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One Nation Underground: ETOX

05.04.2016 | 11:31

Lecker lecker bayrisches Prog-Bier!

Bandname: ETOX
Genre: Instrumentaler Progressive Metal
Bandmitglieder: Sebastian Unterstein (Gitarre), Matthias Pittrich (Gitarre), Stephan Weigel (Bass), Simon Japha (Schlagzeug)
Bisherige Veröffentlichungen: Deepwater Rising (2011), Oriana (2013)
Internet: Facebook, Bandcamp, Homepage
Land: Deutschland
Stadt: München

Das erste Mal überhaupt nehme ich für meinen Wunsch, meine Lieblingsbands live zu sehen, das Heft selbst in die Hand und organisiere ein Konzert für die knuffigen Vorarlberger MAYFAIR. Doch eine außergewöhnliche Band braucht einen starken lokalen Support und so wühle ich mich stundenlang durch Homepages von Münchner Bands. Hier finde es ich so einige, die es wert wären, vorgestellt zu werden, doch beim Hören von ETOX schwillt das Euphorie-Level so derart an, dass ich es kaum fassen kann. Eine so grandiose Band quasi vor der Haustür?

Matthias, bitte erkläre mir, wie es sein kann, dass ich euch noch nicht kenne?

Haha, wir sind so tief im Underground verbuddelt, da ist es schwer uns zu entdecken. Spaß beiseite, wir spielen einfach relativ selten und machen meist auch nicht übermäßig viel Werbung für unsere Konzerte. Facebook und Mundpropaganda sind da unsere gängigen Mittel. Der Kreis der Leute, die uns kennen, wächst zwar langsam und stetig an, aber wenn man wenig spielt, dann wird man auch kaum bekannter, so ist das leider.

Könnt ihr euch mal kurz vorstellen? Seit wann existiert ETOX? Was ist eure Historie und was eure musikalische Vision?


Klar, gerne. ETOX hat eine längere Geschichte, wir sind quasi kurz nach dem Urknall entstanden. Urknall, Kulturknall, wir. Die Anfänge der Band liegen noch vor 2006, gegründet als Schulband. Darauf folgten Besetzungswechsel, zwei Demo-Alben ("Untitled" und "Metacognition"), Stilwechsel und weitere Besetzungswechsel. Ich kam zum Beispiel erst 2009 dazu. 2011 erschien dann das Album "Deepwater Rising", damals noch mit Sänger. Daraufhin widmeten wir uns, durch die positiven Reviews motiviert, dem Songwriting für das Album "Oriana". Leider erkrankte unser Sänger in dieser Zeit schwer, so dass alle Songs erst mal ohne Gesang geschrieben wurden. Als unser Sänger wieder auf den Beinen war, war auch ein Großteil des Albums instrumental fertig. Da so eine schwere Krankheit doch sehr prägt und vieles verändert, entschied sich unser Sänger damals dafür, nicht weiter Teil der Band zu sein. Wir haben das natürlich akzeptiert und uns dann dafür entschieden, das Album instrumental zu veröffentlichen. Dazu mussten ein paar Songs überarbeitet werden, aber es hat sich gelohnt. So konnte "Oriana" im Herbst 2013 dann nach zwei Jahren endlich veröffentlicht werden. Leider kam es kurz darauf zu persönlichen Differenzen in der Band und zu deren Auflösung. Doch anscheinend schien das dem Metal-Gott nicht so sehr zu gefallen, weshalb er uns im Frühjahr 2014 nicht nur die Motivation zum Weitermachen schickte, sondern in Person von Simon auch ein neues Mitglied. Und so war unser Quartett wieder vervollständigt.

Eure Musik hat ja keine Lyrics und ist gänzlich instrumental. Dennoch habe ich den Eindruck, sie will mir etwas erzählen. Möchte sie denn etwas erzählen und was?


Gute Frage. Ich bin der Meinung unsere Musik, aber auch Musik generell, erzählt auf jeden Fall etwas. Für uns als Musiker ist das Instrument ja nur ein Umweg, um die Stimmungen und Gedanken, die wir haben, nach außen zu transportieren und zu verarbeiten. Ein Sänger schreibt einen Text und macht damit oft klar, was er denkt und fühlt. Bei einem Instrument ist das nicht so einfach erkennbar, aber trotzdem vorhanden. Ich bin mir aber nicht sicher, ob man unsere Gedanken überhaupt entschlüsseln sollte, nicht dass wir noch eingeliefert werden, haha... Das ist das Schöne an instrumentaler Musik: Jeder kann völlig frei interpretieren, wo die Reise hingehen soll und was erzählt wird. Das ist ähnlich wie bei einem abstrakten Bild. Jeder sieht etwas anderes und der Künstler ließ sich bei der Erschaffung oft von seinen momentanen Stimmungen treiben und kam so zu einem Ergebnis.

Kannst du versuchen, euren Sound etwas näher zu beschreiben? Was sind eure Einflüsse und eure Lieblings-Bands?

Uns ist es wichtig, dass die Musik vielseitig und interessant ist. Vor allem, wenn man keinen Sänger hat, ist das manchmal gar nicht so einfach. Aber da jeder von uns im Laufe der Zeit viele verschiedene Interpreten und Genres gehört und gespielt hat, gelingt es dann doch irgendwie. Die Musik soll progressiv und verspielt sein, aber nicht aufgesetzt wirken. Musik um der Musik willen und keine technische Freak-Show. Ziel ist es im Endeffekt, komplexe Musik zu schreiben, die aber nicht so klingt. Unsere Einflüsse sind wie gesagt sehr breit gefächert. Jeder von uns hat bereits in Jazz-Bands gespielt, unser Schlagzeuger Simon ist mit dem Akkordeon in den Welten der lateinamerikanischen Musik unterwegs. Steve und Basti spielen noch in einer Hochzeits- und Partyband und verkaufen ihre Seele für viel Geld an die Popkünstler dieser Welt. Ich selbst spiele ganz gerne noch etwas klassische Gitarre. Wenn es um die Lieblingsbands geht, merkt man aber schon deutlich, dass wir eigentlich alle im Metalbereich zu Hause sind. Zu unseren größten Einflüssen gehören TOOL, OPETH, DREAM THEATER, PORCUPINE TREE und STEVEN WILSON, KATATONIA, MESHUGGAH, GOJIRA, HACRIDE und noch ein paar mehr, aber das ist der Kern. Das sind quasi Hopfen, Malz und Wasser unseres Bieres, aber man muss es ja auch noch brauen.

