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MÅNEGARM: Interview mit Erik Grawsiö

28.12.2009 | 17:33

Eine der viel zu lange nur mäßig erfolgreichen Gründerbands des nordischen Folk Metals ist endlich auf der Überholspur. Erik Grawsiö sagt euch, woran es liegen könnte.

Mit ihrem sechsten Studioalbum "Nattväsen" und dem neuen, zugkräftigen Label Regain Records im Rücken, könnte den sechs Schweden endlich der lange verdiente Erfolg beschieden werden. Erik Grawsiö unterhielt sich mit Rüdiger über das neue Album, die Folgen schlechter Promotion und zurückhaltender Konzertpolitik, die musikalischen Einflüsse, die Pagan-Szene, das Heidentum als solches und über einige Dinge mehr.

 

Rüdiger Stehle:
Ihr habt nun euer sechstes vollständiges Studioalbum am Start, und – rein optisch - markiert es einen Wandel: Ihr habt die Kombination der Runen Madr und Gifu als neues Symbol für eure Band gewählt, und ihr habt dieses Mal kein Artwork von Kris Verwimp gewählt, sondern ein eher symbolisches, ornamentales Cover. Impliziert dieser visuelle Wandel auch musikalische Veränderungen, oder wolltet ihr einfach mal was anderes ausprobieren?

Erik Grawsiö:
Ein bisschen von allem, muss ich sagen. Kris Verwimp ist ein toller Künstler, aber er hat eben schon sechs MÅNEGARM-Covers am Stück gemacht, so dass wir dachten, dass wir mal was anderes machen sollten. "Nattväsen" ist dunkler ausgerichtet, es ist roher und härter, und wir wollten, dass das Cover zur Musik passt. Das Cover ist sehr einfach mit seinem kalten und harten Hintergrund und mit dem neuen Symbol im Vordergrund. Ich denke, dass es perfekt passt!

Rüdiger:
Das sehe ich auch so; was hat es mit den Runen auf sich?

Erik:
Das neue Symbol, das eine kombinierte Rune darstellt, verbindet die beiden starken Runen Madr und Gifu. Diese Runen beziehen sich auf den Menschen und ein ausgeglichenes menschliches Wesen (Madr) und auf den Willen zum Opfer (Gifu). Das Symbol bzw. die kombinierte Rune steht für Ausgeglichenheit und Stärke als Individuum und als Einheit, und ebenso für die Möglichkeit und den Willen Weisheit und Erfahrung mit anderen zu teilen. Das Symbol markiert außerdem das "M", das in im Namen MånegarM präsent ist. Ich glaube, dass das Symbol alles wirklich gut zusammenfasst. Außerdem ist es sehr wichtig weil Symbole etwas sehr Cooles sind. Jede Band sollte eines haben! (lacht)

Rüdiger:
Um etwas tiefer ins Thema des Wandels einzutauchen: Meinst du, dass es eine nennenswerte musikalische Entwicklung zwischen den beiden Vorgängern und dem neuen Album gegeben hat?

Erik:
Nein, eine wirklich nennenswerte musikalische Entwicklung gibt es zwischen "Nattväsen" und den beiden Vorgängern nicht. Ich glaube, dass "Nattväsen" der selben musikalischen Formel folgt, die man auch schon auf früheren Alben hören kann, speziell auf "Vredens Tid" und "Vargstenen". Aber ein bisschen unterscheidet sich "Nattväsen" schon. Es ist dunkler ausgerichtet, straighter, rauer und härter, und wir haben mehr klassischen Heavy Metal einfließen lassen. Genau dieses Ziel haben wir auch verfolgt, also bin ich auch sehr zufrieden mit dem Resultat. Wir haben Spaß an dem, was wir tun, und der Wandel in unserer Musik - sei er auch noch so klein - kommt ganz natürlich zu Stande. Wir verändern unseren Kompositionsstil jedenfalls nicht nur um der Veränderung Willen.

