top banner 156
side banner 157

KRISIUN: Interview mit Max Kolesne

01.01.1970 | 01:00

Mir ihren letzten beiden Alben haben KRISIUN ihre Musik auf einen derart hohen Qualitätsstandard gebracht, dass im Prinzip die gesamte internationale Death-Metal-Konkurrenz (oder zumindest neunzig Prozent davon) hätte einpacken können Jedenfalls gibt es außer MORBID ANGEL, NILE und einigen anderen rühmlichen Ausnahmen wohl keine aktive Todesblei-Kapelle mehr, die technisch so perfekt ausgebildet ist wie diese drei Brasilianer. Doch KRISIUN wollen sich nicht nur auf den technischen Aspekt und die stets erhöhte Geschwindigkeit beschränken und haben dieser tage mit "Bloodshed" eine EP auf den Markt gebracht, auf der sich das Trio von einer gänzlich anderen weil langsameren Seite zeigt. Ich hatte die Gelegenheit, Max Kolesne mal zu fragen, warum die Band "Bloodshed" neue Wege beschritten hat:

Björn:
Hi, wie geht es dir, Max?

Max:
Hi, Björn, mir geht es großartig.

Björn:
Ihr habt vor einigen Tagen einen ganz speziellen Release namens "Bloodshed" an den Start gebracht. Was kannst du mir zu dieser Platte erzählen?

Max:
Wir wollten zunächst eine EP mit einigen alten und raren Songs herausbringen, aber wir hatten dann irgendwie doch das Bedürfnis einige neue Stücke zu veröffentlichen. Danach wurde es dann zu diesem speziellen Release, der sowohl die Vergangenheit als auch die Gegenwart von KRISIUN repräsentiert.

Björn:
Meiner Meinung nach unterscheidet sich "Bloodshed" auch musikalisch ein ganzes Stück von den vorangegangenen Platten, denn auf der neuen CD finden sich bei weitem nicht so viele Blastparts, wie man das von euch bisher gewohnt war. Ihr habt stattdessen vornehmlich Midtempo-Songs auf die Platte gepackt. Welche Idee steckt dahinter?

Max:
"Bloodshed" ist trotz allem sehr schnell und brutal, aber es ist gleichermaßen auch dynamischer. Außerdem haben wir weitaus mehr rhythmische Variationen und einen ordentlichen Groove eingebaut. Wenn ich die ganze Zeit nur Blastbeats spiele, wird es nach einer Weile langweilig. Die groovigeren und langsameren Parts halten die Musik hingegen interessant und frisch.

Björn:
Habt ihr denn geplant das Tempo zu reduzieren, oder hat sich das einfach so ergeben?

Max:
Wir planen nicht, wie unsere Musik klingen soll, sondern lassen uns nur von unseren Gefühlen leiten. Natürlich lieben wir es auch weiterhin superschnelle Songs zu spielen, aber wir brauchten ein wenig Veränderung, damit wir nicht beginnen uns selber zu wiederholen. Wenn du aber mal unsere neuen Songs intensiv hörst, dann wirst du feststellen, dass die Doublebass sogar noch schneller geworden ist und auch manche der Kompositionen ultraflott sind.

Björn:
Also würdet ihr "Bloodshed" auch nicht als einmaliges Experiment betrachten? Wir können also in Zukunft mehr solche Nummern wie 'Omnious' und 'Slain Fate' erwarten?

Max:
Genau, es wird sowohl langsamen als auch hyperschnellen Stoff geben!

Björn:
Wäre es denn möglich, dass ihr euch irgendwann mal ausschließlich auf die schleppenderen Stücke konzentriert, jetzt wo ihr Gefallen am reduzierten Tempo gefunden habt?

Max:
Nein!

Björn:
Welche der beiden Spielarten gefällt dir denn persönlich besser?

Max:
Ich mag beide. Die langsameren Stücke, die wir im Programm haben, sind ja auch nicht einfacher zu spielen, da wir sowohl beim Bass als auch bei den Gitarren mit Doublekicks, Breaks und Killer-Riffs arbeiten. Dasselbe gilt für die brutalen Vocals, die ebenfalls nicht einfacher zu bewältigen sind. Und wenn wir dann zu den schnellen Stücken kommen, nun, dann ist dies das beste Gefühl, das ich überhaupt empfinden kann.

Björn:
Eure technischen Fähigkeiten stechen ja in der gesamten Szene ziemlich hervor und haben euch sicherlich dabei geholfen euren Namen im Gespräch zu halten. Wie habt ihr es geschafft an euren Instrumenten derart perfekt zu werden?

Max:
Cool, vielen Dank für diese Worte. Wir lieben es zu spielen und bedienen unsere Instrumente nun auch schon seit so vielen Jahren, haben lange Tourneen gespielt und unsere Alben kreiert. Durch all diesen Erfahrungen sind wir bessere Musiker geworden, und deswegen macht das Spielen heutzutage umso mehr Spaß.

Björn:
Wie lange probst du denn täglich um an deinem Instrument fit zu bleiben?

Max:
Das liegt ganz daran, wie ich mich fühle. An einem guten Tag kann ich von morgens bis abends spielen. Geht es mir aber beschissen, dann fasse ich das Ding den ganzen Tag nicht an. Normalerweise spielen wir aber jeden Tag, da wir es einfach lieben, nicht weil wir dringend besser werden wollen.

Björn:
Glaubst du denn, dass es für dich weiterhin möglich ist, sich technisch zu verbessern?

Max:
Natürlich, wir können uns noch um einiges verbessern!

