Interview mit den YOUNG GUNS

12.08.2010 | 07:31

Die YOUNG GUNS sind im UK mittlerweile eine kleine Größe geworden. Lest selber das erste Deutschland-Interview mit der Band und erfahrt mehr über die Band, den DIY-Ethos und nackte Pos.

Viele Leser werden euch nicht kennen. Stellt euch doch bitte erstmal vor.

Gustav: Also, ich bin Gustav, der Sänger der YOUNG GUNS.

Simon: Ich bin Simon und spiele Bass bei den YOUNG GUNS.

Ben: Ich bin Ben und spiele Schlagzeug,. Und Frazer und...

Gustav (unterbricht): Oh, du klingst da aber nicht so sicher, so wie du das sagst: „I play Druuums“. Das klingt mehr nach einer Frage, haha.(lacht)

Ben: Hahaha. Auf jeden Fall sind da noch Frazer und John. Beide spielen Gitarre.

 

Wann , wo und wie wurde die Band gegründet?

Gustav: Nun das ist eine komische Geschichte. Für fünf, sechs Jahre haben wir alle immer wieder  in verschiedenen Bands miteinander gespielt. Vor zwei Jahren kamen wir dann in dieser Formation zusammen. Die Jungs wuchsen alle in der gleichen Gegend auf, ich aber in London. Durch einen gemeinsamen Freund lernten wir uns kennen. Ich würde sagen, dass das Grundgerüst der Band also seit fünf oder sechs Jahren besteht. Aber die Band so wie sie ist, in diesem Line-Up und mit diesen Songs besteht erst 18 Monate bis maximal zwei Jahre.

Simon: Wir spielen alle in Bands seit wir 14, 15 Jahre alt sind. Aber wir spielten in anderen Bands und haben uns dann die der anderen angeschaut. So wie das halt ist, wenn man 14 ist, spielt man in acht verschiedenen Bands und alle sind Mist. (lacht)

Gustav: Und irgendwann lösen sich Bands auf und wir kamen zusammen und es hat einfach Klick gemacht bei uns. Vorher hat es nie wirklich gestimmt, doch als wir in diesem Line-Up zusammen waren, hat es sich gut angefühlt und die Songs kamen auch nur so aus uns heraus gesprudelt.

 

Was waren die bisherigen Höhe- und Tiefpunkte eurer Karriere?

(allgemeines Schweigen)

Gustav: Puh, wir hatten immer Glück und haben viele tolle Möglichkeiten und Chancen bekommen. Mit den LOSTPROPHETS zu spielen, war wirklich was Tolles für mich. Wir haben größere Shows gespielt und die Shows an sich waren auch sehr gut. Das war ein absoluter Höhepunkt für mich. Das Download Festival zu spielen, war auch riesig oder für die Kerrang!-Awards nominiert zu sein, schon weil ich das Magazin immer gelesen habe früher und mir die Awards ansah. Jetzt dort nominiert zu sein als bester britischer Newcomer, war auch ein Höhepunkt für uns.

Tiefpunkte waren sicherlich Kater am Arsch der Welt. (lacht)

Ben: Eigentlich gibt es keinen wirklichen Tiefpunkt. Klar, ist das alles mal stressig, wenn man viel probt und arbeitet für das Studio oder sich auf Touren vorbereitet und es ist auch nicht so glamourös wie viele vielleicht denken, aber es ist kein wirklicher Tiefpunkt.

Gustav: Stimmt, es ist kein Tiefpunkt, aber es ist sicherlich der härteste Teil des Bandlebens. Man hat weniger Freizeit und du hast immer noch kein Geld und weißt nicht wie du die Rechnungen bezahlen sollst.

Simon: Wir hatten jetzt anderthalb Monate, um unser Album zu schreiben und es ging viel Freizeit dafür drauf.

Gustav: Die Band wird halt zu unserem gesamten Leben. Aber es ist eine Art Geschenk und wir sind froh, dass wir die Möglichkeit haben Musik zu machen.