Rüdiger:
Mir gefällt es sehr gut, dass "Nattväsen" ziemlich geradlinig nach vorne losgeht und in Sachen Songwriting sehr eingängig ist. Würdest du mir Recht geben, dass der Sound heute etwas punkiger und rock'n'rolliger ist als in euren Anfangstagen?

Erik:
Wir haben versucht, Songs zu schreiben, die eher "straight forward" sind und viele gute Hooks und starke Refrains haben. Ein Song bekommt dann wirklich meine Aufmerksamkeit, wenn er eine umwerfende Melodie und einen großartigen Refrain hat, und genau das wollten wir komponieren. Ich habe in einigen Reviews gelesen, dass die Punk- und Rock'n'Roll-Vibes spürbar sind, und ich finde es cool, dass auch du das erwähnst. Ich  selber höre sehr viel Rock'n'Roll und in meinen jüngeren Jahren habe ich auch viel Punk gehört. Das reflektiert auch unsere Musik.

Rüdiger:
Wobei ich Punk hier eher in einer Art und Weise gemeint habe, wie das von neueren SATYRICON und DARKTHRONE eingesetzt wird, und nicht wie bei den aktuell angesagten Pop-Punkern ...

Erik:
Cool. Da bin ich bei dir!

Rüdiger:
Einige meiner Kollegen finden die Gitarrenarbeit ziemlich simpel und verglichen es mit einer Band, die in Deutschland etwa das verkörpert, was Vikingarock in Schweden ist (BÖHSE ONKELZ), was sie eher langweilig fanden. Ich denke demgegenüber, dass - völlig unabhängig von diesem Vergleich - Black- und Viking Metal oft viel effektiver und kraftvoller sind, wenn sie straight und zu einem gewissen Grad punkig sind. Wie siehst du das mit dem Vergleich und dem Widerstreit zwischen Komplexität und Simplizität in Sachen Songwriting und Gitarrenspiel?

Erik:
Jeder hat das Recht auf seine Meinung und ich habe damit kein Problem. Das ist wahrscheinlich sogar gut so. Die Musik, die du auf "Nattväsen" hören kannst, ist das, was wir uns für dieses Album ausgedacht haben: Nehmt es an, oder lasst es bleiben! Vor sehr langer Zeit sind wir zum Schluss gekommen, dass es wichtiger ist, gute Songs als komplizierte Songs zu schreiben. Manche Bands versuchen, sich dadurch zu profilieren, dass sie die schnellsten, die cleversten und die kompliziertesten sind. Zugegebenermaßen mit unterschiedlichem Erfolg. Unser Ding ist das nicht. Wir haben keine Ambitionen, komplizierte oder vertrackte Musik zu schreiben. Wir versuchen, Musik zu schreiben, die dem Hörer was Spezielles gibt. Dieses spezielle Feeling und die Stimmung, sind das, worum es bei der Musik überhaupt geht. Jedenfalls wenn du mich fragst. Uns schert es kein bisschen, wenn die Gitarren nicht kompliziert genug sind. Hört euch doch den Drummer von AC/DC an und versteht, was ich meine: Er spielt nur auf jedem dritten Album ein Fill, aber sie sind immer noch die beste verdammte Rock'n'Roll-Band der Welt! Das Wichtige ist es, gutes Material und die richtige Energie zu haben, um die Songs auf eine gute Weise umzusetzen.

Rüdiger:
Ein anderer Vergleich, der dich vielleicht überraschen wird, der aber während der Diskussion mit meinen Kollegen und einigen unserer Leser über "Nattväsen" aufkam: Die kürzlich aufgelösten RUNNING WILD aus Hamburg waren unter den ersten Bands, die regelmäßig altertümliche keltische und germanische Melodielinien als Grundlage ihrer Gitarrenleads nutzten und damit einen unverkennbaren Sound erschufen. Obwohl sie weder eine Folk noch eine Pagan Band waren, haben sie doch mit vielen dieser Bands genau das gemeinsam. Meinst du, dass RUNNING WILD einer der Einflüsse der Pagan-Metal-Szene ist, oder ist es nur so, dass beide Seiten ihre Inspirationen aus der selben Folklore bezogen?

