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HELLDORADOS: Interview mit Pierre Seidel

05.08.2011 | 00:42

Neben quasi-apokalyptischen Bahnhofsfragen treiben die Schwabenmetropole Stuttgart derzeit auch vier Rocker um, welche sich zum Ziel gesetzt haben, mit postapokalyptischem Sleaze Metal die Szene zu erorbern. Damit auch ihr die Apokalypse übersteht, haben sie Carepakete zur Verlosung dabei.

Hallo Pierre! Wie man hören und lesen konnte, habt ihr mit eurer neuen EP nun vor, vier Jahre nach eurer Debüt-Eigenpressung "Just Rock" richtig durchzustarten. Wie sind die bisherigen Resonanzen, auf die vier neuen Stücke?

Die Resonanzen auf die aktuelle "Helldorados"-EP sind durchweg mehr als positiv. Die Zusammenarbeit mit Produzent Mirko Hofmann hat sich gelohnt und die gesamte Band ist auch persönlich stolz auf das Ergebnis. Das positive Feedback ist ja keine Selbstbeweihräucherung, sondern zeigt, dass ein kreativer Prozess wie Songs schreiben und Musik machen etwas ist, was Zeit braucht und nun auch bei Kritikern und Zuhörern auf offene Ohren stößt.

Wie habt ihr euch seit eurem Debüt verändert?

Zunächst einmal gab es Ende 2009 einen Schnitt in der bisherigen Besetzung der Band. Mit Chris (Drums) und Steve (Gitarre) kamen neue, frische Musiker mit einem herausragenden musikalischen Background und einer fantastischen Arbeitsmoral in die Band. Bevor auch nur ein Song geschrieben wurde, war uns wichtig, HELLDORADOS ein griffiges Konzept zu geben, wie sollen sich HELLDORADOS anfühlen, anhören, aussehen? Was sind wir, was sind wir nicht? Wo ist unsere Lücke im großen Haifischbecken Musikbusiness. Die Band ist nun unsere Familie, unsere Firma. Was das Songwriting betrifft so ist das Material kompakter, extrem emotional und in allen Belangen melodischer als zuvor.

Wie beschreibt ihr selbst euren Stil "Sleaze Metal"? Die Promo-Info spricht von dem Hitpotenzial eines ABBA-Ohrwurms, dem Dreck von GUNS N’ ROSES und der Durchschlagskraft von PANTERA. GUNS N' ROSES plus metallischer Schlagseite kann ich heraus hören, aber von ABBA und PANTERA sind wir dann doch ein gutes Stück weit entfernt. Wo macht ihr diese Einflüsse in den aktuellen vier Stücken fest?

ABBA verwirrt die meisten Hörer tatsächlich, wenn man die Promo-Info liest, aber mal abgesehen, dass Agnetha und Anni-Frid zwei echt heiße Disco Torten waren, hatten ABBA fast ausschließlich Hits in ihrer Karriere. Große Melodien und Harmonien im Songwriting war deren Schlüssel zum Erfolg. Den Rotz und den Straßenköter Dreck von GUNS N' ROSES wirst Du auch bei der Musik von Helldorados wieder finden. Der Wums, die Brachialität und Fuck-off-Mentalität von Pantera schwingt ebenfalls im neuen Helldorados Gewand mit. Die Quersumme aller drei Genannten ergibt etwas komplett Eigenes, nämlich den Sleaze Metal der HELLDORADOS.

Die Promotion-Kampagne zur EP ist für euch ein richtig großes Unternehmen. Was habt ihr bereits veranstaltet, um der Scheibe die nötige Aufmerksamkeit zu verschaffen, und was habt ihr noch in der Hinterhand?

Die "Helldorados"-EP erschien ja ausschließlich in Kleinstauflage. Neben der EP gibt es ja ein komplettes "Bag for the Attack"-Paket drum herum mit allem was als Erste-Hilfe-Kit nach der musikalischen Apokalypse nötig ist. In erster Linie war das Promo-Paket als unsere Visitenkarte für weitere Businesspartner gedacht. Dass es so schnell so großen Anklang auch bei den Fans gefunden hat, überrascht uns selber. In der Hinterhand haben wir natürlich in erster Linie jede Menge neuer Songs, die nur darauf warten für das neue Album produziert zu werden.

Ihr wolltet eine Aktion im Zusammenhang mit dem "Metal Train" nach Wacken machen. Wie hätte das aussehen sollen und woran ist das letztlich gescheitert?

