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LAKE OF TEARS: Interview mit Daniel Brennare (LAKE OF TEARS)

01.01.1970 | 01:00

Tatort WFF. Es ist Sonntag, der 04.07.2004 kurz vor 18 Uhr am Hot Dog Stand. Nachdem ich ohne Presseausweis ausgestattet das Aufnahmegerät kurz vor dem ROSE TATTO-Konzert aufs Festivalgelände geschmuggelt habe (und vorher und nachher nie von einem Ordner angesprochen wurde, jedoch bei Mitnahme des Aufnahmegeräts gefragt worden bin, ob das viereckige Etwas in meiner Hosentasche ein Handy sei), treffe ich endlich Ulli von Sanctuary Records die die Pressetermine von LAKE OF TEARS organisiert. Nach einigem Hickhack krieg ich doch mein neongelbes Pressebändchen mit der Auflage, es unmittelbar nach dem Interview wieder zurück zu geben. Im Backstagebereich angekommen treffe ich auch schon die drei Jungs, die mir das Zweite und letzte Interview auf dem Festival geben.
Bis auf Drummer Johan Oudhuis, der sich das Ganze Interview lang an einer zuckerfreien Red Bull Plöre klammert und leicht verschlafen aus der Wäsche guckte, sind sowohl Bassist Mikael Larsson, als auch Gitarrist, Sänger und Bandkopf Daniel Brennare bestens aufgelegt. Überdies sind die Jungs absolut bodenständig und auf dem Teppich geblieben, und können sie sich auch über kleine Dinge freuen, was sie absolut sympathisch macht, doch lest selbst.

Tolga:
Ihr seid das erste Mal auf dem WFF. Wie gefällt es euch denn bisher?

Daniel:
Bisher haben wir davon nicht soviel mitgekriegt, da wir erst seit knapp zwei Stunden auf dem Festivalgelände sind und noch nicht die Möglichkeit hatten uns in Ruhe die Bands anzuschauen.

Tolga:
Was war es für ein Gefühl nach fünf Jahren Pause das neue Album zusammen mit Mikael und Johan einzuspielen? Hast du irgendwas im Vergleich zu dem Vorgängeralbum "The Neonai" verändert?

Daniel:
Nein, soviel hat sich nicht geändert. Wir haben das Album ganz normal eingespielt und jeder hat seinen entsprechenden Part dazu beigetragen.

Tolga:
Habt ihr für die Zukunft konkrete Tourpläne und wenn ja, wie schauen diese denn aus?

Daniel:
Wir schauen mal was passiert. Hängt davon ab, ob wir ein positives Feedback auf unser Album bekommen. Als Musiker willst du auch wissen, wie die Songs ankommen. Wenn die Resonanzen gut ausfallen, stehen die Chancen für eine Tour höher. Nachdem wir so lange weg waren ist ein gutes Gefühl wieder mal zu touren. Wir schauen mal, was für Eindrücke wir den Sommer über mit verschiedenen Shows machen und planen danach weiter.

Tolga:
Ich hab mir eure CD angehört und find sie echt cool. Habt ihr euch schon Gedanken über einen Videoclip oder Singleauskopplung gemacht? Das vierte Stück 'Dystopia' ist doch geradezu prädestiniert als Single veröffentlicht zu werden?

Daniel:
Wir haben bisher darüber noch nicht diskutiert. Wir müssen das Ganze mit Noise absprechen. Noise hat dahingehend bestimmte Strategien und Planungen und sie haben meiner Meinung nach mehr Ahnung davon als wir. Aber natürlich wäre es schön, wenn wir ein Video machen könnten.

Tolga:
Habt ihr schon bestimmte Songs in der näheren Auswahl, die sich als Single eignen würden?

Daniel:
Nein, aber es gibt schon ein paar Kandidaten. Die ergeben sich auf natürliche Art und Weise. Wir werden in der Band diskutieren welche Lieder sich am besten eignen und dann uns für einen oder zwei entscheiden.

Tolga:
Der Opener 'The Greymen' und das vorhin angesprochene 'Dystopia' eignen sich optimal als Single, da sie beide um die vier Minuten lang sind.

Daniel:
Ja, doch, ich glaub die würden funktionieren. Der Opener ist aber meiner Meinung nach besser als ‘Dystopia’, doch wir müssen das noch ausdiskutieren.

Tolga:
Was die heutige Szene angeht, so ist Gothic Rock sehr populär, z.B. durch HIM. Glaubt ihr, ihr habt eine Chance einen Support zu kriegen oder auf dieser Welle mitzuschwimmen?

Mikael:
Alles ist heutzutage irgendwie Gothic.

Tolga:
Was haltet ihr von der aktuellen Gothic-Szene?