Erik:
Ich liebe RUNNING WILD. Sie sind eine meiner absoluten Lieblingsbands. Wenn du also ein bisschen was von RUNNING WILD in unserem Sound hörst, dann weißt du genau warum! Ich meine, wie kann man einen Typen nicht lieben, der Rock'n'Rolf heißt. Ich weiß nicht, wie das bei anderen Pagan-Bands ist, aber mich hat RUNNING WILD in vielerlei Hinsicht beeinflusst. Sobald ich mir etwas von dieser beeindruckenden Band anhöre, bekomme ich richtig gute Laune!

Rüdiger:
Um zum Album als solchem zurück zu kehren: Innerhalb der offensichtlichen stilistischen Markenzeichen von MÅNEGARM zeigt ihr auf dem Album sehr viel Abwechslungsreichtum. Das umfasst einige akustische Instrumente (Maultrommel, Geige, Flöte), verschiedene Gesangsstile und eine weite Bandbreite von Stimmungen. Sag doch bitte was zum Kompositionsprozess von "Nattväsen" und dazu, wo eure Schwerpunkte lagen.

Erik:
Wir haben immer versucht, abwechslungsreiche Alben zu machen. Vielleicht wird mancher der Meinung sein, dass es uns nicht gelungen ist, aber es war trotzdem immer unser Ansinnen. Wir spielen unseren Musikstil seit 1995 und schon bald, Anfang 1997, fingen wir damit an, einige nordischen Folk-Instrumente, wie die von dir genannten, einzubauen, um etwas Eigenständiges, unseren eigenen Stil zu erschaffen. Der Schwerpunkt bei "Nattväsen" lag darauf, eine dunklere Stimmung einzufangen, und ich glaube, dass der Hörer das wahrnehmen kann.

Rüdiger:
Meiner Meinung nach ertrinken viele Pagan-Metal-Bands im folkloristischen Anteil ihrer Musik. Sie nutzen für meinen Geschmack zu viele Folkmelodien und Humppa-Polka-Elemente, was es schwierig macht, sie wirklich ernst zu nehmen. Meinst du, dass der Grat sehr schmal ist, zwischen dem rechten Maß an Folklore, um einen spirituellen, erdverbundenen Pagan-Sound zu erschaffen, und dem Übermaß, das eine Band zur Parodie verkommen lässt? Wenn ja: Wie schwer ist es, die Balance zu halten?

Erik:
Für uns war es nie schwierig, die Balance zu halten. Entweder meinst du es ernst und hast die richtigen Motive, oder eben nicht! Ich hebe mein Horn für alle Bands, neue oder alte, die ihre eigene Musik mit Herz, Leidenschaft und Energie spielen. Was diejenigen angeht, die sich in Röcke, Pelze, Hüte und was sonst noch alles kleiden, um dann nur über Party und Suff zu singen ... nun, ich glaube, das spricht eh schon für sich.

Was die Benutzung der Folk-Instrumente angeht, hat jede Band ihren eigenen Geschmack und ihre eigenen Vorstellungen. Bei diesen Zutaten kann es manchmal wirklich schwierig sein, die richtige Balance zu finden. MÅNEGARM spielt Metal mit einem Folk-Touch, nicht umgekehrt. Ich hab ein Review von einem Typen gelesen, der das neue Album nur "okay" fand, weil wir zu viel Metal in unserer Musik hätten. Was zur Hölle!? Der hat wohl irgendwas durcheinander gebracht. Bei den Göttern: Wir sind eine Metalband! Manche Bands ersäufen ihren Metal mit orchestralen und folkloristischen Arrangements. Das ist mir auch öfters mal zu viel. Es lenkt zu sehr vom eigentlichen Kern der Musik ab. Aber vielleicht wollen sie ja genau das erreichen. Wer weiß das schon? Ich finde, dass die Folk-Musik und der Einsatz der traditionellen Instrumente die Musik würzen sollte, aber nicht übernehmen. Aber das ist natürlich nur meine Meinung, es gibt dazu auch ganz andere Gedanken in der heutigen Viking/Pagan-Metal-Szene.

