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NOCTURNAL BREED: Interview mit Destroyer

13.11.2007 | 21:24

NOCTURNAL BREED: Metal to the bone!

Die norwegischen Thrash/Black-Rock'n'Roller NOCTURNAL BREED sind seit einiger Zeit endlich mit einem neuen Studioalbum am Start, das auf den Namen "Fields Of Rot" hört. Bis die Scheibe veröffentlicht werden konnte, mussten etliche Hürden überwunden werden. Sänger und Bassist Destroyer (kurz: "D.") beantwortete bereitwillig meine Fragen zur neuen Scheiblette. Metal on!


Martin:
Hi Destroyer! Euer neues Album "Fields Of Rot" ist klasse geworden. Wann habt ihr eigentlich mit den Aufnahmen selbst begonnen?

Destroyer:
Ja, danke für das Lob. Wir haben das erste Demomaterial für diese Album Anfang 2005 aufgenommen. Wir haben sechs Lieder auf das Tape gehämmert um zu sehen, wie sie rüberkommen. Zu dieser Zeit waren wir bei "Painkiller Records" unter Vertrag und wir hatten schon einige Jahre lang Ärger mit diversen Plattenfirmen gehabt. Von daher wollten wir einfach einige Zusicherungen in Bezug darauf haben, wie das neue Album veröffentlicht werden wird.

Kurze Zeit danach hatten wir einen Besetzungswechsel und unser neuer Gitarrist A. E. Rattlehead wurde Bandmitglied. Fast zeitgleich haben wir uns von Painkiller Records getrennt, weil wir Meinungsverschiedenheiten in Bezug auf die Arbeitsweise an unserem neuen Album hatten. In den Monaten nach dem Sommer 2005 haben wir einiges an Zeit mit dem Schreiben und Proben neuer Lieder für das Album verbracht und uns darauf vorbereitet, die Songs im Studio aufzunehmen. Wir sind im November 2005 ins "Deadringer Studio" und haben dort, immer mal wieder, innerhalb von sieben Monaten das "Fields Of Rot"-Album aufgenommen. Wir haben uns so viel Zeit genommen, weil wir zu dieser Zeit keine Plattenfirma hatten und wir das Gefühl hatten, dass wir einfach die Zeit und den richtigen Ort gewählt hatten, um richtig akribisch aufzunehmen. Derart diszipliniert haben wir noch nie mit NOCTURNAL BREED Lieder aufgenommen.

Martin:
Wie seid ihr denn beim Label "Agonia Records" gelandet?

Destroyer:
Ende 2006 haben wir damit begonnen, den Markt nach einer neuen Plattenfirma abzusuchen. Wir verschickten etwa zehn bis fünfzehn Vorab-CDs unserer neuen Scheibe an verschiedene Labels, von denen wir gerne unter Vertrag genommen werden wollten beziehungweise von denen wir gehört hatten, dass sie für gute und seriöse Arbeit in ihrer Branche bekannt sind. Wir bekamen verschiedene Angebote zu dieser Zeit. Aber Agonia boten uns den definitiv besten Deal. Wir haben als bei ihnen im Januar 2007 unterzeichnet. Die Zusammenarbeit mit Agonia Records ist seitdem hervorragend und ein echtes Vergnügen für uns. Insbesondere wenn man berücksichtig, dass wir mehrere Jahre dauernde Streitigkeiten und Kämpfe mit einigen unseriösen Plattenfirmen hinter uns hatten.

Martin:
Das ist schön zu hören, dass ihr nun mir eurem neuen Label zufrieden seit. Aber warum hat es denn sooo lange gedauert, um "Fields Of Rot" zu veröffentlichen? Ich meine, euer letztes Studioalbum "Tools Of The Trade" erschien doch schon im Jahr 2000.

