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MORS PRINCIPIUM EST: Interview mit Jori

26.04.2005 | 18:19

Da haben wir es wieder, das Klischee mit den wortkargen Finnen. Jori von MORS PRINCIPIUM EST hatte in unserem Gespräch nicht viel zu erzählen, gab aber die wichtigsten Informationen zur bisherigen Geshichte und den derzeitigen Plänen der Band preis. Außerdem redete er nicht lange um den heißen Brei herum und stand ehrlich zu den Vergleichen aus der Göteborger Szene. Da könnte sich manch anderer mal eine Scheibe von abschneiden, der von seiner Band behauptet, dass ihr Sound noch so eigenständig ist, im Prinzip aber Göteborg pur ist... Aber darum ging es dann in diesem Interview auch nur am Rande.

Björn:
Hallo, alles klar?

Jori:
Ja, ich hoffe bei dir auch.

Björn:
Melodischer Death Metal mit Keyboards, das ist ja ein Trademark finnischer Bands, und die meisten werden jetzt sicher vermuten, dass es sich hier um einen weiteren CHILDREN OF BODOM-Clone handelt, tut es aber nicht. Gibt es denn einige Leute, die euch mit Alexi Laiho und Co. verglichen haben?

Jori:
Ja, sogar eine ganze Menge, speziell zu der Zeit als unser erstes Album "Inhumanity" herausgekommen ist. "The Unborn" ist natürlich komplett anders, weil es ganz und gar nicht nach CHILDREN OF BODOM klingt, und wir hoffen, dass wir von diesen Vergleichen langsam aber sicher freigesprochen werden.

Björn:
Ihr klingt ja auch nicht gerade typisch finnisch, sondern eher schwedisch. Weißt du, was ich damit meine?

Jori:
Ja, aber bei unseren Einflüssen ist es ganz normal, das wir ein wenig nach, sagen wir, Göteborg klingen. Trotzdem denke ich aber, dass wir unseren eigenen Sound haben.

Björn:
Ja, das denke ich auch. Aber man kann nun einmal nicht überhören, dass Bands wie SOILWORK einen maßgeblichen Einfluss auf euch hatten. Dem ist doch auch so, oder?

Jori:
Ja, wie ich bereits sagte, die Göteborg-Szene hatte den größten Einfluss auf unseren Sound. Wir mögen SOILWORK, aber in dieser Hinsicht sind AT THE GATES noch wichtiger.

Björn:
Welche Worte würdest du denn benutzen, wenn du eure Musik beschreiben müsstest?

Jori:
Moderner melodischer Death Metal mit vielen Elementen aus anderen Genres.

Björn:
Hm, dem würde ich ebenfalls zustimmen, denn man hört neben den SOILWORK-Sounds auch progressive Klänge, wie sie beispielsweise OMNIUM GATHERUM verwenden, heraus. Würdest du MORS PRINCIPIUM EST ebenso eine progressive Band nennen?

Jori:
Ein bisschen schon. Wir sind natürlich nicht so wie DREAM THEATER mit Millionen Songparts, aber unser Songwriting ist dennoch komplex und enthält gerade auf dem neuen Album einige überraschende Elemente. OMNIUM GATHERUM finde ich auch stark, aber meiner Meinung nach haben wir mit ihnen nicht besonders viel gemeinsam.

Björn:
Habt ihr denn lediglich Einflüsse aus der Szene um Göteborg?

Jori:
Hauptsächlich schon. AT THE GATES, DARK TRANQUILLITY, IN FLAMES und SOILWORK sind diesbezüglich die wichtigsten Bands. Jeder von uns hört sich aber individuell andere Sachen an. Ich zum Beispiel mag BJÖRK und MIKKO, während unser Drummer CANNIBAL CORPSE und solches Zeug hört.

Björn:
Dieser moderne Metal mit fetten Keyboards ist momentan sehr angesagt. Glaubst du, dass euch das auf eurem Weg nach oben helfen wird?

Jori:
Wir zielen nicht darauf hin, kommerzielle Musik zu machen, wir wollen lediglich gute Musik machen. Ich denke nicht, dass es wichtig ist, wie viel Geld oder Ehre andere mit ihren Alben abbekommen. Musik als solches ist eine ehrenhafte Angelegenheit, und genau das sollte mehr als alles andere respektiert werden. Ich kann Leute nicht ausstehen, die Musik ausschließlich deswegen machen, um damit Geld zu verdienen. Wenn das Genre, in dem man sich selbst aufhält, gerade beliebt ist, macht das daher auch keinen Unterschied.