Daniel:
Es gibt da eine Menge Bands heutzutage. Es gibt große, aber auch gute Bands. Wir sind nicht zu sehr in dieser Musik involviert.

Tolga:
Doch heutzutage ist diese Art von Musik populärer als vor zehn Jahren, als ihr angefangen habt. Da fällt mir auf Anhieb SISTERS OF MERCY ein.

Daniel:
Heutzutage gibt es schon mehr Bands. Wir denken nicht nach über diesen typischen Gothicstil. Es ist nicht so wichtig, wenn du einen Song schreibst, wo du ihn nun genau spielst

Mikael:
Unser erstes Album konnte man dem Gothicstil unterordnen, doch spätestens mit unserem dritten Album "A Crimson Cosmos" haben wir uns schon deutlich vom üblichen Gothic Rock abgehoben und deutlich weiterentwickelt. Das ist in meinen Augen nicht mehr typisch Gothic.

Tolga:
Die aktuellen sogenannten "Gothic Bands" spielen jedoch eher Rock mit einem melancholischen Unterton. Vor allem euer neues Album hebt sich ab und ist nicht so monoton, sondern sehr abwechslungsreich. Da fällt mir auf Anhieb das Titelstück 'Black Brick Road' ein, das an DEEP PURPLE angelehnt ist. Habt ihr das von vornherein so geplant?

Daniel:
(lächelnd) Einige Parts des Songs waren so geplant und andere sind spontan im Studio entstanden. Fünfzig Prozent sind geplant und fünfzig Prozent sind improvisiert. Wir versuchen es nicht von Beginn an festzulegen. Wir hatten diesen Orgelspieler und dachten, dass es gut wäre in dem Song die Orgel einzusetzen.

Tolga:
Im Vergleich zu "A Crimson Cosmos" ist "Black Brick Road" wesentlich abwechslungsreicher ausgefallen. Da ist von DEEP PURPLE bis URIAH HEEP und typischen Gothiksongs wie 'Sister Sinister' alles vertreten.

Daniel:
Ich finde, jedes Stück steht für sich alleine. Vom Basic Track hin zur Endfassung werden viele Dinge diskutiert, wie z.B. wie viele Gitarrenspuren kann man verwenden, ist es angebracht Keyboards einzusetzen, wie gestaltet man die Lyrics und so weiter. Das ist es, was das Komponieren und Spielen von Musik so spannend macht.

Tolga:
Wer war die Frauenstimme bei 'Sister Sinister'? Habt ihr sie vorher gekannt?

Daniel:
Wir kannten sie vorher nicht und kennen sie jetzt auch nicht, ha, ha, ha. Wir haben vorher keine Frauenstimme auf irgendeinem unserer Songs eingesetzt. Wir dachten uns, wir probieren es mal mit einer Frauenstimme und sind dann an diese Dame herangetreten. Um ehrlich zu sein: Wir sind auf das Stück nicht gerade stolz, doch wir haben's zumindest probiert.

Tolga:
Die ersten vier Songs eurer aktuellen CD gehen meiner Meinung nach gut ins Ohr. 'Sister Sinister' ist dahingehend eher gewöhnungsbedürftig und braucht vielleicht mehrere Durchgänge, oder siehst du das anders?

Daniel:
Nee, nee, es stimmt schon. Wir skippen dieses Lied auch immer wieder weg (lacht). Aber du weißt es nicht vorher. Die Stücke entwickeln sich im Studio in zwei Richtungen. Die Hälfte der Songs waren zu Beginn der Aufnahmen noch nicht fertig. Manche davon wurden besser, andere wiederrum schlechter oder einfach nur Scheiße.

Tolga:
Ich find's echt cool, dass ihr so ehrlich seid, da die meisten Bands, die eine aktuelle CD dabeihaben, sagen, dass dies das beste Album sei, das sie je aufgenommen haben.

Daniel:
Ich denke, man muss ehrlich sein. Wir spielen schon so lange Musik und wollen auch Spaß dran haben. Wenn man nicht ehrlich sich selbst gegenüber ist und nicht zu dem steht, was man macht, dann fühlt man sich schlecht dabei. Selbst wenn man nicht so sehr darüber nachdenkt, wenn wir was machen, was uns absolut nicht gefällt, lügen wir uns selbst an und machen uns etwas vor. Man gewinnt nichts dabei, wenn man so handelt.

Tolga:
Habt ihr schon eine Setlist für eure Show heut nacht? Wollt ihr auch neue Songs spielen oder nur alte?

Daniel:
Ich denke, wir spielen vier neue Lieder. Meiner Meinung nach ist das schon recht viel für unseren ersten Auftritt nach so langer Zeit, denn die Leute kommen zu uns in erster Linie um die alten Sachen zu hören. Wir müssen auch ein bisschen Promotionarbeit leisten und beim Spielen der neuen Lieder fühlen wir uns besser.

