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HAIL OF BULLETS: Interview mit Martin van Drunen

18.10.2013 | 07:19

Martin van Drunen, das niederländische Markenzeichen des Doom Death, hat sich für POWERMETAL.de Zeit genommen, um ein bisschen über seine Karriere, die Geschichte von HAIL OF BULLETS und das neue Album "III - The Rommel Chronicles" zu quatschen. Leider habe ich die neue Scheibe erst nach dem Interview in die Hände bekommen. Trotzdem hat sich der sympathische Holländer eine knappe Stunde von mir löchern lassen.

Martin, vorab ein Kompliment für dein Deutsch. Du bist wirklich sprachbegabt. Woher kommt das?

Hm, keine Ahnung. Ist wahrscheinlich angeboren. Manche sind halt gut in Mathe, ich kann eben das recht ordentlich. Natürlich hilft mir mein Händchen für Sprachen in meinem "Job" mehr als Zahlen jonglieren zu können.


Gehen wir zurück ins Jahr 2007. In den letzten sechs Jahren ist schließlich einiges geschehen. Nach der ASPHYX-Reunion blieb es nicht nur bei gut gemeinten Live-Gigs, sondern es kamen ein paar Longplayer auf die Markt, die dein Markenzeichen trugen. Die beiden Releases von ASPHYX sind wirklich Hammerteile. Aber auch mit HAIL OF BULLETS hast du ganze Arbeit geleistet. "On Divine Winds“ und "Of Frost And War" werden ab und an sogar als Meilensteine des jüngeren Death Metals bezeichnet. Deine Rückkehr ins Rampenlicht war also alles andere als halbherzig. Ich hab dich damals 2007 am Party San gesehen. Die Spielfreude von ASPHYX war ansteckend. Würdest du sagen, dass du dich seit dieser Zeit künstlerisch weiterentwickelt hast? Zieh doch einfach einmal Resümee über deine persönliche Entwicklung seit 2006/2007.

Puh, das ist zu Anfang gleich ein harter Brocken. Ich hab damals nicht geahnt, welche Dimensionen das annehmen wird. Als wir 2007 am Party San auf der Bühne standen, dachten wir, das sei ein einmaliges Ding. Doch hinterher sollte es erst richtig losgehen. Nach dem Gig rannten sie uns von allen Seiten die Türe ein und Angebote um Angebote kamen ins Haus geflattert. Bevor wir überhaupt wussten, wie's weitergehen sollte, kam dann auch Paul sofort mit einem neuen Song, 'Death …The Brutal Way', an. Daraus haben wir dann eine 7" gemacht. Zeitgleich ging es mit HAIL OF BULLETS richtig ab und wir setzten uns an "Of Frost And War". Ab diesem Punkt hat sich vieles verselbständigt. Ob ich mich seit 2007 verbessert habe, ist schwer zu sagen. Ich glaube schon. Live auf der Bühne bin ich natürlich wesentlich sicherer geworden. Vor allem aber konnte ich an meinen Fähigkeiten, einen guten Text zu schreiben, arbeiten. Das geht wesentlich fließender als früher.


Ich muss dir an dieser Stelle gleich ein Kompliment machen. Die 2007er Show war der Hammer. 'The Rack' kam als letzter Song. Das hatte etwas total Magisches an sich.

Ging mir genauso. Es lag wahrscheinlich daran, dass es die erste Show war. Doch eigentlich haben wir damals nichts anderes gemacht als heute. Ich versuche immer, alles zu geben. Ich sag's ganz einfach, wenn ich auf der Bühne keinen Spaß mehr hätte, würde ich mit dem Scheiß aufhören. Ich mache in erster Linie Metal, weil ich selber noch ein Fan bin. On Stage zu stehen, ist einfach ein Privileg und eine Ehre für mich. Das sollen die Fans spüren. 


Blicken wir etwas intensiver auf die Anfangstage von HAIL OF BULLETS. Ich dachte, die ersten Schritte der Band seien noch vor der ASPHYX-Reunion getan worden und dein Engagement bei HAIL OF BULLETS hätte letztendlich die Wiedervereinigung von ASPHYX eingeleitet
.

