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HOUSE OF LORDS: Interview mit James Christian

04.06.2006 | 12:47

Als die neue Scheibe "World Upside Down" vor ein paar Wochen auf meinen Tisch flatterte, legte ich sie mit einigen Bauchschmerzen ein. Zu stark hatten HOUSE OF LORDS mit dem Comebackalbum "The Power And The Myth" aus dem Jahre 2004, bei dem sie deutlich progressivere Töne angeschlagen hatten, an ihrem Thron in meinem Kopf gekratzt, den ich ihnen dank des Hammeralbums "Demons Down" aus dem Jahre 1992 errichtet hatte. Doch die Angst war unbegründet, denn mit komplett neuer Mannschaft hat sich Sangesgott James Christian seiner Tugenden zurückbesonnen und nahtlos an die Musik und Qualität des oben genannten Götteralbums angeschlossen. Ein guter Grund, den Mittvierziger mehrfach mit Lobeshymnen zu überschütten und ihn ganz nebenbei auch mal zu Wort kommen zu lassen...

Chris:
Zunächst muss ich aber mal wissen, wer eigentlich der Chef bei HOUSE OF LORDS ist? Mich hat es nämlich schon gewundert, dass du einfach so die komplette Mannschaft austauschen konntest, obwohl du ja eigentlich als Letzter in die Originalband eingestiegen bist. Bisher dachte ich immer, Gregg Giuffria wäre der eigentliche Kopf der Band, würde alle Entscheidungen im Hintergrund treffen und auch die Rechte am Bandnamen besitzen...

James:
Gregg hat die Band sozusagen gegründet und ich bin tatsächlich als letztes Originalmitglied in die Band gekommen, aber wenn du dir jedes Album von uns anschaust, wirst du merken, dass ich die einzige Konstante bin. Ich war immerhin auf jedem Album vertreten. Die Rechte am Bandnamen liegen nun in den richtigen Händen, so dass es auch in dieser Hinsicht keine Probleme gibt.

Chris:
Wäre denn HOUSE OF LORDS auch ohne James Christian denkbar?

James:
Sicher, alles ist möglich. Ich glaube aber nicht, dass die anderen Mitglieder den Namen benutzen würden, da sie einfach Musik machen wollen, die mit HOUSE OF LORDS eigentlich nicht viel zu tun hat.

Chris:
Was aber war und ist eigentlich die exakte Rolle von Gregg Giuffria in der Band? Mal war er Mitglied, dann wieder nicht, dann nur Studiomusiker, dann wieder nicht...

James:
Gregg hatte sehr großen Anteil an der Entstehung von HOUSE OF LORS und war enorm wichtig bei der Produktion der Keyboards. Er konnte aber in der Vergangenheit nicht immer zu 100% fest in der Band sein, da er mit seinem "Hard Rock Hotel & Casino" in Las Vegas sehr beschäftigt war, das leider mittlerweile durch einen Hurrikan zerstört wurde. Ist er ein Bandmitglied, das mit auf Tour kommen wird? Nein, aber er ist jederzeit herzlich willkommen.

Chris:
Ist die aktuelle Besetzung denn eine wirkliche Band?

James:
Es ist die aktuelle Besetzung von HOUSE OF LORDS. Sie sind neue Mitglieder der Band und in alle Angelegenheiten involviert.

Chris:
Na gut, dann lass uns einfach mal zum neuen Album "World Upside Down" kommen. Vor allem die fantastische Produktion möchte ich erwähnen und den Mut, die Rhythmusgitarren so laut zu fahren. Kann es sein, dass du mit der Produktion des letzten Albums im Nachhinein doch nicht mehr so ganz zufrieden warst?

James:
Ja, ich war schon ein bisschen von der Produktion enttäuscht. Ich hatte gehofft, wir würden zu dem traditionellen Bandsound zurückkehren, aber das war leider nicht der Fall. Somit blieb mir nichts anderes übrig, als mir beim neuen Album Leute zu suchen, die meine Vision der Musik teilen. Ich musste das Album auch selbst produzieren, um einfach sicher zu gehen, dass es genau so klingt, wie HOUSE OF LORDS zu klingen haben. Groß, kraftvoll, pompös und trotzdem modern.

Chris:
Wolltest du dir vielleicht einfach selbst beweisen, dass du noch dazu in der Lage bist, ein Album wie "Demons Down" zu schreiben?

James:
Ich wusste, dass ich dazu fähig war, ein weiteres Album wie "Demons Down", das ich damals zusammen mit Mark Baker geschrieben habe, zu schreiben. Um ehrlich zu sein, seit "Demons Down" habe ich nichts mehr für HOUSE OF LORDS geschrieben. Ich habe zwar ein paar Credits auf "The Power And The Myth" bekommen, aber das war für ältere Songs, die ich früher einmal geschrieben hatte. Das ganze Material für "The Power And The Myth" bestand bereits und die Jungs haben mir die Songs einfach zugeschickt. Ich wollte aber schon damals eher ein Album machen, das dort weitermacht, wo wir mit "Demons Down" aufgehört haben.

