solche Dinge glauben manche Menschen vielleicht.


Rüdiger Stehle:
Es hat fast sechs Jahre gedauert, bis ihr das neue Album an den Start bringen konntet. Warum so lange? War es schwierig ein neues Line-up auf die Beine zu stellen, nachdem Bruce Bisland und Tony O'Hora ausgestiegen waren?

Chris Troy:
Manchmal bekommt man durch so einen Bruch die Möglichkeit, die Dinge aus einer neuen Perspektive zu sehen. Genau das ist hier passiert. Ich glaube wir waren ein wenig Schach gesetzt und die Personalfragen schlugen auf die Musik durch. Die relativ lange Pause gab uns dann die Möglichkeit, die Denkmuster und Schreibstile zu bereinigen. Außerdem förderten Andy und Mike das Songwriting und brachten einiges an frischem Wind ein, sowohl als Bandmitglieder als auch beim Schreibvorgang.

Rüdiger Stehle:
Ihr hattet über die Jahre sehr viele Wechsel im Line-up. Vor allem die Position des Lead-Sängers wechselte sehr oft. Das Line-up mit O'Hora und Bisland war indes recht stabil. Warum zerbrach es 2001?

Chris Troy:
Wow, ist das wirklich schon so lange her? Ja, das war wahrscheinlich eine unserer stabilsten Besetzungen, die zweifellos einige gute Alben hervor gebracht hat. Aber wie so oft sind es dann die Persönlichkeiten, die einen Keil dazwischen treiben. Bei Tony lief im Leben scheinbar einiges ziemlich schief, und MANTIS trat eben in den Hintergrund, während er versuchte, das wieder auf die Reihe zu bekommen. Nach und nach teilte sich die Band dann in zwei Fraktionen mit Bruce und Tony auf der einen Seite und Tino, Dennis und mir auf der anderen Seite. Ich glaube, dass das eine sehr häufige Entwicklung für Bands ist und sogar viele gute Bands viel zu früh zerstört.

Rüdiger Stehle:

Dennis Stratton war von 1991 bis 2005 mit euch in der Band. Warum ist er nicht mehr dabei?

Chris Troy:
Das ist wirklich schwer zu sagen, weil sich das alles in der Schlummerphase der Band ereignete. Zwischen "The Journey Goes On" und "Sanctuary". Es war wirklich nicht viel zu tun für MANTIS, als wir einfach mal genau feststellen wollten, wo wir stehen. Während dieser Zeit haben wir und Dennis uns einfach auseinander bewegt, ohne dass es einen wirklichen Anlass oder Streit gegeben hätte. Das mag komisch klingen, aber genau so ist es passiert.

Rüdiger Stehle:
Nach den ganzen Line-up-Geschichten war ich sehr gespannt, wie ihr euch beim Bang Your Head im Juni 2007 präsentieren würdet, und der Auftritt hat mich echt umgehauen. Das war die selbe Magie wie damals 2000 in Wacken bei dem Gig, der mich zum überzeugten PRAYING-MANTIS-Fan gemacht hat. Wie war der BYH-Auftritt aus eurer Sicht?

Chris Troy:
Das war eine fantastische Erfahrung. Es war bisher in der Tat jedes Mal toll, wenn wir in Deutschland gespielt haben. Wir lieben es, bei euch zu spielen. Scheint unsere wahre Heimat zu sein! Die Fans sind zweifellos ansprechbarer und stecken tiefer in ihrer Musik als im Vereinigten Königreich.

Rüdiger Stehle:
Normalerweise bin ich gar kein so großer Fan von AOR und Melodic Rock, aber PRAYING MANTIS war immer eine der wenigen Bands in diesem Genre, die ich wirklich gern hatte. Ich habe den Eindruck, dass das vielen anderen Heavy-Metal-Fans auch so geht. Das sieht man an unserem Soundcheck ebenso wie an den Reaktionen der Fans auf Wacken, Bang Your Head, Headbangers Open Air und so weiter. Was ist deiner Meinung nach der Grund dafür, dass PRAYING MANTIS so eine populäre Band bei Leuten ist, die normalerweise viel härtere Sachen hören? Hat das mit euren Wurzeln in der NWoBHM-Zeit zu tun, oder liegt es einfach daran, dass ihr ein überzeugender Live-Act seid?

Chris Troy:
Erstmal danke für die tolle Einschätzung. Einige dieser Shows sind wirklich auf harte und schwere Musik ausgelegt und zweifellos haben wir uns manchmal Sorgen gemacht, nach einer solch harten Band auf die Bühne zu gehen und den Leuten dann zweistimmige Leadgitarren und vierstimmige Gesangsharmonien vorzusetzen. Aber dankenswerter Weise scheint es so zu sein, dass die armen Ohren der Leute auch mal dankbar dafür sind, zeitweilig ein wenig schonender behandelt zu werden. Also lassen sie sich darauf ein. Gott sei Dank, denn sonst hätten sie uns wohl mit Bierdosen beworfen!

