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HELLFUELED: Interview mit Andy

02.07.2007 | 14:23

Eine Tour mit SAXON und MASTERPLAN, ein neues, überraschend düster tönendes Album namens "Memories In Black" und drei Jahre Bandgeschichte liefern jede Menge Gesprächsstoff für einen Plausch mit HELLFUELED-Fronter Andy "Ozzy" Alkman.

Thomas:
Hallo Andy, wie geht's euch nach der Tour? Ich war im Mai bei eurer Show mit SAXON und MASTERPLAN in Osnabrück. Die Stimmung war ja sehr gut dort. Lässt sich das auf die gesamte Tour übertragen?

Andy:
Hi! Also ich denke, wir haben schon ein großartiges Feedback von den SAXON-Fans bekommen. Du darfst auch nicht zu viel erwarten, wenn du als Support-Act spielst.

Thomas:
Wie war die Atmosphäre während der Tour im Allgemeinen? Hattet ihr Spaß mit den anderen Bands? Nervt es nicht manchmal, im Wohnmobil hinterherzufahren, wenn die anderen in fetten Nightlinern rumkutschiert werden?

Andy:
Alle die irgendwie an der Organisation beteiligt waren, haben uns einfach fantastisch behandelt – ein großes Kompliment an die ganze Crew! Was das Reisen im Wohnmobil angeht: Ich finde es eigentlich ganz gut, wenn man mit einem eigenen Fahrzeug reisen kann. Es stellte sich heraus, dass bei manchen Locations schlicht nicht genug Platz für drei Bands in den Umkleideräumen war. Dann freust du dich, wenn du deinen eigenen Raum dabei hast. Haha!

Thomas:
Mir ist aufgefallen, dass ihr eure Show mit einem Song vom neuen Album "Memories In Black" gestartet habt. Die Scheibe erscheint bei uns aber erst am 29.06., weshalb wohl die meisten Fans den Song nicht kannten. Es dauerte dann ja auch eine gewisse Zeit bis mal ein bisschen Bewegung in die Masse kam. Wart ihr euch dessen bewusst?

Andy:
Erstens denke ich, dass 'Rewinding Time' ein solcher Killer-Song ist, dass es völlig Hupe ist, ob die Leute den Song schon kennen oder nicht! Der knallt so oder so! Hahaha!
Aber nein, mal im Ernst: Die ganze Idee hinter der Tour bestand doch darin, das neue Album zu promoten. Ursprünglich war es auch so vorgesehen, dass die Scheibe dann schon bei euch auf dem Markt ist. Es gab allerdings Probleme mit dem Cover-Artwork, weswegen sich alles in die Länge zog. Nichtsdestotrotz waren wir an dem Abend angetreten um neues Material vorzustellen und das braucht sich nicht hinter den älteren Songs zu verstecken.

Thomas:
Ihr habt dann ja auch noch einige eurer Klassiker gespielt, allerdings fast doppelt so schnell, wie die Originalaufnahmen. Ist das eure Antwort auf die kurze Spielzeit oder findet ihr es generell wichtig, altes Material ab und an neu zu interpretieren?

Andy:
Frag das unseren Drummer!

Thomas:
Ok, dann erzähl du uns doch stattdessen etwas über "Memories In Black" und versuche, uns ein bisschen hungrig zu machen! Was ist neu, besser, anders?

Andy:
Du kannst dich auf ein HELLFUELED-Album freuen, das wesentlich mehr Abwechslung bietet als jemals zuvor. Frederik (Nordström, Produzent) hat uns wirklich absolut freie Hand gelassen. Wir konnten auf diesem Album einfach alles tun und lassen, was sich gut und richtig anfühlte. Diese Scheibe ist mehr HELLFUELED als alles andere vorher! Da ist sogar eine Midtempo-Nummer drauf, die du bestimmt nie von uns erwartet hättest. Ich sage dir, das ist ein Killer!

Thomas:
Welche Songs oder Passagen gefallen dir denn persönlich am besten?

Andy:
'Rewinding Time' und 'Master Of Night' mag ich sehr. Aber 'Again' als langsamster Song hat auch etwas ganz Besonderes. Es ist verdammt schwer, sich einen absoluten Favoriten auszusuchen.

Thomas:
Eine Binsenweisheit im Metal besagt "Das dritte Album ist immer das schwerste." Habt ihr deswegen einen besonderen Druck gespürt oder wird Aufnehmen sogar eher einfacher mit der Erfahrung von zwei Studioalben im Rücken?

Andy:
Natürlich fühlt man sich irgendwie unter Druck. Es steckt schon ein Funken Wahrheit in dem Spruch. Das ist wirklich eine Art "do-or-die"-Situation.
Aber wir haben auch viel gelernt seit unseren ersten Aufnahmen. Jeder von uns hat sich selbst sehr hart rangenommen um das Beste rauszuholen und ein echtes Hammer-Album zu machen.
Das Songwriting und die Aufnahmen zu unserem zweiten Album "Born II Rock" waren sehr stressig und vieles wurde überstürzt. Diesen Fehler wollten wir nicht nochmal machen und haben uns diesmal die Zeit genommen wirklich alles von Anfang bis Ende mit der gleichen Sorgfalt auszuarbeiten.