Destroyer:
Also, wie ich schon sagte: Wir haben leider mehrere Jahre damit zubringen müssen, mit Plattenfirmen herumstreiten zu müssen, die uns mit ihren beschissenen Ansichten und ihrer unprofessionellen Arbeitsethik regelrecht gef...t hatten. Das alles reicht bis zum Beginn des Jahres 2001 zurück. Wir mussten damals "Holycaust Records" feuern, weil sie ihre Arbeit einfach nicht vernünftig gemacht hatten. Danach unterzeichneten wir beim belgischen Label "Painkiller Records". Aber nach einer Weile geriet da auch alles ins Stocken. Wir haben mehrere Jahre damit verbracht, wieder die Kurve zu kriegen. Derweil hatten wir begonnen, winzige 7'-Vinyl-Singles zu veröffentlichen, anstatt auf Tour gehen zu können. Als dann schließlich unser Boxset im Jahr 2005 veröffentlicht wurde [Destroyer meint die gelungene 5er Box "The Remasters" - Anm. d. Verf.] dachten wir, dass wir endlich ins Studio gehen könnten, um ein neues Studioalbum aufzunehmen. Aber Painkiller hatten nicht dieselben Ideen, die wir hatten, wie das Album klingen sollte. Also haben wir nach einer Weile unseren Vertrag mit denen gekündigt. Wir entschlossen uns dazu, das Album ohne Labelunterstützung anzugehen. Um diese Zeit herum kam auch unser neuer Leadgitarrist A. E. Rattlehead in die Band. Und es kostet natürlich auch etwas Zeit, ein neues Bandmitglied zu integrieren. Er muss ja auch unser Selbstverständnis als Band teilen. Viele Songs, die nun auf dem Album sind, lagen einige Jahre auf Eis. Im Rahmen dieser Entwicklungen hat es ja fast sieben Jahre gedauert, bis nun unser neues Album "Fields Of Rot" herausgekommen ist. Hoffentlich werden wir einige weitere Studioalbum innerhalb eines viel kürzeren Zeitraums in den nächsten Jahren aufnehmen können, hehehe.

Martin:
Das hoffe ich! Sag mal, warum ist denn die Spielzeit von "Fields Of Rot" derart kurz (nur 32 Minuten) ausgefallen? Gerade vor dem Hintergrund, dass sieben Jahre zwischen dem neuen Album und "Tools Of The Trade" liegen.

Destroyer:
Haha, da bist du nicht der Erste, der mich das fragt. Aber es gibt keine echte Antwort auf diese Frage. Wir haben einfach die Lieder aufgenommen, die wir in der Warteschleife hatten. Wir hätten eigentlich mindestens zwei extra Lieder draufpacken sollen [Meine Rede! - Anm. d. Verf.]. Wir hatten noch einige Tracks mehr auf dem Reißbrett, aber als wir aufnahmen und das Ganze gemixt und gemastert hatten, hatten wir das Gefühl, dass die Scheibe an Intensität einbüßen könnte, wenn wir weitere Songs draufpacken. Wir haben auch einen Coversong: 'Metal Church' von METAL CHURCH, den wir während der Studioaufnahmen zu "Fields Of Rot" aufgenommen haben. Aber der hatte nicht die Intensität, nach der wir strebten. Wir haben auch darüber nachgedacht, ein Intro zu verwenden und zwei weitere "Liedfragmente", aber von dieser Idee sind wir während des Mixens abgekommen. Unser Motto für dieses Album lautet: "Es ist besser, dass die Fans mehr von uns wollen, als dass sie uns satt haben". Aber ich verspreche dir, dass das nächste Album wieder etwas länger sein wird.

Martin:
Meiner Meinung nach klingt dein Gesang auf "Fields Of Rot" hörbar aggressiver als auf früheren NOCTURNAL BREED-Veröffentlichungen. Würdest du mir da zustimmen?

Destroyer:
Ja, das finde ich auch. Ich hatte ja mehr Zeit, Agressionen anzusammeln. Das wird auch durch die Texte etwas reflektiert. Die Texte von "Fields Of Rot" sind die aggressivsten, die ich je geschrieben habe. Und als ich die Lieder aufnahm, habe ich tief in mich hineingehört und diese Gefühle zum Ausdruck gebracht. Ich denke, dass man es hören kann, dass ich generell sehr angepisst und ziemlich aggressiv auf der neuen Scheibe klinge. Natürlich hat sich auch mein Stimmumfang innerhalb der letzten sieben Jahre seit "Tools Of The Trade" verändert. Ich hatte Zeit, um meine Stimme zu trainieren und daran zu arbeiten. Das kann man auf verschiedenen Titeln nachhören, bei denen ich einen Gesangsstil einsetze, den ich nie zuvor eingesetzt habe.

Martin:
Besonders 'Iron Bitch' klingt fast wie ein verloren gegangener Titel von einer Aufnahmesession zur MOTÖRHEAD-Scheibe "Sacrifice". Komponiert ihr so einen Titel einfach und stellt ihr dann fest, dass er an MOTÖRHEAD erinnnert oder ist 'Iron Bitch' speziell geschrieben worden, um Lemmy und Co. Tribut zu zollen?

