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NARNIA: Interview mit Christian Rivel

01.01.1970 | 01:00

Die schwedischen Melodic-Metaller von NARNIA legen in diesen Tagen (Veröffentlichungstermin ist der 7. April - Anm. d. Verf.) ihr viertes Album vor, das den Titel "The Great Fall" trägt. Darüber hinaus wurden sie als Headliner für die Owener Rocknacht verpflichtet, da die US-Amerikaner von DISCIPLE aufgrund der Irak-Krise abgesagt hatten. Es gab also einige Gründe, einmal bei Sänger Christian Rivel (geb. Liljegren) nachzufragen...

Martin:
Hallo Christian, wie geht es dir und auch den anderen Jungs?

Christian:
Uns geht es allen hervorragend. Wir sind sehr glücklich und mit dem neuen Album sehr zufrieden. Es ist einfach ein gutes Gefühl wieder zurück zu sein und ein neues Album abliefern zu können. Wir sind sehr zuversichtlich und schauen mal, was denn so passieren wird. Wir waren jetzt gerade für ein paar Wochen in Finnland und es sind dort sehr viele Leute gekommen, und wir hatten einfach eine gute Zeit. Wir werden in ein paar Tagen auf einem Festival in Schweden, das sich Bobfest nennt, als Headliner spielen, und zwar am 14. März, und dann geht es am 29. März nach Deutschland, wo wir auf der Owener Rocknacht spielen werden. Wir freuen uns schon sehr darauf und planen auch, Live-Aufnahmen zu machen, und hoffentlich wird daraus dann eine Live-DVD. Außerdem haben wir schon Konzerte in Finnland für den späteren April und Mai gebucht, und im Moment setzen wir alles daran, dass es anschließend noch mit einer Tour mit SEVENTH AVENUE und ROB ROCK klappt. Du siehst also: Wir sind guter Dinge für dieses Jahr!

Martin:
Es gibt vielleicht noch immer Leute, die NARNIA nicht kennen. Kannst du mir vielleicht ein paar Worte zur Bandgeschichte sagen?

Christian:
Nun, die Bandgeschichte begann 1996, als Carl Johan Grimmark, der Gitarrist, und ich die Band gründeten. Wir beide hatten ein Faible für die gleiche Musik, wie RAINBOW, MALMSTEEN, EUROPE und ähnliches Zeug, und dieses Faible haben wir auch heute noch. Zu dieser Zeit war es allerdings sehr schwer, einen Plattenvertrag zu bekommen. Die Japaner mochten unsere Musik jedoch sehr, und so kam unser Debüt-Album zunächst über Pony Canyon heraus, und erst später folgten dann die Veröffentlichungen über Nuclear Blast.
Wir haben in der Folge sehr hart an uns gearbeitet, wir waren mit STRATOVARIUS auf Tour, wir waren mit RONNIE JAMES DIO auf Tour, wir haben einige Shows mit PINK CREAM 69 oder auch CHILDREN OF BODOM gespielt, wir haben wirklich hart gearbeitet und auch eine ganze Menge Headliner-Shows hier in Schweden und Finnland und auch in den Niederlanden gespielt. Wir waren immer eine Band, die sehr aktiv ist, und mit unserem vierten Album haben wir nun endgültig unsere eigene Identität gefunden, und wir sind wirklich sehr zufrieden, wie es schließlich geworden ist.

Martin:
Ich habe auf eurer Homepage gelesen, dass euer Keyboarder Martin Claesson die Band verlassen hat. Was kannst du mir denn über die Gründe sagen?

Christian:
Ja, das ist richtig. Er hat die Band aus dem einen Grund verlassen, dass er nicht mehr so viel Zeit für die Band opfern wollte. Es kostet eben mal sehr viel Zeit, wenn man live auftreten möchte. Wenn wir beispielsweise ein Konzert in Finnland spielen, dann kostet das eine ganze Woche, usw. Und Martin wollte einfach mehr Zeit zu Hause, bei seiner Familie verbringen. Wir wünschen ihm auf jeden Fall viel Glück! - Wir haben aber inzwischen auch schon einen neuen, fantastischen Keyboarder, Linus Kåse. Er spielt auch in einer sehr guten Progressive-Rock-Band, BRIGHTEYE BRISON, die ich unter anderem auch bei meinem Label Rivel Records unter Vertrag habe. Ich habe nämlich meine eigene Plattenfirma mit vielen jungen Bands, von Progressive Rock bis hin zu wirklich agressiven Metal.

