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HAVAMAL: Interview mit Gitarrist Lennie

03.07.2021 | 20:42

Mit ihrem zweiten Album haben mich die Nordmänner von HAVAMAL komplett in den Bann gezogen: Ein hohes Maß an tollen Melodien, Hymnen in Hülle und Fülle, ein eleganter Spagat zwischen Epik und Härte und mit der gewählten Thematik der nordischen Mythologie hat "The Shadow Chapter" alle Zügel in der Hand. Irgendwo zwischen Viking-, Pagan-, melodischem Death- und hauchzartem Black Metal weiß die schwedische Band um den Gitarristen und Keyboarder Lennie also absolut zu überzeugen.

Darum schnappten wir uns den Schweden für ein kleines Gespräch und ließen – nach der obligatorischen Frage, wie es der Band derzeit geht – die Zeit nach der Veröffentlichung des Debüts 2019 einmal Revue passieren. "Die Stimmung und Moral innerhalb der Band könnte besser nicht sein! Wir sind verdammt glücklich, das Album endlich unter die Leute gebracht zu haben und freuen uns über all die positiven Reaktionen. Nachdem "Tales From Yggdrasil" veröffentlicht wurde, haben wir alle ziemlich hart daran gearbeitet, sowohl musikalisch als auch als Live-Act mit HAVAMAL weiter zu wachsen. Unser Ziel war immer, einen Nachfolger des Debüts zu schaffen, der in Sachen Sound zwar klar unsere Handschrift trägt, aber bei dem die Versuche klar werden, sich weiterzuentwickeln und zu experimentieren, ohne dass es den Fans sauer aufstößt. Abgesehen davon, war es aufgrund der Pandemie natürlich echt schwierig, den Punkt mit den Live-Shows auch umzusetzen. Im Winter 2019 haben wir dann mit dem Songwriting zu "The Shadow Chapter" begonnen, was ungefähr neun Monate gedauert hat. Insgesamt waren wir aber im Vergleich zu "Tales From Yggdrasil" wesentlich flotter, weil wir unseren Sound nicht neu finden mussten."

Und der epische Klang der Platte ist eine absolute Wohltat und verlieh auch schon dem Debüt eine wahnsinnig tolle Aura. Seit diesem Jahr steht mit Tino Vesanen auch ein neuer Mann am Bass. Wir fragten Lennie, wie es zum Wechsel innerhalb des Line-ups kam. "Nachdem das letzte Album veröffentlicht wurde, wollten wir mit HAVAMAL die nächste Stufe erreichen. Das bedeutet jedoch auch, dass man gewisse Opfer bringen und Zeit investieren muss. Sandra [Wallo, Bass – Anm. d. Red.] hatte hierfür leider keine Möglichkeiten, also waren wir mehr oder weniger dazu gezwungen, uns weiter umzuschauen. Während den Aufnahmen zu "The Shadow Chapter" hat unser anderer Gitarrist Kjell den Bass übernommen. Somit trat Tino in die Band, als das Album schon im Kasten war, wird sich aber in den Songwriting-Prozess zum neuen Album gut miteinbringen können.“

Vor uns liegt mit dem zweiten Album ein sehr zielstrebiges, ambitioniertes Album, bei dem sich uns die Frage gestellt hat, mit welchen Absichten HAVAMAL an die Arbeiten herangetreten ist. "Anfänglich haben wir das Ziel verfolgt, "The Shadow Chapter" so episch und monumental wie nur irgendwie möglich zu gestalten und wollten auch Einflüsse einiger Film-Soundtracks mit einfließen lassen, um all die Sagen und Geschichten auch zum Leben zu erwecken. Der größte Unterschied beider Alben ist jedoch, dass die aktuelle Platte eine noch professionellere Produktion hat und wir alle als Musiker und als Einheit noch weiter wachsen konnten. Und selbstverständlich sind all die Orchestrierungen mit der Zeit noch viel besser geworden.“

