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Interview mit DEVIN TOWNSEND

25.11.2014 | 09:29

Devin Townsend räumt bei POWERMETAL.de mit dem neuen Doppelalbum "Z²" in Review und Soundcheck ab. Wir sprechen mit dem sympathischen Tausendsassa in einem amüsanten Gespräch über die Welt des DEVIN TOWNSEND.

Herzlichen Glückwunsch zu deinen neuen Alben, ich finde sie fantastisch! Wie hast du es geschafft so unterschiedliche Alben auf einmal zu veröffentlichen? Hast du sie gleichzeitig geschrieben oder erst das DEVIN TOWNSEND PROJECT-Album, dann die Ziltoid-Fortsetzung...?


Normalerweise schreibe ich immer an einem Album und wenn ein Album zum Beispiel sehr hart ausfällt, wird das nächste Album ruhig, das ist ein ganz natürlicher Prozess bei mir. Aber dieses Szenario war anders, ich wurde gefragt, ob ich mehr DEVIN TOWNSEND PROJECT-typische Musik aufnehmen könne, da es ja auch das absurde Ziltoid-Album geben würde. Ich dachte, dass es sehr einfach werden würde diese zwei Alben quasi auszuspucken, doch es stellte sich als sehr schwierig heraus, zwei Alben gleichzeitig zu schreiben. Ziltoid schrieb sich vergleichsweise einfach, denn die Musik ist sehr befreiend zu schreiben, da es nicht viele Parameter gibt, an die ich mich halten muss. Aber die DEVIN TOWNSEND PROJECT-Scheibe "Sky Blue" brauchte eine lange Zeit, denn ich musste erst einmal aufdecken, was das Album sein wollte, wo es musikalisch hinwollte. Das hat viel mehr Zeit gebraucht, als ich es geplant hatte. Also ja, ich habe beide Alben gleichzeitig geschrieben, was eine große Herausforderung war.

Aber das Ergebnis lässt sich hören!


Ja, aber ich war in der Hälfte des Schreibprozesses sehr unsicher, wie es werden würde. Aber letztlich war es sehr viel Aufwand und die Willenskraft, die mich positiv beeinflusst haben.

Viele Bands veröffentlichen keine Doppelalben mehr auf einmal, sondern über einen gewissen Zeitraum verteilt. Du hast das nicht gemacht, wie kam es zu der Idee?

Um ehrlich zu sein, war es das vierte Album, das ich dieses Jahr veröffentlicht habe, denn CASUALTIES OF COOL kam auch raus. Es muss wohl eine Art Bestrafung sein, denn ich kann mir keine andere logische Erklärung herleiten (lacht).

Für die Fans ist es großartig!

Ja, das hoffe ich auch. Ich bin mir jetzt viel bewusster darüber, wie sich Entscheidungen in zwei Bands akkumulieren und im sehr stressvollen Szenario enden, dass man vier Alben im Jahr veröffentlicht. Ich nehme das als Erfahrung mit und zum Glück ist alles gut geworden (Erleichterungs-Pfiff).

In welchem Ausmaß hast du die Story von "Ziltoid The Omniscient" adaptiert? Also ist "Dark Matters" eine Fortsetzung oder eine brandneue Geschichte?

Es ist eine Evolution oder Erweiterung der Story. Technisch gesehen, bin ich nicht gut darin Geschichten zu schreiben. Das Ziltoid-Konzept hat mich inspiriert, die Story zu erzählen. Eigentlich ist es keine Geschichte, es hat zwar einen Anfang, eine Mitte und ein Ende, wodurch es technisch vielleicht eine ist, aber in Bezug darauf, wie die Story mit dem ersten Album interagiert oder den TV-Shows [Ziltoid-TV], würde ich sagen "nicht sehr gut" (lacht).

Du hast ja deine Fans gefragt in dem "Universal Choir" teilzunehmen [ein interaktiver Online-Chor]. Wie waren die Reaktionen und wie viele Teilnehmer können wir letztlich auf den Alben hören?

Die Reaktionen vielen ungewöhnlich stark aus, man kann tausende Leute auf dem Album hören. Vergleich das mal mit dem ersten Ziltoid-Album, wo ich alleine mit meinem Drumcomputer war und nun gibt es Orchester, Puppenspieler, Künstler und tausende Stimmen.

Das Ergebnis klingt auf jeden Fall sehr mächtig.

Du hast ja gerade die ersten Ziltoid-TV-Episoden veröffentlicht. Haben sie Spaß gemacht zu filmen oder wie viel Arbeit steckt dahinter?

Es macht schon viel Spaß und in gewisser Weise ist es der beste Part am Projekt, da es sehr kreativ ist. Es ist aber auch verdammt hart. Ich hatte gar nicht realisiert, wie schwer das Puppenspielen ist. Die Ziltoid-Puppe ist groß und arschschwer. Es ist also beides: Einerseits das Beste überhaupt, andererseits ne sch... harte Arbeit (alle lachen).

