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MINDGRINDER: Interview mit Cosmocrator

31.03.2005 | 17:49

Norwegen ist immer wieder für eine Überraschung gut. Eine der plötzlichen Erfreulichkeiten des vergangenen Jahres war im Frühjahr eine Debüt-CD namens "MindTech" der bis dato völlig unbekannten MINDGRINDER. Knapp ein Jahr später erscheint am 9. Mai nun der Nachfolger, der auf die durchschlagende Bezeichnung "Riot Detonator" hört und auch genau so klingt, nämlich wie eine explosive Mischung aus Death und Thrash Metal, mit einem Hauch Industrial versehen und superfett produziert. Mastermind Cosmocrator fachsimpelt schon einen Monat vor dem Release über Zukunft, Gegenwart und Vergangenheit seiner Band sowie über Metal in Norwegen ganz allgemein.

Henri:
Hallo MINDGRINDERT-Team, hi Cosmocrator. Hier in Deutschland ist grade die fröhliche Osterzeit ausgebrochen. Was macht man zu Ostern eigentlich in Norwegen? Sucht ihr auch bunte Eier wie hier?

Cosmocrator:
Hallo da draußen. Dieses Ostern werde ich wohl in die Berge gehen um dort körperliche und geistige Gesundheit zu suchen, haha. Norweger machen das von Zeit zu Zeit, genau wie Ski-Langlauf. "Searching, seek and destroy the Osterei! Ha, Ich habe keine eier!" {Ja, dies ist ein Originalzitat - d. Verf.}

Henri:
Aha. Zu eurem neuen Album. Ihr habt "Riot Detonator" im November des vergangenen Jahres aufgenommen. Das Ganze soll ziemlich schnell gegangen sein, nur ein paar Wochen wohl. Warum habt ihr euch so gesputet?

Cosmocrator:
Zusammen mit dem Mix und dem Mastering haben wir fast genau drei Wochen gebraucht. Und warum dies so schnell ging? Tja, wir haben wohl das Arbeitstempo gehabt, dass wir mögen. Wir sind sehr disziplinierte und organisierte Burschen, wenn es um Dinge wie die Aufnahme einer neuen Platte geht.

Henri:
Warum habt ihr den Name "Riot Detonator" als Titel des Albums verwendet?

Cosmocrator:
Der Titel drückt für mich viel von dem Gefühl aus, dass wir gegenüber dem neuen Material besitzen - sowohl textlich, als auch musikalisch. Es ist ein kraftvoller "in your face"-Titel, mehr wie eine Deklaration oder eine Art Erklärung.

Henri:
Mein erster Eindruck beim Hören war, dass dieses Mal im Gegensatz zu "MindTech" die dunkle Hintergrundatmosphäre à la ZYKLON nicht mehr so dominant war. Dafür habt ihr mehr auf traditionelle Death- und Thrash-Klänge gesetzt, mehr klassische Heavy-Metal-Riffs genutzt. Wie würdest du denn die Entwicklung zwischen "MindTech" und "Riot Detonator" beschreiben?

Cosmocrator:
Ich denke, dieser Eindruck entsteht teilweise sicher durch die Produktion. Aber es ist wirklich mehr "thrashy"-Material auf "Riot Detonator" zu finden. Es klingt in gewisser Weise peppiger und aggressiver, "more slashing". Es ist zum Teil komplex, aber trotzdem die ganze Zeit über "catchy" und auf den Punkt gespielt. Die Mischung zwischen all diesen Elementen hat das Album im Endeffekt so gemacht, wie wir es schon vorher geplant hatten.

Henri:
Worum geht es denn in den Texten? Gibt es da ein Bindeglied zwischen den Stücken? Erkläre doch einfach mal das Konzept an einem ausgewählten Song.

Cosmocrator:
Die Texte basieren normalerweise auf unseren bestimmten Sichtweisen auf die verschiedenen Aspekte der menschlichen Gesellschaft. Manche können dabei natürlich auch mehr von historischen Ereignissen inspiriert sein. Wir benutzen die Texte mit den Songs zusammen, wo sie am besten passen - wir versuchen die Stimmung unserer Musik mit dem passenden Text zu unterstreichen. Für "Riot Detonator" gibt es kein totales Konzept. Stattdessen verwenden wir homogene Song, die alle stark genug sind um für sich alleine zu stehen.
Als Beispiel möchte ich den Text von 'The Rebellion' nennen, der leicht von dem Spartakus-Epos inspiriert wurde. Das war der Sklave und Gladiator, der sich gegen das gesamte "fucking" römische Imperium auflehnte. Er und seine "Armee des Abschaums" verwüsteten Italien für eine Weile und gewannen gegen die römische Armee in neun Schlachten. Es wird vermutet, dass Spartakus während des 10. Kampfes verschwand, wahrscheinlich also auf dem Schlachtfeld fiel. Dies alles passierte, während die dekadente römische Aristokratie damit beschäftigt war sich gegenseitig zu besteigen und mit ihrem Sperma zu erheitern. Schwanzlutscher! Haha!!

