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ISVIND: Interview mit Goblin

05.09.2013 | 12:05

Wenn der Eiswind uns zweimal in Folge 10-Punkte-Alben herbei weht, dann ist es Zeit für ein Gespräch!

Ja, wirklich, wenn es diese Band mit ihrem neuen Album "Daumyra" nun schon zum zweiten Mal in Folge schafft, bei uns im Review die vollen Punkte einzustreichen, und wenn sie zudem im Ruf steht, heutzutage unter allen Mitanbietern am besten das zu verkörpern, was den alten norwegischen Black Metal der frühen Neunziger ausmachte, dann ist es natürlich Ehrensache, dass wir diese Herren zum Interview bitten. Frontmann und Gründungsmitglied Goblin (Bild rechts) ist sofort für ein ausführliches Gespräch zu haben und gibt bereitwillig Auskunft über seine seit zwei Jahren wieder richtig aktive Band, sowie über das, was den guten alten schwarzen Stahl in musikalischer Hinsicht ausmacht. Da wir zum ersten Mal ein Gespräch mit ISVIND führen, ist natürlich ein kurzer Rückblick auf die Vergangenheit unumgänglich, denn als vor zwei Jahren das Comeback-Album "Intet Lever" erschien, war dies eine der größten und eindrucksvollsten Überraschungen der letzten Jahre. Nach dem Debütalbum "Dark Waters Stir", das 1996 auf Solistitium Records erschienen war, verschwand die Band nämlich wie vom Erdboden, und plötzlich war sie wieder da, wie ein Blitz aus heiterem Himmel, und sie hinterläßt nichts als verbrannte Erde.

Auf die Frage, was in der Zwischenzeit passiert sei, erzählt Goblin gleich mal aus dem Buch der Legenden: "Nun, nach "Dark Waters Stir" wurden wir beide Straußenfarmer in Finnland. Doch dann fing Arak damit an, illegale Wettrennen mit den Straußen zu veranstalten, weshalb er auf dem Marktplatz bestraft werden musste. Er trug schwere Depressionen davon, weshalb wir die Band für eine Weile auf Eis legen mussten. Während dieser Zeit war ich dann Trapez-Künstler in Barcelona, der alles aß, was die Leute mir zuwarfen. Nein, das hier ist wirklich passiert: Wir hatten einen ziemlich eng gesteckten Zeitplan bis zur Veröffentlichung von "Dark Waters Stir" und der folgenden kurzen Tour. Danach freuten wir uns beide darauf, mal eine Weile etwas anderes als ISVIND im Kopf zu haben. Diese "Weile" dauerte dann mehr oder weniger vierzehn Jahre. Wir hatten beide auch andere musikalische Projekte, doch aus keinem ist allzu viel geworden. Außerdem sind wir innerhalb Norwegens umgezogen und wohnten ziemlich weit auseinander, so dass Treffen und Proben nicht mehr in Frage kam. Als ich dann 2002 zurück nach Oslo zog, wurde es etwas einfacher und wir versuchten mehrfach, das Feuer wieder anzufachen, aber bis zu "Intet Lever" ging nicht allzu viel zusammen."

Dass es danach trotzdem noch ganze neun Jahre dauerte, bis "Intet Lever" veröffentlicht wurde, erklärt Goblin mit Zeit- und Inspirationsproblemen: "Wie ich schon gesagt habe, lag es zum großen Teil daran, dass wir nie genug Antrieb und Inspiration fanden, uns die Zeit zu nehmen, die es einfach braucht, um ein neues Album zu machen. Ich kann mich daran erinnern, dass wir mal vorhatten (oder zumindest ich) einfach zehn Kisten Bier zu kaufen und uns ein Wochenende über im Studio einzuschließen, um das neue Album einzuspielen. Aber zum Glück haben wir das nicht getan, denn dann wären alle Songs beschissen und unprofessionell geworden! Im Jahr 2010 zog ich dann erneut zurück nach Oslo und wohnte quasi Tür an Tür mit Arak und hatte 7x24 Stunden Zugang zum Studio. Also verbrachten wir sehr viel Zeit dort, und das hat die Flamme in uns dann wirklich wieder neu entfacht."

