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KATAGORY V: Interview mit Dustin Mitchell

07.11.2006 | 00:04

Es ist nicht immer einfach den Stil einer Band so zu beschreiben, dass auch diejenigen, die noch nicht die Chance hatten, sich besagtes Werk anzuhören, später auch etwas mit der Beschreibung der Klänge anfangen können. Derlei schwer definierbare Bands gibt es in letzter Zeit recht zahlreich. Auch das US-amerikanische Quintett KATAGORY V zählt definitiv zu jenen Formationen und hat mit "The Rising Anger" zum wiederholten Mal ein Werk abgeliefert, das von traditionellem Hard Rock über melodiösen Metal bis hin zu dezenten Thrash-Metal-Passagen und jeder Menge Progressive Metal so ziemlich alles enthält, was in diesen Genres zu den Trademarks zählt.
Aber Worte sind ohnehin Schall und Rauch, so dass man nur empfehlen kann, sich besagtes Album dringend anzuhören. Zudem besteht hierzulande wohl auch noch ein wenig Nachholbedarf um die wichtigsten Eckdaten dieser Band zu wissen. Grund genug also, um Dustin Mitchell, den Bassisten der Band, nach diesen zu befragen.

Walter:
Leider hat es euer ehemaliges Label Metal Ages Records nicht für notwendig empfunden euch auch jenseits des großen Teiches brauchbar zu präsentieren. Deshalb bitten wir dich, uns deine Band zur Einführung erst einmal eingehend vorzustellen.

Dustin:
Wir haben allesamt in mehr oder weniger unbekannten Metal-Bands gespielt, ehe uns, das heißt, Curtis Morrell (g.), Matt Suiter (dr.) und mich das Schicksal im Jahre 1999 zueinander führte, als wir zeitgleich nach neuen Bands suchten. Nach einigen Jam-Sessions beschlossen wir unsere damaligen Bands zu verlassen, um uns einer neuen Herausforderung zu stellen: KATAGORY V.
Wir hatten dieselben Visionen wie wir uns eine Heavy-Metal-Band vorstellen würden und waren uns auch einig, in welche Richtung es gehen sollte. Wir hatten niemals vor etwas Neues zu erfinden, sollten wollten lediglich eine Band gründen, deren Ziel es war, hochwertige Songs zu schreiben. Ob wir dabei Hard Rock kreierten, oder ob man unseren Stil in späterer Folge Thrash Metal nennen sollte, war uns ziemlich gleichgültig. Nach der Gründung konnten wir durch Sänger Lynn Allers zunächst unser Line Up vervollständigen und nachdem wir mit Ryan Taylor einen zweiten Gitarristen gefunden hatten, begannen wir erste Songs zu komponieren. Unser Debütalbum "Present Day" erschien im Jahre 2001 als Eigenveröffentlichung, allerdings konnten wir mit Nightmare Records einen kompetenten Vertriebspartner für Nordamerika finden. Einen sehr guten Ruf konnten wir uns mit dem Album bei euch in Europa erspielen, denn wir konnten zahlreiche Exemplare über den großen Teich hinweg verkaufen. Da wir sehr viel unterwegs waren und die Chance hatten zahlreiche Gigs zu spielen, dauerte es relativ lange bis unser zweites Werk "A New Age Of Rebellion" im Jahre 2004 erschienen ist. Allerdings war es gar nicht einfach dieses Album überhaupt fertig zu stellen, da uns Ryan mitten in den Aufnahmen verlassen hatte. In Trevor Asire fanden wir einen recht kompetenten jungen Gitarristen, der uns von diesem Zeitpunkt an verstärkt hat. Somit konnte das Album über Metal Ages Records veröffentlicht werden und wir erhielten zudem abermals die Möglichkeit zahlreiche Gigs in Utah und den angrenzenden Bundesstaaten zu spielen. Weiterhin durften wir auch beim "Prog Power"-Festival spielen, was mit zu den Highlights unser bisherigen Karriere zu zählen ist. Doch gegen Ende dieses Jahres hatte auch Travis genug und wir mussten abermals nach einem Gitarristen suchen. Zum Glück hatte ich Mark Hanson einige Zeit zuvor kennen gelernt und wusste über seine Fähigkeiten an der Gitarre und seine umgängliche Art Bescheid. Mit ihm haben wir im letzten Jahr unser aktuelles Album "The Rising Anger" eingespielt, das heuer erschienen ist.