Nee, die Anfrage vom Party San, eine Reunionshow auf die Beine zu stellen, kam schon Jahre zuvor. Es ging damals einfach nicht, weil Eric nicht zur Verfügung stand. Er konnte aus persönlichen Gründen nicht und ohne ihn wollten wir nicht. Wir haben eine Reunion deswegen auch solange abgelehnt. Das änderte sich, als ich Paul näher kennenlernte. Wir saßen mit HAIL OF BULLETS zusammen, waren alle ziemlich besoffen und kamen irgendwie auf ASPHYX. Paul meinte, er könne den Posten von Eric übernehmen. Ich hab das dann Bob vorgeschlagen und der lehnte zunächst strikt ab. Nö, ohne Eric wird das nichts, sagte er. Ich habe dann trotzdem nachgehakt. Er solle Paul doch eine Chance geben, meinte ich. Er willigte schließlich doch ein und lud Paul zu einer Probe ein. Dann hat Paul uns einfach weggeblasen. So war das damals. Die Angebote, ASPHYX wiederzubeleben, kamen allerdings schon wesentlich früher.


Und wie bist du zu HAIL OF BULLETS gekommen? Ed und Stephan hatten die Idee dazu. Wann haben sie dich ins Boot geholt?

Eigentlich war es mehr Stephans Idee. Ich hab damals bei DEATH BY DAWN gesungen und wir haben zusammen mit THANATOS gespielt. Stephan und Paul zocken da ja immer noch. Stephan kam nach der Show auf mich zu, wollte wissen, ob ich Ed Warby kenne und ob ich Lust hätte, mit ihnen beiden zu lärmen. Zu meiner Schande kannte ich Ed damals nicht, bin aber trotzdem gleich eingesprungen. Wir haben geprobt und - ich weiß nicht - es hat einfach alles gestimmt. HAIL OF BULLETS lief von Anfang an sowohl musikalisch als auch menschlich ziemlich rund. Dann ging's los.


Viele Fans assoziieren deine Bands ausschließlich mit dir.
HAIL OF BULLETS = Martin van Drunen! Ist das wirklich so?

Nein, nein, nein! Ganz bestimmt nicht. Ohne die Jungs bin ich eine Nullnummer. Mit denen kann man super zusammenarbeiten. Sie sind allesamt tolle Musiker. Uns schlägt allen das gleiche Herz in der Burst. Es sind ausnahmslos totale Metalfans. Wir mögen sogar die gleiche Art von Metal und liegen deshalb auf einer Wellenlänge. Zudem kann ich mich noch gut an eine Zeit erinnern, in der ich für eine Kiste Bier gespielt habe. Das ist übrigens noch gar nicht so lange her. In den kleineren Bands konnte ich den Wagen auch nicht alleine ziehen. Ich bin da auch gar nicht der Typ für. HAIL OF BULLETS bin nicht nur ich. Wir sind demokratisch organisiert.


Die Einstellung ist echt lobenswert. Coole Sache! Doch lass uns das Thema wechseln. Dein Gesangsstil hat Wiedererkennungswert. Er hebt deine Projekte von der Masse ab. Du bist dadurch auch zur Kultfigur geworden. Fans mimen dich ja bereits zu Hauf auf Festivals nach. Aber mal im Ernst. Was tust du, um deine Stimme fit zu halten? Dein Gesang ist muss doch extrem belastend für die Stimmbänder sein.

Nein! Wie lange mach ich das jetzt schon? Ich schrei bestimmt seit 25 Jahren so herum. Gut, früher auf richtig längeren Touren hatte ich immer wieder mal ein Kratzen im Hals. Da muss man halt durch. Das ist einfach so, weil der Gesang tatsächlich intensiv ist. Deswegen trainiere ich viel. Das ist mit einem Sportler vergleichbar, der sich für den Spieltag fit macht. Man muss sich einfach in Form halten und sich ordentlich vorbereiten. Es vergeht keine Woche, in der ich nicht für mich selbst probe.


Deine Bands ähneln einem Familientreffen. GRAND SUPREME BLOODCOURT besteht fast ausschließlich aus ehemaligen oder noch aktiven ASPHYX-Mitgliedern und HAIL OF BULLETS ist ein Treffen von THANATOS, ASPHYX und Ed Warby. Tretet ihr euch da nicht musikalisch auf die Füße? Kann es mal passieren, dass ihr Riffs verwendet, die für ASPHYX oder THANATOS gedacht waren?

Nein! Auf keinen Fall. Wir sind uns sehr einig, wohin wir wollen und wir wissen sofort, wo welches Riff hingehört. Keine Ahnung warum das so gut klappt. Irgendwie läuft das Songwriting wie von selbst. Der Unterschied liegt natürlich auch im Stil der Arrangements der einzelnen Bands, aber das kriegen Außenstehende nicht mit. Jede einzelne Band hat einfach eine unterschiedliche Arbeitsweise. Deswegen gibt es eigentlich keine Überschneidungen.


