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Interview mit LITA FORD

26.05.2016 | 22:37

Alte Besen kehren gut. Das dachte sich auch Hard-Rock-Legende LITA FORD und hat kurzerhand für ihren neuen Langspieler "Time Capsule" Originalaufnahmen aus den Achtzigern verwendet. Diesen wurde lediglich mit modernen Mitteln der letzte digitale Schliff verpasst. So liefert Lita dann auch nach den eher durchwachsenen Alben "Wicked Wonderland" und "Living Like A Runaway" ihr wohl bestes Album seit dem Erfolgsablum "Lita" aus dem Jahr 1988 ab. Wie die Platte zustande kam und was sie dazu bewogen hat, den alten Aufnahmen neues Leben einzuhauchen, das erläutert uns die in Großbritannien geborene Wahlamerikanerin im ausführlichen Interview.

Hallo Lita und erst einmal Danke, dass du dir die Zeit für das Interview genommen hast. Wie geht es dir im Moment?

Mir geht es im Moment super, jetzt wo das Album endlich fertig und im Handel ist. Danke der Nachfrage.

Bevor wir näher auf die Songs der neuen Scheibe "Time Capsule" eingehen, lass uns erst einmal darüber sprechen, wie die Platte überhaupt zustande gekommen ist. Hast du wirklich die Songs auf alten Tapes wiedergefunden, die du seit Jahren eingelagert hattest?

Ja genau, die Songs wurden auf 24-Spur-Tapes aufgenommen, die ich danach für eine gefühlte Ewigkeit in meinem Haus eingelagert habe. Aber obwohl die Songs bereits so alt sind, bedeuten sie mir sehr viel wegen der vielen verschiedenen Künstler und Freunde, die damals bei den Aufnahmen mitgewirkt haben. Außerdem sind es auch einfach verdammt starke Songs, die nicht in irgendeinem Keller versauern sollten.

Ich finde auch den Titel der Scheibe extrem passend, denn die Songs katapultieren den Hörer direkt zurück in die Achtziger, bevor die Grunge-Welle das gesamte Musik-Business veränderte. Außerdem klingt die Scheibe auch so dynamisch, wie es bei Produktionen aus dieser Zeit üblich war. Hast du die Tracks eigentlich neu aufgenommen, oder habt ihr im Studio die Aufnahmen von den 24-Spur-Tapes verwendet?

Tatsächlich sind alle Aufnahmen genau so belassen worden, wie wir sie damals in den Achtzigern eingespielt haben. Wir haben ausschließlich die 24-Spur-Tapes digitalisiert und anschließend gemixt und gemastert. Dabei haben wir aber ganz bewusst kleinere Ungenauigkeiten nicht verbessert, einfach damit der Charakter der ursprünglichen Aufnahmen nicht verloren geht. Dementsprechend klingt das Album dann auch wie eine Platte aus den Achtzigern.

Der Titel des Instrumentals 'Little Wing' lässt mich sofort an JIMI HENDRIX denken, obwohl der Song natürlich kein Cover des gleichnamigen HENDRIX-Songs ist. War er für dich eine Inspiration und welche Gitarristen haben dich ansonsten beeinflusst?

Jimi ist für mich auf jeden Fall ein ganz großes Idol, sowohl als Gitarrist, als auch als Sänger. Was er damals gemacht hat, das hat die Art und Weise, wie Menschen ein Gitarre wahrnehmen, für immer verändert. Dementsprechend wollte auch damals jeder so spielen wie Jimi Hendrix, was natürlich auch bei mir in meinen Anfangstagen der Fall war. Neben Jimi haben mich Tony Iommi und Ritchie Blackmore am meisten beinflusst.

Auf "Time Capsule" sind die verschiedensten Gäste wie etwa Billy Sheehan oder Gene Simmons vertreten. Wie konntest du sie alle ins Studio locken?