Rüdiger:
Ihr seid als Band quasi seit dem Beginn von MÅNEGARM zusammen. Zumindest sind die fünf Kernmitglieder recht stabil geblieben. Das ist heutzutage recht selten, oder?

Erik:
Wenn man es genau nimmt, sind es nur noch vier Urmitglieder. Ganz genau genommen sogar nur noch drei. Die "Hardcore"-Mitglieder, die seit der Gründung im Jahre 1995 dabei sind, sind Pierre, Jonas und ich selber. Markus kam 1996 dazu, und Janne ... nun, Janne trafen wir zum ersten Mal Anfang 1997 und er hat uns seither bei jedem Demo und jedem Album ausgeholfen, aber er wurde erst 2005 vom Anwärter zum Mitglied befördert. (lacht)

Rüdiger:
Wie ist es euch gelungen, so lange ein stabiles Line-up zu haben? Nur die gemeinsame musikalische Vision, oder eine Freundschaft darüber hinaus?

Erik:
Ich weiß nicht, wie uns das gelungen ist. Wir haben uns noch nicht gegenseitig umgebracht? Natürlich streiten wir ab und zu, aber wir schaffen es am Ende immer, das zu regeln. Ich glaube es lässt sich so zusammenfassen: Wir sind gute Freunde, wir mögen, was wir tun, und wir haben eine Menge Spaß, wenn wir das gemeinsam tun!

Rüdiger:
Ihr seid seit Ewigkeiten aktiv und habt einen sehr eigenen und unverkennbaren Stil. Damit habt ihr euch viele loyale Fans erspielt und auch durchaus einigen Beifall bei den Kritikern. Das führt mich zur Frage, warum die Qualität, die ihr immer abgeliefert habt, euch nicht mehr kommerziellen Erfolg verschafft hat. Viele Bands, die qualitativ viel weniger zuverlässig waren, aber auch viele Emporkömmlinge, konnten im Zuge des seit Jahren boomenden Pagan/Folk/Medieval-Hypes viel Kohle absahnen. Aber ihr, als Vertreter der Riege der "alten Helden", seid für so viele Leute in eurer potentiellen Zielgruppe noch völlig unentdeckt. Warum ist das so?

Erik:
Ich glaube, dass wir eine der am längsten aktiven Bands des Genres sind und von Beginn an dabei waren. Wir glauben auch, dass einiges hätte anders laufen sollen und wir definitiv hätten weiter kommen müssen. Aber wir können doch nicht ständig darüber nachdenken. Wir können einfach nur versuchen, gute Musik zu machen und hoffen, dass die Zuhörer es mögen. Wenn dann ein wenig Glück dazu kommt ... (grinst). Es gibt wohl zwei Gründe dafür, warum wir eher unbekannt geblieben sind:

Der erste Grund hängt von uns selbst ab: Wir waren viel zu selten auf Tour. Wir sind seit 1995 aktiv, aber wir haben erst 2005/2006 angefangen wirklich ernsthaft Gigs und Festivals zu spielen. Um etwas zu erreichen, muss man viele Shows spielen, und außerdem die richtigen Shows. Wenn die Leute dich nicht zu sehen bekommen, dann existierst du nicht. Die zweite Sache dürfte sein, dass wir über all die Jahre keine anständige Promotion bekommen haben. Wir haben bereits fünf vollständige Studioalben veröffentlicht, und die Leute wissen noch immer nicht, wer MÅNEGARM sind.

Rüdiger:

Zum Thema Promotion: Ihr hattet ja einen langfristigen Deal mit Displeased, eine kurze Verbindung zu Black Lodge und nun seid ihr bei Regain gelandet. Bereits nach so kurzer Zeit im Hause Regain habe ich mehr Neuigkeiten, Promotionsaktivitäten und allgemeine Präsenz des Namens MÅNEGARM wahrgenommen, als in all den Jahren davor. Ich schätze, dass ihr zufrieden seid, oder nicht?