Björn:
Okay, kommen wir noch einmal zu eurem neuen Release, welcher ja auch noch etwas ganz Besonderes enthält. Ich spreche von der als Bonus verwendeten "Unmerciful Order"-MCD, die ja schon vor mehr als zehn Jahren veröffentlicht wurde. Warum habt ihr die Scheibe noch einmal neu aufgelegt?

Max:
Wir wollten unseren Fans zeigen, wo wir herkommen. Sie sollen unseren Background kennen und außerdem kann man es auch als Geschenk an unsere Fans werten.

Björn:
Wie stehst du denn aus heutiger Sicht zu dem alten Stoff?

Max:
Ich mag die Sachen noch immer sehr. Wenn ich sie mir aber heute anhöre, dann finde ich eine Menge Fehler und ärgere mich über die schwache Produktion. Aber trotzdem klingt das Teil noch immer sehr brutal und zeigt unsere Wurzeln. Außerdem ist die Neuauflage von "Unmerciful Order" der Beweis dafür, dass wir uns auch nach zwölf Jahren immer noch treu geblieben und nicht ausgewhimpt sind.

Björn:
Ich mag diesen alten Kram auch sehr und stimme dir zu, dass der Sound nicht sonderlich gut ist. Besonders der Klang des Schlagzeuges mutet etwas seltsam an, und man könnte meinen, hier wäre kein Mensch aus Fleisch und Blut hinter der Schießbude gewesen...

Max:
Drumcomputer sind für Verräter und Idioten! Wir haben niemals einen benutzt und werden dies auch nie tun. Eher würde ich mich aus dem Business zurückziehen, bevor ich ein solches Ding verwende. Es klingt deshalb so maschinell, weil wir die Kicks getriggert haben. Das Studio war so mies, dass es nicht einmal Mikrophone für das gesamte Schlagzeug gab.

Björn:
Spielt ihr eigentlich auch noch einige der alten Songs live?

Max:
Wir denken gerade darüber nach 'They Call Me Death' ins Set aufzunehmen, aber man wird sehen, ich weiß es noch nicht.

Björn:
Ihr brecht ja nächste Woche auf eine Tour durch Europa auf. Was erwartest du?

Max:
Es wird die Hölle von einer Killer-Tour werden!

Björn:
Es ist ja auch ein fettes Package mit BEHEMOTH als Co-Headliner. Kennst du die Jungs aus Polen?

Max:
Ja, wir kennen sie, sie sind verdammt coole Typen und eine Killerband. Dasselbe gilt für INCANTATION, mit denen wir zudem sehr gut befreundet sind. RAGNARÖK hingegen kenne ich noch nicht, aber ich bin mir sicher, dass es sehr lustig werden wird und wir eine Menge Spaß haben werden.

Björn:
Immer wenn ich KRISIUN auf dem Billing einer Tour sehe, dann taucht der Name innerhalb eines solchen dicken Packages auf, sei es nun bei der eben erwähnten Tour oder aber bei solche Veranstaltungen wie die "No Mercy Festivals". Was denkst du über solche Festival-Tourneen?

Max:
Mensch, das ist immer verdammt geil! You european motherfuckers are lucky bastards!

Björn:
Ihr scheint aber auch in diesem Zyklus Album-Tour-Album gefangen zu sein. Gibt es keine Chance mehr dort auszubrechen?

Max:
Wir können nicht leben ohne zu spielen. Die Musik füttert unsere Seelen!

Björn:
Habt ihr also nicht den Wunsch, zwischen dem Studioaufenthalt und einer darauffolgenden Tournee ein wenig mehr Freizeit zu haben?

Max:
Eigentlich nicht. Wir mögen es beschäftigt zu sein und davon mal abgesehen haben wir auch so in der Zwischenzeit einen Haufen freie Zeit.

Björn:
Ihr stammt ursprünglich aus Brasilien, doch es macht den Eindruck, als würde euer Markt nur in Europa bestehen. Wie sieht es denn in eurer Heimat aus, spielt ihr dort auch live, oder beschränkt ihr euch auf den alten Kontinent?

Max:
Natürlich spielen wir auch hier, aber eben nicht so oft wie das in Europa der Fall ist. Hier finden die meisten Shows am Wochenende statt, aber diese sind dann auch immer komplett ausverkauft.

Björn:
Wie ist es denn überhaupt momentan um die brasilianische Szene bestellt? Ist sie noch genauso aktiv wie zu der Zeit, als SEPULTURA den endgültigen Durchbruch geschafft haben?

Max:
Die Szene ist großartig und es gibt eine Menge Bands. Neben SEPULTURA und KRISIUN sind da noch Gruppen wie RATOS DE PORAO, CLAUSTROPHOBIA, FUMERATUS, SUBTERA und noch ein Haufen anderer Killerbands.

Björn:
Wie sieht es denn bei euch mit dem Durchbruch aus? Glaubst du, dass ihr diesen innerhalb der Death-Metal-Szene bereits geschafft habt?

Max:
Hell yeah!!

Björn:
Welche Bands sind deiner Meinung nach die wichtigsten in der gesamten Szene?

Max:
MORBID ANGEL, DEICIDE, CANNIBAL CORPSE und NAPALM DEATH.

Björn:
Welche Musik hörst du dir denn so privat an?

Max:
Ich höre mir eigentlich immer wieder die alten Sachen an, sprich solche Gruppen wie SLAYER, MOTÖRHEAD, BLACK SABBATH oder MORBID ANGEL Manchmal höre ich mir aber auch einige Jazz-Musiker wie BUDYY RICH und BILLY COBHAN an.

Björn:
Gibt es noch etwas, was du sagen möchtest?

Max:
Vielen Dank dafür, dass du unsere Botschaft in deinem Magazin verbreitet hast, dafür sind wir dir sehr dankbar. Stay brutal and sick!

Redakteur:
Björn Backes

Login

Neu registrieren