Walter:
Danke für die ausführlichen Worte. Wenn ihr von Anfang an kaum Wert darauf gelegt habt, welcher Stilistik man euch in Zukunft am ehesten zuordnet, kann man wohl davon ausgehen, dass ihr auch sehr mannigfaltige Einflüsse haben müsst.

Dustin:
Das kann man so stehen lassen. Es ist nämlich sehr schwierig "Einflüsse" für die gesamte Band zu nennen, da jeder auf eine andere Art von Musik abfährt. Ich persönlich bin mit 80er-Rock-Bands wie TOTO oder ASIA groß geworden und habe dann FATES WARNING, VICIOUS RUMORS, HELSTAR und METAL CHURCH für mich entdeckt. Zu denen gesellten sich in weiterer Folge auch noch Thrash-Metal-Formationen wie ATROPHY, TOXIK und INTRUDER, die ich auch heute noch sehr schätze. Um einige wichtige Einflussquellen für alle Musiker bei KATAGFORY V zu finden, kann man ruhigen Gewissens IRON MAIDEN, QUEENSRYCHE, TESTAMENT, GENESIS, KREATOR, URIAH HEEP, OBITUARY, KANSAS, HAREM SCAREM und einige andere Bands nennen. Nicht gerade einen alltägliche Mischung, aber sehr wohl repräsentativ für die Musiker von KATAGORY V.

Walter:
Was bedeutet eigentlich euer ungewöhnlicher und ein wenig seltsamer Bandname?

Dustin:
Diese Frage bekommen wir sehr oft gestellt. Es gibt im Grunde genommen keine genaue Erklärung dafür. Wir hatten uns damals eine Liste von möglichen Bandnamen aufgeschrieben und eigenartigerweise hat sich bei einer internen Abstimmung herausgestellt, dass dieser Name allen Mitgliedern gefallen hatte.
In der Zwischenzeit haben sich unsere Fans aber an diesen ungewöhnlichen Namen gewöhnt und ich für meinen Teil finde, dass KATAGORY V gut zu unseren Kompositionen passt.

Walter:
Kann man gelten lassen, denn eure Kompositionen sind mitunter ebenso ungewöhnlich wie euer Name. War es denn von Anfang an eure Intention Songs zu gestalten, die ein hohes Maß an Eigenständigkeit aufzuweisen haben?

Dustin:
Ja, aber es war nicht ganz klar, in welche Richtung sich die Band entwickeln würde. Unsere Entwicklung ist stetig und auch mit Sicherheit noch nicht zu Ende. Seit unserer ersten Platte konnten wir uns kontinuierlich steigern. Als wir begonnen haben, waren wir nicht mehr als junge unerfahrenen Kids, die aus Liebe zum Metal begonnen haben eine eigene Band zu gründen. Nach einer kurzen Gewöhnungsphase kristallisierte sich aber schnell heraus, dass alle Mitglieder an einem Strang ziehen und bereit sind alles für KATAGORY V zu unternehmen. Ich denke, dass es uns gelungen ist den Namen zu etablieren und die Fans scheinen sich an uns so richtig gewöhnt zu haben.

Walter:
Wie würdest du denn die musikalische Entwicklung der Band von den Anfangstagen hin zum aktuellen Album beschreiben?

Dustin:
Zu Beginn haben wir wesentlich direkter und einfacher strukturierte Songs gespielt. "Present Day" war eher ein traditionelles Metal-Album, auf dem wir zum Teil auch bereits Songs von Curtis' oder meinen früheren Bands verwurstet hatten. Wir klingen darauf noch richtig rau und wenn du es zum ersten Mal hörst, denkst du, die Scheibe würde aus dem Jahre 1986 stammen und nicht aus 2000. Unser zweites Album dagegen war ein sehr missinterpretiertes Werk. Es hatte eine viel dunklere Stimmung inne und war teilweise recht technisch und progressiv angelegt, also eigentlich konträr zu unserem Debüt. Durch die eher dünne Produktion klangen wir darauf phasenweise eher nach Bands wie WATCHTOWER oder SPIRAL ARCHITECT, waren also vom traditionellen Metal recht weit weg. Dadurch haben wir wohl einen Teil der Fans des Debüts ein wenig verschreckt, konnten im Gegenzug aber viele Fans aus dem Progressive-Lager gewinnen. Zu unserem neuen Album gibt es nicht viel zu sagen, außer dass es natürlich unser bisher bestes ist. Das sagen zwar viele Musiker, aber "The Rising Anger" ist wahrlich eine perfekte Kombination aus den geradlinigen Kompositionen des Erstlings und den verschachtelten Songs von "A New Breed Of Rebellion" geworden.
Zum Glück teilen auch viele Kritiker und Fans diese Meinung, so dass ich es nicht über mich ergehen lassen muss, mir unterstellen zu lassen, ein Angeber zu sein.

