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Listening Report: ARCH ENEMY - "Khaos Legions"

16.04.2011 | 13:14

Am 23. Mai erscheint das neue ARCH ENEMY-Album "Khaos Legions" und es dürfte im Melodic-Death-Metal nur wenige Werke geben, die sehnsüchtiger erwartet werden. Und damit das Warten unerträglich wird, haben wir für euch schon einmal einen Hörtest gemacht, um euch einen Vorgeschmack zu geben auf das, was euch erwartet.

Vor wenigen Jahren noch hätte man diesen Bericht wohl damit begonnen, welches Gefühl man hat, während man die CD das erste Mal einlegt, man hätte die Spannung beschrieben, die einen befällt, während der Schacht sich schließt und man auf die "Play"-Taste drückt und das Cover in jeder Einzelheit begutachtet. Heute klickt man im Promo-Tool auf "Download Complete Album" wartet eine Minute und kann dann loslegen. Spannung? Wenig. Und das mit den Erwartungen? Einfach. Gitarren, Gitarren und noch mehr Gitarren. Mehr braucht es eigentlich nicht. Aber genug der Vorrede, jetzt wird tatsächlich der Mauszeiger zur Starttaste geführt und "Play" gedrückt. Live und ungefiltert die allerersten Eindrücke für Euch.


01. Khaos Overture (Instrumental)

Es geht los mit: Gitarren! Klar. Die Sprachfetzen symbolisieren das Chaos bevor uns ein Sprecher auf die "Khaos Legions" vorbereitet.

02. Yesterday Is Dead And Gone

Die Gitarren jaulen auf und sägen dann ein feines Riff. Angelas Vocals sind giftig wie eh und je, während die Amotts immer wieder Platz zur Entfaltung bekommen, um ein paar Leads einzustreuen. Gerade die melodischen Saitenzaubereien vor dem Refrain sind super. Ansonsten ist 'Yesterday Is Dead And Gone' exakt das, was ARCH ENEMY definiert: abwechslungsreiche Gitarren inklusive tollem Solo, eingängiges Midtempo und darüber fieses Gossow-Gegrunze. Ein guter Einstieg.

03. Bloodstained Cross

Ohne Unterbrechung geht es weiter. Keine Zeit, um durchzuatmen. Zumal einen das flotte Tempo auch gleich mal in den Sitz drückt. Die Gitarrenarbeit erinnert zwischendurch sogar an SLAYER, so schnell wird es zu Beginn. Doch nach etwas mehr als einer Minute drosselt man die Geschwindigkeit zugunsten eines eingängigen Chorus, nur um danach das Gaspedal wieder durchzutreten. Dass die Amott-Brüder dennoch Platz für ordentliche Kabinettstückchen haben, ist Ehrensache. Herrlich dynamische Nummer. Klasse.

04. Under Black Flags We March

Ha! Eintönig kann man die "Khaos Legions" schon nach dem eröffnenden Triple nicht mehr nennen. 'Under Black Flags We March' klingt wie es der Songtitel verspricht und ist eine epische Hymne, die Schlachtrufe herausfordert. Beinahe wünsche ich mir hier einen klaren, kräftigen Sänger, der die Stimmung vielleicht noch etwas besser transportieren könnte. Immerhin stellt man sich bei diesem Titel einen grimmigen, bärtigen, kräftigen Mann vor.

05. No Gods, No Masters

Ein Melodieoverkill läutet die fünfte Nummer des Werks ein. Ja, 'No Gods, No Masters' könnte so etwas wie der Single-Hit der Chaoslegion werden. Rockig und eingängig wie noch nie. Da scheint fast ein wenig der Geist der SPIRITUAL BEGGARS durch. Sehr cool.


06. City Of The Dead

Nach einem Ruf vom Minarett wird kurz Vollgas gegeben. Die Saitenakrobatik der Amotts ist einmal mehr atemberaubend. Doch insgesamt ist die Stadt der Toten ein sehr typischer Track. Sehr heavy im Midtempo und mit vielen feinen Leads & Soli, die von einem relativ eingängigen Refrain versehen werden. Etwas gewöhnlicher als bisher, aber kaum weniger stark. Wobei, die letzte Minute lädt mit ungewöhnlichen Vocallines auch noch mal zu einer hochgezogenen Augenbraue ein. Nein, vorhersehbar ist hier offensichtlich nicht viel.

