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Interview mit TARJA

29.07.2016 | 21:06

Einmal quer durch alle Subgenres des Metals: Am 5. August erscheint TARJAS neue Platte "The Shadow Self". Vorher stellte die stimmgewaltige Sängerin sich allerdings unseren Fragen im Interview.

Hallo Tarja. Danke, dass du bei deinem Terminkalender noch Zeit für uns gefunden hast. Am 5. August kommt dein neues Album "The Shadow Self" in die Läden – deine vermutlich vielseitigste Platte. Schon gespannt auf die Reaktionen der Fans?

Es ist immer ziemlich spannend, ein neues Album auf den Markt zu bringen. Und mir ist klar, dass es immer Menschen geben wird, denen meine Musik nicht gefällt. Aber ich bin auch der Ansicht, dass "The Shadow Self" eine sehr starke Scheibe geworden ist und ich freue mich schon riesig auf die Veröffentlichung. Das ist aber nur meine Meinung. Wir werden sehen, wie es letzten Endes bei meinen Fans ankommt.

 

Mit deinem letzten Album "Ave Maria – En Plein Air" im vergangenen Jahr hast du dem Metal erst einmal komplett den Rücken gekehrt. Was hat dich dazu bewegt, ausgerechnet dieses Lied in so vielen verschiedenen Variationen aufzunehmen?

'Ave Maria' und überhaupt klassische Musik ist schon seit meiner Kindheit ein Teil meines Lebens als Sängerin. Auch heute arbeite ich noch mit einem Gesangslehrer zusammen. Ich bewege mich in zwei sehr unterschiedlichen Musikrichtungen. Da ist es wichtig für mich, in Übung zu bleiben: Wenn ich mir heute die alten Platten von NIGHTWISH anhöre, finde ich meine Stimme furchtbar! Rein technisch war ich damals gar nicht in der Lage, anspruchsvolle Passagen so sauber zu singen, wie ich es heute tue. Aber ich bin auch sehr dankbar dafür, dass ich überhaupt die Möglichkeit dazu  habe, diese beiden Richtungen miteinander zu verbinden: Erst beim Wacken Open Air auf der Bühne zu stehen und wenige Tage später als Opernsängerin mit einem Orchester aufzutreten – für mich ist das ein wahr gewordener Traum.

Gibt es denn neben der Klassik und dem Metal noch andere Genres, in die du gerne mal einen musikalischen Ausflug unternehmen würdest?

Auf gar keinen Fall. Ich glaube auch gar nicht, dass ich dazu fähig bin. Natürlich, mein neues Album ist schon sehr vielfältig, aber trotzdem ist und bleibt es ein Rock-Album. Klar, im Laufe meiner Karriere hat sich meine Musik schon verändert, aber mein Markenzeichen ist und bleibt harte Musik mit symphonischen Einflüssen. Und das wird sich auch nie ändern.

Aber ich probiere auch gerne mal andere Dinge aus: Am Ende meines Albums findet sich sogar ein Party-Track. Das war aber auch mehr als Witz gemeint – auch wenn wir das Ganze ziemlich professionell aufgezogen haben: Ich habe ihn von einem Produzenten, der normalerweise mit Tech-Metal-Bands arbeitet, aufnehmen lassen. Aber auf Dauer kann ich mir nicht vorstellen, meinen Stil großartig zu ändern.

Ein Grund für die Vielseitigkeit deines neuen Albums sind deshalb auch die zahlreichen Gastmusiker, die dich auf ‚The Shadow Self‘ begleiten: Marilyn Manson, Alissa White-Gluz, Chad Smith... War es schwierig, solch namhafte Künstler für die Platte zu gewinnen?

Es ist immer schwierig, bekannte Musiker für neue Projekte zu gewinnen... Spaß beiseite: Wir kennen uns untereinander durch die vielen gemeinsamen Auftritte bei Festivals und so weiter mittlerweile recht gut. Dadurch fällt auch die Zusammenarbeit viel leichter, weil man einfach schon ein gewisses Grundvertrauen in die Fähigkeiten des anderen mitbringt. Dennoch ist es mir wichtig, die Kontrolle bei der ganzen Sache zu behalten.  Als Solokünstlerin habe ich das Glück, mir aussuchen zu können, mit wem ich arbeiten will. Ich alleine kann entscheiden, was oder wen meine Songs brauchen. Und dann scheue ich mich auch nicht, die entsprechenden Musiker anzurufen.