Chris:
Das ist dir nun auch eindrucksvoll gelungen. Ein Song, der etwas positiv aus dem Rahmen fällt, ist 'Rock Bottom' - nicht nur, weil KISS ebenfalls einen Song haben, der so heißt...

James:
Stopp, meinst du, sie haben auch einen Song, der so heißt? Der Song auf "World Upside Down" ist von Chris Pelcer, Jimi Bell und mir geschrieben worden. Wenn KISS diesen Song ebenfalls aufgenommen haben, dann wäre es das erste, was ich gehört habe.

Chris:
Nein, nein. Es sind zwei total unterschiedliche Songs. Ich meinte nur, sie haben auch einen Song, der einfach nur genau so heißt...

James:
Ah. Ich liebe 'Rock Bottom', weil es "straight in your face"-Rock ist. Ich glaube, der Song wird live fantastisch funktionieren.

Chris:
Puh, anderer Song. Ebenfalls etwas aus dem Rahmen fällt 'My Generation', der ein absolutes Partyfeeling versprüht. Was hat es damit auf sich?

James:
Die Geschichte hinter diesem Song ist einfach meine Liebe zur Musik, mit der ich aufgewachsen bin. "My mama told me I was wasting my precious time" – "I think she knew that I was gone, gone, really gone now". Diese Texte haben mich in der Zeit begleitet, als ich aufwuchs und den Wunsch hatte, Musiker zu werden und sich gegen alles aufzulehnen. Meine Generation hatte einfach die beste Musik, die es jemals gab: JIMI HENDRIX, LED ZEPPELIN, JANIS JOPLIN – einfach Legenden der Musikgeschichte. Darum geht es in diesem Song.

Chris:
Der neue Gitarrist Jimi Bell hat auf dem unglaublich gute Soli abgeliefert mit viel Witz und Tempo. Wolltest du das so oder hast du ihm einfach freien Lauf gelassen?

James:
Jimi ist ein genialer Gitarrist und ein guter Songwriter noch dazu. Wir haben ihn nicht zurückgehalten. Er hatte einfach die richtigen Instinkte, was er wann spielen sollte und hat einen großartigen Job gemacht.

Chris:
Ein großes Kompliment muss ich auch deiner Frau Robin Beck machen, denn sie hat zu dem Album ein paar wirklich großartige Backing Vocals beigesteuert ('All The Pieces Falling'). Ist es eigentlich schwer, mit seiner eigenen Frau zu arbeiten? Manchmal muss man einem ja im Studio auch mal sagen, dass die Performance gerade nicht so toll war... :-)

James:
Robin ist bei weitem die einfachste Person, mit der man im Studio arbeiten kann, wenn es um Gesangsaufnahmen geht. Sie ist schlicht unglaublich gut. Dieses Mädchen hat eine unendliche Bandbreite und es klingt einfach immer fantastisch. Terry Brock hat ebenfalls einen großen Teil der Backings eingesungen. Er ist auch ein sehr guter Sänger. Mit diesen beiden konnte ich einige sehr gute und kraftvolle Chöre kreieren.

Chris:
In unserem letzten Gespräch zu deiner Soloscheibe "Meet The Man" (2005) hast du gesagt, du könntest ausschließlich diese Art von Musik schreiben, egal ob für HOUSE OF LORDS oder für deine Sachen. Jetzt klingt aber "Meet The Man" eher nach dem schwachen "The Power And The Myth" als nach der neuen Scheibe. Waren in den Entstehungsprozess deiner letzten Soloscheibe vielleicht doch ein paar mehr Leute (Produzent Fabrizio Grossi, Lanny Cordola, Chuck Wright) involviert als du dir selbst eingestehen wolltest?

James:
"Meet The Man" ist einfach eine softere Seite von mir. Ich habe mir eben alle härteren Sachen für HOUSE OF LORDS aufgespart. Wenn ich eine Soloscheibe mache, mag ich es einfach, den Leuten auch eine andere musikalische Seite von mir zu zeigen.

Chris:
"World Upside Down" ist nun bereits deine dritte Veröffentlichung in den letzten drei Jahren. Ist die Durststrecke, die Mitte der Neunziger noch herrschte, nun endlich beendet?

James:
Solange ich die Musik machen kann, die ich mag, und solange es Leute gibt, die sie hören wollen, werde ich Platten aufnehmen. Ich liebe es einfach und ich hoffe, das spürt man auch in meiner Musik.

Chris:
Ihr werdet in diesem Jahr auf dem "Rock Of Ages-Festival" in Deutschland spielen. Sind noch weitere Festivals in Europa geplant?