Der offizielle "Metal Train" ist ein Sonderzug mit rund 600 Heavy Metal Freunden, der in Stuttgart startet und direkt nach Itzehoe bei Wacken fährt. Wir haben einen sehr guten Draht zum Organisationsteam des Sonderzuges und zugleich feierte der "Metal Train" in diesem Jahr seinen 10. Geburtstag. Eigentlich sollten HELLDORADOS in der kleinen Schalterhalle des Stuttgarter Hauptbahnhofs ein besonderes Konzert vor der Abfahrt für alle Fahrgäste geben. Wir hatten Medienpartner, Sponsoren sowie die komplette Technik in der Tasche. Gescheitert ist es an einem Bürokraten der Deutschen Bahnverwaltung. Mutwillig wurde den "bösen Metallern" keine Genehmigung für solch eine Aktion gegeben. Grund: "... die Gäste im benachbarten IC Hotel könnten sich belästigt fühlen." Die Begründung ist ein Witz, man denke an die über tausend Demonstranten gegen das Stuttgart21 Projekt, die Woche für Woche vor dem Hotel und dem Hauptbahnhof Lärm machen. Da spielt auch immer eine Band auf irgendeinem Viehanhänger. Mit dem Metal Train hätte die Deutsche Bahn die Gelegenheit gehabt, auch bei der Presse Pluspunkte mit Sternchen kassieren zu können. Nun ja, Chance vertan.

Wie ist allgemein eure Verbindung zur Wacken Stiftung? Was ist deren Aufgabe und welche Rolle spielt ihr dabei?

Die Wacken-Stiftung ist eine gemeinnützige Stiftung, die sich zum Ziel gesetzt hat, die bereits seit Langem durch die Veranstalter des WOA bestehende Förderung junger Künstler aus der Rock- und Metal-Szene zu verfestigen. Ähnlich wie die Förderanträge bei der Initiative Musik kann man sich auch hier als Hard & Heavy-Band um Unterstützung bewerben. Wir kennen die Wacken-Macher durch diverse Projekte seit ein paar Jahren und dadurch hat sich eine Zusammenarbeit ergeben, für die wir sehr dankbar sind.

Nach eurem Debüt hattet ihr bereits auf zahlreichen Konzerten Bewährungsproben zu bestehen. Wie war es, mit so verschiedenen Bands wie BULLET, ENFORCER oder RHINO BUCKET und den Ulmern von DIE HAPPY unterwegs zu sein? Wie haben euch die ganz unterschiedlichen Zielgruppen jeweils aufgenommen?

Es ist immer toll, mit anderen Bands unterwegs zu sein und aufzutreten. Jede Band, jeder Mensch tickt ja irgendwie anders und von allen kann man irgendwie etwas lernen. BULLET sind echte Partylöwen und ENFORCER tatsächlich sehr in sich gekehrt. Mit beiden hatten wir allerdings Hammer Konzerte. RHINO BUCKET rotzen auf der Bühne alles weg. Sehr tight und Altersweise. Mit DIE HAPPY haben wir mal auf einem Festival gespielt und dort gelten sowieso andere Regeln. Festivalpublikum nimmt uns sowieso viel einfacher an. Die sind zum feiern da und mit uns kann man feiern.

Ihr habt den Wolle-Kriwanek-Award als beste Liveband gewonnen. Was ist das für ein Preis, und wie haben wir uns eine eurer Liveshows vorzustellen, wenn dies der dortigen Jury den ersten Platz wert war. Arbeitet ihr mit besonderen Showelementen und Outfits, oder habt ihr schlicht und einfach schnelle eine gute gemeinsame Basis mit dem Publikum, was ja auch unheimlich viel wert ist?

Wolle Kriwanek war ein deutscher Rock- und Bluesmusiker. Bekannt wurde er durch seine schwäbischen Mundart-Texte. Er verstarb viel zu früh 2003 an Krebs. Kriwanek hatte ein paar echte Hits und schrieb auch viele Songs, so z.B. zur Leichtathletik-WM, für den VfB Stuttgart oder zuletzt zur Stuttgarter Olympiabewerbung. Ihm zu Ehren wurde der Preis mit seinem Namen versehen. Wir haben damals wohl gewonnen, weil wir wie die Bekloppten auf der Bühne abgegangen sind und das Publikum zum Mitsingen bewegt haben, obwohl kaum jemand unsere Songs kannte. Mittlerweile arbeiten wir hart an einer guten HELLDORADOS-Show. Die Energie, Präsenz und das Bewusstsein für unsere Performance ist uns ein sehr wichtiges Anliegen. Natürlich gibt es besondere Showelemente. Im Moment verwenden wir im Rahmen unserer Möglichkeiten Stage-Props und z.B. Pyrotechnik, die unsere Art von Musik unterstreichen. In Zeiten wo Live-Entertainment die Haupteinnahmequelle für Musiker ist, müssen wir zu 100% überzeugen. Schau dir eine Musical Produktion an, da wird auch nichts dem Zufall überlassen. Egal ob man das mag oder nicht, die Show ist perfekt. Ein durchschnittlicher Konzertbesucher hat ja nicht nur Ohren, sondern auch Augen, Nase, Mund und Hände. Also soll er bei einem HELLDORADOS-Konzert neben dem Gehörten auch etwas zu sehen und zu fühlen bekommen. Meistens geht den Besuchern erst mal die Kinnlade runter. Eine HELLDORADOS-Show ist authentisch, mitreißend und voller musikalischer Hits. Das ist unsere Basis mit dem Publikum.