Walter:
Du hast kurz erwähnt, dass ihr es schon einigermaßen über eure Region hinaus geschafft habt. Mit wem hattet ihr denn die Ehre aufzutreten, oder seid ihr eher "Selfmade Men", die auch Auftritte selber organisieren und so?

Walter:
Sowohl als auch. Für uns ist jeder Auftritt ein kleines Highlight! In erster Linie muss ich aber gestehen, diese Festival–Gigs allesamt besonders genossen zu haben. Zudem haben wir aber auch schon zahlreiche Club-Shows gespielt, unter anderen zusammen mit HELSTAR, LEATHERWOLF oder METAL CHURCH. Das Beeindruckende an Konzerten beginnt ja schon damit, dass wir teilweise sehr lange Reisen in eher entlegene Gebiete unternehmen müssen um dort aufzutreten und dennoch befinden sich auch an derlei Lokalitäten immer wieder Freaks, die sämtliche Songs mitsingen können.
Es gibt wohl nichts Schöneres für einen Musiker, als dass er es außerhalb seines "Revieres" geschafft hat. So gesehen betrachten wir jeden unserer Auftritte als Highlight.

Walter:
Weshalb habt ihr für alle drei Alben mit verschiedenen Businesspartnern zusammengearbeitet?

Dustin:
Mit Nightmare Records, unserer jetzigen Plattenfirma bestehen bereits seit langen Jahren gute Kontakte. Nachdem wir ihnen unser Debüt haben zukommen lassen, konnten wir uns sehr schnell über einen Vertriebsdeal freuen. Im Moment haben wir Nightmare aber nicht nur als Vertrieb, sondern auch als Label im Rücken. Als Metal Age Records damals finanziell bedingt aufhören mussten, haben wir sämtliche Rechte zurückgekauft um nicht später einmal erst einen Schock zu überstehen.

Walter:
Nightmare Records haben aber leider keinen wirklichen Vertriebspartner hier in Europa. Wie sollen die Fans denn an dieses Album herankommen?

Dustin:
Das stimmt nicht ganz. Es existiert sehr wohl ein Vertriebsdeal mit Nightmare für Europa, allerdings gibt es für euch Fans unsere Alben im Moment lediglich als Importe zu einem relativ hohen Preis zu kaufen. Lance und seine Jungs arbeiten hart für ihre Bands, vielleicht klappt es ja schon beim nächsten Album mit einem flächendeckenden Vertriebssystem.

Walter:
Was ist aus Metal Ages Records geworden? Dieses Label hat zu Beginn sehr intensiv gearbeitet, aber dennoch mussten sie finanziell w.o. geben und um den Fortbestand von Metal Ages konnte und wollte sich wohl niemand kümmern.

Dustin:
Das stimmt leider. Wir waren die einzige Band, die ihre Rechte an den Alben zurückgekauft hat, denn es ging uns dabei eher um Prinzipien und ich lasse mir unser geistiges Eigentum nicht von irgendjemandem, der dringend Geld benötigt, kaputt machen. Wer weiß, was vermeintlich seriösen Geschäftsleuten in Ausnahmezuständen alles einfallen könnte. Im Nachhinein muss ich sogar gestehen, dass es aus Miseren wie dieser in der Vergangenheit jede Menge zu lernen gibt. Persönliche Probleme zu den Leuten hinter Metal Ages Records gab es niemals, aber wie gesagt, nach dem Konkurs waren wir uns nicht mehr sicher, ob wir noch jemandem trauen konnten.

Walter:
Anderes Thema: "The Rising Anger" wirkt irgendwie wie ein Konzeptalbum. Gibt es so etwas wie ein Konzept?

Dustin:
Jein. Gut die Hälfte aller Songs des neuen Albums hat ein Thema gemeinsam, aber der Rest der Nummern steht in keinem Zusammenhang dazu. Vielleicht kann man es als "Teil-Konzept" bezeichnen. Einige Songs haben als Hintergrund unsere Beziehung zur Musik und den Fans und sind von daher durchaus konzeptionell zu betrachten. Allerdings wollen wir unseren Fans generell keinerlei Meinung aufzwingen, sondern viel mehr die Möglichkeit geben unsere Songs zu interpretieren.

