top banner 156
side banner 157

Gruppentherapie: REDEMPTION - "This Mortal Coil"

28.09.2011 | 14:10

Härter als auf dem Vorgänger agieren die Power-Progger REDEMPTION auf dem nunmehr vorliegenden Werk "This Mortal Coil", mit dem sich die Band Platz 2 in unserem Soundcheck sichert. Was die Redaktion zum leicht veränderten musikalischen Erfolgsrezept zu sagen hat, erfahrt ihr in den folgenden Beiträgen.

 

Nach all dem nölenden oder schwelgerischen Prog dieses Monats wirkt die neue REDEMPTION doch tatsächlich wie ein Weckruf. Dass ich das mal sagen würde, ist ja eine gewisse Überraschung. Aber man muss nur genug schlechte Musik hören, dann fällt es einem leichter, die guten Sachen auch richtig schätzen zu können. Es würde jetzt zu weit gehen, wenn ich sagte, dass mich "This Mortal Coil" völlig vom Hocker hauen würde, doch muss ich aus heutiger Sicht zugeben, dass ich den Vorgänger doch deutlich zu kritisch gesehen habe. Immerhin singt hier ein absoluter Meister seines Fachs, und im Übrigen haben wir eben auch richtige metallische Riffs, tolle Soli, Action und Härte auf dem Speiseplan. All das sind Dinge, von denen sich viele der umher vagabundierenden Progressivträumer - Rocker will ich sie nicht nennen - dieser Tage entweder komplett losgesagt haben, oder wovon sie ohnehin noch nie eine Ahnung hatten. Wenn ich die neue Scheibe mit dem etwas entspannteren Vorgänger vergleiche, dann gibt sich nicht nur das Artwork, sondern auch die Musik dunkler und metallischer. 'Blink Of An Eye' ist beispielsweise ein richtig harter Brecher geworden, der natürlich nicht auf die bei dieser Besetzung obligatorischen instrumentalen Show-offs verzichtet, diese jedoch songdienlich eingliedert, so dass keine Längen aufkommen. Das einzige, was mich hier und da ansatzweise ermüdet, ist der durch die glatte Produktion und die massiv eingesetzten Keyboards etwas zu runde Gesamtsound, der relativ wenige Ecken und Kanten zulässt. Dennoch ist Ray Alder & Co. hier eine sehr gute Scheibe gelungen, die REDEMPTION fest in der ersten Liga des Prog Metal etabliert. Vor allem eben, weil die Band Songs mit hohem Wiedererkennungswert und den nötigen Hooklines zu schreiben im Stande ist, und auch nicht Gefahr läuft, sich in Gedudel und planloser Schwelgerei zu ergehen. Man ist nämlich nicht dem Trugschluss aufgesessen, dass Härte und Anspruch sich ausschlössen.

Note: 7,5/10
[Rüdiger Stehle]


Mit einem Ray Alder am Mikrophon kann ja nicht allzu viel schiefgehen. Und außerdem kennt man ja REDEMPTION mittlerweile und ist Qualität gewohnt. Aber die Band geht nicht auf Nummer sicher, sondern legen auf "This Mortal Coil" einen gehörigen Zacken Aggressivität zu, dass man den letzten "Schneefall" glatt wegblasen könnte. Alders angenehme Stimme und deren Variabilität wird wieder einmal unter Beweis gestellt, so weit weg vom FATES WARNING'schen Klang war er bislang wohl nur auf den beiden ENGINE-Scheiben. Und für Inside Out sind sie schon fast zu hart, möchte man da den Kreis zu den Sensory-Releases schließen? An einigen Stellen erinnert mich das aktuelle Album an SYMPHONY X, speziell zu Zeiten des "Paradise Lost"-Albums, zum Beispiel in 'Blink Of An Eye'. da wird dem direkten Metal zwischen Power und Prog gefrönt, doch in einigen Songs kommt dann doch die Leidenschaft für das Komplexere durch, und es dürfen auch mal die Neun- und Zehnminutenmarke fallen. Doch selbst dann spielt Bernie Versailles einen harten Stiefel, der im krassen Gegensatz zu den Gesangslinien steht. Im Gegensatz zu Rüdiger finde ich obendrein die Produktion äußerst gelungen und die Keyboards adäquat, was möglicherweise unseren unterschiedlichen Hörgewohnheiten geschuldet ist. In jedem Fall dürfen hier Progger und Metaller gleichermaßen zugreifen.