Destroyer:
Wir haben nie bewusst einen MOTÖRHEAD-artigen Titel geschrieben. Aber wir sind natürlich von Rock'n'Roll-artigen Bands wie MOTÖRHEAD sehr beeinflusst worden. Dieser Titel entstand in unserem Proberaum aus einem Jam, den wir aus einigen Riffs entwickelten, mit denen unser Gitarrist Ben Hellion ankam. Nach einiger Zeit fiel uns auf, dass 'Iron Bitch' schon irgendwie ein MOTÖRHEAD-Feeling besitzt. Wir waren auch der Meinung, dass wir eine Fortsetzung zum Titel 'Locomotive Death' von unserem Debütalbum "Aggressor" (1997) machen sollten. Auch deshalb, weil 'Locomotive Death' ein großer Erfolg gewesen war. Ich habe also, als ich den Gesangsteil entwickelt habe, versucht mich in einen Gemütszustand zu versetzen, in dem sich Lemmy befindet. Wenn du dir den Text durchliest, dann verstehst du, was ich damit meine. 'Iron Bitch' ist auf jeden Fall der Titel, der durch seine "Andersartigkeit" aus dem Album hervorsticht. Aber die Reaktionen auf 'Iron Bitch' waren bis jetzt der Hammer. Man könnte also sagen, dass dieser Titel eine Art von Tribut ist. Dergestalt, dass MOTÖRHEAD uns in der Art beeinflusst haben, wie wir in all den Jahren Dinge gefühlt und erlebt haben. Ich hoffe wirklich, dass Lemmy 'Iron Bitch' mal zu hören bekommt.

Martin:
Habt ihr schon Lieder für eine weitere NOCTURNAL BREED-Scheibe geschrieben?

Destroyer:
Ja klar. Wie schon gesagt haben wir einige Lieder von den Sessions zu "Fields Of Rot" nicht verwandt. Diese Stücke und das Zeugs, dass wir seit Abschluss der Aufnahmen geschrieben haben - das sind wahrscheinlich etwa fünfzehn neue Stücke, die mehr oder weniger fertig sind. Wir hoffen dazu in der Lage zu sein, diese Lieder innerhalb eines Zeitraums von etwa einem Jahr aufzunehmen. Und ich garantiere dir: Da sind echt einige Killerstücke mit dabei! Das neue Album ist so gut geworden, dass es wirklich einen Zündfunken in Bezug auf unsere musikalische Kreativität entfacht hat.

Martin:
Wird es auch eine Tour geben? Besonders durch Deutschland?

Destroyer:
Zur Zeit haben wir keine Tour geplant. Aus familiären Gründen und dem Umstand heraus, dass Ben Hellion in Los Angeles, U.S.A. lebt und dass ich bald zwangzig Stunden mit dem Auto von Oslo entfernt im Norden von Norwegen leben werde, werden wir uns nur darauf fokussieren, neue Musik zu schreiben. Wir haben viel Zeit damit verbracht, jahrelang live zu spielen. Von daher ist es uns wichtiger, neue Alben aufzunehmen als ständig auf Tour zu sein. Auch um die sieben Jahre verlorene Zeit auszugleichen, die es gedauert hat, "Fields Of Rot" herauszubringen. Wenn wir auf Tour gehen, dann steht Deutschland natürlich auf unserem Plan. Wir hatten immer sehr gute Publikumsreaktionen von den deutschen Metalheads.

Martin:
Und wie sieht es dann mit den Chancen aus, NOCTURNAL BREED auf Festivals in Begleitung einiger leichtbekleideter Damen auf der Bühne zu sehen? So wie in "alten Zeiten"?

Destroyer:
Ich denke, dass die Chancen, dass du uns nächstes Jahr auf Festivalbühnen siehst, viel größer sind, als dass wir eine normale Tour machen. Es wäre klasse, auf einigen der hammermäßigen Festivals zu spielen, die ihr da auf dem Kontinent habt. Was Stripperinnen angeht, sind wir uns nicht ganz sicher. Wir hatten in der letzten Zeit etliche Nachfragen, was das anbetrifft. Viele scheinen wohl noch immer daran interessiert zu sein, etwas nackte Haut und Metal auf einer Bühne zu erleben. Also ich hoffe schon, dass wir einige Stripperinnen mitbringen können, wenn wir einige Liveshows machen werden. Aber sie müssten wie ein Teil der Band wirken. Sie müssten das Feeling des neuen Albums visuell rüberbringen. Von daher würde es vielleicht einige nackte Mädels in Nonnen-Outfits mit Gasmasken und abgesägten Schrotflinten geben. Und die würden ihre knackigen norwegischen Pos schütteln, wenn ihr uns live seht, hehe.

Martin:
Vielen Dank für dieses Interview. So, die letzten Worte gehören dir!

Destroyer:
Haltet die Augen und Ohren offen nach noch mehr geilem Thrash Metal aus dem NOCTURNAL BREED-Camp. Und in der Zwischenzeit: Leiert mal einen "666"-Pack mit Bier auf, karrt den Whiskey heran, werft "Fields Of Rot" ein und lasst eurer Seele freien Lauf, während ihr eurer Freundin mit den Zähnen die Klamotten auszieht. ;)
Metal to the bone! - D.

Dem ist inhaltlich nichts hinzuzufügen!

Redakteur:
Martin Loga

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