Henri:
Es war ja nun das erste Mal für euch, dass ihr ein Album mit einem echten Drummer aufnehmen konntet, anstatt einen Drum-Computer zu benutzen. Wie habt ihr denn Dan kennengelernt und warum seid ihr zufrieden mit seiner Arbeit auf "Riot Detonator"?

Cosmocrator:
Wir haben uns für Dan entschieden, nachdem wir ein sehr raues Demo hörten, dass er und sein Kumpel gemacht hatten. Sie haben uns das Tape bei einem Gig gegeben, den wir besuchten. Ich rief ihn dann an, er kam zu einer Probe und alles lief großartig. Seine Arbeit auf "Riot Detonator" ist sehr gut und wir sind froh, dass er mit dabei war...

Henri:
...wobei die Betonung hier auf "war" liegt. Denn kurz nachdem ihr "Riot Detonator" aufgenommen hat, ist Dan gegangen und ist nun durch Nex ersetzt worden. Was ist passiert? Seid ihr wenigstens mit Nex (EVILIZER, Ex-DISIPLIN) als Ersatz zufrieden?

Cosmocrator:
Ja, Dan ist wirklich während einer wichtigen Situation gegangen. Nach den Aufnahmen konfrontierten wir ihn mit unseren Plänen für die Band und fragten ihn, ob er wirklich die Zeit dafür aufbringen könnte. Aber er ist noch so jung und so entschied er sich dafür, seine Ausbildung weiterzumachen. Zur selben Zeit verließ Nex gerade DISIPLIN. Er ist einer alter Freund von uns und deshalb fragten wir ihn, ob er Lust hätte, bei MINDGRINDER einzusteigen. Er war sehr froh über das Angebot. Jetzt ist er in der Band als Vollzeit-Mitglied angestellt.
Er besitzt einen andere Stil sein Kit zu verprügeln als ihn Dan an den Drums hatte - ich denke, das Wort "verprügeln" sagt alles. Er ist brutaler und drischt härter, es klingt einfach rauer. Dieser Stil hat sogar mehr Energie in die Band gebracht. Technisch hat er sowieso die totale Kontrolle über seine Arbeit hinter'm Schlagzeug. Aber am wichtigsten ist seine Energie und seine Hingabe für die Band.

Henri:
Dann werden wir mal generell, denn nicht jeder unserer Leser wird mit dem Namen MINDGRINDER etwas anfangen können. Kannst du kurz die Geschichte eurer Gruppe wiedergeben?

Cosmocrator:
Drei Metalheads trafen verzerrte Gitarre und einen Drumcomputer - das war 1996, haha. Der Rest der Story sind Massen an lokalen Shows und Biertrink-Sessions bis 2001, als wir uns entschieden MINDGRINDER nach vorn zu bringen und zwei offizielle Demos aufnahmen. Sie wurden gut angenommen und nach einer Weile bekamen wir einen Vertrag mit SoundRiot, die jedoch unser Debüt wegen finanziellen Schwierigkeiten nicht herausbringen konnten. Wir gingen also auf Nocturnal Art Productions zu, die sofort entschieden "MindTech" zu veröffentlichen. Nun sind wir bereit für unseren zweiten Release "Riot Detonator"!

Henri:
Und wieso habt ihr euch gerade für den Namen MINDGRINDER entschieden?

Cosmocrator:
Wir denken, dass er zu dem passt, was wir sind - es ist ein cooler Name mit Tiefe und einer gewissen Geisteshaltung.

Henri:
Wie würdest du denn das Image der Band beschreiben?

Cosmocrator:
Wir sind alle aus Fleisch und Blut, was du siehst, bekommst du auch: Reinigende Energie, kontrolliert durch eine Metal-Druckwelle.

Henri:
Du hast mit Bands wie ZYKLON oder WINDIR gearbeitet - wie haben diese Erfahrungen auf deinen Job bei MINDGRINDER gewirkt?

Cosmocrator:
Gut, ich denke, dass mich dies schon beeinflußt hat, aber ich denke hauptsächlich unterbewusst. Ich war diesen Bands sehr nah, zuletzt waren es ZYKLON - es ist also schwer zu sagen, was ich davon mitgenommen habe und was nicht. Jedenfalls sind wir alle Freunde, die viele gemeinsame Einflüsse teilen.