Was muss passieren, dass ihr am Ende des Jahres sagen könnt, dass die EP ein Erfolg war? Und was ist der nächst Schritt auf eurer Karriereleiter, den ihr anstrebt? Ein Albumdeal mit einem größeren Label, ein Supportslot mit einer bekannteren Band, eine eigene kleine Tour durch Deutschland? Wohin soll die Reise gehen? Am liebsten mit wem?

Wie definiert man Erfolg? Die EP ist jetzt schon ein Erfolg, weil sie durchweg positiv aufgenommen wird und das, obwohl sie nicht für den offiziellen Handel gedacht ist. Der Plan, sich heutzutage für Musik zu entscheiden ist gar nicht mehr so einfach, sondern verdammt viel Arbeit. Wir haben nicht mehr 1985 wo irgendein A&R eine Band entdeckt und mit dem dicken Scheck wedelt. Wir befinden uns mit unserer Musik und mit unserem Produkt in einer Nische. Schau dich doch mal um: Wie viele deutsche neue Hard & Heavy-Bands kennst du, die ausschließlich von ihrer Musik leben können. Ich meine neue Künstler! Wir haben in Deutschland noch lange nicht die gesellschaftliche Anerkennung und Fördereinrichtungen wie z.B. in Schweden oder in England. Nicht, dass aus diesen Ländern bessere Musiker kommen. Die gibt es in Deutschland auch, nur dort erfährt ein aufstrebender Künstler eine ganz andere Anerkennung und Förderung als hierzulande. Früher sagte man, mit dem dritten Album sollte die Band einen Gewinn erwirtschaften. Heute sagt man, dann muss die Band das mit dem ersten Album schaffen. Nur, dass heute kaum mehr Tonträger verkauft werden. Kaum ein Label nimmt mehr Zeit und Geld in die Hand um einen Künstler langfristig aufzubauen. Ganz im Gegenteil, die wollen jetzt von Anfang an sogar auf allen anderen Kanälen wie Merchandise, Live-Shows usw. mitverdienen. Die ganze DIY-Soße ist allerdings auch nicht die Lösung. Mein Appell ist es, den Künstler wieder in den Vordergrund zu stellen, weil sonst wird es neue Musik und Künstler in Zukunft nur noch für "umsonst" geben und die paar Etablierten leben glücklich und zufrieden bis an ihr Lebensende. HELLDORADOS denken in kleinen Schritten und versuchen zielorientiert zu arbeiten. Erfolg ist ja auch immer mit einer gewissen Art von Zufriedenheit verbunden. Somit glaube ich schon, dass es wichtig ist, mit starken und vertrauenswürdigen Partnern zusammen zu arbeiten, um Musik auch heutzutage zu vermarkten. Diese gilt es jetzt mit unseren Argumenten zu überzeugen auch weiterhin auf neue, hungrige Kreative zu setzen.

Was steht als nächstes an?


Wir werden uns mit unserem Produzenten einschließen, um langfristig das Erbe der SCORPIONS anzutreten.

Du hast gesagt, dass ihr etwas unter euren Fans und unseren Lesern zu verlosen habt. Erzähl doch mal, was ihr für die Fans eingepackt habt.

Zu gewinnen gibt es 1x2 HELLDORADOS "Bag for the Attack"-Promo-Pakete. Im Survival Kit sind neben der aktuellen "Helldorados"-EP auch HELLDORADOS-Buttons, HELLDORADOS-Aufkleber, HELLDORADOS-Streichhölzer, HELLDORADOS-Kondome uvm. Eben alles was man nach der musikalischen Apokalypse braucht.

Und dann wäre da noch die Quizfrage, welche die Gewinner beantworten müssen. Auf welche Frage wollt ihr die richtige Antwort hören?

Aus den Ruinen welcher Stadt hat der Boogieman die Helldorados zurück auf die Erde gespuckt?

Wenn ihr Schwierigkeiten mit der Antwort habt, dann lest euch mal die Bandgeschichte auf der offiziellen Homepage durch! Teilnehmen könnt ihr in unserer Gewinnspiel-Rubrik.

Vielen Dank, Pierre, dass du dir die Zeit für uns genommen hast!

Vielen Dank für das Interview.

Redakteur:
Rüdiger Stehle

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