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HAUNTED, THE: Interview mit Jensen

14.09.2008 | 00:18

"Versus" heißt das neue Album der schwedischen Thrasher und bietet den Fans, was deren Herz begehrt. Ein kompaktes Brett. Kompromisslos und abwechslungsreich. Gitarrist Jensen klingelte bei mir durch, stand Rede und Antwort und stellte im Verlauf des Gespräches das Frage/Antwort-Spiel auch ein paar Mal um.

Peter:
Hallo Jensen, schön, dass du Zeit für POWERMETAL.de hast. Wie sind denn die Resonanzen auf "Versus" bisher.

Jensen:
Alle, die das Album bislang gehört haben, haben es gemocht. Aber sehr viel Feedback haben wir bisher noch nicht.

Peter:
Ich habe das Album bislang erst zweimal gehört. Und das auch noch nebenbei auf der Arbeit. Daher habe ich bisher auch nur einen ersten Eindruck von "Versus". Es klingt sehr direkt und sehr homogen. Siehst du das ähnlich? Und wo sind deiner Meinung nach die Hauptunterschiede zu "The Dead Eye"?

Jensen:
Der Hauptunterschied zu "The Dead Eye" und allen anderen Alben, die wir bisher gemacht haben, ist ganz klar, dass wir es live im Studio aufgenommen haben. Es gibt keine Overdubs, keine getriggerten Drums oder so etwas, sondern nur THE HAUNTED pur. Wir haben einfach gemerkt, dass die besten Alben live eingespielt wurden. Nimm nur "Powerage" von AC/DC, da hörst du förmlich wie Bon Scott durchs Studio geht und das "Yeah" im Gitarrensolo spontan einbaut. Diese Energie, diese Intensität wollten wir auch erreichen. Ich glaube auch, dass dies der Grund ist, warum du das Album so wahrgenommen hast wie bisher. "Versus" funktioniert vor allem als Einheit, vermittelt als Ganzes die Intensität und Energie, die wir wollten. Klar, die Songs an sich sind alle unterschiedlich, aber es ist diesmal eben nicht so, dass wir ein paar richtig gute und ein paar weniger gute Songs auf dem Album haben, sondern es, naja, eben wie ein echtes Album wirkt.

Peter:
Wie war es für euch die Songs live im Studio einzuspielen?

Jensen:
Das war großartig. Ich meine, wir haben 22 Songs in nur sieben Tagen eingespielt, weil es einfach so schnell geht und man sich auch ein bisschen in einen Rausch spielt.

Peter:
Was ich auch nach den zwei Durchläufen gedacht habe, war, dass ihr mein Urteil, dass ihr mit "The Dead Eye" euch endgültig gefunden habt, bestätigt. Wie auch schon "The Dead Eye" klingt "Versus" nach THE HAUNTED und nicht nach Post-AT THE GATES mit einer Prise SLAYER.

Jensen:
Hmm, interessant, dass du das so siehst. Da habe ich so noch nie drüber nachgedacht. Aber vielleicht ist das der Grund, warum wir bei euch in Deutschland nicht so recht von der Stelle kommen. Ich dachte immer, dass wir vielleicht zu sehr zwischen den Stühlen sitzen, weil wir viele Stile miteinander verbinden und auch mal melodisch sind, dann wieder sehr aggressiv, mal modern, mal traditionell. Was denkst du woran es liegt, dass wir bei euch nicht richtig von der Stelle kommen?

Peter:
Puh, das ist eine schwierige Frage. Ich meine, ich mag jedes Album von euch und dachte auch, dass ein schlecht besuchter Gig eher an Berlin liegt als an euch.

Jensen:
Du wohnst in Berlin? Da haben wir auf der Tour mit KILLSWITCH ENGAGE vor fast 2.000 Fans gespielt, so viele wie wir auf der kompletten Headlinertour mit zehn oder zwölf Shows nicht mal insgesamt hatten.

Peter:
Ja, bei dem Gig war ich und bin dann noch vor KILLSWITCH ENGAGE gegangen, haha. Aber den geringen Zuschauerzuspruch kann ich echt nicht verstehen. Habt ihr denn dann überhaupt vor noch mal als Headliner nach Deutschland zu kommen?

Jensen:
Nein, ich denke nicht. Zu unseren Gigs kommen ja offensichtlich nur Leute, die uns eh schon mögen. Wir wollen aber noch wachsen. Also macht es für uns mehr Sinn eine größere Band zu supporten.

Peter:
Hast du da irgendeinen Favoriten bzw. jemanden, mit dem ihr schon verhandelt?

Jensen:
Nein, haben wir nicht. Ich würde gerne mal mit OPETH spielen. Wir alle lieben und respektieren OPETH, aber ich bin nicht sicher, ob das passen würde.

Peter:
Auch, wenn ich beide Bands mag, wohl eher nicht. Wie wäre es mit METALLICA?