Bleiben wir mal bei der Musik. Könntest du ein paar Worte über den Stil von HAIL OF BULLETS verlieren? Inwiefern hebt er sich von ASPHYX ab?

In erster Linie ist es Old School Death! Daran besteht kein Zweifel. Trotzdem ist bei HAIL OF BULLETS mehr Melodie drin als bei ASPHYX. ASPHYX ist geradliniger. Zudem sind die Songstrukturen etwas komplizierter. Die Tracks von ASPHYX sind mehr auf altmodischer Rock'n'Roll-Basis aufgebaut. Bei HAIL OF BULLETS kann es dagegen schon mal passieren, dass ein Song anders aufhört als er angefangen hat. Natürlich trägt auch das Drumming von Ed zum Unterschied zwischen beiden Bands bei. Man kann ihn nicht mit Bob vergleichen. Bei allem Respekt vor Bob, aber er sagt selbst, im Vergleich zu ihm sei er ein Würstchen.


Wie sieht denn eigentlich der musikalische Alltag von HAIL OF BULLETS aus? Wie schreibt ihr Songs? Wie regelmäßig probt ihr? Die Organisation ist sicher nicht einfach. Schließlich lebt ihr alle in verschiedenen Städten.

Wir proben nie! Wir treffen uns nur, um neues Material vorzubereiten, aber ansonsten spielt jeder für sich die Sachen durch. Das machen eigentlich alle Bands, in denen ich singe, so. Es geht einfach auch nicht anders. Man wäre ja nur dauernd unterwegs. Die Kommunikation und das Songwriting laufen über Emails. Das ist der Vorteil der Technik. Die Jungs können heute ohne Probleme neue Riffs daheim aufnehmen und übers Internet verschicken. An diesen Teilen wird dann weitergearbeitet. Ed setzt aus den Riffs Songs zusammen und ich überleg mir ein paar Gesangslinien. Wenn ich alle Stücke habe und wir die Reihenfolge festgelegt haben, beginne ich damit, ein Konzept auszuarbeiten.


Was sind deine persönlichen Highlights auf den letzten beiden Scheiben?

Auf der "Of Frost And War" ist es 'Ordered Eastward' und auf "On Dinive Winds" ist es 'Tokyo Napalm Holocaust'. Es gibt allerdings so viele Stücke, die mir gefallen, aber die haben's mir besonders angetan. Die bringe ich auch gerne auf der Bühne, weil sie einfach alles platt machen.


Krieg ist dreckig! Er ist laut und stinkt! Ich bin absoluter Pazifist und stehe dazu. Darum ist der letzte Song eurer ersten Scheibe, 'Berlin' heißt der Track, auch ein kleines Highlight. Kommentier doch bitte die Textzeile "the war is over, it is done"! Gänsehaut, nicht wahr?


Ja! Weißt du, es ist schwer für mich, bei meinen eigenen Texten ein Gänsehaut-Feeling zu bekommen. Aber ich geb dir trotzdem recht. Bei dem Song passt der Text einfach. "The war is over, it is done!" Das trifft irgendwie den Nagel auf den Kopf. Es war einfach so, der Krieg war aus. Leider spielen wir den Song zu wenig live. Das sollten wir mal wieder machen.

Gut, im Oktober kommt die neue Scheibe, "III - The Rommel Chronicles". Sag uns doch etwas über den Entstehungsprozess! Gab es Unterschiede zu den Vorgängern oder seid ihr inzwischen das Songwriting betreffend routiniert?


Wir wollten eine Mischung aus "Of Frost And War" und "On Divine Winds" schaffen. Obwohl die erste Platte geil ist, ist sie doch sehr grob. Einfach richtig düster und knallharft produziert. Vielleicht lag es auch daran, dass es unsere erste Scheibe war. Ed hat später sogar eingeräumt, es mit der Rohheit ein klein wenig übertrieben zu haben. Deswegen haben wir auf der "On Divine Winds" einen neuen Weg eingeschlagen. Bei "III - The Rommel Chronicles" wollten wir eine Mischung aus beiden machen. Das Songwriting selbst lief aber wie immer ab.


Ed soll ja ein Spitzenmusiker sein, der ein totales Gefühl für Arrangements hat. Zudem kann er auch ziemlich gut Gitarre spielen. Wie wichtig ist er für die Kreativität der Band?