 

Habt ihr denn mal überlegt einen normalen Bürojob oder...

Gustav (unterbricht): Oh, nein! Das ist absolut nichts für uns.

Ben: Ich hatte immer furchtbare Jobs. Als wir die Shows mit den LOSTPROPHETS spielten, haben wir alle noch gearbeitet. Wir spielten also mit den LOSTPROPHETS, einer unserer Lieblingsbands, diese großartigen Shows und nach der Tour mussten wir sofort wieder zu unseren langweiligen Jobs antreten.

Gustav: Ich brauche etwas Kreatives, etwas was mich ausfüllt und ein Job im Büro tut das absolut nicht.

 

Wenn man in die Polls  vom Kerrang! oder Rocksound schaut, steht ihr an der gleichen Stelle wie YOU ME AT SIX ein Jahr zuvor. Wie geht ihr mit der wachsenden Aufmerksamkeit um?

Gustav: Es ist eine Ehre, aber wir haben eher eine Art Tunnelblick dafür. Ich denke es ist wichtig, sich nicht von all dem ablenken zu lassen und dem Rummel zu viel Aufmerksamkeit zu geben. Seien es nun gute oder schlechte Reviews oder Kommentare auf irgendwelchen Message Boards. Ich denke, dass dies uns auch geholfen hat hier zu sein, wo wir heute sind. Zumal die Musikindustrie so schnelllebig ist, vielleicht ist man morgen von uns gelangweilt. Ich gebe also nicht zu viel darauf, sondern versuche lieber weiterhin hart zu arbeiten.

Ben: Es ist eh schwer dem Aufmerksamkeit zu schenken, wenn man auf Tour ist. Man hat genug zu tun seien es Interviews, Musik oder Videospiele.

Gustav: Natürlich freut man sich sehr über viel Applaus bei Shows, aber man behält es doch eher für sich. Wir sind aber auf jeden Fall aufgeregt und haben Spaß an all dem.

 

Befreundete Bands von euch wie YOU ME AT SIX, KIDS IN GLASS HOUSES oder THE BLACKOUT haben schon länger größeren Erfolg. Spornt euch dies an und wie hat sich das Verhältnis zu den Bandmitgliedern geändert?

Gustav: Das ist ein Ansporn für uns, auf jeden Fall. Es ist schön zu sehen, dass es bei unseren Freunden gut läuft und es ist ein Zeichen, dass sich Arbeit und etwas Talent, welches wir hoffen zu haben, auszahlen.

Ben: Man denkt oft, dass Leute in Bands vollkommen andere Menschen sind als einer selber. Doch mit welchen befreundet zu sein, zeigt einem, dass die auch nur ganz normale Menschen sind.

Gustav: Es ist auch interessant. Wir haben die Jungs von den LOSTPROPHETS getroffen und wir haben sie immer verehrt, dann trifft man sie und es sind ganz normale, richtig nette Typen. Wir versuchen genauso normal und umgänglich zu sein ohne irgendwelche Allüren.

 

In Großbritannien gibt es viele neue Rock-Bands. Was ist eure Sicht auf diese neue Szene?

Gustav: Da sind viele Energie geladene Bands im Moment und auch ein paar wirklich gute Bands. Aber das ist nicht nur im UK so, sondern in der ganzen Welt. Aber ich denke, und das ist meine eigene Meinung und andere können das auch über meine Band sagen, dass viele Bands nicht wirklich originell sind.

Simon: Viele Bands sind einfach nur Klone von irgendwelchen Bands. Andere Bands aber machen etwas eigenes und die laufen recht gut.

Gustav: Mir kommt das vor allem im härteren Spektrum so vor, dass viele Bands gleich klingen und es so langsam Berg ab geht. Aber es gibt im Moment auch nicht mal viele Rock-Bands, dafür aber unfassbar viel Emo, Pop Punk oder Power-Pop, mir gibt es da zu wenig Bands, die einfach nur gute Rock-Musik machen, ohne auf irgendwelche Trends zu achten. Irgendwie bin ich aber auch froh drum, denn wir achten nicht auf diese Trends und machen unser eigenes Ding.