Erik:

Ja, das spielt sicher eine große Rolle. Wir hatten fünf Studioalben, ohne dass jemand wirklich Notiz davon genommen hätte. Das ist manchmal schon sehr frustrierend. Du steckst so viel Arbeit ins Komponieren, Aufnehmen und Veröffentlichen von fünf guten Alben mit guten Songs, und nichts passiert. Die Leute kriegen nicht einmal die Chance, dich zu hören. Wir vertrauen sehr auf Regain Records, unser aktuelles Label. Die Zusammenarbeit ist noch neu, aber es fühlt sich gut an! Es ist lustig, dass du erwähnst, dass du dieses Mal mehr News und Promotion mitbekommen hast. Wir haben da nämlich auch einen bemerkenswerten Unterschied gemerkt. Wir kriegen mehr Reviews als je zuvor, und die Interviewanfragen kommen am laufenden Band.

Rüdiger:
Ihr habt euch mit den Texten des neuen Albums viel Mühe gegeben und sehr detaillierte Kommentare zu den Texten auf eure Homepage gestellt. Gibt es hinter den erzählten Geschichten eine zentrale Botschaft?

Erik:
Die Texte waren uns schon immer sehr wichtig. Deshalb teilen wir auch unsere Kommentare und Informationen über die Texte mit unseren Fans. Die höchste Essenz der Weisheit lebt in der Nacht. Weisheit und Wissen sind überall um uns herum. Wir haben nur das Problem, sie zu finden. Unsere "Botschaft" ist es, dass wir die größte Weisheit in dem Dunkel finden können, das uns umgibt.

Rüdiger:

Es gibt auch hinweise auf individuelle Stärke und die Stärke als Einheit. Geht es um die Band selbst, oder ist es ein Appell an die Fans, diese Stärke zu finden und auf sie aufzubauen?

Erik:
Das hast du bereits selbst beantwortet. Es geht um uns und die Band, aber auch um einen Hinweis an den Leser, die eigene innere Stärke zu suchen und zu finden.

Rüdiger:
'Delling' steht für das Morgengrauen und ein hoffentlich strahlendes neues Zeitalter. Was wird dieses Zeitalter bringen?

Erik:
Nur das, was Ian Dury gesagt hat: Sex, Drogen und Rock'n'Roll! (lacht) - Wir überlassen es dem Leser bzw. Hörer, das heraus zu finden. Das Morgengrauen (Delling) kann für viele Dinge stehen. Ein neuer Tag, eine neue Ära, neue Möglichkeiten, Hoffnung, positive Wandelungen im Leben, ein Zuwachs an Stärke, die Kraft, etwas Neues zu bewegen. So oder so, ich glaube es ist eine gute Sache, das Album so zu beenden. Die dunkle Nacht mit allem, was in ihr lebt und herrscht, verliert die Kontrolle, und der Morgen, das neue Zeitalter, bricht durch mit aller seiner Macht.

Rüdiger:
Ihr habt vielleicht in den Nachrichten gehört, dass in der Schweiz die Minarette der Moscheen verboten wurden. Was denkst du darüber?

Erik:
Ich habe es kürzlich im Radio gehört, aber ich habe dem nicht viel Aufmerksamkeit geschenkt. Ich glaube, dass die Schweizer die ersten sind, die über so was eine nationale Volksabstimmung gemacht haben. Aber ich interessiere mich nicht wirklich für die Sache, um ehrlich zu sein. Es interessiert mich nicht, es berührt mich nicht, also kümmere ich mich auch nicht darum. Langweilige Antwort, aber es ist halt so.

Rüdiger:
Ich habe gefragt, weil ihr ja auf dem Artwork zu "Vredens Tid" einen Troll hattet, der einen Kirchturm einreißt.

