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Interview mit DBA: Wir haben eine positive Botschaft.

06.04.2021 | 22:01

Bereits im Januar haben zwei Großmeister der populärmusikalischen Szene mit "Halcyon Hymns" unter dem Namen DBA, was für DOWNES BRAIDE ASSOCIATION steht, ein besonderes Album veröffentlicht. Zwar ist es bereits das vierte Werk, das die beiden Hauptakteure und Namensgeber Geoff Downes, bekannt von YES, ASIA und THE BUGGLES, und Chris Braide, der sich vor allem als Produzent oder Komponist von Künstlern wie Sia, Britney Spears, Christina Aguilera und zahlreicher Lieder für erfolgreiche Soundtracks einen Namen gemacht hat, veröffentlicht haben, aber es ist ein besonderes Album. POWERMETAL.de sprach mit Geoff Downes über das aktuelle Album der DOWNES BRAIDE ASSOCIATION.

Auch der erfahrene Musiker Geoff Downes, dessen Werk ich bereits seit Anfang seiner Karriere verfolge, denn 'Video Killed The Radio Star' ist ein Hit aus meiner Kindheit und ohne 'Heat Of The Moment' von ASIA war eine Party in den Achtzigern quasi nicht denkbar, empfindet es so.

"Wir dachten, wir machen mal etwas Fröhliches, eine Erinnerung an glückliche Zeiten, eine positive Botschaft, was ja gerade jetzt wichtig ist. Es war ein schwieriges Jahr für alle", sagt der Künstler.

Im Gegensatz zu vielen anderen Bands und Musikern, die während der Corona-Pandemie möglicherweise mit Schwierigkeiten zu kämpfen haben, um weiterhin arbeiten zu können, war dies für die beiden Hauptakteure bei DBA kein Problem.

"Es ist bereits unser viertes Album und ich hatte vor dem Lockdown schon einige Ideen gesammelt und Chris zugeschickt, der mit der Arbeit begann, als die Pandemie ausbrach. Die Arbeit selbst war nicht schwierig, da wir immer schon aus der Ferne miteinander gearbeitet und Ideen ausgetauscht haben, Chris ist ja seit zehn Jahren in Los Angeles. Da es momentan keine Live-Musik gibt, ist es wichtig, dass man kreativ bleibt."

Auf "Halcyon Hymns" geben wieder zahlreiche Gäste ihre Visitenkarte ab, das funktionierte natürlich auf die gleiche Art und Weise.

"Das wurde natürlich alles aus der Ferne organisiert, während wir auf dem letzten Album unsere Gäste im Studio haben konnten. Man schickt ein Soundfile raus und eine Richtlinie und lässt sie dann machen und dann kann man eben sagen, gut, das passt, oder neue Anregungen geben. Jeder hat sein eigenes Studio oder seine eigene Ausrüstung, es ist eine sehr direkte Art zu arbeiten. Man muss dazu nicht mehr zusammen in einem Raum sein, im Gegensatz zu früher, wo man für einen festen Zeitraum ein Studio mieten und alle zusammenbringen musste. Möglicherweise hat diese Entwicklung auch eine gute Seite."

Ich empfinde die positive Botschaft des Albums durchaus, bin aber auch fasziniert, wie die unterschiedlichen musikalischen Hintergründe der beiden Komponisten zusammenkommen, obwohl sie auf den ersten Blick stilistisch nicht recht zusammenpassen wollen, wenn man die Arbeiten der letzten zehn, zwanzig Jahre vergleicht, aber Geoff wiegelt ab.