Ed kann alles! Bei THE 11th HOUR singt er sogar noch. Er spielt Bass, Schlagzeug und Gitarre. Er ist schlichtweg ein One Man's Act. Neben seinen Skills am Schlagzeug, hat er ein totales Feeling für Musik. Ja, er lebt einfach Musik. Vor allem den Metal. Metal ist seine Hauptinspirationsquelle, er kennt aber daneben jede Menge an Zeugs, von dem ich noch nie was gehört habe. Davon lässt er sich ab und an auch gern mal leiten. Er ist einfach Musik betreffend ein Hochbegabter. Das muss man einfach einmal aussprechen.


Erneut habt ihr euch dafür entschieden, ein Konzeptalbum zu entwerfen. Wie seid ihr auf den Titel gekommen?

Ich kam auf die Idee bereits kurz nach der "On Divine Winds". Mir fiel ein Buch über Rommel in die Hände, das mich faszinierte. Ich empfand es als eine Herausforderung, mal etwas über eine Person zu machen. Die Jungs fanden den Einfall gut und Paul kam kurz darauf mit dem Titel an. Bevor die Musik stand, wussten wir also schon, wie die Scheibe heißen wird. Daran haben wir uns orientiert.


 

Welchen Stellenwert räumst du Texten ein? Ich bin jemand, der selten Lyrics liest, da ich die Stimme nur als ein weiteres Instrument bewerte. Wie siehst du das?

Texte sind für mich sehr wichtig. Es gibt natürlich eine bestimmte Art von Death Metal, wo Lyrics egal sind. Old School Death mit Gore- und Splattertexten zum Beispiel. Da steh ich drauf, insofern sie sich selbst nicht ernst nehmen. Falls mir Texte einer Band nicht gefallen, kann es durchaus passieren, dass ich das Interesse verliere. Wahrscheinlich liegt es an meiner Rolle als Sänger. Ich finde es wirklich schade, dass so wenig junge Bands richtig gute Texte schreiben können. Viele machen sich oftmals nicht einmal mehr die Mühe, ordentlich zu reimen. Das Texten hat hier jeglichen Anspruch verloren. Das ist dann keine Kunst mehr. Texte müssen einfach passen, weswegen ich mich ins Schreiben ziemlich reinhänge. In den Lyrics muss einfach ein Rock'n'Roll-Feeling drinstecken.


Reden wir etwas über die Produktion des neuen Albums. Teile von "On Divine Winds" wurden bei Ed Warby im Studio aufgenommen. Andere Teile habt ihr in den Excess Studios verewigt. Woher kam damals die Idee für das Splitting? Wie habt ihr es bei "III - The Rommel Chronicles" gemacht?

Ed hat dafür einfach nicht die nötigen Räumlichkeiten. Gitarren lassen sich ohne Probleme in einem kleinen Homestudio aufnehmen. Anders sieht die Sache allerdings beim Schlagzeug aus. Eds Studio liegt mitten in einer Wohngegend. Wenn er hier trommeln würde, würde er sofort Probleme mit der Nachbarschaft bekommen. Genauso verhält es sich mit meinem Gebrülle. Da würde doch sofort das Gerücht entstehen, wir würden ein Schwein schlachten. Deswegen mussten wir ausweichen. Früher gingen wir immer in die Excess Studios. Das war Eds zweite Heimat. Nur leider ist es Pleite gegangen. Ich glaube, das lag am Homerecording. Die Technik hat sich unbeschreiblich schnell weiterentwickelt und jeder kann inzwischen im heimischen Wohnzimmer produzieren. Die Plattenfirmen geben deswegen immer weniger Budget. Das ist wiederum schlecht für kleine Studios. Jedenfalls ist Ed zusammen mit Dan Swanö, der zum ersten Mal auch beim Recording mit dabei war, ausgewichen. Ich weiß jetzt nicht mehr, wie das Ding hieß, herrje (Sandlane Studios - MS). Für den Gesang bin ich hier um die Ecke in die Harrow Studios gegangen. Da war ich bereits mit ASPHYX. Harry ist ein ziemlich cooler Typ, mit dem man super arbeiten kann.


Dan Swanö hat die Scheibe gemixt und gemastert. Hattest du vorher mit Dan schon Kontakt? Was zeichnet seine Arbeit aus?