Das war bei nahezu jedem anders, gerade damals waren solche Sachen auch teilweise noch deutlich einfacher zu bewerkstelligen. Gene hatte zum Beispiel 'Rotten To The Core' schon nahezu fertig, ich habe dann nur noch das Gitarren-Solo eingespielt und meinen Gesang hinzugefügt. Mit den Jungs von CHEAP TRICK war ich schon seit den Zeiten bei THE RUNAWAYS gut befreundet und als wir sowieso zusammen an neuen Songs arbeiteten, habe ich sie einfach gefragt, ob sie nicht auch ein paar Gesangslinien beisteuern wollen. Die interessanteste Geschichte war aber wohl die mit Dave Navarro, der zufällig im Studio nebenan selber an einer Platte arbeitete. Also haben wir ihm einfach eine Mandoline in die Hand gedrückt und er hat diesen fantastischen Part für 'Killing Kind' eingespielt. Seine Beteiligung hat mich ganz besonders gefreut, weil er einfach ein grandioser Gitarrist ist.

Vor kurzem hast du auch deine Biografie "Living Like A Runaway" veröffentlicht, in der du einen tieferen Einblick in deine Karriere gibst. War es ein komisches Gefühl, das eigene Leben aus dieser Perspektive zu betrachten? Und gibt es Dinge, die du aus heutiger Sicht anders machen würdest?

Ein komisches Gefühl war es eigentlich nicht, es war eher wie eine interessante Reise durch mein gesamtes bisheriges Leben. Angefangen hat eigentlich alles mit meinen Eltern, die ich wirklich sehr vermisse, und dann kam eigentlich schon die Zeit bei THE RUNAWAYS, mit deren Geschichten ich sicher ein ganzes Buch hätte füllen können. Anschließend dann meine Solo-Karriere, meine Ehe und die Scheidung, das Buch deckt einfach wirklich alles ab, was mich ausmacht. Gerade daher scheinen es die Leser auch so interessant zu finden, denn ich habe schon von vielen Seiten gehört, dass es schwer sein soll, dass Buch aus der Hand zu legen, sobald man erst einmal mit dem Lesen angefangen hat.

Es gab ja auch eine sehr lange Zeit, in der du dich komplett vom Musikmachen zurückgezogen hast, jedoch bist du 2005 mit dem Album "Wicked Wonderland" wieder zurückgekommen. Was hat dich dazu gebracht, wieder ins Musik-Business zurückzukehren trotz der Probleme der gesamten Platten-Industrie?

Die Musik ist einfach ein Teil von mir, den ich nicht beseite legen kann. Da ist es mir dann auch egal, was der Rest der Welt tut und in welchem Zustand sich die Labels befinden. Das kann mich nicht davon abhalten, das zu tun, was ich liebe. Wobei ich sagen muss, dass für mich das Comeback wirklich erst mit "Living Like A Runaway" losging. Das von dir erwähnte "Wicked Wonderland" ist mehr ein ungewollter Ausreißer in meinem Backkatalog, weil es mehr oder weniger komplett von meinem Ex-Mann produziert wurde. Dementsprechend war es auch eher seine Vision davon, wie eine Scheibe von mir klingen müsste. Jetzt kann ich allerdings wieder tun und lassen, was ich will, und ich habe wieder Spaß daran Musik zu schreiben und vor allem zu veröffentlichen.

Natürlich hoffen viele Fans darauf, dass du mit dem neuen Album auch eine Tour auf dieser Seite des Atlantiks spielen wirst. Bisher sind allerdings nur einige Shows auf größeren Festivals bestätigt worden. Wie stehen denn die Chancen für eine komplette Tour, die dich vielleicht auch nach Deutschland führt?

Wir bemühen uns gerade darum, eine Tour durch Europa auf die Beine zu stellen. Für mich ist es ja immer noch meine Heimat, denn trotz meines Wohnsitzes in den USA bin ich vom Pass her Britin. Meine Mutter stammte aus Rom, mein Vater aus Großbritannien, von daher freue ich mich immer, wenn ich die Gelegenheit bekomme, nach Europa zu reisen. Gerade auch über Shows in Deutschland würde ich mich freuen, denn meine letzten Konzerte bei euch sind bereits viel zu lange her.

Lita, damit sind wir schon am Ende angekommen. Ich möchte mich noch einmal für deine Zeit bedanken und überlasse die letzten Worte dir.

Ich hoffe, dass euch das Buch "Living Like A Runaway" und die neue Scheibe gefallen. Außerdem geben wir alles dafür, bald auch endlich in Deutschland noch ein paar geniale Konzerte auf die Beine zu stellen!

Redakteur:
Tobias Dahs

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