top banner 161
side banner 160

MY SIXTH SHADOW: Interview mit Dave & Victor

03.03.2005 | 12:32

Die Italiener MY SIXTH SHADOW legten vor kurzem mit "Love-Fading Innocence" den Grundstein zu einer vielleicht großen Karriere, denn die Scheibe hat alles, was melancholieschwangere Herzen höher schlagen lässt. Dunkle, zartbeseidete Melodien, die kräftig rockend im Großhirn zünden, ließen mich einmal auf dem Datenhighway die Landkarte nach unten reisen, um Sänger Dave und Gitarrist Victor zur Scheibe zu befragen. "Wir behandelten das Album von Beginn an wie eine magische Kreatur, die uns jederzeit umgibt", beschreibt der Vokalist "Love-Fading Innocence". "Wir haben uns das Ziel gesetzt, sämtliche Erfahrungen und Einflüsse zu verarbeiten, die wir in den Jahren des Bandbestehens sammeln konnten. Und ich denke, dass uns dieses Anliegen wirklich gelungen ist. Es klingt wie ein modernes Produkt, das einen typisch europäischen Stempel trägt. Dabei haben wir sämtliche Erfahrungen aller Bandmitglieder in einen Topf geworfen und das Beste daraus verarbeitet. Du musst wissen, dass alle Bandmitglieder verschiedene musikalische Backgrounds haben und die Inspirationen aus traditionellem Metal über Gothic, Doom bis hin zu den wirklich heftigen Genres kommen. Repräsentativ für den Sound der Scheibe ist vielleicht 'Shades Of Grey', denn der Song bringt perfekt die musikalische Seite mit Lyrics, meiner philosophischen Vorstellung des Lebens, in Verbindung. Dabei kreieren die Instrumente eine wirklich kalte Atmosphäre und somit den perfekten Nährboden für düstere Texte."

Wenn wir schon mal dabei sind, werfen wir doch mal einen näheren Blick auf die Seelenwelt des Sängers, der ausnahmslos alle Texte der Band schreibt. "Meistens handeln die Lyrics von der Auseinandersetzung mit der idealen Vorstellung der Liebe. Was ist das? Ein himmlischer Platz, an dem wir unsere kranken und hilflosen Seelen zur Ruhe betten können? Ein Engel, eine gleißend helle Hülle, die sich in sekundenschnelle in einen reißenden Vampir verwandeln kann, kreiert durch unsere eigene Rastlosigkeit und Inkompetenz, einen Weg zu finden, am Leben zu bleiben?
Alle Lyrics sind charakterisiert durch philosophische und literarische Vorlagen und ziehen ihre Substanz aus der Romantik und der Dekadenz. Die Welt von MY SIXTH SHADOWS ist eine Welt ohne Sinn, ohne Ideal, ohne Ausweg, in der jeder gezwungen ist, wie ein Wurm durch den Schlamm einer unwirklichen und feindlichen Umgebung zu kriechen, auf der Suche nach dem Grund der eigenen Existenz, in der Liebe die süßeste Illusion und die brutalste Strafe zur selben Zeit darstellt. An der sie nicht nur die träumerische Melodie einer Fiedel ist, sondern auch der markerschütternde Schlag einer rostigen Glocke." Hört sich nicht gerade nach der Bewältigung privat erlebter Welten an? "Ich lebe im Süden Roms", beginnt Dave andächtig, "mit fünf Katzen, einem Hund, meinen CDs und meinen Büchern. Mit meinen Träumen und meinen Frustrationen, denen ich mit einem massiven Arsenal an Bier zu Leibe rücke. Ich habe einen Teilzeitjob, lese und schreibe gern. Das ist alles! Aus diesen unscheinbaren Elementen entspringen meine Lyrics".

Die die melancholische Grundstimmung der Italiener in eine fast apokalyptisch anmutende Szenerie katapultieren. "Das ist durchaus gewollt", sagt der sympathische Sänger. "Die Mischung machts und das bisherige Feedback ist durchaus als positiv zu bezeichnen." "Die meisten sind zufrieden mit der Entwicklung der Band und täglich kontaktieren uns neue Fans," fährt Victor fort, "die sich unserem street team anschließen. Das macht uns natürlich sehr glücklich, da dieses Album jede Menge an Arbeit und Geduld gekostet hat." Und die soll sich bezahlt machen, wenn's geht in zahlreichen Gigs in ganz Europa. "Momentan relaxen wir ein wenig", erzählt Victor. "Es stehen noch einige Aufgaben an, zum Beispiel die Homepage, bevor es demnächst an die intensive Planung flächendeckender Livebeackerung geht. Wir werden wie es aussieht einige Einzelgigs im April und Mai spielen und im Oktober auf eine ausgedehnte Tour aufspringen. Außerdem schreiben wir schon wieder an neuen Songs, die eine Menge Spaß im Proberaum machen." Äußert sich dieser Spaß auch auf der Bühne? "Klar", resümiert Dave. "Kannst du dir einen Zirkus bildlich vorstellen? Wir alle sind wie Tiere in der Manege, für die Bühne geboren. Dabei forcieren wir nicht selten unsere situative Leistungsfähigkeit bis zum absoluten Limit um die größtmögliche Arroganz und Rock'n'Roll-Attitüde auszustrahlen. Wir tun unser möglichstes und bestes". Und kommt das innerhalb der italienischen Szene an? "Die italienische Szene", beginnt Victor, "ist ein wirklich seltsames Pflaster. Es gibt so viele gute Bands im Untergrund, die aber keine Chancen haben, sich der breiten Öffentlichkeit zu präsentieren. Viele der heimischen Labels produzieren alleine für den italienischen Markt und setzen dabei auf die Landessprache. Die einzige Chance ist also ein fremdes Label außerhalb Italiens. Nur so kannst du auch in Europa was reißen. Du hast als Band also mit einem Indielabel irgendwo in Europa mehr Chancen rauszukommen, als bei einem Major in Italien. Komisch, oder?" Durchaus seltsame Situation, die aber in anderen Ländern, wie etwa Spanien, ähnlich gelagert ist.

Wie dem auch sei, haben es MY SIXTH SHADOW geschafft aus diesem Käfig auszubrechen und sich innerhalb des europäischen Marktes einen Namen zu machen. Einen Namen, der auch die finalen Worte der beiden Italiener an die Powermetal.de-Leserschaft dominiert. "Wir hoffen euch sobald wie möglich besuchen zu können. Lasst euch umgeben vom Schatten, lasst euch ein auf MY SIXTH SHADOW."

Redakteur:
Alex Straka

Login

Neu registrieren