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Listening Report: BRAINSTORM - "On The Spur Of The Moment"

07.08.2011 | 10:03

Die Schwaben von BRAINSTORM sind nicht nur eine Institution im deutschen Power Metal, sondern auch ein langjähriger Wegbegleiter von POWERMETAL.de und unseren Lesern. Entsprechend groß dürfte die Neugier auf "On The Spur Of The Moment" sein, welches ab dem 30. September im Handel stehen wird. Wir hörten das neue Werk schon einmal an, um euch einen ersten Eindruck geben zu können.

Das Cover erinnert in seiner Farbgebung und Dynamik schon einmal etwas an "Metus Mortis". Eine gute Referenz, ist es doch immer noch das favorisierte BRAINSTORM-Album des Autors. Das steigert etwas die Erwartungen, die aber ehrlicherweise nicht turmhoch sind, war "Memorial Roots" doch kein Album, das den Langzeittest bei mir bestanden hat. Aber genug der Vorrede, jetzt wird "Play" gedrückt und es geht los.

01. Below The Line (06:41)

Zu Beginn fällt auf, dass der Opener mit fast sieben Minuten ungewöhnlich lang ist. Die Epen werden ja sonst üblicherweise eher im zweiten Teil des Albums platziert. Akustikgitarren und Sprachfetzen leiten den Song ein, ehe Andy nach 50 Sekunden einsetzt. Sanftes Midtempo führt den Song nach mehr als zwei Minuten zum Refrain, der sicher mehr als einmal gehört werden muss, um sich festzusetzen. Nach mehr als vier Minuten gibt es ein feines Break mit Gitarren-Solo, welches aber zum Hauptthema zurückführt und den Song mit dem Chorus zum Ende bringt. Ein überraschend verhaltener, aber durchaus gelungener Start.


02. In The Blink Of An Eye (04:33)

Deutlich typischer geht da 'In The Blink Of An Eye' zu Werke. Feines Riff, bollernde Drums, dazu ein Refrain, den man live wunderbar mitsingen kann. Dennoch kein Hit der Marke 'Blind Suffering', 'Highs Without Lows' oder 'All Those Words'. Das ist auch ganz gut so, denn die stellenweise etwas schroffen Strophen geben der Nummer das gewisse Extra. Cool.

03. Temple Of The Stone (03:28)

Der Song beginnt mit einer von Andy a-Capella und verzerrt eingesungenen Refrainzeile. Es folgt ein kompakter, dynamischer Stampfer, der von Andys Vocals, dem feinen Chorus und dem geschickt eingestreuten Todde-Solo lebt. Eine typische BRAINSTORM-Nummer.

04. In These Walls (05:24)

Dominante Keys eröffnen diesen Track, bevor Andy zurückhaltend einsteigt und beinahe flüsternd singt. Nach der angemessenen Steigerung folgt ein hymnischer Refrain, der den Songs in ein angenehmes Midtempo führt, wo er dann für eine Weile verharrt. Nach etwas mehr als vier Minuten folgt ein schönes Break, das Andy mit sehr variablem Gesang zum Schluss führt. Diese hübsche Steigerung macht aus der guten eine sehr gute Nummer.

05. Still Insane (03:53)

Einmal mehr ein kompakter Banger, der zeigt, warum BRAINSTORM als deutsche Antwort auf alte US-Power-Metal-Helden wie VICIOUS RUMORS & Co. gehandelt wird. Ein dezentes Keyboard unterstützt den Song, der einmal mehr live ordentlich abräumen dürfte. Cooler Refrain, Todde/Milan mit dem nötigen Druck, alles gut.

06. Dark Life (04:12)

Hmm, der erste Song, der ein paar unentschlossene Blicke erntet. Das liegt vor allem am erstaunlich platten Refrain, der so gar nicht zu BRAINSTORM passen mag. Ansonsten ist das eine typische BRAINSTORM-Nummer, nur der Chorus gefällt halt überhaupt nicht und nervt gar ein bisschen. Schade.


07. No Sinner - No Saint (05:29)


'No Sinner - No Saint' lässt sich da viel besser an. Schon die Steigerung zu Beginn mit Solo ist gelungen, bevor Andy nach 70 Sekunden dann von der Leine gelassen wird. Nach einem gelungenen Arrangement folgt dann ein mitreißender Refrain, der von einem tollen Riff getragen wird. Ja, das ist exakt das, was man von BRAINSTORM hören möchte. Diese Nummer wird in Zukunft im Liveset nicht mehr fehlen dürfen. Da bin ich mir sicher. Schon jetzt wippt der Kopf, wackeln die Füße, hämmert man mit Fäusten auf die Tastatur ein. Das ruhige Break nach vier Minuten sorgt für die nötige Dynamik, bevor Andy noch einmal den Chorus abfeuern darf. Großartig.

08. Where Your Actions Lead You To Live (03:32)


Huch, jetzt wird es flott. Doublebass, flinkes Riff, Andy gibt ebenfalls Gas und führt den Song zum knackigen Refrain. Das Tempo wird die ganze Zeit hochgehalten, so dass man mit dem Kopfschütteln kaum nachkommt. Kein Wunder, dass der Song eher kurz gehalten wird. Nach etwas zwei Minuten wird das Tempo sogar noch einmal kurzzeitig gesteigert, um dann in einen feinen Instrumentalpart überzugehen. Ja, auch hier stand eine Band wie VICIOUS RUMORS sicher Pate. Sehr stark.

09. A Life On Hold (03:11)

Auch 'A Life On Hold' kommt sehr zügig daher. Fast scheint es so als wollten die Herren den kleinen Aussetzer in Form von 'Dark Life' gleich mehrfach wieder ausgleichen. Jungs, das ist gelungen. 'A Life On Hold' macht mit flotten Riffs und starker Gesangslinie Spaß und ist eine sehr, sehr gute Nummer.

10. My Own Hell (05:28)

Akustische Gitarren und zurückhaltender Gesang von Andy leiten das Ende von "On The Spur Of The Moment" ein. Es folgen orchestrale Einschübe und ein im mittleren Tempo gehaltenes Riff. Der ganze Aufbau des Songs ist episch gehalten, was seinen Höhepunkt in einem coolen gesprochenen Part findet. Dazu passt natürlich auch der Chorus mit seiner Zeile 'I Walk With You Through The Gates Where My Own Hell Awaits'. Ein durchaus ungewöhnlicher Abschluss.

Fazit:
Nach dem ersten Durchlauf schätze ich "On The Spur Of The Moment" auf jeden Fall stärker ein als den direkten Vorgänger "Memorial Roots". Die Hitdichte ist höher, das Songwriting konsequenter, die Arrangements zwingender und mit 'No Sinner - No Saint' gibt es auch einen echten Überflieger zu hören. Ob die Klasse von "Metus Mortis" oder "Liquid Monster" erreicht werden kann, ist jetzt natürlich noch nicht zu sagen. Wer aber vom letzten Werk ein wenig enttäuscht war, kann hier wieder bedenkenlos zugreifen.

Redakteur:
Peter Kubaschk

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