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LEVERAGE: Interview mit Pekka, Tuomas

05.05.2007 | 01:22

Nachdem die finnischen Rocker von LEVERAGE mit ihrem Debütalbum "Tides" die heimischen Charts erobert und zudem noch den Weg in die Dauerrotationsschleife meines CD-Players gefunden hatten, war ich natürlich neugierig, wer sich hinter der Musik so verbirgt. Sänger Pekka kannte ich bereits durch seine Arbeit mir BROTHER FIRETRIBE, da war die Wiedersehensfreude natürlich groß. Aber auch Gitarrist und Songwriter Tuomas entpuppte sich als ein lustiger Zeitgenosse, so dass das Gelächter im Ilves Restaurant teilweise so laut wurde, dass einige böse Blicke von sich gestört fühlenden Gästen durch den Raum flogen.

Ricarda:
Wie habt ihr euch als Band zusammengefunden?

Pekka:
Ich glaube, das Ganze fing 2001 an. Oder war es 2002?

Tuomas:
Ich würde sagen 2002.

Pekka:
Tuomas hatte in den 90ern einige heavy Rocksongs geschrieben, und er und Torsti trafen sich in Jyväskylä. Tuomas was Torstis Gitarrenlehrer. Torsti hatte Ende der 90er sein eigenes Studio zusammengebastelt, und so ging Tuomas da ab und an mal hin, um Songs einzuspielen, und Torsti produzierte Demos. Aber sie hatten keinen Sänger. Ich lernte Tuomas durch einen gemeinsamen Freund kennen, wir spielten ein Akkustik-Set mit Cover-Songs, und er fing an, mir seine Lieder vorzuspielen. Ich fand die Lieder total super, und so begannen wir, gemeinsam an den Songs zu arbeiten und gingen zu Torsti, um etwas mit ihm zu machen. Und irgendwie formte sich langsam eine Band. Alle anderen Jungs sind auch aus Jyväskylä, und wir nahmen gemeinsam ein Demo mit sieben Songs auf, das uns dann einen Plattenvertrag einbrachte. Dann nahmen wir unser Debütalbum "Tides" auf, und jetzt sind wir hier.

Ricarda:
Wie kamt ihr auf den Bandnamen?

Tuomas:
Wir haben mit vielen Namen rumgespielt. Pekka und ich schrieben uns unzählige SMS mit Vorschlägen (lacht).

Pekka:
Ja, viel Scheiße (lacht).

Tuomas:
Ja, sehr viele dumme Vorschläge (lacht). "Leverage" war ein Wort, dass ich schon in anderen Zusammenhängen kannte, und ich fragte Pekka, ob er wüsste, was es heißt. Er wusste es nicht (lacht), aber er fand, dass es cool klang. Die anderen Jungs stimmten zu, und wir machten uns Gedanken, wie das Logo aussehen könnte und so. Waltari dachte sich das Logo aus, und von da an war die Sache klar. Wenn das Logo so gut aussehen würde, dann müssten wir auch den Namen nehmen (lacht).

Ricarda:
Wie würdet ihr die Musik jemandem beschreiben, der noch nie von LEVERAGE gehört hat? In Deutschland seid ihr ja zum Beispiel noch gar nicht bekannt...

Pekka:
(mit gespielter Entrüstung) Was??? Warum nicht?

Ricarda:
Ja, weiß ich eigentlich auch nicht so recht (lacht).

Pekka:
Hm, in der Kürze liegt die Würze, also würde ich sagen: melodischer, traditioneller Hard Rock mit einigen modernen Elementen. Der Sound ist oft etwas pompös, je größer desto besser.

Tuomas:
Ich würde sagen, dass unsere Musik ein Mix aus vielen Stilrichtungen ist. Sie geht zurück zu den Anfängen des Rock, was die Melodien und Songstrukturen betrifft, aber wir versuchen, dass die Produktion modern klingt. Es ist also ein Mix aus guten alten und guten neuen Sachen.

Ricarda:
Ihr habt bereits erwähnt, dass ihr durch euer Demo einen Plattenvertrag bekamt. Wie ist das genau passiert?

