MIKEYLA: Interview mit Mikeyla

09.08.2006 | 15:02

Es gibt Momente, da geht einem das Geknüppel und Gedresche der Äonen von Krawallkommandos, das Monat für Monat den Markt überflutet, mächtig auf den Geist. Insbesondere den talentfreien Kreisliga-Bands, die sich im großen Stil bei den zahlreichen Klassikeralben bedienen, in der Hoffnung, wenigstens ein bisschen Qualität auf die eigenen Scheiben übertragen zu können, wünscht man neue Hobbys wie Mettbrötchen schmieren oder unmotiviert um den Block laufen, auf jeden Fall irgendwas, das keinen Lärm macht. Um in diesen Situationen nicht völlig zu resignieren und dadurch unter Umständen die hin und wieder auftauchenden hochwertigen Combos zu verpassen, die mit High-Class-Geschredder alles dem Erdboden gleichmachen, muss man seine Lauschlappen neu justieren, ihnen wieder auf die Sprünge helfen. Zu diesem Zweck habe ich Platten im Schrank stehen, die einfach angenehm zu hören sind und den Ohren mit unaufdringlich eingängigen Melodien Erholung gönnen.

Eine Platte, die man dazu nutzen kann, die ganzen Loser-Metzel-Combos aus dem Gedächtnis zu streichen, ist das "Something Like That"-Debüt der schwedischen Newcomerin MIKEYLA. Kompositorisch eher poppig-unauffällig, aber dennoch auf Gitarrenbasis und mit latentem Rock-Drive versehen, ist es vor allem die kraftvolle Stimme der Hauptdarstellerin, die den Dreher interessant macht.

Die Entstehungsgeschichte des Erstlings ist allerdings zunächst mal Pop-Klischee pur. "Als ich 15 war, traf ich meinen Manager, der mit mir ein paar Songs im Studio ausprobieren wollte. Und als wir das gemacht hatten, haben wir gleich angefangen, mein Album aufzunehmen.", erzählt die schüchtern wirkende Sängerin, die auch kein Problem damit hat, dass elf der zwölf Tracks nicht von ihr komponiert wurden: "Das war okay für mich, da ich im Alter von 15 noch gar nicht damit angefangen hatte, meine eigene Musik zu schreiben; damit habe ich erst mit 17 begonnen." In Zukunft wird man allerdings deutlich mehr über die mittlerweile 20-Jährige erfahren, da sie das Zepter zunehmend selbst in die Hand nehmen will: "Ich bin älter geworden; das wird sich auf den Sound und die Texte auswirken. Für die nächste Platte werde ich meine eigenen Songs schreiben, so dass diese persönlicher ausfallen wird." Und sie fügt hinzu: "Ich will auf jeden Fall das Rock-Element beibehalten." Das kann man ihr auch durchaus abnehmen, hat sie doch inzwischen sogar handfeste Verbindungen zur Metalszene, die ihren Hang zu härteren Klängen verdeutlichen. Und auf Grund ihrer Power-Vocals verwundert es nicht, dass man auch hier auf sie aufmerksam wurde.

Möglich gemacht hat dies in erster Linie die Fußball-WM, die auch diesmal wieder Stars und solche, die es niemals werden, auf den Plan rief, die sich ihre extra für diesem Anlass zusammengeschraubten Grützsongs nur zu gerne als kulturellen Auftrag missinterpretieren ließen. Wenigstens gingen einige der Erträge dieser nicht gerade unergiebigen Cash-ins mit Ansage an wohltätige Organisationen, so dass die künstlerische Niederlage auch etwas Positives hatte.

In den oberen Chartregionen und neben den Pochers und Grönemeyers dieser Welt konnte sich 'Glorious', MIKEYLAs Zusammenarbeit mit diversen Aushängeschildern der Schwermetall-Riege, nicht platzieren, aber Spaß hatte die Sängerin bei den Aufnahmen allemal: "Es ist ein wirklich guter Song, und es war großartig, mit all diesen Leuten von HAMMERFALL, PRIMAL FEAR und MASTERPLAN zusammenzuarbeiten. Ich mag ihre Musik und sie als Menschen." Auch dieses Projekt fiel der Schwedin mehr oder weniger in den Schoß, allerdings hatte sich diesmal im Vorfeld bereits die Qualität ihres Gesangs herumgesprochen: "Uli Kusch hatte meine Platte gehört, und sie gefiel ihm sehr gut. Er kontaktierte meinen Manager, um sich mit ihm über die ganze Sache zu unterhalten. Und als mir mein Manager davon erzählte, konnte ich absolut nicht nein sagen." Dass der MASTERPLAN-Drummer bei der Wahl seiner Chanteuse goldrichtig lag, beweist das tolle Sangesduell mit PRIMAL FEAR-Röhre Ralf Scheepers in der finalen Fassung.

Für die Zukunft hat die 20-Jährige eher bescheidene Wünsche. Sie wolle irgendwann von der Musik leben können, erzählt sie, und fügt lachend hinzu: "Das ist heutzutage schon schwer genug, aber ich werde nie aufgeben." Mit einer derartigen Einstellung wird sie noch einige Sprossen auf der Karriereleiter nach oben klettern können. Und ihre sehr gute Stimme wird ihr dabei genauso wenig im Weg stehen wie die Tatsache, dass sie nicht gerade aussieht wie Lemmy.


Pic: Morgan Karlsson

Redakteur:
Oliver Schneider

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