Ich glaube, Ed kannte ihn. Wir haben mit HAIL OF BULLETS eine Promo aufgenommen. Da haben wir Dan einfach mal getestet. Frei nach dem Motto "zeig was du drauf hast!". Er hat uns echt umgeblasen. Alter Schwede, das war knüppelhart. Ab diesem Punkt war klar, Dan muss regelmäßig her. Wenn es ums Studio geht, ist er unser sechstes Mitglied. Ed und er passen zudem noch gut zusammen. Beide sind absolute Perfektionisten. Denen macht die Studioarbeit richtig Spaß. Ich bin da nicht so der Studiomensch.


Welche Akzente wurden bei der Produktion gesetzt? Erklär uns doch einmal den Sound der neuen Scheibe!

Puh! Halb roh, halb poliert – fällt mir da spontan ein! Das ist gar nicht so einfach zu beschreiben. Von außen her betrachtet wirkt sie wohnlich und gemütlich, doch innerlich ist sie hart und kantig. Es ist genau die Mischung aus Härte und Softness.


Der Video-Teaser ist ja vielversprechend. Könntest du ein paar Worte über das neue Material verlieren? Worin unterscheiden sich die Songs von den beiden anderen Scheiben?

Die Stücke sind insgesamt packender und mitreißender. Ich will damit nicht sagen, dass sie einfacher sind. Das ist überhaupt nicht der Fall. Wir haben die Melodieanteile ein bisschen reduziert. Es ist schon Melodie drin, so ist es auch wieder nicht, nur halt nicht so viel wie bei der letzten Platte. Wir sind dafür deutlich mit dem Tempo hochgegangen.


"III - The Rommel Chronicles" hebt sich ein bisschen vom Artwork der beiden ersten Scheiben ab. Die Platte ist – ich sage es äußerst vorsichtig – ja richtig farbenfroh. Wer war dafür verantwortlich? Hab ihr bewusst Akzente gesetzt?

Klar gibt's hier einen Unterschied zu den ersten Beiden Scheiben. Wir haben einen komplett anderen Mann dafür engagiert. Mick, der "Of Frost And War" und "On Divine Winds" gemacht hat, ist grade Vater geworden, als wir ihn fragen wollten. Er hat deswegen leider absagen müssen. Stephan und Paul kamen dann mit Erik an, der zunächst ein paar vielversprechende Skizzen machte. Sein Stil hat uns gefallen. Wir haben ihn unsere Vorstellungen ausgebreitet und er konnte sie nach ein paar Versuchen direkt umsetzen. Cool an ihm war auch, dass er auch die Bandfotos gemacht hat. Wir sind dafür extra nach Rotterdam gefahren. Er hat für sein junges Alter einen echt guten Job gemacht. Ich bin total zufrieden mit ihm.


"III - The Rommel Chronicles" erscheint auch in einer Vinyl-Edition. Was hältst du von Vinyl?

Es wird eine limitierte Auflage sein. Frage mich aber nichts Genaueres dazu! Ich persönlich liebe Vinyl. Ich bin halt einfach ein alter Hase. Ich erinnere mich noch genau daran, als die CDs kamen und die Schalplatten verdrängten. Ich frage mich auch heute noch, was das sollte. Wo sind denn die schönen Cover und die Einleger hin? Ich fand das scheiße. Platten haben einfach etwas Persönliches. Klar hab ich inzwischen mehr CDs als Schalplatten, aber ich bevorzuge einfach Vinyl.


Die Scheibe erscheint wieder bei Metal Blade. Wie klappt die Zusammenarbeit mit dem Label?

Super! Bin total zufrieden. Ein paar von den Jungs träumten von einem Deal mit Metal Blade, weil das Label eine unheimliche Geschichte hat. Zudem hat es weltweiten Einfluss. Für eine Band aus den Niederlanden ist das eine große Ehre, bei einer solch großen Plattenfirma unter Vertrag zu stehen. Die Zusammenarbeit läuft aber wirklich gut. Seit Beginn gab es nie größere Probleme. Die Leute sind total nett.


Kannst du als Vollblutmusiker und Fan eigentlich zwischen Business und Musik differenzieren? Lässt sich das überhaupt trennen?

Klar! Wenn ich keinen Spaß mehr an Metal hätte, würde ich damit aufhören. Leider gibt es halt auch ein paar geschäftliche Aspekte, aber die gibt es überall. Ein freischaffender Künstler muss auch gucken, wie er seine Bilder loskriegt, um Steuern zu zahlen. Akzeptierst du es nicht, macht es wohl ein anderer. So einfach ist das.


…und das Leben als Musiker? Ist das mit einem Familienleben zu vereinbaren? Wie sieht es mit größeren Tourplänen zum neuen Album aus?