Pekka:
Torsti hatte schon einige Verbindungen zu ein paar Plattenfirmen, weil er in seinem Studio alle möglichen Sachen produziert. Er schickte unser Demo an ein paar Leute und das war's dann. Wir mussten eigentlich nicht viel machen.

Tuomas:
Ja, wir schickten das Demo in Februar und im April hatten wir den Vertrag so gut wie in trockenen Tüchern. Es passierte ziemlich schnell, aber es war auch sehr viel Glück dabei.

Pekka:
Ja, Glück war auf alle Fälle dabei und auch Timing. Ich glaube, die Situation in der Musikszene war einfach richtig zu der Zeit als wir das Demo machten. Es war schon ein Qualitätsdemo, aber ich glaube, wenn wir es einige Jahre früher aufgenommen hätten, dann hätten wir wahrscheinlich gar keine Chance gehabt.

Ricarda:
Könnt ihr auch etwas über den Aufnahmeprozess zu eurem Debütalbum erzählen? Habt ihr auch einige Songs des Demos auf das Album gepackt?

Tuomas:
Nein, wir fingen bei Null an. Nur zwei der zehn Lieder waren schon etwas weiter fortgeschritten, aber der Rest entstand innerhalb von 1-2 Jahren. Es kann natürlich schon sein, dass ich hier und da mal eine Zeile aus einem Song, den ich bereits in den 90ern schrieb, verwendete, aber die Songs an sich sind neu und auch für Pekkas Stimme geschrieben. Wir probten nur etwa eine Woche und gingen dann im November 2005 in Torstis Studio in Jyväskylä. Dann für die nächsten 2-3 Monate arbeiteten wir an dem Album, also hatten wir es im Februar 2006 fertig. Es war ziemlich schmerzfrei, weil wir schon Erfahrung mit unserem Demo gesammelt hatten und aus unseren Fehlern lernen konnten. Und wir hatten ein langes Gespräch mit Torsti, wie alles klingen sollte, da er ein Profi ist und sich mit der ganzen Technik auskennt.

Ricarda:
Was macht LEVERAGE einzigartig, wenn man sie mit den anderen Bands aus dem Genre vergleicht?

Pekka:
Ich finde Vergleiche mit anderen Bands eigentlich immer sehr unnötig. Was uns einzigartig macht, ist schon mal die Tatsache, dass wir uns getroffen haben (lacht). Ich hätte nie gedacht, dass ich mal in einer so coolen Band singen würde. Ende der 90er gab es eine Phase in meinem Leben, die gar nichts mit Musik zu tun hatte, weil damals Rockmusik in Finnland nicht angesagt war. Ich hatte einfach keinen Bock mehr und war frustriert, aber die Dinge änderten sich, und ich lernte diese Jungs kennen, und das allein ist einzigartig.

Ricarda:
Ihr zwei wohnt in Helsinki und der Rest der Band in Jyväskylä. Wie funktioniert das?

Tuomas:
Es sind nur drei Stunden Fahrt, also ist es nicht so weit. Und auch die moderne Technik ist eine große Hilfe. Ich kann mit meinem Computer ein paar Demos machen, und wir mailen uns ständig die mp3s neuer Songs mit neuen Ideen hin und her. Die Jungs können also die Songs schon alleine üben, und dann treffen wir uns alle, um die Lieder als Band auszuarbeiten. Pekkas Stimme ist mit der größte Faktor in unserer Musik, wir haben viel Glück einen Sänger und einen Typen wie ihn zu haben. Aber nein, es ist eigentlich nicht so schwer, es gibt ja auch viele Bands, die in verschiedenen Städten leben.

Pekka:
Ja, allerdings würde es uns auch nicht weh tun, ein wenig mehr zusammen zu spielen (lacht). Aber es funktioniert schon gut. Wenn wir ein paar Gigs geplant haben, fahren wir meistens für mindestens einen Tag nach Jyväskylä und proben zusammen.

Ricarda:
Euer Debütalbum war ein ziemlicher Erfolg.