Ben: Wir wollen das auch nicht. Wir wollen keine trendy Band sein, sondern einfach nur straighte catchy Rock-Musik spielen.

 

Letztes Jahr habt ihr eure Debüt-EP "Mirrors" veröffentlicht. Wie lief der ganze Prozess vom Songwriting bis zum Verkauf in eurem Online-Shop ab?

Gustav:  Unsere eigentliche Idee war sechs, sieben Songs zu schreiben und dann zu touren. 'Daughter Of The Sea' war der erste Song, den mir gemeinsam schrieben. Das haben wir dann mit mehr oder weniger Erfolg gemacht  und gingen dann ins Studio um die EP aufzunehmen, was ziemlich stressfrei verlief, denn es gab keinen Druck der auf uns lastete. Mit der EP wollten wir dann einfach weiter touren und dort die CDs verkaufen, von denen wir erstmal 500 produzierten, Es ist auch unser Lebensstil geworden, da draußen zu sein und zu spielen. Würden wir das nicht so machen, würden die Leute uns auch schnell wieder vergessen. Jetzt haben wir fast 6000 CDs verkauft, was viel mehr ist als wir uns je erträumt hätten. Es ist verrückt und surreal, weil wir nicht mal ein Label hinter uns haben.

Ben: Das Lustige ist, dass die Kids denken, dass wir jetzt berühmt seien und ein glamouröses Leben führen. Dabei stehen wir nach jeder Show draußen und verkaufen unsere CDs selber für fünf Pfund. (lacht)

Gustav: Es ist auch schwer, weil man manchmal regelrecht versuchen muss, den Leuten die Sachen zu verkaufen. Die Jungs verkaufen die CDs meist außerhalb der Halle und ich steh am Merch-Stand und verkaufe die Shirts. Aber das gehört dazu und ich mag es. Als ich jünger war und jemanden von einer Band am Merch-Stand getroffen hab und die nett war, war das für mich wirklich was total Tolles und ich mochte die Band noch mehr. Wir versuchen das genauso und ich hoffe die Leute merken auch, dass sie, wenn sie etwas direkt von uns kaufen, uns auch ermöglichen das Ganze weiter zu machen. Das Geld, was wir einnehmen, geht nämlich direkt in Tankfüllungen, um zu den Shows zu kommen oder wir können uns was zu essen davon kaufen.

Simon: Es hält einen auch am Boden, dass man so direkt mit den Leuten in Kontakt steht. Man merkt, dass es real ist und tut einem gut.

 

Ihr spielt die Songs der EP Abend für Abend. Seit ihr immer noch stolz auf die Songs oder gibt es Momente wo ihr denkt „Oh warum haben wir das nur so gemacht und nicht so“? Würdet ihr irgendwas ändern wollen?

Gustav: Klar, es gibt immer Dinge, die man verändern würde, wenn man drauf zurück blickt. Ich bin eigentlich nie ganz zufrieden und gerade das spornt einen an, alles zu geben. Trotzdem bin ich absolut stolz auf das Resultat.

Ben: Wie gesagt, wir haben nie viel erwartet und mit den vier Songs der EP und der Single "Winter Kiss" haben wir so viel erreicht. All das touren oder die Awards waren nur möglich wegen diesen fünf Liedern. Auf mich wirkt es eh komisch, dass wir so viel erreicht haben, ohne ein richtiges Album veröffentlicht zu haben.

Gustav: Wenn das Album bald erscheint, werden wir vielleicht nicht mehr alle Songs der EP spielen, sondern ein bisschen austauschen. Aber wenn man die gleichen Stücke jeden Abend spielt, kommt man irgendwann an den Punkt, wo man sich nicht mehr so aufs spielen konzentrieren muss, sondern mehr Power in die Perfomance steckt, was sehr viel Spaß macht.