Thomas:
Wenn man sich "Memories In Black" anhört und sich die Titel anschaut, bekommt man sofort den Eindruck, dass es hier wesentlich düsterer und melancholischer zugeht als bisher. Worum geht es in den Songs? Woher kommt diese neue Stimmung?

Andy:
Der Albumtitel "Memories in Black" hat eine eigene Geschichte. Während der Aufnahmen war 'Memories In Black' der Arbeitstitel für den Song, den du jetzt als 'Right Now' auf der Platte findest. Als wir dann mal alle beisammen saßen und über einen Albumtitel nachdachten, kam unser Drummer Kent G auf die Idee "He, warum nennen wir das Album nicht Memories In Black!" Mit all den Sachen, die uns als Band seit den Anfangstagen schon passiert sind, war es dann auch nicht allzu schwierig eine paar negative Erinnerungen zu finden, die sich unter diesem Aspekt vertonen lassen.
Dass hier irgendwer jetzt generell deprimierter ist als früher würde ich aber nicht sagen. Es ist doch immer leichter über die "dunkle Seite" des Lebens zu schreiben.

Thomas:
Euer Songwriting entfernt sich auf "Memories..." noch mehr von den schnellen Ohrwurmnummern à la 'Midnight Lady' hin zu schweren, langsamen und vertrackteren Songs. Wollt ihr ernster genommen werden?

Andy:
Oh, wir wurden schon immer von Bands wie ENTOMBED und CATHEDRAL beeinflusst. Das spiegelt sich diesmal einfach stärker im Endergebnis wider. Ernster? Warum nicht!?

Thomas:
Macht ihr euch eigentlich irgendwas daraus, was Fans von euch als Band erwarten? Es ist ja schon ein Risiko euren ohrwurmverwöhnten Anhängern ein Album zu präsentieren, das seine Zeit braucht, bis man seinen Zugang findet.

Andy:
Sicher machen wir uns Gedanken, was die Leute denken. Ihr da draußen seid der Grund, warum wir es so weit gebracht haben! Wir haben aber nicht das Gefühl, jemanden zu überfordern.

Thomas:
Ich kann zum Schluss nicht umhin, ein Thema anzuschneiden, das dir wahrscheinlich zum Hals raushängt: Vergleiche. Viele Leute, wie z.B. mein Bruder sehen in euch nicht viel mehr als die "kleinen Ozzy". Ist es für dich ein Segen oder ein Fluch ständig mit einem der größten und gleichzeitig beklopptesten Rockstars unserer Zeit verglichen zu werden?

Andy:
Das kratzt mich eigentlich überhaupt nicht mehr... Wenn man sich Musik anhört, ist es immer leicht, Vergleiche zu ziehen, um zu erklären wie sich etwas anhört. Ich denke, in meinem Fall hält sich das Ganze die Waage. Mal ist es ganz gut, manchmal nervt es. Probleme habe ich generell aber keine mit dem Vergleich.

Thomas:
Hast du dir mal die neue Langrille vom "Prince of Darkness" angehört? Was hältst du davon?

Andy:
Ehrlich gesagt habe ich mir das Teil noch gar nicht angehört.

Thomas:
Hast du noch andere wichtige Vorbilder, die einen vielleicht nicht so anspringen, wie in diesem speziellen Fall.

Andy:
Es gibt einen ganzen Haufen Bands aus den 80's, auf die ich stehe. Mit denen bin ich groß geworden und das sind auch immer noch meine Helden. Ich höre mir natürlich auch modernes Zeug an und bekomme auch immer noch (O-Ton:) "goose pimples" wenn ich mir ENTOMBED oder CATHEDRAL anhöre.

Thomas:
Als "Volume One" wie eine Granate in die Hitlisten unserer deutschen Musikmagazine einschlug und ich mir die Scheibe besorgte, dachte ich "Wow, die werden in 2-3 Jahren richtig groß sein!". Wenn du heute zurückblickst, welche Träume sind wahr geworden? Wie hat sich euer Bekanntheitsgrad tatsächlich entwickelt?

Andy:
Alles passierte so schnell: Mit EUROPE in großen Hallen in Schweden spielen, dann SAXON supporten. Dabei ist es für mich immer noch unglaublich, tagelang mit einer Legende wie Biff Byford unterwegs zu sein. Wir sind sehr zufrieden, wie's läuft.

Thomas:
Welche Länder sind eure Hochburgen?

Andy:
Natürlich Schweden, aber Deutschland kommt gleich danach. In der Metal-Szene ist 'ne Menge los bei euch!

Thomas:
Was kommt als nächstes? Kannst du uns schon irgendwas über deutsche Tourdaten oder Festivaltermine verraten?

Andy:
Wir planen im Herbst eine Europatour mit einer anderen schwedischen Band. Große Festivals stehen bis jetzt noch nicht auf dem Plan.

Thomas:
Wenn du dir etwas aussuchen könntest, wo würdest du spielen wollen?

Andy:
Die große Bühne in Wacken! Das wäre der Wahnsinn!!!

Thomas:
Danke für das Gespräch Andy, und viel Erfolg mit dem Album!

Redakteur:
Thomas van der Laan

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