Henri:
Welche anderen Bands haben dich denn beim Musikmachen noch beeinflusst?

Cosmocrator:
Sehr wichtig sind und waren für mich Gruppen wie MERCYFUL FATE, MORBID ANGEL, KREATOR, TESTAMENT, MEGADETH und so weiter. Wir hören alle viel unterschiedliches Zeug, aber hautsächlich Metal.

Henri:
Ok, dann stell dir mal vor, MINDGRINDER könnten sich einen Gastmusiker aussuchen - egal wen, egal wo er wohnt. Welchen Typ oder welche Frau würdet ihr einladen?

Cosmocrator:
Natürlich wäre es cool, wenn eine der alten Thrash-Metal-Legenden ein paar typische Solos für uns spielen könnte oder sogar ein paar Gast-Vocals übernehmen würde. Es wäre zum Beispiel großartig mit den Typen von TESTAMENT zu arbeiten.

Henri:
Ok, dann gehen wir mal wieder in die Gegenwart. Ihr habt euer erstes Video produziert: 'Pathetic Submission'. Wie hat euch der Dreh gefallen? Und warum habt ihr keine Film-Schnipsel oder ähnliches verwendet, sondern euch gerade für diese Art Video entschieden?

Cosmocrator:
Das war eine coole Session. Wir haben das Video auf dem Dachboden eine alten Zugstation aufgenommen. Das war genau die Art von rauem Gefühl, die wir suchten. Wie ich schon sagte: Was du siehst, sollst du auch bekommen. Es wird auf der Scheibe auch ein Bootleg-Video unserer Show beim WINDIR-Abschiedsgig in der "Rockefeller Hall" in Oslo geben.

Henri:
Soviel ich weiß habt ihr noch nie in Deutschland gespielt. Wann wird sich die Gelegenheit dazu ergeben? Gibt es schon Pläne für eine Tour?

Cosmocrator:
Es gibt gute Chancen, dass wir auf Tour gehen werden, aber wir werden erstmal abwarten, was da passiert. Wir hoffen, dass wir noch auf einige Festivals kommen können.

Henri:
Welche anderen Ziele habt ihr mit MINDGRINDER für 2005?

Cosmocrator:
Tja, wir möchten das Album so viel wie möglich promoten, vor allem in dem wir so viele Shows wie möglich spielen und den Leuten dabei zeigen um was es uns geht. Wir denken, dass MINDGRINDER eine sehr starke Liveband ist, die überzeugen kann.

Henri:
Ok, dann möchte ich zum Schluss noch einige Fragen zur Szene in Norwegen stellen. Viele der alten norwegischen Black-Metal-Bands haben sich aufgelöst oder spielen jetzt völlig andere Musik, als Beispiele seien EMPEROR, ULVER oder MANES genannt. Was denkst du denn über die norwegische Musikszene in diesen Tagen?

Cosmocrator:
Wir haben eine starke Szene, die sich ständig weiterentwickelt. Es gibt viele Bands mit einmaligen und starken Identitäten, die sehr viel zu bieten haben. Ich habe kein Problem mit Wechseln, sie geben Raum wür weitere Verbesserungen.

Henri:
Ok, dann lass uns einen Trip durch die norwegische Musik-Szene wagen, schreibe einfach zu jeder Band einen Satz.

Cosmocrator:
MAYHEM - kompromisslose Schausteller
WINDIR - ein feines Kapitel im norwegischen Metal
RED HARVEST - eine Band ohne Erwartungsdruck, sie überzeugen einfach immer weiter
MADDER MORTEM - kenne ich nicht...
MANES - scheint ein heißer Name zu sein...

Henri:
Letzte Frage zu Norwegen: Euer Grammy für Metal ist dieses Jahr an ENSLAVED gegangen. Eine gute Wahl?

Cosmocrator:
ENSLAVED haben hart gearbeitet und scheinen ihre Fans immer zufrieden zu stellen. Ich denke dasselbe über RED HARVEST, vielleicht sogar noch einen Tick mehr...

Henri:
Ok, die berühmten "last words" für dich!

Cosmocrator:
Wir hoffen, dass wir bald nach Deutschland kommen können - "to do some live MindGrinding"!!! Checkt "Riot Detonator", es kommt am 9. Mai heraus. Passt auf euch auf!

Homepage von MINDGRINDER: www.MindGrinder.com

Redakteur:
Henri Kramer

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