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LAKE OF TEARS: Interview mit Johan Oudhuis

12.09.2007 | 21:38

Bereits im April dieses Jahres ist "Moons And Mushrooms", das neue Album von LAKE OF TEARS erschienen und so sind die Jungs, die sich wie Johan Oudhuis im folgenden Interview verrät, ihre Zeit für die Musik zwischen bürgerlichem Job und Familie oft suchen müssen, über den Sommer so beschäftigt, dass man sich meinen Fragen erst im August stellen kann. Zumindest für den Erfolg der Scheibe dürfte das aber sprechen.

Erika:
Zunächst möchte ich mit einer Frage zu Cover und Titel eures neuen Albums beginnen: In der Vergangenheit habt ihr euch gelegentlich auf der Bühne mit Fliegenpilzhüten präsentiert und nun sind solche Pilze auf eurem Cover. Habt ihr eine spezielle Beziehung zu diesen Pflänzchen oder wollt ihr eine spezielle philosophische Botschaft damit rüberbringen? Oder könnt ihr gar die Assoziation mancher Leute nachvollziehen, die meinen, ihr habt uns etwas über Drogenkonsum mitzuteilen?

Johan:
Vielleicht symbolisieren sie so etwas wie eine geistige Haltung mit niedrigen oder gar keinen Grenzen. In diesem Fall könnte es ebenso eine philosophische Haltung sein wie Drogen zu konsumieren.

Erika:
Ich finde das Cover eures Albums sehr futuristisch. Ich assoziiere etwas wie 'das Ende von Raum und Zeit'. Besonders dieses gleißende Licht macht das aus. Welche Themen zum Beispiel politischer oder sozialer Art oder die Natur betreffend haben euch bei der Arbeit von "Moons And Mushrooms" beeinflusst?

Johan:
Sicher, der Raum zielt darauf ab, dir ein futuristisches Gefühl zu verleihen, wahrscheinlich aufgrund der Tatsache, dass wir verglichen mit dem, was sein wird, heute nur so wenig wissen. Gefühle oder Emotionen sind wahrscheinlich das Schlüsselelement im lyrischen Teil von "Moons And Mushrooms". Es geht mehr um die großen und kleinen Qualen im Alltag als um politische und soziale Themen. Allerdings berührt Politik fast alle Dinge, so dass du doch irgendwie auch politische/soziale Themen streifst.

Erika:
Lass uns zur Musik kommen: Welche Stimmung wollt ihr mit euren Songs erzeugen? Meiner Meinung nach vollführt ihr einen Drahtseilakt zwischen rockigem und melancholischem Sound. Was denkst du?

Johan:
Ich glaube, du brauchst den Kontrast zwischen Melancholie und rockigerem Zeug, um alle Teile hervorzuheben. Wenn alles nur finster und melancholisch ist, nur schnell oder nur langsam - in den meisten Fällen wirst du dann nicht erreichen, was du eigentlich herausstellen wolltest. Variationen sind meist eine gute Sache. Allerdings wird es sicher einige große Bands geben, die das bestreiten würden.

Erika:
Im Allgemeinen sagt man, ihr seid eine Gothic-Rock-Band. Kannst du dich selbst mit diesem Genre identifizieren?

Johan:
Ein bisschen können wir uns schon mit Gothic identifizieren. Besonders früher sahen wir uns selbst als Gothic-Metal-Band. Aber wir haben uns definitiv weiterentwickelt hin zu einem Sound, der schwerlich einem Genre zuzuordnen ist. Diese Frage wird uns oft gestellt, so mag etwas dran sein. Ob dieser Status der "Genrelosigkeit" zu unserem Vor- oder Nachteil ist, wissen wir nicht.

Erika:
'Like A Leaf' hat in meinen Augen fast den Charakter eines Popsongs. Ich könnte mir vorstellen, dass er im deutschen Radio gespielt würde, sollte ein Sender darauf stoßen. Aber normalerweise sind Gothic Rock und Metal ja nicht so populär im deutschen Mainstream-Radio. Wie ist das in Schweden? Seid ihr in Radio oder Fernsehen präsent?

Johan:
Dass 'Like A Leaf' als Radio-Track passen würde, haben wir auch gedacht, als wir den fertigen Song gehört haben. Er ist außerdem wahrscheinlich der beste Song des Albums. Hier wird auch nicht viel Metal im Radio gespielt. Du musst die beiden Rocksender einstellen, die hier im Stockholmer Raum sind. Ich würde sagen, wir sind sehr erfolglos mit unseren Songs in Radio und Fernsehen.

Erika:
Erzähle mal etwas zu euren musikalischen Wurzeln! Bevor ihr mit LAKE OF TEARS begonnen habt, wart ihr Mitglieder der Death-Metal-Band CARNAL ERUPTION. Aber mich interessiert, was davor war. War jemand von euch auf einem Konservatorium und gibt es eine Beziehung zur klassischen Musik?

Johan:
Keiner von uns hat eine richtige musikalische Ausbildung. Wir sind der klassische Fall ein paar Jugendlicher, die in einem beschissenen kommunalen Probenraum herumhingen und sich irgendein Instrument geschnappt haben, das sie für cool hielten. So waren wir, bevor es mit der Band los ging selbst Fans mit einer Menge freier Zeit.

Erika:
Was hältst du von Metal-Klassik-Fusionen à la THERION?


Johan:
Das ist nichts, was ich besonders schätze. Ich bevorzuge eher Metal allein und umgekehrt.

Erika:
Es hat fast drei Jahre gedauert, bis ihr nach "Black Brick Road" das nächste Album herausgebracht habt. Hat das besondere Gründe?

Johan:
Hm, für gewöhnlich brauchen wir immer um die zwei Jahre zwischen den Alben. Ich glaube, das liegt hauptsächlich daran, dass wir keine professionelle Band sind. Das heißt, manchmal finden wir kaum Zeit und Raum für die Musik. Da sind unsere Jobs, die Familien. Wir versuchen, das nächste Mal schneller zu sein. Versprochen!

Erika:
Seit 2005 habt ihr einen Deal mit Dockyard1, einem deutschen Label. Wie bewertest du die Zusammenarbeit bis jetzt?

Johan:
Wir haben den Deal mit ihnen zwar seit 2005, haben aber unser erstes Album bei ihnen erst vor ein paar Monaten herausgebracht. Deshalb ist es etwas früh, über diese Verbindung zu resümieren. Es scheint jedoch gut zu laufen und wir kennen sie auch von unserer Zeit bei Noise.

Erika:
Wie sieht es aus mit einer Tour zur neuen Scheibe?

Johan:
Leider gibt es bis jetzt keine Pläne.

Erika:
Gibt es noch irgendetwas, das du an unsere Leser loswerden willst?

Johan:
Denkt immer daran: Nur der Tod ist wirklich! Also, habt Spaß!

Erika:
Danke für dieses Interview und meine besten Wünsche für eure nächsten Schritte.

Redakteur:
Erika Becker

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