James:
Ja, wir werden noch auf dem "Lorca Festival" in Spanien spielen und noch einige andere, die demnächst bestätigt werden. Du kannst alle Informationen über HOUSE OF LORDS auf meiner Homepage finden und nachlesen: http://www.jameschristianmusic.com

Chris:
Ich habe auch ein paar Gerüchte gehört, ihr würdet im Herbst ein paar Shows mit VIXEN spielen. Ist das wahr? Was hat denn Robin dazu gesagt, dass du ein paar Tage mit vier heißen Ladys durch Europa tingeln wirst?

James:
Ja, wir machen tatsächlich ein paar Shows zusammen. Robin vertraut mir. Sie muss sich darüber auch keine Sorgen machen, denn ich bin mittlerweile ein braver Junge. :-)

Chris:
Was ist denn aus der Idee geworden, eine Tour mit ROBIN BECK auf die Beine zu stellen?

James:
Das ist noch immer eine Option. Robin hat gerade eine neue Hitsingle in England. Ihr Hit 'First Time' wurde in einer Danceversion aufgenommen und stieg auf #9 der UK-Charts ein. Das ist wirklich der Hammer.

Chris:
Kompliment. Ich hoffe, das klappt aber auch noch. Aber mal ehrlich: Speziell in Europa habt ihr noch nicht so oft getourt. Was dürfen eure Fans denn für eine Show von euch erwarten? Eher gestandene Musiker oder doch eine wilde Show mit hungrigen Rockmusikern?

James:
Hungrig, hungrig. Wenn du die Musik magst, dann wirst du die Shows lieben. Die Fans bekommen von allen Scheiben etwas, inklusive "The Power And The Myth". Ob ich nervös bin? JA!

Chris:
Wieder mal etwas anderes: Wie ist eigentlich der Kontakt heute zu Gene Simmons (KISS, ex-Manager der Band)?

James:
Ich habe das letzte Mal vor ein paar Jahren mit Gene gesprochen. Er ist nicht mehr wirklich mit der Band verbunden, aber ich werde ihm trotzdem eine Kopie der neuen Scheibe zukommen lassen.

Chris:
Ich habe auch etwas von einer Anthology-DVD von HOUSE OF LORDS gehört. Was hat es damit auf sich?

James:
Diese DVD ist gerade während wir hier miteinander reden in der Mache. Sie ist bereits fast fertig. Ein unglaubliches Teil. THE BAILY BROTHERS haben sich um die Produktion gekümmert und haben dabei einiges Material ausgegraben, das eine Menge Fans von HOUSE OF LORDS glücklich machen wird.

Chris:
Da bin ich echt mal gespannt. In Europa gab es ja schon immer einen kleinen Markt für Melodic Rock. Wie sieht es denn mittlerweile in den USA damit aus, nachdem dieser in den Neunzigern ja komplett zusammengebrochen ist?

James:
Hier gibt es mittlerweile auch wieder einen kleinen Markt dafür. Wenn eine Platte ordentlich produziert ist und die Songs gut sind, dann kannst du damit auch Leute anziehen, die alle möglichen Arten von Musik hören.

Chris:
Was denkst du eigentlich, wenn du mit einem deutsches Onlinemagazin wie Powermetal.de ein Interview führst, von dem du wahrscheinlich vorher noch nie etwas gehört hast? Du siehst doch bestimmt nie ein Review oder gar ein Interview im Nachhinein (mal davon abgesehen, dass du es gar nicht lesen könntest). Ist solch ein Interview also nur gut für dein Selbstbewusstsein oder eher reine Arbeit?

James:
Ich mache diese Interviews, weil ich sehr dankbar dafür bin, dass die Leute sich dafür interessieren, was ich denke und was ich zu sagen habe. Wenn Musiker in dieses Business einsteigen, träumen sie alle davon, eines Tages um ein Interview gebeten zu werden. Nur Dummköpfe lassen es sich zu Kopf steigen und benehmen sich, als wären sie zu gut für Interviews. Die meisten aber wissen um die Wichtigkeit und die Ehre, wenn man darum gebeten wird. Es wäre natürlich schön, wenn ich im Nachhinein ein paar übersetzte Reviews bekommen würde, aber vielleicht schickst du mir ja deins zu?

Chris:
Ähm, okay, ich schaue mal, was ich tun kann... Ich bedanke mich für dieses Interview und gebe dir nun die Chance, die letzten Worte direkt an deine deutschen Fans zu richten.

James:
Danke für all die Jahre, in denen ihr unsere Musik unterstützt habt. Einige meiner besten Tourerinnerungen stammen aus Deutschland. Ich hoffe, ich werde euch alle bei den anstehenden Konzerten sehen. Alles Gute, James.

Redakteur:
Chris Staubach

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