07. Through The Eyes Of A Raven


Auch hier ist der erste Eindruck erstmal, dass dies eine sehr typische ARCH ENEMY-Nummer ist. Die Drums bollern auch mal doppelt, die melodischen Leads sind wie immer Sahne und die Mischung aus Aggressivität und Eingängigkeit passt auch. Dennoch bisher die vielleicht am wenigsten spektakuläre Nummer. Dem akustischen Outro zum Trotz.

08. Cruelty Without Beauty

Dabei soll es aber nicht bleiben, denn schon der beinahe gruselige Beginn von 'Cruelty Without Beauty' sorgt für einen verstärkten Aha-Effekt. Im weiteren Verlauf gibt es Blastbeats, geigende Gitarren und die aggressivste Gesangsperformance von Angela. Überhaupt ist die Nummer die bislang mit Abstand härteste des Albums und vielleicht sogar in der Bandhistorie. Natürlich darf ein melodisches Solo dennoch nicht fehlen, aber das verstärkt den harschen Effekt der beinahe fiesen Parts nur noch. Sehr geil.

09. We Are Godless Entity (Instrumental)

Ein 90-sekündiges, atmosphärisches Instrumental, das den folgenden Track einleitet.

10. Cult Of Chaos


Und der überrascht auch gleich mal wieder eine gehörigen Portion Aggressivität. Daniel Erlandsson muss seine Felle gehörig verprügeln, Angela ist schon arg angepisst und die melodischen Soli bereiten den Hörer lediglich auf den nächsten Angriff vor. Das brettert herrlich und hätte auch einen guten Opener gegeben.


11. Thorns In My Flesh

Erneut ist vor allem der Beginn ultraheavy. Gleich gibt es Vollgas, das überraschenderweise auch recht lange beibehalten wird. Erst nach weit über einer Minute kommen typische Amott-Leads, die einen sehr harmonischen Refrain einleiten und mich stark an einen bekannten Pop-Song erinnern. Das ergibt einen starken Kontrast zu den wütenden Strophen. Ein Kontrast, der diesem Song sehr gut zu Gesicht steht. Macht Laune.

12. Turn To Dust (Instrumental)

Erneut ein atmosphärisches, diesmal sehr kurzes Instrumental, das den nächsten Song einleitet.

13. Vengeance Is Mine

Und das wird wohl eine Abrissbirne par excellence. Das erbarmungslose, sehr melodische Riffing erinnert zu Beginn gar an EXODUS und erst Angela, die wieder sehr wütend ins Mikro keift, sorgt für die Death-Metal-Note. Die mit angezogener Handbremse gespielten Parts sind unüblich kurz und man bleibt beinahe dauerhaft im Hochgeschwindigkeitsmodus. Für Headbanger eine echte Herausforderung. Brett. Fettes Brett. Was das grandiose Gitarrenfinale nur noch einmal unterstreicht.

14. Secrets


Mit Geheimnissen geht es zu Ende. Ein Ende, dass kaum typischer für ARCH ENEMY sein könnte. Viel Midtempo, tolle Gitarrenarbeit, fiese Gossow-Vocals. Nichts, was ich nicht an anderer Stelle schon beschrieben hätte. Das macht den Song natürlich nicht schwächer, lässt ihn aber im abwechslungsreichen Licht des Gesamteindrucks etwas blass erscheinen. Auch wenn hier das Gitarrensolo schon verdammt geil ist. Huch! Vielleicht sollte ich noch mal meine Meinung revidieren. Andererseits ist die Gitarrenarbeit natürlich immer fantastisch. Nein, 'Secrets' unterstreicht nur noch einmal, dass die zu Beginn geäußerten Erwartungen an Gitarren, Gitarren und noch mehr Gitarren hier absolut erfüllt werden.

Der erste Durchlauf verspricht also ein enorm abwechslungsreiches, stellenweise überraschend brutales ARCH ENEMY-Werk, welches sofort zu überzeugen weiß. Mal schauen, ob auch eine Langzeitwirkung erzielt werden kann oder man doch von der enorm druckvollen Produktion und dem erstaunlich hohen Aggressionpotenzial irgendwann ermüdet. Doch im Grunde bin ich sicher, dass Fans hier hochzufrieden sein werden.

Redakteur:
Peter Kubaschk

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