Rüdiger Stehle:

Ihr habt öfters in Japan getourt, aber so weit ich mich erinnern kann, gab es abgesehen von den Festival-Gigs keine größeren Touraktivitäten in Deutschland oder Europa. Wie sehen hier die Pläne für die Zukunft aus? Es dürfte dieser Tage schwer sein eine reguläre Hallentour halbwegs voll zu bekommen.

Chris Troy:
Ich glaube, dass es auch dieses Mal wieder diverse Festivals sein werden, und dazu ein paar Dates bei denen wir einen großen Act supporten. Es ist leider ohne Zweifel heute sehr teuer, auf Tour zu gehen. Dazu ist das Geld gerade knapp,  und die Fans drehen den hart erarbeiteten oder ersparten Penny zu recht zweimal um. Das kann man ihnen nicht vorwerfen.

Rüdiger Stehle:
Zurück zum neuen Album. Ich finde, dass Mike Freeland (Foto links) hier einen tollen Job abliefert und seine Stimme sehr vielfältig einsetzt. Wo hat Mike eigentlich vorher gesungen, und wie schwer war es, einen Sänger zu finden, der so gut zu euch und euren typischen mehrstimmigen Gesangsarrangements passt?

Chris Troy:
Mike war vorher in einer Band namens DANGEROUS BREED, die mit dem Produzenten Chris Tsangarides zusammen gearbeitet hat. Sie hatten einiges gutes Material, aber als wir hörten, dass bei ihnen nichts voran geht, haben Tino und ich Mike gefragt, ob er mal versuchen wolle, ein paar Demos neuer MANTIS-Stücke einzusingen. Wir hörten dann, dass er Potential hat, auch wenn wir zugegebenermaßen nicht sofort geplättet waren. Dann ist er nach und nach in das hinein gewachsen, was wir von ihm hören wollten. Auf dem "Sanctuary"-Album passte dann plötzlich alles. Fast als wäre seine Stimme über Nacht gereift.

Rüdiger Stehle:

Kürzlich wurde das STRATUS-Album über Krescendo Records neu aufgelegt. Wart ihr daran beteiligt, oder ist das auf anderer Leute Mist gewachsen?

Chris Troy:
Das haben andere Parteien ausgeheckt, die in diesen harten Zeiten einfach ein paar Pennys extra verdienen wollen. Das Dumme ist, dass keiner dieser Pennys in unsere Taschen wandert!

Rüdiger Stehle:

Was Labels angeht: Wie zufrieden seid ihr mit der Arbeit von Frontiers? Für mich sieht es durchaus so aus, als hättet ihr erst durch sie den wirklichen Durchbruch in Deutschland und weiten Teilen Europas geschafft.

Chris Troy:
Frontiers waren in der Tat schon seit vielen Jahren Fans der Band und daher ist das für uns mehr als nur eine Arbeitsbeziehung. Es gibt keinen Zweifel, dass ihr Beitrag zu diesem Album sehr gut war, da sie uns in die richtige Richtung leiteten und sicher stellten, dass die Songs vom richtigen Kaliber waren, bevor wir ins Aufnahmestudio nach Atlanta gingen.

Rüdiger Stehle:

Warum hat es so lange gedauert, bis ihr einen vernünftigen Deal bekommen habt, um eure Alben auch außerhalb von Japan vertreiben zu können?

Chris Troy:
Das Musikgeschäft ist eine haarige Angelegenheit, aber das ist vielleicht nur eine Ausrede und wir waren selbst zu faul und träge, um das voran zu treiben. Man kann sich einfach nicht zurück lehnen und warten, bis die Verträge zu dir kommen. Dieses Mal sind wir komplett anders drauf!

Rüdiger Stehle:
Was steht denn so als nächstes an, im PRAYING MANTIS-Camp?

Chris Troy:
Nun, es ist einiges los hier, weil wir gerade einige Shows in Großbritannien und Europa vorbereiten. Dann geht es Anfang November auf Tour nach Japan. Es macht alles sehr viel Spaß und die Stimmung in der Band ist definitiv umtriebig und gut gelaunt!

Rüdiger Stehle:

Wenn du unseren Lesern noch was mit auf den Weg geben möchtest, dann schieß los!

Chris Troy:
Ich glaube, ich habe es vorher schon gesagt: Ihr deutschen Fans habt auf jeden Fall das geneigtere Ohr und wir danken Gott dafür, dass ihr uns so gut aufnehmt. Wir freuen uns sehr darauf, euch sehr bald wieder zu sehen!

Rüdiger Stehle:
Vielen Dank für das Interview, Chris! Ich hoffe wir sehen uns bald auf Tour!

Chris Troy:
Und ich danke dir für das tolle Review zum Album!




PRAYING MANTIS von links nach rechts:
Chris Troy (b,v) - Tino Troy (g,v) - Andy Burgess (g,v) - Benjy Reid (d) - Mike Freeland (v)






















20090712

Redakteur:
Rüdiger Stehle

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