Wo wir schon bei anderen Musikern sind: Vor einigen Wochen ließ Mike Terrana in einem Interview verlauten, dass du ihm die Zusammenarbeit aufgekündigt hättest, weil er zu viel Aufmerksamkeit auf sich zöge. Was sagst du zu diesem Vorwurf?

Nun gut, Mike kann sagen, was er denkt - das überlasse ich ganz ihm. Wir haben sieben Jahre miteinander gearbeitet und wirklich großartige Musik gemacht. Ich möchte da jetzt auch nicht ins Detail gehen. Ich wünsche ihm einfach nur das Beste. Für mich war einfach die Zeit gekommen, Luft zu holen und meine eigenen Wege zu gehen.

Die Wartezeit zu "The Shadow Self" überbrückt das Prequel "The Brightest Void", welches vor einigen Tagen erschien. Wie ist die Idee zu diesem "Mini-Album" entstanden?

Nachdem ich die Arbeit an "The Shadow Self" aufgenommen habe, ist mir ziemlich schnell aufgefallen, dass ich unglaublich viele tolle Songs habe. Zu viele, um sie alle auf ein Album zu packen. Die meisten der Stücke sind ziemlich persönlich und ich hätte es schade gefunden, wenn sie verloren gehen. Deshalb war das Prequel die beste Lösung, um wirklich alle Songs irgendwie unterzubringen, auch die Cover-Songs, die ich aufgenommen habe.

Wo du schon über persönliche Songs sprichst: Für das Lied ‚Eagle Eye‘ hast du deinen Bruder Toni Turunen mit ins Boot geholt. Wie war es für dich, mit deiner eigenen Verwandtschaft im Studio zu arbeiten?

Toni ist wahnsinnig talentiert. Und 'Eagle Eye' war eine Möglichkeit, dass er auf meinem Album brillieren konnte. Und genau das hat er getan. Wir hatten nicht viel Zeit, den Track aufzunehmen, aber Toni ist ein ziemlich ehrgeiziger Musiker. Das scheint bei uns in der Familie zu liegen. Wir sind alle echte musikalische Workaholics.

Auf beiden Werken finden sich dieses Mal ziemlich viele Songs, auf denen du richtige Geschichten und sogar alte Legenden erzählst. So etwa auch auf dem Track 'Witch Hunt'. Wie ist dieses Lied entstanden?

Den Song habe ich tatsächlich schon vor einigen Jahren geschrieben. Wenn ich mich richtig erinnere, war "The Shadow Self" da noch gar nicht in Planung. Die meisten Leute denen ich diesen Song gezeigt habe, wollten allerdings unbedingt, dass ich ihn aufnehme. Aber es ist schon ein recht gruseliges Thema, um das es hier geht: Hexenverbrennungen, alte Flüche... Ich wurde auch schon gefragt, ob ich mir vorstellen könnte, die begleitende Musik für ein Buch mit Geistergeschichten für Kinder zu machen. Darüber denke ich ernsthaft nach. Die Idee ist eigentlich wirklich fantastisch!

Im August trittst du auf dem Wacken Open Air auf, ehe es für dich im Herbst auf Tournee quer durch die Hallen der Republik geht. Worin liegt für dich der Unterschied zwischen den Festivals und deinen Tour-Konzerten?

Natürlich ist es toll, auf solch riesigen Festivals wie dem Wacken Open Air zu spielen: Aber dort bist du letzten Endes eine Band oder ein Künstler von vielen. Aber es gibt nichts Besseres als eigene Konzerte zu spielen: Denn dort bist du im Austausch mit deinen Fans, die wegen dir gekommen sind. Und genau daraus ziehe ich die Kraft, immer weiterzumachen.

 

Redakteur:
Leoni Dowidat

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