Meinem Eindruck, dass "Dark Waters Stir" eines der historisch letzen Alben einer der bekannteren frühen Norwegerbands gewesen sei, das noch zu 100% den alten Stil atmete, will Goblin nicht widersprechen, ebenso wenig der Vermutung, dass das plötzliche Verschwinden der Band nach der Veröffentlichung durchaus zum heute sehr exponierten Status des Albums beigetragen haben könnte: "Es ist schwer zu beurteilen, was passiert wäre, wenn wir nach "Dark Waters Stir" einfach weiter gemacht und alle zwei Jahre neue Alben veröffentlicht hätten. Auch kann man schwer sagen, wohin wir uns entwickelt hätten. Aber es ist sehr interessant zu hören, dass heute so viele Leute "Dark Waters Stir" für einen Höhepunkt des Genres halten, denn für uns hat es sich damals sicherlich nicht so angefühlt. Aber mir rast noch heute eine wohlige Gänsehaut über den Rücken, wenn ich den alten Black Metal höre, und eben das inspiriert mich, genau dies zu tun. Außerdem denke ich schon, dass "Dark Waters Stir" zum Teil sicher auch deshalb solch einen besonderen Status hat, weil es einfach heraus kam und wir danach einfach verschwanden: Das ist Mystik!"

Auf die Frage, warum sich "Intet Lever" fünfzehn Jahre nach dem Debüt weder nach nostalgischen Retrotrip zu den Wurzeln anhörte, noch nach einer völlig anderen Band im Aufbruch zu neuen Ufern, sondern exakt so authentisch als wäre die Zeit im Hause ISVIND seit 1996 stehen geblieben, gibt sich Goblin recht bescheiden: "Es klingt doof, ich weiß, aber wir haben niemals die Absicht, jemanden mit unserer Musik zu beeindrucken. Wir machen das nur für uns selbst, und weil wir genau das mögen, was wir tun (meistens zumindest). Ob die Leute das dann mögen oder nicht, ist uns nicht wichtig. Uns ist wichtig, ob wir es mögen oder nicht. Dennoch, wenn wir auf Tour gehen, dann ist das wieder eine ganz andere Sache. Dort versuchen wir auf jeden Fall nicht zu enttäuschen und eine gute Show abzuliefern. Wenn Arak und ich Musik machen, dann zieht es uns wie von selbst zu den Riffs hin, die uns ausmachen, auch wenn wir versuchen, etwas anderes auszuprobieren. Außerdem haben wir ziemlich viel Angst davor, in professionelle Studios zu gehen, um unsere Musik aufzunehmen, weil es so scheint als könne man diese Räume, Mikrophone, Kanäle und Pro-Tools nur nutzen, wenn man dafür in Kauf nimmt, wie jede andere Band da draußen zu klingen. Deshalb wollen wir das Album einfach nur selbst aufnehmen. Außerdem tut es uns gut, nicht unter Zeitdruck zu stehen."

Zur Veröffentlichungspolitik betreffend "Intet Lever" gibt Goblin offen zu, dass die Jungs hier noch Erfahrungen im Eigenvertrieb zu sammeln hatten und der Verärgerung mancher Fans über die Erstauflage als CD-R Rechnung trugen. Inzwischen sollte aber jeder zufrieden sein: "Das war unsere erste Eigenpressung, daher gab es ein paar Rückschläge, bevor alles richtig lief. Speziell mit der CD-R-Auflage, die du erwähnt hast. Alle, die versehentlich eine CD-R erhalten haben, bekamen später die richtigen CDs. Außerdem gab es einiges Hin und Her mit etlichen Labels, aber wir konnten uns mit denen nicht auf die richtigen Rahmenbedingungen für eine Veröffentlichung einigen. Etwa 80 Exemplare von "Intet Lever" habe ich selbst noch zu Hause, außerdem gibt es noch einige Distros, die das Album vielleicht noch führen könnten. Wir haben vor, unsere Alben so lange erhältlich zu halten, wie die Leute danach verlangen. Abgesehen von Sonderauflagen und limitierten Sachen, die speziell für Sammler gemacht werden und auch limitiert bleiben sollen." - In diesem Zusammenhang sei darauf hingewiesen, dass es die Vinyl-Neuauflage des Debütalbums nach wie vor über Kyrck Productions oder über die Band direkt gibt. Eine Vinylauflage des neuen Albums "Daumyra" ist in Planung, doch die Details sind noch nicht spruchreif. Eine Wiederveröffentlichung der Demos findet Goblin eher unnötig, doch... "Was die Demos angeht, bin ich nicht so scharf darauf, die neu aufzulegen, aber es sind mächtige Kräfte damit beschäftigt, uns davon zu überzeugen."

