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JACOBS DREAM: Interview mit Jon Noble

09.05.2005 | 22:00

Nach einigen Jahren Funkstille melden sich die einst als große Zukunftshoffnung des US-Metal gestarteten JACOBS DREAM mit neuem Sänger und nagelneuem Album zurück, mit denen durchaus gewisse Veränderungen einhergehen. Aber gerade diese Veränderungen könnten es auch sein, die der Band neuen Schwung verleihen. Ich habe deshalb Gitarrist Jon Noble kontaktiert, um uns aus erster Hand über die Veränderungen, das neue Album und die Zukunftsperspektiven informieren zu lassen.

Rüdiger:
Ihr hattet in den letzten Jahren etliche Besetzungswechsel. Was war denn da los?

Jon:
Das war einfach eine andere Zeit für die Band und daraus resultierten Besetzungswechsel. Nun sind wir zurück und es könnte nicht besser laufen.

Rüdiger:
Das mit dem wechselhaften Line-up zieht sich ja schon seit eurer Demozeit durch eure Geschichte. Woran lag das? Probleme innerhalb der Band oder eher persönliche Hintergründe?

Jon:
Ehrlich gesagt, gibt's da nichts zu erzählen. Wie alles im Leben und in Beziehungen verändern sich die Umstände, und die Menschen entwickeln sich weiter. Wir wachsen alle und manchmal haben wir die Gelegenheit und das Glück etwas noch mal zu versuchen.

Rüdiger:
Nun sind ja vier Gründungsmitglieder aus der Zeit als IRON ANGEL wieder mit von der Partie. Denkst du, dass ihr nun ein stabiles Line-up beisammen habt?

Jon:
Das Line-up ist jetzt schon ein paar Jahre stabil. Wir finden es sehr aufregendend, zusammen an unserer neuen Musik zu arbeiten und wollen dies noch lange Zeit tun.

Rüdiger:
Wie lang hat der eigentliche Arbeitsprozess an "Drama Of The Ages" gedauert?

Jon:
Das Songwriting hat so etwa ein Jahr gedauert. Die Auszeit davor haben wir genutzt, um einen Ersatz für David Taylor zu finden.

Rüdiger:
Ich mochte alle eurer Alben, einschließlich der Demo-CD sehr gerne, aber im Moment meine ich fast, dass das neue Werk euer ausgereiftestes und vielseitigstes Album geworden ist. Seht ihr das auch so und habt ihr auch von anderer Seite derartiges Feedback bekommen?

Jon:
Danke. Ja, das Feedback war weitestgehend sehr positiv. Alle Alben wurden an verschiedenen Orten und mit verschiedenen Bandmitgliedern aufgenommen, daher kommt das etwas andere Feeling. Alles in allem war das Komponieren jedoch gleich. Meiner Meinung nach kombiniert das neue Album das Beste der vorherigen drei Veröffentlichungen mit ein wenig neuem Feuer.

Rüdiger:
Zum Wechsel am Gesangsposten: Chaz Bond ist euer neuer Sänger und hat eine recht vielseitige und kraftvolle Stimme. Wie habt ihr ihn gefunden?

Jon:
Chaz und seine frühere Band BIOGENESIS haben während der Konzerte zu "Theater Of War" oft mit uns zusammen gespielt, und nachdem Dave ausgestiegen ist, haben wir Chaz angerufen, um ihn zu fragen, ob er Interesse hat mit uns zusammen zu arbeiten.

Rüdiger:
Chaz mag so gut sein wie David, aber er hat schon einen sehr unterschiedlichen Stil. Habt ihr keine Angst, diejenigen Fans zu verlieren, die sehr am Stil von David hängen?

Jon:
David war ein sehr wichtiger Teil der Band, aber ich habe keinen Zweifel, dass jeder, der Chaz sehen und hören wird, zufrieden sein wird. Er wird auch die älteren Songs mit der selben Intensität bringen, wie es die Fans gewohnt sind.

Rüdiger:
Andererseits könntet ihr es mit Chaz leichter haben, den "durchschnittlichen" Metaller zu erreichen, da seine Stimme nicht ganz so extrem ist, richtig?

Jon:
Das haben wir schon öfters gehört. Wir sind froh, ihn in der Band zu haben. Chaz ist nicht nur "old school", sondern hat auch einige moderne stilistische Einflüsse. Er ist sehr vielseitig und auf seine eigene Weise auch sehr einzigartig.

Rüdiger:
Warum ist David eigentlich ausgestiegen?

Jon:
David ist freiwillig gegangen, weil er nicht in der Lage war sich gleichzeitig seiner Familie und der Band zu widmen. Musiker zu sein bedeutet ein großes Opfer, und wir unterstützen seine Entscheidung, die Familie an die erste Stelle zu setzen.