Tuomas:
Ja, wir waren sehr überrascht, weil wir nur bei einem kleinen Label sind und so gut wie keine Promotion hatten. Keine Kampagnen oder so. Außerdem hatten wir auch noch gar nicht getourt und so war es eine sehr schöne Überraschung, dass es so gut lief. Aber natürlich ist es ein Langzeitprojekt, und wir müssen noch viel tun, damit uns mehr Leute kennen lernen. Die Arbeit mit "Tides" läuft noch immer, was die Promotion angeht. Es ist bereits in Japan und Korea veröffentlicht worden, aber zum Beispiel haben wir keinen Vertrag für Zentral-Europa, das wird gerade verhandelt. Also hoffentlich geht das alles ein wenig schneller mit unserem zweiten Album.

Ricarda:
Erinnert ihr euch, was ihr gerade getan habt, als ihr eure Single 'Superstition' zum ersten Mal im Radio hörtet?

Pekka:
Ich glaube, wir waren zusammen auf dem Weg von Jyväskylä zurück nach Helsinki. Erinnerst du dich?

Tuomas:
Ja, ich glaube auch, dass das das erste Mal war.

Pekka:
Wir haben immer viel Spaß, wenn wir gemeinsam nach Jyväskylä und zurück fahren. Wir unterhielten uns und witzelten herum und hörten Radio, und plötzlich wurde 'Superstition' gespielt. Wir haben die Lautstärke richtig aufgedreht (lacht). Es war so ein geiles Gefühl.

Ricarda:
Wie lustig, dass ihr auch gerade zusammen wart. Wie läuft das Songwriting in der Band ab?

Tuomas:
Für das Debütalbum war meist ich verantwortlich. Da ich ein paar Songs schon geschrieben hatte und mehr und mehr schrieb nachdem ich Pekka traf, war es ganz natürlich, dass es so ablief. Ich schreibe auch viel außerhalb von LEVERAGE, aber die Lieder mit LEVERAGE stellen genau das dar, was ich schon immer machen wollte. Es war also sehr toll, dass ich plötzlich so eine Band hatte und die Lieder verwenden konnte. Manchmal kommt ein Song schon fast fertig raus. Zum Beispiel 'Dreamworld', den Song schrieb ich in zwei Stunden. Aber bei anderen Liedern musst du richtig lange arbeiten, bis du zufrieden bist. Auf dem Album gibt es solche und solche Songs, manche waren sehr einfach zu schreiben und mit manchen mussten wir viel arbeiten, also gibt es keinen einen Prozess. Songs zu schreiben ist toll, aber es kann auch ganz schön auf die Nerven gehen, weil man manchmal echt frustriert ist. Wegen manchen Songs konnte ich nachts nicht schlafen (lacht). Oder mir fiel mitten in der Nacht etwas Tolles ein, aber am Morgen hatte ich es vergessen (lacht). Es ist also eine große Erleichterung, wenn die Arbeit beendet ist und man das Master-Tape in der Hand hält. Danach kannst du nichts mehr tun, dann liegt es an den Leuten, ob sie die Musik mögen oder nicht.

Ricarda:
Du schreibst ja auch die Texte. Hast du eine besondere Inspirationsquelle?

Tuomas:
Ich weiß es gar nicht so recht. Die Songs sind meistens über grundlegende Gefühle der Menschen, aber ich versuche diese in kleine Geschichten zu verpacken. Die Musik versetzt dich in eine bestimmte Stimmung, und wenn du dann ein paar Zeilen geschrieben hast, wird die Geschichte klar, die du erzählen möchtest. Auch das kann ziemlich aufreibend sein, weil man ja alles richtig machen will. Es ist bei mir auch immer das gleiche: ich weiß nie, ob ein Song gut oder schlecht ist, bevor ich ihn den Jungs vorgespielt habe. Pekka erweckt die Songs zum Leben, und obwohl ich die Texte mit seiner Stimme in meinem Kopf schreibe, kann ich trotzdem nichts Genaues sagen, bis ich es wirklich höre. Und selbst dann frage ich ihn noch.

Ricarda:
Hast du eine Routine bei Songwriting, zum Beispiel dass du immer erst mit der Melodie anfängst oder immer erst mit dem Text?