In Bezug auf die neu begründete Zusammenarbeit mit dem Berliner Label Folter Records erinnert sich mein Gesprächspartner an gute Erfahrungen aus früherer Zeit: "Zum ersten Male arbeiteten wir 2003/2004 mit Folter zusammen, als wir ein paar Shows spielten, und damit waren wir sehr zufrieden. Zwar bin ich mir nicht so sicher, wie glücklich er [der Inhaber von Folter Records - d. Verf.] damit war, aber das ist eine andere Geschichte. Was die jetzige Zusammenarbeit angeht, fühlt sich das alles sehr positiv an und ich bin mir sicher, dass wir das für lange Zeit so weiter betreiben können." - Was wir der Band und dem Label natürlich wünschen wollen, denn ISVINDs erstes Album für Folter Records, das auf den Namen "Daumyra" hört, ist seit August 2013 erhältlich und es zeigt den Eiswind einmal mehr von seiner besten Seite, auch wenn Goblin etwas überrascht scheint, ob der Vergleiche, die ich zu früheren Werken der Band ziehe: "Vielen Dank dafür, dass du dich so intensiv mit der Musik befasst hast, dass du mit ihr vertrauter scheinst, als wir es sind. Daumen hoch dafür! Mit meinen bisherigen Antworten habe ich das Thema ja schon teilweise gestreift, dass wir einfach nicht in der Lage sind etwas anderes als ISVIND zu machen, wenn wir zusammenarbeiten. Dadurch, dass wir keine 15 Jahre mehr alt sind, klingt es meiner Meinung nach besser und kompakter, aber es erhält sich noch immer die Essenz des Sounds in den Riffs. Als wir mit den Arbeiten zu "Daumyra" anfingen, dachten wir, dass wir alle Zeit der Welt hätten, aber plötzlich war dann doch die Zeit der Aufnahmen gekommen, und wir mussten etliche Kurven schneiden. Es gibt auf "Daumyra" einige Stellen, bei denen es mich angewidert schüttelt. Aber wenn man in Betracht zieht, dass es erst unser zweiter Studioaufenthalt in den letzten 15 Jahren war, scheint es mir doch ziemlich in Ordnung. Der Song 'Kast Loss' wurde tatsächlich erst während der Aufnahmen im Studio geschrieben, und auch 'Speculum' ist ein Song, der seine Geburtsstunde erst im Studio hatte. Jedenfalls legen wir das Album auf unserem stetig wachsenden Erfahrungsstapel ab und hoffen, dass es beim nächsten Mal runder läuft."

Zu den Albentiteln erfahren wir von Goblin, dass es sich bei "Intet Lever" ("Nichts lebt") um ein Wortspiel handle, und dass "Daumyra" einfach "Daumyra" heiße, was wörtlich übersetzt "Totenmoor" bedeute, aber nichts mit dem "Herrn der Ringe" zu tun habe: "Keiner von uns hat die Bücher je gelesen, und auch kaum etwas von den Filmen mitbekommen. Es geht mehr um den Tod auf See." - Die von mir sehr geschätzen schlichten Logo-Artworks der ersten beiden Alben wurden der Band inzwischen ein wenig zu langweilig: "Nun, das sehe ich zur Zeit genau andersherum wie du. Wenn ich Alben kaufe, dann will ich wirklich gerne sehen, wie die Band selbst ihr eigenes Werk betrachtet, und das bildet sich in vielen Fällen auf großartige Weise im Design ab. Außerdem hatten wir ja das simple Coverkonzept nun schon, wollten es hinter uns lassen und sehen, ob wir mit dem Artwork auch Dinge anstellen können, die unsere Ausdrucksform unterstreichen. Was auf dem nächsten Cover zu sehen sein wird, kann ich noch nicht sagen. Das ist noch zu weit in der Zukunft, um jetzt darüber nachzudenken, aber wir sind der Meinung, dass es Zeit ist, dem Design auch mehr Aufmerksamkeit zuzuwenden. Aber vielleicht landen wir doch wieder beim einfachen Artwork, wer weiß das schon..."