"Wir treffen uns irgendwo in der Mitte. Du darfst nicht vergessen, dass wir beide einen Pop-Hintergrund haben, ich komme ja eigentlich aus einer Band namens THE BUGGLES und erst danach wurde ich ein Teil von YES und machte Progressive Rock und ASIA war auch deutlich mehr Mainstream. Ich entwickelte mich immer mehr hin zum Progressive Rock und Chris ist sozusagen die andere Seite der Medaille. Er arbeitet mit zahlreichen populären Künstlern aus dem Mainstream wie Lana Del Rey und Beyoncé und ähnlichen. Es ist eine interessante Kombination, aber Chris ist gleichzeitig auch ein großer Prog-Rock-Fan, der YES und viele der Canterbury-Bands mag [Anmerkung: Eine als Canterbury Sound bekannte Prog-Szene der Sechziger, bekannte Vertreter sind CARAVAN, SOFT MACHINE, EGG]. Heute muss man vielseitig sein, um ein Auskommen in der Musikindustrie zu haben, es ist ein schwieriges Geschäft und es wird immer schwieriger. Aus meiner Sicht ist es schön, diese Kombination zu haben, bei der ich den Progressive Rock und Chris das Pop-Gefühl zusammenbringen."

Dabei ist es erstaunlich, dass "Halcyon Hymns" sehr homogen klingt und keinerlei Anlass bietet, weder für die eine noch die andere Seite, sich unterrepräsentiert zu fühlen. So gesehen merkt man, dass anscheinend beide sich in der jeweils anderen Welt nicht unwohl fühlen. Doch in einer Hinsicht neigt sich das Album dann doch in Richtung Progressive Rock, es wirkt nämlich fast wie ein Konzeptalbum.

"Es ist nicht wirklich ein Konzeptalbum, aber es ist eben ein Album, nicht nur eine Aneinanderreihung von Liedern. Wir sind beide große Vinyl-Liebhaber und wir wollten ein Album machen, das Substanz hat und nicht nur eine Sammlung von Popsongs. Wir weiteten unser Spektrum aus gegenüber dem letzten DBA-Album und es entstand etwas, das mehr ist als nur zwei Kerle, die ihre Lieder aufgenommen haben."

Auf dem Album befinden sich auch einige gesprochene Teile, die Chris Braide getextet und eingesprochen hat, was auch den Eindruck eines Konzeptes hinter dem Werk erweckt.

"Chris ist ein talentierter Dichter und er hat eine schöne Stimme. Wir fanden, dass diese Teile den Liedern noch etwas hinzufügten und die Lieder zusammenfügten und sie mehr zu einem Album machten. Heutzutage wählen die Leute einzelne Lieder und laden sie herunter, wir wollten etwas schaffen, das mehr Tiefe hat. Es macht unser Album zu etwas Besonderem, finde ich."

Ich stimme im Hinblick auf Chris' Stimme zu, was dann den Einsatz von Gastsängern aber auch nicht notwendig erscheinen lässt. Chris Braide hätte problemlos das Album im Alleingang einsingen können.

"Chris hat eine starke Stimme, aber wir wollten noch mehr Abwechslung und Gäste wie Marc Almond oder David Longdon von BIG BIG TRAIN nehmen andere Rollen ein. Chris musste sich diesen beiden auch anpassen, die beide wiederum die verschiedenen Enden unseres Spektrums, Marc den Pop, David den Progressive Rock, abdecken. Es macht das Album bunter, wir sind Künstler, so wie wir Musik machen, schaffen wir eigentlich auch akustische Bilder und konnten so die Vielfalt und Dynamik vergrößern."

Apropos Bilder: "Halcyon Hymns" trägt ein Cover von Roger Dean, der zahlreiche Covers für YES und ASIA gemacht hat. Es scheint, als wollte DBA einen gewissen Anschein an die beiden Starbands erzeugen und davon eventuell profitieren, aber tatsächlich kennt Geoff Downes den Maler einfach schon sehr lange.

"Nun ja, Roger Dean ist ein großartiger Künstler und ich kenne ihn schon von YES, ASIA und auch DBA, das Cover unseres vorherigen Albums ist auch von ihm. Ihm fällt immer etwas ein, das zur Musik passt. Ich finde, die Pastelltöne und der Eisvogel sind eine schöne Zusammenfassung dessen, was wir mit dem Album ausdrücken wollen. Es hat klassische Untertöne, genauso wie Rogers Bilder, es besteht eine Empathie zwischen dem Bild und der Musik."