Tuomas:
Meistens passiert alles zusammen. Oft beginnt es mit nur ein paar Wörtern, wo ich denke, dass sie sich gut zusammen anhören. Oder man hat ein Riff, das man toll findet. Es kann auch passieren, dass du zuerst eine Idee hast, die dann wieder über Bord geworfen wird. Zum Beispiel bei dem Song 'Dreamworld': ich sang die ganze Zeit 'New York, New York' (alle lachen) ... und ich dachte, es könnte ein Song sein über eine Person, die auswandert. Aber die Idee ist offensichtlich verworfen worden.

Pekka:
Verdammt. Das wäre zu toll gewesen (lacht).

Ricarda:
Ein toller Song zum Saufen (lacht) ...

Tuomas:
Ja, genau (lacht). Aber dann fuhr ich nach Lappland, um ein paar Gigs mit einer THIN LIZZY-Tributeband zu spielen, und ich stand draußen in der Kälte. Es war mitten in der Nacht, wir waren in einer Hütte im Wald, und die Sterne schienen. Und ich dachte mir, wie scheiße es jetzt wäre, sich im Wald zu verlaufen, und so kam der 'Dreamworld'-Gedanke in meinen Kopf.

Pekka:
Dann fing er wieder an 'New York, New York' zu singen (allgemeines Gelächter). So nach dem Motto: "Jetzt hab ich es! ... 'New York, New York'" (mehr Gelächter).

Ricarda:
Ok. Und wann fiel euch auf, dass ihr ein Faible für Musik habt?

Pekka:
Ich war sieben Jahre, als mich HANOI ROCKS total vom Hocker rissen. Ich hatte ein paar Freunde, die genauso musikverrückt wie ich waren, und so wurden wir alle zusammen reingezogen. HANOI ROCKS war wirklich die erste Band für mich. Danach gab es kein Zurück mehr.

Tuomas:
Aus irgendeinem Grund habe ich die BEATLES-Alben meiner Eltern entdeckt, als ich vier war. Ich liebe die Band noch immer, aber der Gedanke, dass ich Rock spielen wollte, kam durch meinen Cousin. Er war 16, ich war zehn, und er sang und spielte Gitarre und stand total auf Hard Rock. Er war mein Idol, ich wollte auch spielen lernen und so sein wie er und die selbe Musik hören. Wie Kinder halt so sind. Ich fuhr immer mit dem Fahrrad zu ihm und ging ihm tierisch auf die Eier bis er mir ein paar Alben gab und mich nach Hause schickte (lachte). Also hörte ich RAINBOW und DEEP PURPLE und den ganzen Kram und wollte lernen, diese Songs zu spielen. So fing alles an.

Ricarda:
Erinnert ihr euch, was das erste Lied war, das ihr spielen konntet?

Tuomas:
Der allererste Song, den ich auf der Gitarre spielen konnte, war 'I Will Stay' von THE HURRIGANES. Ich sah einen Typen dieses Lied spielen und lernte es von ihm.

Pekka:
Wir spielten genau diesen Song mit meiner alten Band bei unserem ersten Gig (lacht)! Aber mein erstes Lied war ... (überlegt) ... Oh ja! Das erste Lied, das ich spielen konnte war 'Tom Dooley' (alle lachen). Ich spielte es die ganze Zeit und sang dazu, es waren ja auch nur zwei Akkorde, G und D. Ich war total stolz: "Hey, you wanna hear a song? I play you one ... (singt) 'Hang down your head, Tom Dooley, hang down your head and cry...'"

Tuomas:
"Thanks, I appreciate it."

Pekka:
"Wanna hear another one? It goes like this: 'Hang down your head, Tom Dooley...'" (allgemeines Gelächter)

Ricarda:
Hast du dich damit auch auf die Straße gestellt?

Pekka:
Nein, so selbstsicher war ich dann doch nicht (lacht).

Ricarda:
Welche Bands haben LEVERAGE beeinflusst?