Wie ich finde, braut ETOX extrem lecker. Aber das ist in Bayern ja eh nicht verwunderlich, oder? Das "Oriana"-Gebräu  ist ja schon von 2013 und danach wurde es um ETOX ruhig. Wie sind die Zukunftspläne?

Die Weltherrschaft und eine Yacht auf Kuba gehören auf jeden Fall dazu, aber das sind eher langfristige Ziele. Derzeit konzentrieren wir uns darauf, Songs für das neue Album zu schreiben. Da wir uns in der Regel nur einmal im Monat treffen, zieht sich das zwar etwas hin, aber wir rechnen damit, dass wir noch vor TOOL ein neues Album veröffentlichen werden. Ich könnte jetzt sagen, dass es in zwei Jahren ein neues Album gibt, aber es kann auch ganz anders kommen, von dem her bin ich da eher mal vorsichtig. Außerdem wollen wir weiter Auftritte spielen, lassen das aber eher auf uns zukommen, um das Songwriting nicht zu sehr zu bremsen. Wenn uns jemand fragt, sind wir gerne dabei, aber selbst stellen wir im Moment nichts auf die Beine. Ein weiteres, eher weiter in der Zukunft gelegenes Ziel ist es mal wieder eine kleine Tour zu machen, so wie das zuletzt 2013 bei der "Distraction Tour" der Fall war, aber das kommt dann vielleicht erst mit dem neuen Album.

Ein Merkmal der Münchner Musikszene ist ja, dass viele Musiker in mehreren Bands spielen. Sind die ETOXianer auch mehrfach involviert? Wenn ja, was ist der Reiz, in verschiedenen Bands zu spielen?

Ja, auch wir sind mehrfach involviert. Simon studiert an der Musikhochschule und hat dort zahlreiche Projekte und Gruppen. Als feste Band neben ETOX ist er mit dem NÄHMASCHINENQUARTETT (Jazz) aktiv. Früher war er noch bei UNVEILING THE SKIES (Metalcore) und VROUDENSPIL (Mittelalter), da hilft er auch noch manchmal aus. Bei HAGGARD (Mittelalter Metal) hat er auch schon mal ausgeholfen. Steve und Basti spielen wie schon erwähnt in einer Hochzeits- und Partyband. Die Band heißt LEIWAND und ist sehr empfehlenswert, wenn man nicht nur irgendeine, sondern eine absolut hammergeile Hochzeit feiern möchte! Ich spiele noch bei dem Impro-Theater BÜHNENPOLKA mit. Dort bin ich für den Soundtrack zuständig und untermale die Handlungen der Schauspieler spontan und improvisiert mit Musik. Außerdem bin ich seit kurzem in eine neu formierte Band eingestiegen, die sich aus ehemaligen Mitgliedern der Bands APRON und GRANTIG formiert hat. Da soll noch dieses Jahr das erste Album veröffentlicht werden, mehr kann ich dazu aber leider noch nicht sagen.
Zu deiner zweiten Frage, was der Reiz daran ist in mehreren Bands zu spielen: Musik macht einfach extrem viel Spaß, folglich hat man mehr Spaß, wenn man mehr Musik macht. Man könnte natürlich mit einer Band mehr spielen, aber so einfach ist das nicht. Außerdem ist es so, dass jedes Bandmitglied einen neuen Einfluss und damit auch eine neue Richtung in die Band bringt. Das liegt einfach daran, wie jeder Einzelne musikalisch aufgewachsen ist und wo die persönlichen Interessen liegen. Also kann man sagen, dass die große Bandbreite der Genres und der Mitmusiker den Reiz ausmacht, in verschiedenen Bands zu spielen. Hinzu kommen dann noch eher praktische Gründe wie Professionalität der Band (Hobby, semiprofessionell...), die verfügbare Zeit der einzelnen Bandmitglieder (Familie, Beruf...) und der Spaß daran, mit mehreren verschiedenen Freunden zusammen Musik machen zu können.

Was können die MAYFAIR-Fans am 16. April von ETOX erwarten?

Einen Sänger, der keinen einzigen Ton trifft, haha... Ich denke sie können eine Show mit vielseitiger Musik, mitreißenden Riffs und Power erwarten. Wir haben einfach riesige Freude daran, auf der Bühne zu stehen. Ich denke das merkt man auch im Publikum, und das reißt die Leute hoffentlich mit. Wir haben 45 Minuten Spielzeit, das heißt genug Zeit um fast das komplette Album "Oriana" zu spielen. Manchmal gefällt es den Konzertbesuchern sogar so gut, dass sie sich ein Exemplar des Albums kaufen.

Das hoffe ich doch mal schwer. Ein bayrisches Helles auf ETOX!

ETOX live gibt es hier zu sehen: A NIGHT TO REMEMBER mit MAYFAIR und [SOON], 16. April 2016, München, Garage deluxe. See you there.


Bandfotos: Michl Winterer (EmotionalPhotoArt)

Redakteur:
Thomas Becker

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