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MENDEED: Interview mit David Proctor

29.06.2006 | 19:25

Das beste Album dieses Jahres! Diese Meinung teile ich auch ungefähr einen Monat, nachdem ich "This War Will Last Forever" zum ersten Mal gehört habe, noch immer. Die schottische Band MENDEED darf wohl als die Newcomer-Sensation 2006 bezeichnet werden, weshalb Frontmann David auch allen Grund hat, sehr, sehr optimistisch in die Zukunft zu schauen. Doch um die Zukunft zu bestreiten, müssen erst einmal einige Fakten aus der Vergangenheit aufgearbeitet werden. Schließlich trifft man nicht alle Tage auf eine Band, auf deren Sound HELLOWEEN, PANTERA und IRON MAIDEN einen gleich großen Einfluss hatten.

Björn:
Hi Mark, alles klar soweit?

David:
Hi! Ja, hier ist alles bestens; ich genieße gerade mal einen der wenigen Sonnenstrahlen.

Björn:
Bevor wir richtig ins Interview einsteigen, möchte ich dir erst einmal zu eurer großartigen neuen Platte gratulieren. Meiner Meinung nach ist das die beste Metal-Veröffentlichung in diesem Jahr. Wir verdammt habt ihr das so geil hinbekommen?

David:
Hey, vielen, vielen Dank, das bedeutet uns echt sehr viel! Wir wollten ein Album kreieren, das so viele Genres wie möglich abdeckt. Die meiste Musik da draußen ist sehr einseitig, und wir wollen uns einfach nicht auf eine einzige Sparte limitieren. Es gibt so viele verschiedene Einflüsse, dass es schon fast einem Verbrechen gleicht, sie nicht in die eigene Musik mit aufzunehmen.

Björn:
Ich bin der Metalcore-Szene gegenüber derzeit sehr kritisch eingestellt, und ehrlich gesagt hatte ich auch von euch einen typischen Release aus dieser Szene erwartet. Doch ihr habt mich getäuscht. Es ist definitiv Metal und kein Core, vereinigt aber die großartigen Melodien und die Brutalität dieses Genres. Wie würdest du diesen Sound selber definieren?

David:
Wir werden tatsächlich oft in diese Metalcore-Schublade hineingesteckt, was wohl daran liegt, dass Leute es sich gerne einfach machen und Band einfach so kategorisieren, obwohl sie soundtechnisch Welten auseinander sind. Mit MENDEED bekommst du eine Band, die Thrash, Old School Metal, Black, Death und einiges vom skandinavischen Sound in ihre Musik einbezieht. Die meisten Metalcore-Bands sind sehr stark von der skandinavischen Szene beeinflusst und haben dort auch eine Menge geklaut. Uns geht dies ähnlich, allerdings haben wir nie auch nur eine Note kopiert. Wir sind eine Metal-Band!

Björn:
In eurer Musik finden sich daher auch gleichzeitig Anteile von HELLOWEEN, METALLICA, IRON MAIDEN und KILLSWITCH ENGAGE. Würdest du all diese Bands ebenfalls als Inspirationsquelle bezeichnen?

David:
Die ersten drei Bands sind zweifellos sehr große Einflüsse für uns, schließlich waren sie die ersten Namen, die wir kannten, als wir den Metal für uns entdeckten. KILLSWITCH ENGAGE hingegen sind eine der wenigen Bands, die noch etwas Interessantes zu bieten hatten, als sie aus der Versenkung auftauchten. Sie sind definitiv eine der einflussreichsten modernen Bands der letzten Jahre, und deshalb will ich auch nicht abstreiten, dass ein geringer Teil von ihnen auch in unseren Songs zu finden ist.

Björn:
Wie hat sich euer Sound denn generell in den letzten Jahren entwickelt? Bei all den Einflüssen kann ich mir gut vorstellen, dass es anfangs gar nicht mal so einfach war, sich auf einen homogenen Klang zu einigen.