Erik:
Das ist halt einfach das, was riesige Trolle tun: Sie zerstören Kirchen! (lacht) Ich finde das "Vredens Tid"-Cover übrigens wirklich toll!

Rüdiger:
Ihr verlinkt auf eurer Heimseite zu "Ut ur kyrkan" (einer Aktion, die dabei hilft, aus der Kirche auszutreten). Ist das das ein Statement gegen jede Form der organisierten Religion, oder ganz speziell gegen die christliche Kirche in Schweden gerichtet?

Erik:
Wir sind einfach fürsorgliche und hilfsbereite Menschen, und wollen anderen klugen und weitsichtigen Schweden dabei helfen, die Kirche zu verlassen. Sie können dann einfach diesen Link klicken. (grinst) Eigentlich ist der Link nur ein Gag, aber wenn sich ein paar Leute davon provozieren lassen, ist das einfach toll!

Rüdiger:
Was hältst du von der Ásatrú-Bewegung in Schweden? Ich habe vom "Sveriges Asatrosamfund" und von der "Samfäldigheten för Nordisk Sed" gehört. Wie wichtig sind solche Gruppen für die Pagan-Szene in Schweden? Kannst du mit deren Ideen und Philosophien was anfangen, oder ist das bereits zu viel organisierte Religion?

Erik:
Für die schwedische Pagan-Metal-Szene haben diese Gruppen keinerlei Wichtigkeit, aber es ist gut, dass sich diese Menschen dem Ásatrú verbunden fühlen. Das stärkt ihn. Natürlich können wir mit deren Ideen etwas anfangen. Es gibt einige verschiedene Strömungen, aber wir stehen auf dem selben Grund. Es ist eine Naturreligion und sie ist frei für Interpretationen.

Rüdiger:
Wie würdest du deinen eigenen heidnischen Ansatz definieren?

Erik:
Wir versuchen, die heidnische Flamme in den Menschen zu entfachen, weil sie in uns so stark lodert.

Rüdiger:
Wie gefährlich sind die Verbindungen zwischen dem Heidentum und der Politik, bzw. der Missbrauch heidnischer Motive durch Ideologen?

Erik:
Manche Dinge werden unglücklicherweise von manchen Leuten zusammen gebracht, was ich für einen gefährlichen Weg halte. Manche Bands werden aber auch ohne triftigen Grund beschuldigt Nazis oder Rassisten zu sein, nur weil sie diese Art von Musik spielen. Wir haben auch schon vor langer Zeit ein oder zweimal solche Vorwürfe gegenüber MÅNEGARM gehört. MÅNEGARM ist aber einfach Rock'n'Roll, sonst nichts. So lange man uns aus dieser Diskussion raus hält, bin ich zufrieden.

Rüdiger:
Zurück zu euren musikalischen Aktivitäten: Würdet ihr lieber eine große Pagan-Fest-Tour mit ENSIFERUM und Konsorten spielen, oder lieber eine kleine Klubtour mit unbekannteren Bands?

Erik:
Ich glaube wir bevorzugen größere Touren. Größere Touren = Größere Bands = Größerer Publikumszuspruch! Aber kleinere Events sind auch gut. In kleineren Klubs ist der Kontakt zum Publikum enger und alles ist ein bisschen persönlicher.

Rüdiger:
Wenn ihr euch zwei Bands für eine gemeinsame Tour aussuchen könnt, wen würdet ihr wählen?

Erik:
MÅNEGARM, THYRFING und SKYFORGER wäre der Hammer!

Rüdiger:
Sind schon Tourdaten geplant? Vielleicht sogar bei uns in Deutschland?

Erik:

Daran arbeiten wir gerade. Hoffentlich können wir hierzu bald eine Ankündigung machen.

Rüdiger:
Gibt es sonst noch eine Botschaft für eure Fans in Deutschland, Österreich und der Schweiz?

Erik:
Wir sehen euch auf Tour! Und verpasst nicht das Album des Jahrhunderts: "Nattväsen"! Rock'n'Roll!

Redakteur:
Rüdiger Stehle

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