Anneke van Giersbergen trägt einen großen Part vor allem auf dem DEVIN TOWNSEND PROJECT-Album bei. Hast du die Parts für sie geschrieben oder wie kam es zur Kooperation?

Yeah, die Parts habe ich für sie geschrieben. Sie fliegt ein, singt die Parts ohne sie vorher großartig gehört zu haben und fliegt wieder weg. Sie ist die Heavy-Metal-Tinkerbell [Redakteur lacht sich einen ab].

Und wie wirst du das live umsetzen? Ich meine, sie wird ja wohl nicht ständig auf Tour mitkommen können.

Ja, meine Live-Welt ist immer eine ganz andere als die Studio-Welt. Ich denke da im Vorfeld nicht viel drüber nach, ich schreibe die Songs wie sie sein sollen und der Rest ergibt sich später.

Du hast ja die Alben wieder im Alleingang produziert. Siehst du irgendwelche Vorteile darin im Gegensatz auf einen externen Produzenten zurückgreifen zu können?

Es gibt viele Vorteile, denn meine Vision ist sehr präzise und speziell. Es wäre eine Zeitverschwendung sie jemand anderem zu interpretieren und man muss es sich auch leisten können. In manchen Fällen ist es toll einen Produzenten zu haben, für mich wäre es aber nicht hilfreich. Ich habe gestern ein Produktionsangebot bekommen, das Problem ist aber, dass es mich oft nicht interessiert, vor allem, wenn es nicht meine Musik ist. Wenn ich die Musik nicht mag, benötigt es sehr viel Aufwand und ich würde die Energie der Leute und der Musik absorbieren und wenn es Musik ist, die mir nicht gut tut, kollidiert das mit meiner Welt, was nicht gut ist. Wenn jemand ankommt und mir Geld zum Leben anbietet, würde ich es dennoch überlegen, aber so ein guter Produzent bin ich ich dann auch nicht.

Nächstes Jahr wirst du in Royal Albert Hall in London spielen, der Gig ist bereits ausverkauft. Was können Fans dort erwarten, kannst du irgendwas verraten? Wirst du beide Ziltoid-Alben spielen?

Wir haben gerade angefangen die Logistik zu planen und spielen mit verschiedenen Ideen. Es sind sogar so viele Ideen, dass ich sagen kann, dass es bestimmt großartig wird und vielleicht das Beste, was wir bisher gemacht haben. Spezifischer möchte ich aber noch nicht werden, denn es kann sich morgen wieder ändern. Ich plane im Moment eine Sache auf einmal, viel mehr Kapazität hat mein Hirn nicht.



Gehen wir nochmal zu den neuen Alben zurück. Am Ende von "Dark Matters" ergibt sich die Frage: Wird es wirklich einen dritten Ziltoid-Teil geben?

Das lasse ich mir offen. Wenn ich daran arbeite eine Science-Fiction-Story zu machen, schaue ich mir Filme wie Star Wars, War Of The Worlds und so weiter an, übernehme jedes Klischee, das ich kann und baue sie in meine eigene Geschichte ein. Eine dieser Klischees ist "To be continued!" Aber ob es sich tatsächlich fortsetzt, weiß ich jetzt noch nicht (lacht).

Wie viel Devin steckt eigentlich in Ziltoid?

Er ist bestimmt eine übertriebene Version von bestimmten Teilen von mir. Dass er ein Alien und eine Puppe ist, macht es in gewisser Weise lustig, aber ich bin auch chaotisch, kindlich, immer angepisst. Ziltoid erlaubt es mir damit herum zu experimentieren, ohne, dass ich mich direkt auf mich beziehe, aber es dient der Musik. Jedoch bin ich nicht aus der vierten Dimension, ich bin kein Alien und keine Puppe. Obwohl, vielleicht bin ich eine Puppe, wer weiß.

Wie ist denn die Situation mit CASUALTIES OF COOL? Läuft das Projekt weiter oder ruht es im Moment?

Ich würde es toll finden, wenn es weiterläuft, denn es gehört zu meinen liebsten Sachen, die ich jemals gemacht habe. Einige Umstände machen es kompliziert, denn die Band ist überall auf der Welt zu Hause. Ein neues Projekt zu machen, bedeutet auch immer eine neue Beziehung einzugehen und da sind wir gerade dabei eine geeignete Strategie auszumachen. Aber im Zusammenhang, dass ich im Moment nicht zu weit vorausplanen möchte, kann ich auch keine Zukunftsmusik diskutieren, denn das bringt mich immer in Probleme (lacht).

Redakteur:
Jakob Ehmke

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