David:
Als wir damals starteten, waren wir genau so mies wie alle anderen Bands, haha! Wir sind fünf Leute in der Band, und jeder hat eine unterschiedliche Meinung, was den Sound angeht. Jeder von uns bevorzugt ein anderes Genre, und zudem hat auch noch jeder ein sehr starkes Ego. Nach ein oder zwei Jahren lernten wir, dass wir irgendwann mal Kompromisse machen müssen, wenn wir beim Komponieren Resultate erzielen wollen. Danach beschlossen wir, dass wir den Stil eines jeden Einzelnen berücksichtigen und die Songs all diese Vorstellungen enthalten müssen. Erst dann konnten wir uns tatsächlich entwickeln.

Björn:
Eure Geschichte würde mich aber sowieso mal interessieren, schließlich ist der Name MENDEED noch vollkommen unbelastet.

David:
Wir haben die Band vor ungefähr fünf Jahren gegründet. Wir kannten uns von der Schule her und starteten das Ganze zunächst, um einige Covers von PANTERA und METALLICA zu spielen. Es war ein Hobby, nicht mehr. Irgendwann hat uns das Ganze dann doch eingeholt; wir zockten in jedem freien Moment zusammen und mussten sogar einige Klassen in der Schule wiederholen, damit wir in Steph's Garage proben konnten. Dann begann das Songwriting, und wir bekamen einige Gigs in der lokalen Szene. Obwohl die Leute uns offensichtlich nicht mochten, zogen wir die Sache durch und spielten als nächstes ein paar Demos ein. Leider wurden wir von Labeln und Promotern immer wieder abgesägt, doch wir verloren nicht den Glauben an die Band. Als wir dann ein weiteres Demo einspielten, landete dies auf dem Tisch von Mark Daghorn, der für uns eine EP produzierte und davon auf Anhieb so angetan war, dass er wegen uns ein eigenes Label startete. Damit fing das Ganze dann an, konkrete Formen anzunehmen. Wir tourten uns den Arsch ab, und bevor wir uns umsahen, standen wir schon mit Bands wie CRADLE OF FILTH, AVENGED SEVENFOLD und SLIPKNOT auf der Bühne. Als dann auch noch Nuclear Blast auf der Matte standen, drehten wir völlig durch und unterschrieben natürlich sofort den angebotenen Deal.

Björn:
Ihr seid vielleicht sogar die modernste Metal-Band auf diesem Label. Ehrt euch das?

David:
Klar fühlen wir uns geehrt. Es ist ein Privileg und gleichzeitig ein Traum, der in Erfüllung gegangen ist. Hätten wir vorher die Wahl gehabt, hätten wir uns für kein anderes Label entschieden. Es ist DAS Metal-Label schlechthin.

Björn:
Glaubst du denn, dass ihr bei ihnen als Newcomer Priorität genießt?

David:
Ich habe keine Zweifel daran, dass Nuclear Blast für uns der richtige Platz ist. Sie sind nicht die Sorte Label, die versucht, einem in den Sound hineinzureden, was wir übrigens auch nie zulassen würden. Wer weiß, wie das bei einer anderen Firma ausgeschaut hätte? Bevor wir den Deal unterzeichneten, fragten zwei Major-Labels bei uns an. Sie wollten jedoch mehr Singles von uns haben... Fuck that!

Björn:
Welche Erwartungen hast du denn an Nuclear Blast?

David:
Wir erwarten von der Plattenfirma, dass sie die Band auf den nächsten Level bringt. Unser Ziel ist es, den Namen MENDEED weltweit bekannt zu machen, und wir fühlen, dass uns Nuclear Blast dies ermöglichen können, ohne uns dabei als etwas zu verkaufen, was wir gar nicht sind. Es gibt so viele Bands, die auf unehrliche Weise vermarktet werden, und das ist einfach nur Bullshit. Dies sind dann auch die Bands, die mit den Trends kommen und gehen.

