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In der Gruppentherapie: ENFORCER - Diamonds

25.06.2010 | 08:07

Traditionellen Heavy Metal aus Schweden, der sich an den glorreichen 80ern orientiert, bieten ENFORCER auf ihrem neuen Album "Diamonds". Unsere Redaktion ist in großen Teilen freudig erregt, wie Rang drei im Soundcheck beweist.


Die Schweden haben die Fortführung des klassischen Heavy-Metal-Sounds einfach raus. Egal, ob RAM, IN SOLITUDE oder eben ENFORCER. Natürlich gewinnt man so keine Innovationspreise, aber die Spielfreude, dieser echte Enthusiasmus machen einfach Spaß. Sei es im starken Opener 'Katana', dem coolen instrumentalen Titeltrack oder der NWoBHM-Verneigung 'High Roller'. ENFORCER transportieren die 80er detailgetreu in die Gegenwart und sorgen so bei Traditionalisten natürlich für massig Pommesgabeln, geballte Fäuste und geschüttelte Haare. Und genau so soll es ja auch sein. Wer noch mehr erwartet, wird natürlich enttäuscht, wer allerdings echten, zackigen Heavy Metal hören will, hat hier einen echten Diamanten in der Hand.

Note: 8,0/10
[Peter Kubaschk]

Das ist schon schwer cool, was ENFORCER hier machen. Großartige Gitarrenharmonien, treibende Rhythmik, rauer, aber gefälliger Gesang, pumpender IRON MAIDEN-Bass - das ist eine der großen Highlights der frühen 80er Jahre! Das heißt... Moment mal... das Ding stammt ja gar nicht von 1981! Ist das ein altes Demo, das die erst jetzt aufgenommen haben? Nein, auch nicht. Und obendrein kommen sie gar nicht aus Newcastle Upon Tyne. Völliger Etikettenschwindel, was soll man dazu sagen? Ist das nun einfach nur gut geklaut, eine Hommage oder das Resultat einiger Ewiggestriger? Ach was, das ist doch völlig egal, ich werde mir jetzt weiterhin einreden, ein altes, vergessenes Kleinod der New Wave of British Heavy Metal in der Rotation zu haben und mich der großartigen Scheibe erfreuen. Sonst müsste ich nämlich die Stirn runzeln, und das sieht nicht so schön aus. Und wer will das schon?

Note: 7,5/10
[Frank Jaeger]



Nostalgie kann so schön sein...vor allem, wenn sie uns musikalisch so frisch und mit so viel Spielfreude aufgetischt wird, wie auf dem neuen ENFORCER-Output "Diamonds". Die Schweden transportieren die New Wave of British Heavy Metal (NwoBHM) verdammt authentisch in das Jahr 2010 und klingen dabei wie eine runderneuerte Ausgabe der frühen IRON MAIDEN zu Zeiten des 1980er Debütalbums oder den Speed-Göttern JAGUAR (wie bei 'Take Me To Hell'). Tobias Lindqvist, der Bassist der Band, beherrscht den Steve-Harris-Stil perfekt und die ausgezeichneten Gitarrenharmonien, die das Duo Joseph Tholl und Adam Zaars abfackelt, werden keinen NWoBHM-Fan auch nur ansatzweise kalt lassen. Alleine die ersten drei Stücke – allen voran den Mega-Ohrwurm 'Katana' mit seinen fabelhaften Gesangslinien - kann ich mir quasi nonstop einverleiben, ohne dass ich mich daran satt höre. Die übrigen Stücke dieses sehr kompakt wirkenden Scheibchens fallen übrigens keinen Deut schwächer aus. Stilecht wird uns "Diamonds" durch ein sehr organisches Klangbild mit kraftvollen Drums und natürlich klingenden Gitarren in bester 80er Manier serviert. Ein unverzichtbarer Leckerbissen für NwoBHM-Fans! Abgreifen!

Note: 9,0/10
[Martin Loga]

Die Schweden haben den US-Speed-Einfluss gegenüber dem Debüt ein kleines Stückchen weit zurück geschraubt und fahren nun noch unbeirrter und gradliniger in der NWoBHM-Spur als dies früher bereits der Fall war. Klaro, die IRON-MAIDEN-Referenzen sind nach wie vor auszumachen, doch sind sie weit weniger dominant als bei manchen artverwandten Kapellen der metallischen Retrowelle. Viel stärker erinnert mich das auf "Diamonds" Gebotene jedoch an die ganz frühen DIAMOND HEAD oder an das großartige JAGUAR-Debüt, sowie in den melodischen Momenten an die guten alten STORMWITCH. Auch produktionstechnisch ist dieser archaische Sound perfekt in Szene gesetzt, so dass als einziger Kritikpunkt verbleibt, dass es ENFORCER nicht so richtig gelingt, sich eine ganz spezielle, individuelle Note zu verpassen, die einfach nötig ist, um sich als Szene-Original zu etablieren. Daher reicht es bei mir nicht für Euphoriestürme, aber ein Garant für gute Laune auf der Old-School-Party ist "Diamonds" allemal.

Note: 8,0/10

[Rüdiger Stehle]


Genauso wie die allseits angefeindeten Metalcore- können die Neo-Trad-Metal-Bands beinahe nicht einmal mehr anhand der Schriftart ihres Logos unterschieden werden. Die Rebellion endet bei der Lederjacke und einem geborgten Image. Ob die einzelnen Vereinigungen nun STEELWING, WHITE WIZZARD, STEEL WIZARD, WHITE WING oder STEEL TOILET heißen, ist letztlich nebensächlich, da man für keine wegen akuter Großartigkeit einen Schrein mit Namensschild zimmern muss. Die Schweden ENFORCER scheuchen schon seit ein paar Jahren den Achtzigergeist durchs Gemäuer, leben für die Nacht, wie sie selbst singen, und geben ihrer aktuellen Vergangenheitsaufwärmung im Titel noch viel Selbstbewusstsein mit. Im Gegensatz zu anderen Brothers in Knackbuchse heutzutage können sie sich diese Überzeugtheit insofern erlauben, als sie zumindest an den Instrumenten keine Nieten sind. HELVETETS PORTs Tomas Ericson scheint tatsächlich nur die Schwertode 'Katana' getextet und nicht auch noch das spielerische Niveau in den schädlichen Bereich gezogen sowie in den Songs den unbehaglichen Qualitätsblackout seiner Kapelle ausgelöst zu haben. Die gebräuchlichen Riffs von 'Running In Menace', 'High Roller' und 'Midnight Vice' fallen irgendwann gar nicht mehr negativ auf, weil sie gut zusammengeklaut wurden. Alles wie immer. Eine Platte, die unpointiert von gestern erzählt.

Note: 6,5/10

[Oliver Schneider]

Redakteur:
Peter Kubaschk

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