Walter:
Die Beziehung zur Musik und zu euren Fans scheint euch also sehr wichtig zu sein?

Dustin:
Unbedingt. Wenn ich mich hinsetze um Texte zu schreiben, habe ich immer wieder vor Augen, wofür ich das mache. Es ist mir ein Anliegen, sämtliche Fragen des täglichen Lebens in irgendeiner Form zu verarbeiten und deshalb findest du in den Texten auch eher Denkanstöße, die sehr real sind und keine Fantasy-Geschichten. Ich für meine Teil bevorzuge persönliche Texte, da aber auch Curtis und Lynn einen Teil der Lyrics geschrieben haben, kann ich nicht für sämtliche Songs sprechen und bin mir nicht ganz sicher, woher sie ihre Inspiration nehmen.

Walter:
Recht interessant schaut auch das Cover aus. Allerdings fehlt hier der Bezug zur Realität doch ein wenig.

Dustin:
So wie schon für "A New Breed Of Rebellion" hat Rainer Kalwitz auch das Cover für "The Rising Anger" gestaltet. Der Kerl sollte ein Begriff sein, denn er hat ja auch schon mit Bands wie SHADOW GALLERY, DESTINY'S END oder TAD MOROSE zusammengearbeitet. Ich denke, er hat den Titel ganz gut umzusetzen gewusst. Um den Fans auch unsere Herkunft ein wenig mitzuteilen, haben wir Rainer gebeten, typische Elemente unserer Heimat mit zu verarbeiten. Daraus ist dieses Bild in der Wüste mit Felsformationen, die für Utah typisch sind, entstanden. Wenn man sich diese Tatsache vor Augen führt, wirkt das Cover gar nicht mehr so irreal. Wir lieben unsere Heimat nun einmal genauso wie wir auch unsere Fans lieben!

Walter:
Das hat was. Wird denn dieses Covermotiv in Bälde auch als Backdrop bei etwaigen Auftritten zu sehen sein?

Dustin:
Heuer mit Sicherheit nicht mehr, denn für 2006 bestehen keinerlei Pläne mehr um auf Tournee zu gehen. Wir haben nur ganz wenige Shows gespielt um das Album zu promoten. Da uns leider der finanzielle Background fehlt, können wir nicht großartige Gastspielreisen organisieren, aber für 2007 sind wir zuversichtlich, dass es des Öfteren zu Konzerten reichen wird.

Walter:
Wohin sollte euch eine Tournee im nächsten Jahr denn führen?

Dustin:
Das ist schwierig zu beantworten, da wir bisher recht unterschiedliche Reaktionen auf unserer Veröffentlichungen erhalten haben. Nach "Present Day" hätten wir locker nach Deutschland auf Tournee gehen können und wären wohl überall mit offenen Armen empfangen worden. Aber mit dem zweiten Album haben wir aus Mitteleuropa nicht mehr derart positive Reaktionen erhalten. Interessant ist, dass "The Rising Anger" bisher in Griechenland und England die besten Reaktionen hervorgerufen hat, aber auch in den USA und in Kanada durchwegs positiv aufgenommen wurde. Allerdings haben wir offenbar auch wieder unsere deutschen Fans zurückgewinnen können, so dass es wahrlich schwierig ist, einen Markt für KATAGORY V geographisch festzuhalten. Fans von außergewöhnlichen Metal-Klängen werden an KATAGORY V aber immer etwas Positives finden, so gesehen ist es auch ganz egal, in welcher Region wir die meisten Alben absetzen können.

Walter:
Dann warten wir einfach ab, ob uns 2007 tatsächlich eine Tournee ins Haus steht. Was darf der Interessent denn sonst noch für das kommende Jahr erwarten?

Dustin:
Gut, dass diese Frage kommt, denn es ist mir wichtig, dass alle Fans wissen, dass wir bereits mit den Aufnahmen für unser viertes Album begonnen haben. Bislang existieren neun Songs, die wir demnächst als Demos aufnehmen werden. Ich denke, zu Beginn des nächsten Jahres werden dann mit der Produktion beginnen können. Wann das Album, für welches wir noch keinen Titel haben, erscheinen soll, steht allerdings noch in den Sternen. Aber wie schon gesagt, sollte sich für uns 2007 auch die Möglichkeit bieten, endlich flächendeckend auf Tournee zu gehen.

Redakteur:
Walter Scheurer

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