Björn:
Welche Erwartungen stellt Nuclear Blast denn umgekehrt an euch?

David:
Sie erwarten von uns harte Arbeit, und dass wir jedes Mal 110 Prozent geben, wenn wir auf die Bühne steigen oder ein neues Album komponieren. Doch genau damit sind wir auch glücklich, denn genau diese Anforderungen stellen wir auch an uns selbst!

Björn:
Noch einmal zurück zu eurer Musik; ihr klingt in der Tat sehr britisch. Man findet eine Menge CARCASS, aber auch haufenweise NWoBHM in eurem Sound. Ist dies für euch persönlich ein wichtiger Faktor?

David:
Es ist zweifelsohne unsere Herkunft. Es gab einmal eine Zeit, in der Großbritannien das Metal-Mekka war, doch seit diesen Tagen ist es um die hiesige Szene sehr ruhig geworden. Vor kurzem haben zumindest BULLET das Land wieder zurück auf die Metal-Landkarte gebracht, doch wir wollen den Leuten zeigen, dass es nach wie vor härteren Stoff aus dem Vereinigten Königreich zu hören gibt. Weißt du, man kann melodisch sein, ohne dabei Popmusik zu machen!

Björn:
Das wäre auch mal dringend nötig, denn eure heimische Szene ist ja immer noch sehr angeschlagen. Hast du eigentlich eine Idee, warum sich dies so entwickelt hat?

David:
Ehrlich gesagt, nein. Ich denke, dass die meisten britischen Menschen ihre Begeisterung für einheimische Bands aufgegeben haben – aber dies wird sich wieder ändern, und unser Land wird wieder die dominante Kraft sein, die es einst war.

Björn:
Und du glaubst, ihr könnt diesbezüglich mit eurem neuen Album schon etwas bewegen?

David:
Ich hoffe, dass wir den Leuten die Augen öffnen und zeigen können, dass sich die unterschiedlichsten Genres prima miteinander kombinieren lassen und man nicht Teil einer bestimmten Szene sein muss, um es im Business zu etwas zu bringen. Wir waren schon immer auf uns alleine gestellt, doch das ist es auch, was wir mögen.

Björn:
Trotzdem wird es nicht leicht sein, international zu bestehen. Tourneen sind unerlässlich. Wann also kommt ihr nach Deutschland?

David:
Nun, wir fühlen uns nicht als Part einer speziellen Szene, das waren wir nie, und wir werden es auch nie sein. Metalcore wird irgendwann untergehen, doch wir werden weiter bestehen, weil wir an keinem bestimmten Sound festhalten. Natürlich werden wir touren, und wir werden unser Bestes geben, auch schon bald nach Deutschland zu kommen. Bestätigt ist bisher lediglich das Earthshaker Festival in Kreuth. Doch ich bin mir ziemlich sicher, dass wir schon nach dem Sommer zurückkehren werden.

Björn:
Kein weiteres Festival mehr?

David:
Wir werden in diesem Jahr nur noch zwei Festivals spielen, und das sind eben das Earthshaker Festival und das Tuska Open Air. Wir sind gerade erst zurück vom Download '06 und dieser Auftritt war schon etwas sehr Spezielles!

Björn:
Und wann startet ihr wieder mit dem Songwriting für den nächsten Killer?

David:
Fuck yeah, wir haben bereits zehn neue Songs für die neue Platte geschrieben und werden auch in den kommenden Monaten schon mit den Aufnahmen beginnen. Ich hoffe, dass wir bereits im März 2007 ein neues Album veröffentlichen werden.

Björn:
Gibt es sonst noch was zu sagen?

David:
Nun, wenn ihr "This War..." liebt, dann werdet ihr vom neuen Stoff erst recht weggeblasen werden! Vielen, vielen Dank für das Interview. Lass uns bald mal ein paar Bierchen zusammen trinken und sehen, ob ihr mit den Schotten mithalten könnt!

Redakteur:
Björn Backes

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