Jensen:
Haha, die wären zumindest groß genug und ein Album bringen sie jetzt auch raus.

Peter:
Hast du irgendwelche Erwartungen an "Death Magnetic"?

Jensen:
Ich habe erst gestern ein Video gesehen, auf dem Kirk Hammett ein paar Soli von dem Album spielt und das klang erstaunlich gut. Fast wie in den guten, alten Zeiten. Jetzt bin ich wieder etwas gespannter. Was erwartest du?

Peter:
Oh, nichts mehr.

Jensen:
Wegen "St. Anger"?

Peter:
Eher wegen der letzten 15 Jahre, haha.
Du bist gerade vom Wacken Open Air wiedergekommen. Wie lief es denn dort für euch?

Jensen:
Oh, das war wirklich fantastisch.

Peter:
Auf welcher Bühne und wie lange habt ihr gespielt?

Jensen:
Wir haben 75 Minuten auf der Party-Stage gespielt. Das ist nicht die größte Bühne, aber dennoch waren sicher 20.000 Leute da und haben sich unseren Gig angesehen.

Peter:
Cool! Vielleicht war das ja der entscheidende Schritt, den ihr braucht. Habt ihr auch neue Songs gespielt?

Jensen:
Ja, zwei Stück, die beide sehr gut angekommen sind. Aber wirklich, ich frage mich immer noch, warum eine Band wie AMON AMARTH bei euch so gut ankommt, wir aber nicht weiter kommen.

Peter:
Da darfst du mich nicht fragen, ich finde AMON AMARTH und diese ganze Wikinger-Getue schrecklich, haha. Aber vielleicht sprecht ihr einfach zu wenig die Kids an, die auf so was abfahren und seid, nun ja, zu erwachsen.

Jensen:
Ja, vielleicht.

Peter:
Du hast vorhin erwähnt, dass ihr 22 Songs aufgenommen habt, von denen es aber nun nur zehn auf das Album geschafft haben, das mit 40 Minuten Spielzeit zudem recht kurz ausgefallen ist. Vier der anderen Songs habt ihr für die Limited Edition benutzt. Was ist mit dem Rest, ist der nicht gut genug?

Jensen:
Doch, gut genug sind die Songs auf jeden Fall, aber sie hätten nicht in diese kompakte Einheit gepasst. Sie sind zu anders, um auf "Versus" zu stehen, stellenweise sind sie vielleicht sogar zu anders für THE HAUNTED. Und 40 Minuten sind eindeutig lang genug. Wir müssen nicht wie JUDAS PRIEST ein Album mit mehr als 70 Minuten Länge machen, dass dann trotzdem nichts taugt.

Peter:
Es sind sogar über 100 Minuten, haha.

Jensen:
Das macht es nicht besser, haha.

Peter:
Sind deshalb die vier Songs von der Limited Edition auf einer Bonus-CD, obwohl sie auch auf die reguläre CD gepasst hätten?

Jensen:
Nun, vielleicht wirst du denken, dass der eine Song einen anderen ersetzen kann und dennoch ist das auch ein Grund, ja.

Peter:
Was passiert mit den restlichen Songs? Wenn sie zu anders sind, werdet ihr sie sicher nicht für das nächste Album verwenden. Macht ihr vielleicht eine Raritäten-Compilation oder so was?

Jensen:
Richtig, für das nächste Album verwenden wir sie wohl nicht. Aber in irgendeiner Form werden wir sie veröffentlichen. Entweder als so eine Compilation, als B-Seiten oder wir machen ein Doppel-Vinyl. Ja, das ist eine gute Idee.

Peter:
Das Album heißt "Versus". Gegen was seid ihr denn? Gegen alles?

Jensen:
Mit dem Titel kam Peter und ja, er soll ausdrücken, dass wir zumindest gegen Vieles sind. Es ist ein guter Albumtitel für uns.

Peter:
Sind die Texte an dem Albumtitel orientiert? Was kannst du mir überhaupt über die Texte erzählen?

Jensen:
Da Peter sie geschrieben hat, kann ich nicht allzu viel dazu sagen. Aber es sind sehr persönliche Texte, die offen für Interpretationen sind. Peter hat eine bewegte Zeit hinter sich und hat das wieder in die Texte gepackt. Aber ein Konzept oder so was verfolgen sie nicht und es ist auch nicht wirklich der Soundtrack zum Leben des Peter Dolving.

Peter:
Okay, das war es dann auch im Wesentlichen von mir. Bleibt mir nur zu hoffen, dass ihr dann bald auf Tour nach Berlin kommt. Ich komme auch, wenn ihr nur Support spielt.

Jensen:
Ja, Berlin steht sicher auf dem Programm und dann kannst du wieder nach unserem Gig gehen, haha.

Peter:
Hätte ich kein Problem mit. Jensen, vielen Dank für das Interview!

Jensen:
Ich danke dir. Wir sehen uns auf Tour!

Redakteur:
Peter Kubaschk

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