Tuomas:
Ich denke, man kann sehr viele Einflüsse hören, manche sind sehr einfach zu entdecken, und andere sind etwas versteckter. Ich glaube, viele Leuten hören Einflüsse von RAINBOW. Ich denke nicht, dass es einen Song gibt, der total nach RAINBOW klingt, aber es gibt einige Elemente. Kein Wunder, denn Richie Blackmore war wie ein Gott für mich, als ich ein Kind war. Ich denke, was man hört und mag, schlägt sich automatisch in den eigenen Songs wieder. Aber es gibt nicht nur eine Band, von der wir beeinflusst wurden, das wäre auch sehr traurig, wenn es so wäre, denn dann wären wir ja quasi nur eine billige Kopie. Man muss auch fähig sein, etwas von einem selbst in die Songs zu stecken.

Ricarda:
Hast du auch einen normalen Job? Von Pekka weiß ich ja schon, dass er einen hat.

Tuomas:
Hm, ich weiß nicht, ob man seinen Job als so normal bezeichnen kann (lacht).

Pekka:
(lacht) Lass es uns umformulieren: "Ich habe einen Job!" (alle lachen)

Tuomas:
Nun, ich bin ein Lehrer und ich bin der Leiter einer Musikschule in Espoo. Es ist eine Privatschule, und die Kids kommen, um dort Pop und Rock zu spielen, wir haben etwa 600 Schüler. Wir haben auch ein Studio und so. Also arbeite ich quasi die ganze Zeit mit Musik.

Pekka:
Und ich war nicht gut genug für die Schule, ich habe mich immer wieder und wieder beworben. (alle lachen)

Tuomas:
Du kennst doch bestimmt Asterix, oder? Er ist quasi wie Obelix, er ist in den Topf gefallen und einfach zu stark. (mehr Gelächter)

Ricarda:
Pekka, du spielst auch in BROTHER FIRETRIBE. Was passiert da so im Moment?

Pekka:
Eigentlich nicht viel. Wir touren und mehr eigentlich nicht. Es gibt natürlich schon Pläne für unser zweites Album, aber noch nichts Konkretes.

Ricarda:
Tuomas, du schreibst auch Songs für andere Künstler. Hast du 'I Thought We Were Lovers' für AGNES geschrieben?

Tuomas:
Ja, genau.

Ricarda:
Wie kam es dazu?

Pekka:
"Ich habe mich im Wald verlaufen, es war total kalt..." (allgemeines Gelächter)

Tuomas:
Nun, ich bekam einen Anruf und mir wurde gesagt, dass man einen Song im Stil des 80er Jahre Hard Rocks für eine Sängerin bräuchte. Ich hatte zwar von AGNES gehört, aber hatte nicht wirklich einen Plan. Sie wollten einen Song im Stil von WHITESNAKE, und so schrieb ich einige einfache Songs wie auch 'I Thought We Were Lovers'. Es ist kein komplizierter Song, aber er geht ins Ohr. Wir haben einige sehr talentierte Leute an der Schule, zum Beispiel ein sehr guter Sänger namens Kimmo. Mit ihm nehme ich die Demosongs auf, die dann an andere Künstler gehen sollen. So war es auch bei diesen Liedern, und die Company mochte sie und zwei Lieder schafften es auf das Album: 'I Thought We Were Lovers' und 'When The Night Falls'. Ich habe AGNES niemals getroffen oder so, aber es ist sehr lustig zu hören, wie nahe beieinander die Demo- und die Albumversion liegen.

Ricarda:
Hast du auch für andere Künstler geschrieben?

Tuomas:
Ja, es gibt einige Songs, die irgendwo rumschwirren. Es ist gut und schlecht. Es ist natürlich toll, dass ich diese Möglichkeit habe, aber auf der anderen Seite schreibe ich Songs und schicke sie ein und weiß nie, ob ein Lied letztendlich wirklich genommen wird oder nicht. Ich habe aber einen Vertrag mit Sony Scandinavia, in dem steht, dass ich eine bestimmte Anzahl von Songs im Jahr schreiben muss. Es gibt Millionen von Songwritern, die so arbeiten, also bin ich nur einer unter vielen.

Ricarda:
Mögt ihr lieber die Arbeiten im Studio oder die Live-Auftritte?

