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MUSIKLADEN: Interview mit Thomas Glück

01.01.1970 | 01:00

"Trends werden bei Fachhändlern geboren"
Seit 1980 bietet der "Musikladen" in Frankfurt CDs und Platten an / Von der Musikindustrie vernachlässigt
VON CARSTEN PRAEG

Wer die Tür unter dem pinkfarbenen Texas-Schriftzug durchschreitet, fühlt sich 20 Jahre zurückversetzt: Nostalgische Rockposter an den Wänden, viele Schallplatten. Das hat sich der "Musikladen" nach dem Umzug auf die andere Seite der Stiftstraße bewahrt. "Der Laden wirkt heller und freundlicher", sagt Inhaber Thomas Glück. "Jetzt trauen sich auch Kunden aus einem nicht alternativen Umfeld herein."

Geblieben ist der persönliche Umgang: Locker plauschen Glück und die Angestellten mit den Kunden. "Wir sind Musikliebhaber wie unsere Kunden." Einige kennt der Besitzer seit Anfang der 80er, als der damalige Student als Aushilfe begann. Glück wurde 1988 Geschäftsführer. Er erweiterte die Musikauswahl, die zuvor bloß Heavy Metal bot, und übernahm 1999 das Geschäft ganz.

"Wir wollten immer eine Alternative zu den Massenabfertigungsketten sein", meint Glück, der Musik als Kulturgut ansieht. Während auf der benachbarten Zeil HMV, Radio Diehl oder Virgin im Lauf der Jahre schließen mussten, ging Glücks Konzept auf. Dabei kann er sich anders als WOM oder Saturn nicht leisten, CDs zu Niedrigpreise anzubieten. "Wir wollen stattdessen mit einem breiteren Programm, Fachberatung und Service überzeugen." Er fühlt sich allein gelassen von der Musikindustrie, die sich nur noch auf große Ketten konzentriere. "Das ist unfair, denn Trends werden bei den Fachhändlern geboren."

Der "Musikladen" hat in der Frankfurter Rock-Szene einen guten Namen, was auch an den vielen Autogrammstunden liegt. Bei Bands wie Manowar kamen 300 Fans, bei Doro bildete sich eine Schlange bis auf die Zeil. Ärger gab es trotz großen Andrangs bei den Autogrammstunden noch nie. "Metal-Fans sind entgegen ihrem Image ganz friedliche Zeitgenossen", sagt Glück.

Neben CDs, Musik-DVDs, Konzertkarten und gut 3000 Schallplatten gibt es im "Musikladen" günstige CDs aus zweiter Hand. Außerdem ist der Fachhandel seit zwei Jahren im Internet. Über die Homepage wurde manche Rarität schon nach Brasilien, Japan oder in die USA verschickt.

Im Kopf malt sich Thomas Glück bereits die Feier zum 25-jährigen Bestehen 2005 aus. Kaum hat er zu Ende gedacht, steht ein alter Stammkunde vor der Theke, der ebenfalls Lederjacke und lange Haare gegen ein Familienleben getauscht hat, sich aber immer noch für die Musikhelden von einst interessiert. "Man ist den musikalischen Weg gemeinsam gegangen", sagt Glück lächelnd, "das macht das gute Verhältnis zwischen Kunde und Verkäufer aus."

Musikladen Thomas Glück
Stiftstr. 9 - 17
60313 Frankfurt, Tel. 069/281028
CDs-LPs-MCs-Videos-DVDs-Kartenvorverkauf
VERSAND

Öffnungszeiten:
Mo + Fr 10-19:30 Uhr
Di - Do 10:00 - 19 :00
Sa 10-18:00 Uhr

Copyright © Frankfurter Rundschau online 2004

Redakteur:
Carsten Praeg

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