Als die Covid-19-Pandemie begann, stand gerade wieder Live-Musik auf der To-Do-Liste der Band YES und damit Downes'. Seitdem ist ein Jahr vergangen und die Aussichten sind schwierig.

"Wir wollten letztes Jahr im April unsere neue Tour mit YES starten, aber das wurde auf dieses Jahr verschoben, doch es ist unsicher, ob das überhaupt klappen wird. Wir hatten bereits zwei Konzerte im Vereinigten Königreich gespielt, aber ich hoffe, dass die Beschränkungen bald aufgehoben werden können und Live-Musik zurückkehrt in der einen oder anderen Form. Wir hoffen, dass wir irgendwie zusammenkommen können, um ein paar Auftritte zu absolvieren."

Wobei dann auch nicht alle Probleme gelöst sein werden, denn in der Zwischenzeit wurde der Brexit vollzogen, der Austritt des Vereinigten Königreiches aus der Europäischen Gemeinschaft. Vor kurzem haben zahlreiche britische Künstler, darunter auch Größen wie beispielsweise Elton John, sich öffentlich beschwert darüber, dass der Brexit es Kunstschaffenden äußerst schwer macht, speziell Musikern, die auf Tournee gehen wollen und dabei auch innerhalb der EU Auftritte planen.

"Alle Künstler, Musiker, Schauspieler und Maler, wurden beim Brexit einfach vergessen. Ich habe mit vielen Leute gesprochen und wir haben große Einschränkungen, wenn wir in oder aus der EU reisen wollen, wir werden wohl Visa brauchen, was es für uns sehr schwierig macht. Für YES ist es besonders schwierig, denn wir haben auch noch amerikanische Musiker und Crewmitglieder und Leute aus der ganzen Welt. Ich denke, unsere Regierung hätte mehr an Kunstschaffende denken müssen, sie haben ein riesiges Problem hinterlassen. Sie reden zwar darüber, Lösungen zu finden, aber ich habe bisher noch keine gesehen. Gerade für die kleinen Künstler wird es sehr schwer und teuer werden, in der EU zu spielen. Früher sind wir einfach rübergefahren und haben gespielt, es gab keine Einschränkungen, aber heute ist das Merchandise beispielsweise ein großes Problem in Bezug auf Steuern und Zollabgaben. Aber ich gebe die Hoffnung nicht auf, dass es doch noch eine Lösung dafür geben wird."

Nun ja, immerhin gibt Covid-19 mehr Zeit für Verhandlungen. Es wird noch eine Weile dauern, bis überhaupt an solche Konzertreisen zu denken sein wird.

"Erstmal müssen die Impfprogramme überall funktionieren. Wir haben zwar einen hohen Prozentsatz Geimpfter im UK, aber es wird noch eine lange Zeit dauern, bevor die Leute sich wieder sicher genug fühlen werden, um zu reisen, bevor sie sich trauen, auszugehen ohne Angst zu haben, sich die Krankheit einzufangen."

Es ist also mehr als fraglich, wann YES die geplante Tour tatsächlich durchführen kann, und Konzerte der DOWNES BRAIDE ASSOCIATION sind natürlich nicht geplant, zumindest nicht in absehbarer Zeit. Bis es wieder soweit ist, dass wir gemeinsam vor den Bühnen Musik genießen können werden, haben uns Geoff Downes und Chris Braide ein Kleinod positiver Gedanken ins Nest gelegt. Gerade in diesem Frühling scheint "Halcyon Hymns" passend für die wieder ansteigenden Inzidenz-Zahlen. Eine gute Stunde Musik, um die dunklen Wolken und Gedanken zu vertreiben.

(Bilder: Glass Onyon PR)

Redakteur:
Frank Jaeger

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