Wir sind keine Touring-Band. Keine meiner Bands ist das. Das liegt nicht so sehr an den Familien, sondern vielmehr an der Arbeit. Jeder hat eine verschiedene Art von Arbeit. Es lassen sich nie alle unter einen Hut bringen. Touren geht leider nicht. Es ist oft nicht möglich, dass alle gemeinsam Urlaub nehmen können. Deswegen nutzen wir die Wochenenden so oft es geht aus, um auf der Bühne zu stehen. Dann erreichst du das Publikum trotzdem. Im Endeffekt ähnelt das einer Tour, nur dass sie sich über das ganze Jahr hinstreckt.


Du bist für Livegigs gemacht. Ich hab dich heuer mit GRAND SUPREME BLOODCOURT auf dem Party San gesehen, letztes Jahr mit ASPHYX auf dem Turock Open Air in Essen und werde dich in einem Monat mit HAIL OF BULLETS auf dem Hell Inside nochmals auf der Bühne sehen. Da freu ich mich schon drauf! Was war denn der beste Livemoment in deiner Karriere?

Das ist schwierig. Da gab es so viele. Hm, einer meiner besten Livemomente war wohl wirklich das Party San 2007. Ich hatte selber Gänsehaut. Das war wohl die Beste aller meiner Shows. Mit HAIL OF BULLETS, hm… wahrscheinlich war es der Auftritt auf dem Bassinfire-Festival in Tschechien. Ein Festival mit einem total bunten Line Up. Nicht unbedingt ein Metal-Ding, aber wir haben die Einladung trotzdem gerne angenommen. Wir standen nach dem Gig alle da und guckten uns an. Das war einfach perfekt. Selbst Ed, der immer kritisch ist, hat uns vom Schlagzeug her zugerufen, Jungs, wenn wir immer so spielen wie heute, blasen wir jede andere Band einfach von der Bühne. Punkt. Ich würd jetzt nicht sagen, dass es unsere beste Show war, aber es hat einfach gepasst.


Ein Freund von mir zieht mich immer mit einer Anekdote auf. Er hätte BOLT THROWER mit van Drunen live gesehen. Ich bin dafür leider ein bisschen zu jung. Wenn ich aber auf deine Karriere blicke, reihen sich doch eine ganze Menge an Bands auf, in denen du tätig warst. PESTILENCE in den 80ern, dann natürlich ASPHYX. Bei BOLT THROWER hast du live ausgeholfen. Schließlich sind noch DEATH BY DAWN, GRAND SUPREME BLOODCOURT und HAIL OF BULLETS zu nennen. Dazu kommen noch unzählige Gastauftritte wie z.B. bei COMECON. Wenn du auf die vergangenen Tage zurückblickst, hast du immer gute Erinnerungen? Stehst du noch in Kontakt mit deinen alten Weggefährten?

Hm, ja! Eigentlich überwiegen bei mir die positiven Erinnerungen an die alte Zeit. Auch mit den Jungs von DEATH BY DAWN habe ich ab und an noch Kontakt. Nur mit den Leuten von PESTILENCE ist er abgerissen. Ansonsten habe ich ein ziemlich gutes Verhältnis zu allen früheren Bands, bei denen ich hinter dem Mikro stand. Ich telefoniere jetzt nicht täglich mit BOLT THROWER, aber wenn wir uns auf Festivals sehen ist es doch immer herzlich. Da gibt's auch mal eine Umarmung frei nach dem Motto: "Komm, lass uns mal ein Bierchen trinken und über alte Zeiten labern!". Echt schön!


Könntest du als alter Hase, wie du dich ja selbst nennst, ein paar Worte an die Nachwuchsmusiker richten!

Klar! Spielt immer mit Herzen! Manchmal sagt Technik überhaupt nichts aus. Und gebt verdammt nochmal einfach alles! Solange, bis ihr nicht mehr könnt. Eine Show ist erst gut, wenn du eine halbe Stunde hinterher noch immer aus der Puste bist. Ich bin mit dieser Einstellung aufgewachsen. Meine alten Helden gaben immer alles. Es ist keine Schande als Metalband zu schwitzen wie Sau.


Fällt dir zum Schluss noch etwas ein? Möchtest du ein paar letzte Worte an die Fans richten?

Herzlichen Dank für den Support! Die Gastfreundschaft in Deutschland ist einfach herrlich. Jeder, der mich kennt, weiß, dass ich mich hier in der Szene wohl fühle!

Dann bedanke ich mich für das Interview!

 

Redakteur:
Michael Sommer

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