Pekka:
Oh, das ist einfach: Live-Auftritte!

Tuomas:
Ja, das ist echt einfach, denn nichts ist besser als live zu spielen! Wenn man im Studio ist, dann fehlt irgendetwas. Wenn man als Band alleine im Studio ist, dann hat man nur die ganze Technik, und es fehlt einfach etwas. Die Produktion muss perfekt sein bei den heutigen Standards, und das kann sehr ermüdend sein. Er muss dann zum Beispiel seine Zeilen 20mal einsingen, oder bei ihm ist es vielleicht eher 20.000mal (alle lachen)...

Pekka:
Wusste ich's doch, dass du mitzählst! (mehr Gelächter)

Tuomas:
Es ist einfach so, dass es wirklich Leute gibt, die sich das Album daheim anhören und aufpassen, ob sich irgendwo ein Fehler eingeschlichen hat. Es ist sehr schmerzhaft, alles endlich perfekt zu haben, aber trotzdem noch ehrliche Musik zu machen.

Pekka:
Ich denke, 95% warum wir überhaupt Musik machen, haben mit dem live spielen zu tun. Nichts ist ein besseres Gefühl als auf die Bühne zu gehen und deine eigenen Lieder vor Leuten zu spielen, die die Musik mögen und mitsingen.

Tuomas:
Ja, das ist wirklich das Größte! Man erarbeitet etwas in einem kleinen Studio und plötzlich steht man auf der Bühne, und Leute singen die Lieder lauthals mit.

Ricarda:
Wie wichtig denkt ihr ist der Kontakt mit den Fans?

Tuomas:
Sehr wichtig!

Pekka:
Wir haben tolle Fans. Und auch welche, die sehr mit der Webseite helfen, auch Leute aus Deutschland. Es ist so cool, dass es Leute gibt, die unsere Musik so toll finden, dass sie diese Arbeit freiwillig übernahmen. Wir können ihnen eigentlich gar nicht genug danken. Es wäre cool, ihnen vielleicht mal in Form eines Konzertes zu danken oder so, etwas Persönliches halt.

Tuomas:
Es hilft natürlich auch ungemein, dass wir beide unserer Fans kennen... (allgemeines Gelächter)

Pekka:
(lachend) Ja, das stimmt wohl..."Danke, Mom!" (mehr Gelächter)

Tuomas:
Ich rufe meine Mutter jeden Tag an und sage "Danke für die Unterstützung..."

Pekka:
"...und übrigens habe ich Hunger!" (mehr Gelächter)

Ricarda:
Dann lasst uns noch kurz über das zweite Album reden. Pläne?

Tuomas:
Wir sind gerade dabei, Songs zu schreiben. Das Album wird etwas anders in dem Sinne, dass es viel mehr ein Band-Album ist und jeder etwas dazu beisteuert. Ich habe einige Songs bereits fertig, und Pekka hat auch schon ein paar Demos eingesungen. Unser Gitarrist Torsti hat auch einige sehr vielversprechende Songs, und ich hoffe wir werden 14 oder 15 Songs bis zum Sommer haben, so dass wir dann entscheiden können, welche wir ausfeilen wollen.

Ricarda:
Werdet ihr auch auf Sommerfestivals spielen?

Tuomas:
Ja, auf alle Fälle, aber welche und wann wird erst im Frühjahr feststehen, denke ich.

Ricarda:
Irgendwelche letzten Worte?

Pekka:
"New York, New York..." (lacht)

Tuomas:
Letzte Worte, bevor du uns erschießt und unsere miserable Existenz beendest? (lacht)

Ricarda:
Ja, genau. (lacht)

Tuomas:
Sag einfach allen Hallo, die das hören oder lesen! Und wir sind sehr froh, dass die Leute an uns interessiert sind, und mehr über uns wissen wollen. Hoffentlich können wir irgendwann auch einmal in Deutschland spielen.

Pekka:
Dem schließe ich mich an.

Ricarda:
Gut, dann vielen Dank für eure Zeit.

Tuomas & Pekka:
Wir danken dir. Bis später.

Redakteur:
Ricarda Schwoebel

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