Björn:
Aber die Tatsache, dass Metal bei euch in Finnland recht populär ist, könnte euch doch sicher weiterhelfen, oder nicht?

Jori:
Vielleicht schon, aber das macht den Wettbewerb auch wieder härter. Es gibt eine Menge junge Bands, die darauf abzielen, das nächste große Ding zu werden. Hoffentlich werden die Leute uns in diesem Zuge ebenfalls wahrnehmen.

Björn:
Du hast eben gesagt, dass ihr bereits ein Album auf dem Markt habt. Ich persönlich habe die Band jedoch erst mit "The Unborn" kennen gelernt. Könntest du mir und unseren Lesern mal einen kurzen Überblick über euer bisheriges Schaffen geben?

Jori:
Wir haben die Band 1999 gegründet, und mit unserem dritten Demo haben wir einen Deal für drei Alben bei Listenable Records in Frankreich bekommen. Dort ist dann 2003 unser erstes Album "Inhumanity" erschienen, und den Nachfolger hältst du ja selber momentan in Händen.

Björn:
Auf dieser Scheibe passiert ja sehr viel. Ihr habt sehr düstere, aber auch enorm ruhige Parts darauf verewigt, aber ebenfalls hört man ganz harte Passagen. Die Musik ist also voller Variation. Wem könnte denn deiner Meinung nach eine Band wie MORS PRINCIPIUM EST gefallen?

Jori:
Nun, ich denke, dass wir für jeden etwas dabei haben. Natürlich werden diejenigen, die auf DARK TRANQUILLITY abfahren, unsere Sachen eher mögen, aber möglicherweise gibt es auch andere aufgeschlossene Hörer, die mit uns etwas anfangen können.

Björn:
Und wie würdest du diesen Leuten eure Musik mit deinen eigenen Worten schmackhaft machen?

Jori:
Ich würde sagen, dass hinter "The Unborn" eine Menge Arbeit steckt. Jeder Einzelne in der Band hat sein bestes gegeben und das kann man dem endgültigen Resultat auch sehr gut anhören.

Björn:
Es ist momentan gar nicht so einfach, sich szeneintern durchzusetzen, weil auch noch hundert andere gute Bands am Start sind. Wie glaubst du, werdet ihr diese übertrumpfen können?

Jori:
Ja, in diesem Genre ist qualitativ tatsächlich einiges geboten, aber ich denke nicht, dass wir deswegen die anderen Gruppen übertreffen müssen. Musik ist ja auch kein Wettbewerb, und viele Bands in diesem Genre können auch nicht von der Musik leben, davon hängt also auch nicht unsere finanzielle Lage ab.

Björn:
Sehr wichtig dürfte in jeglicher Hinsicht eure Live-Performance sein. Ihr habt eure Songs ja mit vielen Spuren voll gestopft. Werdet ihr diesen bombastischen Sound live auch genauso wie auf Platte reproduzieren können?

Jori:
Hoffentlich schon, aber es ist wohl offensichtlich, dass wir einige Sachen vom Band laufen lassen, weil man das mit sechs Leuten so nicht wiedergeben kann. Wir haben es live bisher noch nicht ausprobiert, aber ich hoffe, dass wir erfolgreich sein werden. Diese Parts sind für die Musik essentiell, also müssen sie irgendwie auch in den Live-Sound integriert werden.

Björn:
Bestehen bereits Pläne für zukünftige Live-Aktivitäten?

Jori:
Noch nicht viele. Wir haben eine Minitour zum BWBK-6 Festival in Ohio organisiert, und wir hoffen natürlich, dass es dabei alleine nicht bleiben wird.

Björn:
Gibt es deine Band, mit der ihr gerne auf Tour gehen würdet?

Jori:
Wenn wir länger unterwegs sind, wäre es natürlich wichtig, dass die Jungs aus dieser Band nett sind. In musikalischer Hinsicht wären auf jeden Fall SOILWORK und IN FLAMES die perfekten Tourpartner.

Björn:
Werden wir MORS PRINCIPIUM EST denn noch auf den diesjährigen Festivals zu sehen bekommen?

Jori:
Es ist noch nichts bestätigt, aber wir hoffen natürlich weiterhin, das noch etwas klappt.

Björn:
Was hält die Zukunft für die Band bereit?

Jori:
Hm, das ist schwer zu sagen. Unser Wunsch wäre es, einen Platz an der Spitze des Metal-Genres zu erlangen und später auf eine lange Geschichte zurückblicken zu können.

Björn:
Gibt es noch etwas zu sagen?

Jori:
Vielen Dank für das Interview und einen schönen Sommer!

Redakteur:
Björn Backes

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