Tolga:
Was wollt ihr jetzt noch machen? Gibt es auf dem Festival noch Bands, die euch irgendwie interessieren, wie z.B. MONSTER MAGNET oder SOULFLY?

Daniel:
Ich glaub, wir werden erstmal was futtern und trinken. Wir können leider nicht soviel trinken wegen unserem Auftritt, ansonsten wäre es nicht schlecht auf dem Festivalgelände zu flanieren.

Tolga:
Seid ihr direkt aus Schweden hierher gekommen?

Mikael:
Nein, aus Istanbul.

Tolga:
Cool, ich bin nämlich aus der Türkei, desdewesche. Wo habt ihr in Istanbul gespielt? Auf einem Festival?

Mikael:
Rock The Nations.

Daniel:
Rock The Nations.

Tolga:
Ahh, Rock The Nations. Das ist schon recht populär. Ein recht großes Festival, oder? Fandet ihr es gut?

Daniel:
Yo, war schon eine schöne Erfahrung und es geht noch in unserem Kopf weiter.

Mikael:
War schon echt nicht schlecht, wir haben jedoch auf dem Flug unser Gepäck verloren.

Tolga:
Mit welcher Airline seid ihr denn geflogen?

Mikael:
Turkish Airlines!

Tolga:
Hier in Deutschland werden sie gemeinhin Never-Come-Back-Airlines genannt (Gelächter von allen dreien). Habt ihr dort auch türkisches Essen gefuttert?

Daniel:
Ja, wir hatten türkischen Kebab.

Tolga:
Das findet ihr hier auch auf dem Festival. Ihr dürft euch aber nicht wundern, da es euch hier auch von Deutschen serviert wird und nicht nur von Türken. (Danach reden wir über die Unterschiede von deutschem und türkischem Döner. Desweiteren erklär ich der Band wie ein gescheiter Iskender-Kebab zubereitet wird - Anm. d. Verf.)
Irgendwas, das ihr euren deutschen Fans nocht mitteilen möchtet?

Daniel:
Ich weiß nicht.

Tolga:
Wie z.B. "Hallo wir sind wieder da und sehen euch hoffentlich auf unserer Tour wieder"?

Daniel:
Yeah, das wäre nicht schlecht, wenn wir auf Tour gehen könnten um ein paar Fans zu sehen.

Tolga:
Vielleicht als Tour-Support?

Daniel:
Wir haben darüber noch nicht nachgedacht. Hängt davon ab, wie die CD bei den Fans ankommt und natürlich von der Plattenfirma. Wenn wir das Gefühl haben, dass die Leute uns sehen wollen, dann spielen wir natürlich für sie. Das ist für uns die Hauptsache, wie z.B. in Istanbul. Wir waren vorher noch nie da und da waren Fans, die uns sehen wollten. Die waren mit Banner ausgerüstet haben uns schön bejubelt.

Mikael:
Das war schon echt geil. Da waren diese ganzen jungen Türken, die uns sehen wollten. Ich meine, wir kommen aus Schweden und die wollten unsere Musik hören. Das war schon umwerfend.

Tolga:
In der Türkei haben ausländische Bands einen ganz anderen Status. Normalerweise spielen keine internationalen Bands in der Türkei, was auch der Grund für diesen Superstarstatus ist, den diese Bands innehaben. Habt ihr einen speziellen Wunsch, für welche Band ihr im Vorprogramm touren würdet?

Daniel:
Das ist schwer. Da gibt's schon viele Geheimkandidaten. Das haben wir auch noch nicht ausdiskutiert, ha, ha, ha.

Tolga:
Ich sehe, ihr steht noch am Anfang.

Daniel:
Es fühlt sich für uns wie ein Neuanfang an. Wir versuchen da noch nicht zu viel zu machen. Wir sind recht gut involviert, obwohl wir nicht zu stark involviert sein wollen. Wir möchten es erstmal testen. Wir haben immer noch unsere Jobs und unser "anderes" Leben und müssen dem auch unsere Zeit widmen. Es nimmt schon viel Zeit ein in der Band zu spielen - das Komponieren, Aufnehmen, Weggehen. Wir hatten noch nicht die Zeit das alles auszudiskutieren. Ich glaub, das machen wir eine Stunde bevor wir unsere Entscheidung fällen.

Dann will ich mal hoffen, dass sich LOT richtig entscheiden. Sowohl die aktuelle CD, als auch der allnächtliche Auftritt ist bzw. waren mehr als zufrieden stellend. Hoffen wir mal, dass das Album den wohlverdienten Erfolg einfährt, der ihm gebührt und die Jungs auf eine Tour mit aufspringen können. Zu wünschen wäre es ihnen.

Redakteur:
Tolga Karabagli

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