Zum kurzen "8 Songs in euren eigenen Worten"-Spielchen eingeladen, schätzt der Frontmann die Songs wie folgt ein:

- 'Kast Loss, Brenn Alt'
"Ein starker Opener, direkt auf den Punkt!"

- 'Burn the Kings'
"Der sollte ursprünglich der Opener sein. Ich mag die Spielzeit des Stückes!"

- 'Blodstorm'
"Meiner Meinung rockt dieser Song mal richtig. Die rhythmischen Verse und die langsamen Drums lassen ihn so gut funktionieren."

- 'The Dark Traverse'
"Wenn ich diesen Song spiele, habe ich immer den Drang, mich neben die Windmaschine zu stellen."

- 'Djevelens Uvaer'
"Diese Song hat, denke ich, einer unwirkliche, verträumte Atmosphäre an sich."

- 'Myra'
"Ob 'Myra' und ich jemals Freunde werden, das weiß ich nicht so recht."

- 'Speculum'
"Oh! Arak hat dort das mittlere Riff eingebaut, und dann war plötzlich alles fertig. Ich denke das ist mit Abstand das beste Riff des Albums."

- 'Klabautermann'
"Ich bin scheinbar einfach nicht dazu in der Lage, das mit den melodisch-schweren Songs mit den cleanen Vocals bleiben zu lassen. Dieser Song hier ist dem Brutalitätsfilter entkommen."

Mit großer Freude nehme ich danach die Ankündigung entgegen, dass wir uns in Deutschland auch bald wieder auf ISVIND freuen dürfen: "Wir werden schon im November wieder bei euch sein. Am 9. November, um genau zu sein. In Speyer beim "Sinister Howling III" denke ich. Was eine Tour angeht, schauen wir uns das gerade an, aber da müssen noch einige größere Dinge zementiert werden, bevor wir damit anfangen können, die Daten und Locations in Deutschland und Europa festzumachen." - Wenn wir gerade beim Touren sind, ist natürlich die Frage unvermeidlich, wie das Duo aus Goblin und Arak (Bild rechts) denn die Bühnenauftritte bestreitet: "Für unsere erste Tour übernahm ja damals Nag von TSJUDER Bass und Gesang. Danach trafen wir einen Drummer namens Mads, der 2003 für uns zwei Gigs in Deutschland spielte. Zusammen mit ihm kam dann André, der den Bass übernahm. Später unterstützte uns der Gitarrist einer Band, in der ich damals gerade spielte, für einen Gig beim "Under The Black Sun 2004". Danach, und als wir "Intet Lever" aufnahmen, sahen wir, dass wir einige Leute brauchten, die uns bei den Gigs wieder verstärken würden. Wir arbeiteten dann einen neuen Basser ein und schauten uns nach einem Drummer um. Oder sollte ich die Drums übernehmen? Glücklicherweise traf ich dann André in einer Bar, und er sagte mir, dass er und Mads bereit wären, mit uns nochmal einige Shows zu spielen, was für uns perfekt war. Also taten wir uns für das UTBS nochmals zusammen, als dann allerdings Mads krank wurde und uns auf Tour nicht begleiten konnte. Wir brauchten also wieder einen neuen Drummer, den wir in Carl Balam von ENDEZZMA fande, der uns dann auf der folgenden Europa-Tour begleitete. Danach kam dann Mads nochmal für zwei weitere Gigs zurück, doch er ist ein sehr guter Drummer und daher ein gefragter Mann. Wir wollten nicht riskieren, dass er nochmals aus gesundheitlichen Gründen ausfällt, und da fanden wir Trish, oder sie fand uns... ich weiß nicht so recht! Jedenfalls glaube ich, dass wir jetzt das Line-up haben, das ISVIND braucht." - Fürs Songwriting und fürs Studio soll es jedoch beim Duo bleiben? "Ich glaube wir werden bei unserer Formel des Erfolges (?) bleiben und den kreativen Prozess mit Arak und mir bestreiten. Das funktioniert für uns einfach am besten. Aber die anderen Leute sind in anderen Bereichen in das einbezogen, was geschieht, wie zum Beispiel bei der Auswahl der Setlisten und bei der Art, wie wir unsere Musik live darbieten."