Rüdiger:
Was macht er dieser Tage?

Jon:
Er hat seither musikalisch nichts mehr gemacht. Aber wir spielten eine Show, bei der Dave anwesend war. Er hat dann 'Theater Of War' als Duett mit Chaz gesungen, was wirklich toll war.

Rüdiger:
Ich habe keine Lyrics zum neuen Album bekommen. Gibt es hinter "Drama Of The Ages" ein Konzept oder eine Geschichte?

Jon:
Nein, "Drama..." ist kein Konzept. Aber es hat sich ergeben, dass die Songs thematisch in gewisser Weise zusammenhängen.

Rüdiger:
Die Band JACOBS DREAM wird oft in christlichem Zusammenhang erwähnt. Wie wichtig ist das Christentum für den künstlerischen und lyrischen Aspekt der Band?

Jon:
Alle Mitglieder von JACOBS DREAM sind Christen. Also liegt es nahe, zu vermuten, dass wir über Dinge singen, mit denen wir uns auskennen. Das führt dann zu einem Zusammenhang mit Gott, Jesus oder mit gesellschaftlichen Fragen. Manchmal alles zusammen.

Rüdiger:
Die meisten heutigen Bands lassen sich nur ungern als "White Metal" bezeichnen. Wie seht ihr euer Verhältnis zu diesem Genre und zur christlichen Metalszene in den USA?

Jon:
Wir haben uns selbst nie als "White Metal" oder als christliche Band bezeichnet, aber wir schämen uns auch absolut nicht für unseren Glauben oder unsere Überzeugung. Wir tun das, was wir empfinden, das Gott von uns verlangt zu tun. Das ist alles. Wir schätzen uns glücklich, dass uns die Gabe der Musik zuteil wurde und die Tatsache, dass wir Christen sind, beeinflusst uns bei dem, über was wir singen. Außerdem interessieren wir uns für die Menschen und die Gesellschaft, weshalb diese Themen auch in unserer Musik vertreten sind.

Rüdiger:
Über euren "berüchtigten" Auftritt beim "Bang Your Head"-Festival wurde ja seinerzeit viel gelästert. Nun, ich war auch dort, und während sicher nicht alles perfekt war, empfand ich die Kritik teilweise doch recht überzogen. Wie denkt ihr im Nachhinein über das Festival und die erste Europatour? Hatte sie einen positiven Effekt auf euren Status hier?

Jon:
Offensichtlich war der Gig nicht unser bester, aber so schlecht, wie ihn manche geredet haben, war er auch nicht. Es war eine neue Erfahrung für uns, und die Sprachbarriere war auch schwierig zu meistern. Wir kamen, um zu spielen und die Zeit zu genießen, und genau das taten wir auch. Die Europatour war großartig! Wir hatten viel Spaß beim Spielen und lernten einiges, während wir dort waren. Ich weiß, dass wir es alle gerne wiederholen würden.

Rüdiger:
Wann plant ihr eure nächsten Auftritte in Deutschland und Europa und was wird außer des Line-ups heute anders sein?

Jon:
Bisher ist nichts geplant. Wir warten auf die Nachfrage und die Verkaufszahlen und werden dann entscheiden, ob es möglich ist. Ich denke, die Band ist heute entspannter und ganz sicher bereit aufzutreten. Chaz ist ein hervorragender Frontmann und das hat uns zusätzlich angespornt.

Rüdiger:
Das neue Covergemälde sieht auch toll aus. Wer ist dafür verantwortlich?

Jon:
Der Künstler heißt Bret A. Melvin und wir wurden ihm von einem alten Freund vorgestellt. Wir gaben ihm unser Konzept mit unseren Vorstellungen und es war immer toll mit ihm zusammenzuarbeiten.

Rüdiger:
Wofür steht die Sonnenuhr?

Jon:
Wir sind alle an die Zeit gebunden und es liegt an uns, wie wir sie nutzen.

Rüdiger:
Was mich als Sprachenfreak immer interessiert hat, seit ich euer Logo das erste Mal sah, ist die Frage, warum vor dem "s" im Bandnamen kein Apostroph steht. Das Phänomen ist in Amerika weiter verbreitet als in England. Woran liegt's?

Jon:
Wir sprechen bzw. schreiben unsere eigene Sprache halt nicht so gut. (lacht)

Rüdiger:
So, Jon, das war's im Grunde. Ich danke dir für das Gespräch. Möchtest du noch etwas loswerden?

Jon:
Ich danke allen unseren Fans in Deutschland und der ganzen Welt, die uns unterstützt haben. Wir können es nicht erwarten, euch wieder zu sehen.

Redakteur:
Rüdiger Stehle

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