 

Was kann man von eurem Debütalbum "All Our Kings Are Dead" erwarten und wie unterscheidet es sich von "Mirrors"?

Gustav: Die Leute werden eine Weiterentwicklung hören können und es wird erwachsener klingen. Wir haben das Album in einer recht kurzen Zeitspanne von sechs Wochen geschrieben, weil wir ständig auf Tour sind. Es kam zu dem Punkt wo wir sagten, dass wir bald ein Album aufnehmen wollen bzw, müssen und wir haben noch nichts geschrieben. Ende November haben wir dann endlich mit den Arbeiten angefangen und rund um die Uhr gearbeitet.

 

Wie sieht es denn mit einem Plattenvertrag aus? Bisher habt ihr immer alles auf DIY-Weise gemacht.

 

Gustav: Wir sind immer noch eine Band ohne Vertrag. Aber wir haben einen guten Distribution Deal mit PIAS abgeschlossen. Trotzdem wollen wir so viel wie möglich selber machen. Wir wollten uns nicht für irgendein Label verstellen und mit einer Distribution haben wir da bessere Karten.

 

Nach so vielen Touren: Was sind eure Tour-Höhepunkte und lustigsten Tourgeschichten?

Gustav: Die Shows mit den LOSTPROPHETS waren echt absolut klasse.

Simon: Auch die Kerrang!-Tour war gut. Wir tourten mit ALL TIME LOW, THE BLACKOUT und MY PASSION. Es war cool mit den Leuten abzuhängen und die Shows waren auch top.

Gustav: Mein peinlichster Tourmoment war als mir meine Hose total aufriss. Ich bin auf der Bühne rumgesprungen und meine Hose ist so übel gerissen, dass man meinen kompletten Arsch und Beine sehen konnte. Ich sah aus wie ein Cowboy mit diesen Lederüberzügen. Auf der Kerrang!-Tour ist mir dann mein erster Sprung ins Leere passiert und ich bin auf meinem Po gelandert.

Ben: Ich konnte vor lachen nicht mehr spielen. Die ganze Halle hat gelacht. (lacht)

 

Ihr habt auf großen Bühnen wie die vom Download Festival gespielt und auf kleinen Clubbühnen. Was mögt ihr mehr? Wie geht ihr mit den unterschiedlichen Situationen um?

Gustav: Es ist ein riesiger Unterschied. Bei Clubshows ist alles viel intimer. man sieht die Leute und es ist viel heißer und schweißtreibender. Auf Festivalbühnen ist man so weit weg vom Publikum und das ist irgendwie doof, aber wenn man vor so vielen Leuten spielt, geht natürlich irgendwo auch ein Traum in Erfüllung. Es ist beides cool und wir versuchen die intime Atmosphäre von Clubs auf große Bühnen zu transportieren.

Ben: Einige der besten Shows von uns waren Clubshows. Bald sind wir auf unserer ersten Headlinertour und ein paar Shows sind schon ausverkauft. Ich freue mich sehr darauf vor Leuten zu spielen, die nur wegen YOUNG GUNS da sind.

 

Letzte Frage: Dies sind eure ersten Shows auf dem europäischen Festland, was erwartet ihr?

Gustav: Eigentlich erwarten wir gar nichts. Wenn wir ein paar neue Leute kennen lernen, ist das schon was, Die Tour mit MADINA LAKE bisher lief aber gut. Auch hierhin zu kommen und Leute zu sehen, die uns kennen (zeigt auf eine Gruppe Mädchen mit YOUNG GUNS-Shirts – Anm. d. Red.) ist etwas, was wir nie erwartet hätten. Es ist verrückt und irgendwie komisch, denn es passiert zu Hause in Großbritannien so viel. Gestern kam unsere neue Single 'Sons Of Apathy' raus und wurde auf Radio1 gespielt und wir sitzen hier in Deutschland. Ich wollte schon immer mal nach Deutschland, Amsterdam oder Paris und nun sitzen wir hier.

 

 

Redakteur:
Sebastian Berning

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