(Es folgt eine mehrminütige Unterhaltung über Christians Plattenfirma Rivel Records und potentielle Vertriebswege in Deutschland, aber das erspare ich euch... ;-))

Martin:
Dann wollen wir mal über "The Great Fall" sprechen. Ich habe mir das Album inzwischen ein paar Mal angehört, und ich finde, dass es wirklich gut geworden ist.

Christian:
Vielen Dank.

Martin:
Und wenn ich das vorher richtig mitbekommen habe, dann seid ihr ja wohl auch sehr mit dem Ergebnis zufrieden, oder?

Christian:
Ja, ich bin wirklich sehr, sehr zufrieden mit dem Resultat, und die bisherigen Reaktionen waren auch absolut großartig. Jeder, der das Album schon gehört hat, hat gesagt, dass es das bislang beste Album von NARNIA wäre. Und für mich persönlich als Sänger ist es auch so, dass ich bisher noch nie so zufrieden war mit meinen Vocals wie dieses Mal. Der Hauptunterschied bei diesem Album ist, dass es richtig heavy ist, aber ebenso sehr melodisch ist. Nun, beispielsweise ist mein Lieblingssong auf dem Album "Back From Hell", ein sehr riff-orientierter Song, wobei aber die Strophen sehr melodisch sind. Ich finde das großartig!

Martin:
Mit welchen Erwartungen blickst du auf den Veröffentlichungstermin? (07.04.2003 - Anm. d. Verf.)

Christian:
Ich kann es gar nicht mehr erwarten, bis das Album endlich erscheint. Ich freue mich wirklich auf den Veröffentlichungstermin und bin schon sehr gespannt, wie die Reaktionen auf das Album ausfallen werden. In jedem Fall werden wir weiterhin hart arbeiten, um auch die bestmögliche Promotion zu erreichen, und wir werden hoffentlich auch möglichst viele Konzerte spielen.
Ich kann es auch gar nicht erwarten, wieder nach Deutschland zurück zu kommen, denn es ist schon eine geraume Zeit her, dass wir in Deutschland waren. Wir haben es irgendwie nicht geschafft, in Deutschland zu spielen. Wir haben zwar viele Konzerte in Schweden und Finnland und diesen Ländern gespielt, aber eben immer nur in Skandinavien und nicht in Deutschland. Und deshalb ist es ein gutes Gefühl, wieder zurück zu sein.

Martin:
Hast du denn schon ein paar Reaktionen gehört, beispielsweise aus der Presse? Wie denken diese Leute über das Album?

Christian:
Ja, ich habe schon ein paar Reaktionen von Leuten gehört, die ein Promo-Exemplar bekommen haben, und sie waren ziemlich begeistert. Ich weiß zum Beispiel, dass Sandra vom Metal Heart von unserem Album sehr angetan war, und sie wird ihm wohl 8 1/2 von 9 Punkten geben. Bei einigen anderen haben wir auch beinahe die Höchstpunktzahl erreicht, und so bekommen wir zum Beispiel von RockUnited.com aus den Niederlanden 9 von 10 Punkten. Wir haben also bislang ein sehr gutes Feedback bekommen.
Es ist ja ein Konzeptalbum, und wir sind sowohl mit der Musik als auch mit den Texten sehr zufrieden. Es passt irgendwie alles sehr gut zusammen. Und auch mit dem aktuellen Line-up sind wir mehr als glücklich, wie ja auch mit dem neuen Album. Ich denke, dass die NARNIA-Fans nicht enttäuscht sein werden, da sie ein sehr gutes Album bekommen.

Martin:
Wie du ja gerade angesprochen hast, handelt es sich bei "The Great Fall" um ein Konzeptalbum. Was kannst du mir über die Story sagen bzw. wovon handeln die Texte?

Christian:
Die Texte handeln von Soldaten, die auf ihrem Weg in den Krieg sind und was eben passiert, wenn sie dann wieder nach Hause zurückkehren. Das ist ja ein Thema, das in unserer Welt leider immer präsent ist. Ich hatte letztes Jahr im Oktober die Gelegenheit, nach Israel/Palästina zu gehen, zusammen mit dem Schlagzeuger von NARNIA, und wir haben gesehen, wie es dort zugeht. Das hat natürlich das neue Album sehr stark beeinflusst. Wir wollen einfach beschreiben, wie es ist, wenn du ein Soldat bist, und von einem Krieg nach Hause kommst. Du hast viele schreckliche Erfahrungen in dir und versuchst Hilfe zu bekommen, doch in unserer Zeit nimmt sich eben keiner mehr die Zeit zuzuhören. Wir leben in einer sehr egozentrischen Welt. Das wollen wir gerade mit einem Song wie "Back From Hell" aussagen - du kommst zurück aus der Hölle, aber die Hölle ist in Wahrheit überall. Aber in unserer Geschichte bringen wir auch zum Ausdruck, dass wir schon daran glauben, dass es ein Licht gibt, dass da Hoffnung ist, dass es sich lohnt die Kraft aufzubringen, um immer weiter zu machen. Da gibt es ein Licht am Ende des Tunnels, definitiv!