Dazu, wie sollte es besser passen, gesellen sich die Texte über das erste Kind Lokis, über einen mächtigen Schlangendrachen, der am Weltenbaum die Toten peinigt, über gigantische Meeresungeheuer, über den Ruf der Schicksalsgöttinnen und Sagen aus Helheim. Thematischer Stoff also wie gemalt für HAVAMAL, nicht wahr? "Du musst wissen, dass die nordische Mythologie ein großer Teil unserer Psyche ist und innerhalb dieser befinden sich so viele tolle Geschichten, die nur darauf brennen, dass man hieraus Musik kreiert. Für uns ist es also eine Selbstverständlichkeit, uns den nordischen Sagen zu widmen. Meine persönliche Lieblingsgeschichte ist die über Hel! Und der Reiz dieser Sagen ist, dass das Ende nie offensichtlich ist und sich seinen eigenen Weg bahnt. Und dass sich auf dem Album so viele Sagen über Unterwassermonster entwickelt haben, ist eher zufällig. Unser Sänger Björn ist für alle Texte zuständig und im Endeffekt hat sich alles so entwickelt, weil es allesamt tolle Geschichten und Sagen sind."

Das krönt ein wirklich atemberaubendes Artwork, das sowohl die Kraft als auch Epik der gesamten Platte enorm gut umsetzt. Auch hierbei fühlten wir Lennie ein wenig auf den Zahn. "Da gebe ich dir recht, das Artwork ist wirklich toll geworden! Alex Rommel von Aeroscape hat es für uns entworfen und hierbei einen fabelhaften Job gemacht. Wir könnten mit dem Cover glücklicher nicht sein! Das Artwork zeigt drei der Monster, die auf "The Shadow Chapter" in den Songs verewigt wurden und generell kann man sagen, dass das Album sich etwas mehr der dunkleren Seite der nordischen Mythologie hingibt."

Ich habe vorhin den Ruf der Schicksals-göttinnen bereits erwähnt. Da stellt sich letztendlich auch die Frage, was das Schicksal für HAVAMAL bereithält. "Unser Schicksal? Das ist eine gute Frage! Wir können nur hoffen, dass uns die Götter dabei helfen, unser volles Potential zu jeder Zeit ausschöpfen zu können. Wir freuen uns auf die Touren, die uns bevorstehen und so kann man sagen, dass es unser Schicksal ist, auf den großen Bühnen dieser Welt zu stehen."

Zum Ende unseres Gesprächs baten wir den Musiker noch um einen kleinen Ausblick auf die kommenden Monate, was wir von HAVAMAL – auch im Zuge einer weiteren Veröffentlichung – noch erwarten können. "Wir hoffen natürlich, dass wir im Herbst dieses Jahres wieder mit Live-Shows beginnen können, sehen aber der Realität ins Auge, dass es vor 2022 eher schwierig sein wird. Abgesehen davon haben wir intern aber einmal die Möglichkeit eines Live-Streams für unsere Fans angesprochen, aber momentan müssen wir einfach abwarten und schauen, was passiert. Somit konzentrieren wir uns hauptsächlich darauf, das neue Album zu promoten und über das nächste Album lässt sich sagen, dass es definitiv wieder von den Sagen der nordischen Mythologie handelt. Aber wer weiß, vielleicht werfen wir noch ein oder zwei Überraschungen mit in den Topf, hehe."

Die letzten Worte gebühren selbstverständlich Lennie, bei dem ich mich an dieser Stelle für das Interview bedanken möchte. "Wir hoffen sehr, dass euch das neue Album gefällt und auch dir ein großes Dankeschön für dein Interesse! Hail From The North!"

Für Fans epischer Musik als auch solcher Bands wie ENSIFERUM, TURISAS, WINTERSUN, HEIDEVOLK und FINNTROLL steht HAVAMALs "The Shadow Chapter" seit dem 21. Mai über Art Gates Records in den Regalen.

Redakteur:
Marcel Rapp

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