Aufgenommen wurde "Daumyra" wie schon der Vorgänger im Likbaalet Studio: "Wir haben das Schlagzeug und die Saiteninstrumente im Likbaalet aufgenommen. Um Licht ins Dunkel zu bringen: Likbaalet ist der Name, den wir meiner Produktionsausrüstung gegeben haben, als ich Eigentümer des Studios in Oslo war. Ich habe das alles verkauft und zog kurz nach den Aufnahmen zu "Intet Lever" weg, wir hatten jedoch das Glück, dass wir den selben Ort nochmals buchen konnten, um dort große Teile von "Daumyra" aufnehmen zu können. Den Gesang und die Schlussproduktion fand dann im Studio eines meiner Freunde statt. Wir haben mit unseren Aufnahmen immer versucht, so viel vom natürlichen Sound zu erhalten, wie irgendwie möglich, und "Daumyra" ist in dieser Hinsicht wirklich gut geworden. Es gibt kaum oder gar keinen Equalizer und kaum andere Nachbearbeitung. Wir haben uns stattdessen viel Zeit für das Aufstellen der Mikrophone und die Tonabnahme genommen, um diesen Sound zu erreichen. Auch wenn wir das nächste Album aufnehmen, werden wir uns wieder sehr viel Zeit dafür nehmen. Und Triggers brauchen wir auch nicht..."

Da bei dieser engen Bindung zum Black Metal der alten Schule und seinen Stilistika spannend wäre, zu wissen, was Goblin heute selbst gerne hört, frage ich nach, welche alten und neuen Bands er auf ihren aktuellen Werken (noch) gut findet. Doch diese Frage entlockt meinem Gegenüber keine Bandnamen oder gar Empfehlungen: "Diese Fragen sind für mich immer wirklich schwer zu beantworten, weil ich, wenn es um Musik geht, so sehr in der Vergangenheit feststecke. Aber es gibt auch immer wieder großartige Sachen neuer Bands, die ich höre. Irgendwie glaube ich, dass es wahrscheinlich einfach sehr schwierig ist, ein komplettes Album mit guten Black-Metal-Songs aufzunehmen. Es gelingt manchmal, aber nicht sehr oft. Für mich ist ein Teil des Problems, dass die Bands entweder zu poliert klingen, oder zu wenig poliert. Black Metal ist eine absolute Individualsportart, und es gibt sehr, sehr viele Bands da draußen. Daher höre ich einfach die Alben an, die mir gefallen, und den Rest werfe ich weg!"

Da wir gerade bei der klassischen Art sind, Black Metal aufzunehmen, frage ich Goblin natürlich auch danach, was er von Pyttens Entschluss hält, das legendäre Grieghallen-Studio aufzugeben: "Man kann nicht abstreiten, dass Pytten sehr großen Anteil daran hatte, den Sound des Black Metals zu formen, und ganz speziell aus jenem Teil des Landes. Persönlich habe ich Pytten nie getroffen, doch es wird von ihm gesagt, dass er ein wirklich guter Tontechniker und Produzent ist, der genau weiß, was zu tun ist, wenn die Bands zu ihm kommen, um aufzunehmen. Er wird der Musikszene erhalten bleiben, doch von dem, was ich gehört habe, will er jetzt andere Sachen machen als Studioproduktionen. Ob wir das Grieghallen vermissen werden? Ich für meinen Teil vermisse einfach die Neunziger als Ganzes!"

Auf meine Neugier dahingehend, ob er mitbekommen habe, dass sein ex-Labelboss von Solistitium Records inzwischen in die Politik gegangen ist, geht Goblin indes nicht groß ein: "Neugier ist eine gefährliche Sache... aber sei's drum! Es ist wohl kein Geheimnis mehr, dass unsere Beziehung zu Herrn Molitor nicht gut endete. Aber, und es ist mir wichtig, dass das nicht vergessen wird: Er war derjenige, der uns aus dem Keller des Hauses meiner Mutter geholt hat, von wo aus wir unsere Demos vertrieben haben, und der uns zu einer anständigen CD und einer Tour verholfen hat."

Damit beschließen wir dieses Interview, danken dem Herrn Goblin, dass er sich ausgiebig Zeit für unsere Fragen genommen hat und empfehlen euch dringend, "Daumyra" eine Chance zu geben, denn authentischer wird euch heute niemand mehr die Essenz des Black Metals der 90er auftischen... oder einschenken. Goblin verabschiedet sich jedenfalls in Richtung Theke: "As always: we'll be at the bar!"

Redakteur:
Rüdiger Stehle

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