Martin:
Wie denkst du dann gerade über den Irak-Konflikt?

Christian:
Nun, für den Irak-Konflikt gilt das Gleiche, was ich gerade über meine Erfahrungen in Israel/Palästina gesagt habe. Ich beziehe hier keine Stellung, für niemanden. Wenn ich für irgend jemanden Stellung beziehe, dann für den Menschen. Man sollte einfach mehr in die Herzen der Menschen blicken. Und mit unserem Album "The Great Fall" wollen wir ausdrücken, dass viele der mächtigen Führer, der sogenannten mächtigen Führer, einfach nur manipulieren wollen, mit Hilfe von Geld und Stolz und diesem allen, aber am Ende wird es ein sehr, sehr tiefer Fall. Ich glaube jedoch, dass irgendwann der Tag der Abrechnung kommt, und deshalb ist auch ein solcher Song ("Judgement Day" - Anm. d. Verf.) auf dem Album.

Martin:
Es gibt auf dem Album ja auch zwei Gastauftritte, nämlich...

Christian:
Ja, richtig. Zum einen wäre da Anders Johansson von HAMMERFALL, der auf "Judgement Day" mit einem unglaublichen Schlagzeugspiel zu hören ist, und ich bin der Meinung, dass er bei diesem Song viel besser spielt als auf dem HAMMERFALL-Album. (lacht) Aber das ist natürlich nur meine persönliche Meinung. Er hat auf jeden Fall eine sehr gute Arbeit abgeliefert. Und es war auch tatsächlich so, dass uns Anders selbst gefragt hat, ob wir Interesse hätten, wenn er bei unserem Album mitwirken würde. Und da sagten wir natürlich: "Warum nicht? Das wäre bestimmt cool."
Ja, und dann ist es natürlich so, dass Carl Johan (Grimmark (g.) - Anm. d. Verf.) ein Teil von SAVIOR MACHINE ist - er ist der Gitarrist von SAVIOR MACHINE -, und dadurch haben wir sehr engen Kontakt zu Eric (Clayton - Anm. d. Verf.). Und für den letzten Song auf dem Album ist es einfach perfekt - der Song beginnt zunächst mit Carl Johans Stimme, dann kommt meine Stimme und zum Schluss eben noch die Stimme von Eric. Es ist ein sehr epischer Song, und Erics Stimme passt da einfach perfekt dazu.

Martin:
Wirst du "The Great Fall Of Man" irgendwann einmal auch gemeinsam mit Eric live singen?

Christian:
Das wäre natürlich sehr schön, wenn das klappen würde. Aber da muss man eben mal sehen, ob das überhaupt möglich ist. Doch natürlich werden wir diesen Song trotzdem live spielen, er wird auf jeden Fall in unserem Live-Set zu finden sein. Wir haben diesen Song zwar bisher noch nicht geprobt, aber trotzdem wird er definitiv ein Teil unseres Live-Sets sein. Es wäre auf jeden Fall eine schöne Sache, und wer weiß, vielleicht klappt es ja in den USA - wenn wir mit dem neuen Album auf US-Tour gehen -, dass wir ein ganz besonderes Konzert zusammen mit Eric spielen?!?

Martin:
Du hast vorher bereits die Owener Rocknacht angesprochen. Ihr habt da ja schon einmal gepielt - ich glaube, es war 1998...

Christian:
Ja, das ist richtig.

Martin:
Und in diesem Jahr seid ihr wieder dort, und zwar als Headliner. Mit welchen Erwartungen geht ihr denn an diesen Gig heran?

Christian:
Wir freuen uns wirklich schon sehr auf diesen Auftritt. Diese Show ist sicherlich eine gute Sache, da zum einen sehr viele Leute - schätzungsweise 2.500 bis 3.000 Leute - dort sein werden, und zum anderen ist es schön, dass wir endlich wieder einmal in Deutschland sind. Und wir werden all den deutschen Fans zeigen: NARNIA ist zurück!

Martin:
Was hältst du denn grundsätzlich von einer Veranstaltung wie der Owener Rocknacht?

Christian:
So etwas ist eine wirklich gute Sache. Musikalisch ist es dort sehr gemischt, und ich denke, dass es sehr wichtig ist, dass es solche Veranstaltungen gibt. Es ist einfach ungemein wichtig, dass junge Leute Treffpunkte haben, wo sie die verschiedensten Musikrichtungen hören können. Und natürlich hoffe ich, dass dort auch einige Metalheads dort sein werden.

Martin:
Wie denkst du denn eigentlich über die schwedische bzw. die skandinavische Metal-Szene?

Christian:
Ich denke, dass es um die Metal-Szene ziemlich gut bestellt ist, und Göteborg dürfte die kreativste Stadt in Schweden sein. Es gibt dort eine Reihen von guten Bands, die ich wirklich sehr mag: HUMAN RACE zum Beispiel, oder auch LION´S SHARE, aber ich mag auch LOST HORIZON, und das neue Album von DREAM EVIL gefällt mir auch sehr gut. Es gibt viele wirklich viele gute Scheiben, auch melodischere Sachen wie IGNITION, und natürlich MALMSTEEN. STORMWIND ist auch eine sehr gute Band - und ganz nebenbei, unserer Bassist ist ebenfalls ein Mitglied von STORMWIND.

Martin:
Wie wichtig sind denn eigentlich andere Länder für euch, insbesondere natürlich Deutschland?

Christian:
Nun... Wir wollen überall dort spielen, wo uns die Leute sehen wollen. Und Deutschland ist hierbei natürlich ein sehr wichtiger Markt für uns. Deshalb ist es auch sehr wichtig, dass wir in Deutschland gute Resonanzen erhalten. Das ist heutzutage natürlich nicht ganz einfach, aber wir tun unser Bestes... Wir machen die Alben selbstverständlich so, dass sie uns gefallen, aber wir hoffen schon auch, dass sie auch bei den Leuten gut ankommen.

Martin:
Und wie soll es mit NARNIA weitergehen? Habt ihr schon bestimmte Pläne für die Zukunft?

Christian:
Nun, zunächst einmal wollen wir - wie gesagt - im Sommer nach Deutschland zurückkommen - zusammen mit ROB ROCK und SEVENTH AVENUE...

Martin:
Werdet ihr auch auf einem der größeren Festivals spielen?

Christian:
Wir hoffen es natürlich. Aber wir ja sehen, was passiert... Gebucht ist bislang noch nichts, aber wir hoffen schon, dass wir auf dem einen oder anderen Festival spielen werden. Wie gesagt - wir warten es einfach mal ab...

Martin:
Und wie sieht es mit weiteren Plänen aus?

Christian:
Wir werden auf jeden Fall mit NARNIA weitermachen und natürlich auch weitere Alben aufnehmen. Wir werden auch weiterhin hart arbeiten, aber zunächst einmal konzentrieren wir uns auf das neue Album. Der nächste Schritt ist dann wahrscheinlich ein Live-Album bzw. eine Live-DVD, denn schließlich gibt es auf der ganzen Welt sehr viele Fans, die nie die Gelegenheit haben werden, NARNIA live zu sehen. Und für diese Fans wäre eine DVD sicherlich eine tolle Sache.

Martin:
Wie du ja weißt, ist dieses Interview für ein Online-Magazin. Was hältst du denn eigentlich von solchen Online-Magazinen, im Vergleich zu den herkömmlichen Print-Magazinen?

Christian:
Ich finde Online-Magazine sehr gut.

Martin:
Und wie ist ansonsten deine Meinung zum Internet im Allgemeinen und zur MP3-Problematik im Besonderen?

Christian:
Für mich ist es absolut kein Problem, wenn die Leute CDs brennen, denn es ist trotzdem noch eine gute Werbung. Und ich bin mir auch ziemlich sicher, dass es viele Leute gibt, die einfach die Original-CD haben wollen. Natürlich wollen wir Raubkopien auch nicht unbedingt, aber was willst du machen?!? Und wenn beispielsweise ein armer Kerl in Russland oder sonst irgendwo einfach nicht das Geld hat, um sich das Album zu kaufen, und stattdessen eine gebrannte CD-R besitzt, dann ist das doch okay.

Martin:
So, das war's von meiner Seite. - Möchtest du noch irgend etwas los werden?

Christian:
Wir sind sehr glücklich über die Unterstützung durch Powermetal.de und seine Leser, die NARNIA entgegengebracht wird, und wir freuen uns schon sehr, nach Deutschland zurückzukommen. Und: Keep The Melodic Metal Alive!!!

Redakteur:
Martin Schaich

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