Note: 9,0/10

[Frank Jaeger]


Um ehrlich zu sein, gehe ich nicht ganz unvoreingenommen an das aktuelle Schaffenswerk der Herren von REDEMPTION. Dies sei eher negativ zu verstehen, da mich die Vorgängerwerke "The Origins Of Ruin", sowie das 2009er Werk "Snowfall On Judgement Day" trotz schöner Kompositionen und knackiger Riffs nicht sonderlich fesseln oder gar von Hocker reißen konnten. Dennoch pegeln die fünf Herren den Härtegrad ihrer Stücke noch ein wenig in die Höhe, wodurch "This Mortal Coil" vor allem aufgrund dessen doch überzeugen kann. Zwar sind die insgesamt elf Stücke dieses guten Werkes nach wie vor äußerst dramatisch, zwar spannend, aber für mich ungeradlinig aufgebaut, wissen derweil aber, wie sie Prog-Power-Freunden gefallen. So scheppert 'Path Of The Whirlwind' ordentlich aus den Boxen und die Klänge beispielsweise von 'Noonday Devil' überraschen durchaus positiv. Beinah thrashig geht das Quintett an dieses Unterfangen heran, wobei ich mich mit der Symbiose aus Thrash-Metal, progressiven Elementen und einigen symphonischen Klängen ein wenig schwer tu. Anspieltipps spiegeln sich selbst für mich bei 'Blink Of An Eye' und dem verträumten 'Let It Rain' wieder. Hier gelangen Kreativität und die nötige Härte in einen schönen Einklang und ich bin mir sicher, dass ich bei zukünftigen Veröffentlichungen aus dem Hause REDEMPTION anders an die Sache herangehe wie bei "This Mortal Coil".

Note: 7,5/10
[Marcel Rapp]


Gerade einmal zwei Jahre sind seit dem letzten REDEMPTION-Opus "Snowfall On Judgement Day" vergangen. Und wiederum sichern sich Sänger Ray Alder (FATES WARNING) und seine Bandkollegen eine starke Platzierung in unserem Soundcheck. Zufall? Sicher nicht. REDEMPTION gehen besonders in der ersten Hälfte des neuen Werkes in die Vollen. Gerade das eröffende 'Path Of The Wirlwind' glänzt neben tollen Gesangslinien mit einer beachtlichen Härte, deren Rückgrat die starke Rhythmusabteilung bildet. Sie dringt geradezu in Power/Thrash-lastige Regionen vor, was besonders die starke Arbeit an der Bass-Gitarre von Sean Andrews illustriert. Das Ohrwurm-verdächtige Highlight 'No Tickets To The Funeral' spinnt diesen Faden konsequent weiter und präsentiert zusammen mit 'Blink Of An Eye' die Band in ihrem besten Licht. Zwar schalten REDEMPTION in der zweiten Hälfte in Sachen Härte den Gang ein wenig zurück, aber sie lassen in Sachen Qualität gewiss keine Federn. Inbesondere das sehr gefühlvoll intonierte 'Let It Rain‘ lässt wieder einmal aufhorchen. REDEMPTION-Fans bekommen auf dem neuen Werk genau das, was man von der Band erwartet: Harten und gleichzeitig melodiösen Progressive Metal mit einer tighten Rhythmusfraktion, gekrönt von Ausnahmesänger Ray Alder am Mikro. Feine Scheibe.

Note: 8,5/10
[Martin Loga]

 

Während "Snowfall On Judgement Earth" mich weniger wegen des progressiven Gefrickels, sondern mehr dank ein paar sehr gelungener, angenehm ins Ohr gehender Kompositionen überzeugte, hat "This Mortal Coil" in dieser Hinsicht weniger Erhebendes zu bieten. Die "Fingerfertigkeiten" hauen mich auch dieses Mal nicht sonderlich vom Hocker, da mir schlicht die guten Songs mit einprägsamen Melodien und Hooklines fehlen (Ausnahmen: 'Blink Of An Eye' und 'Let It Rain'). Die zumindest teilweise erkennbare Tendenz zu powermetallischen Klängen sollte eigentlich ein gutes Mittel sein, um den Stücken zu mehr Prägnanz zu verhelfen, doch fehlt dafür letztendlich ein kraftvollerer, voluminöser Sound, um das Ganze auch richtig zur Geltung kommen zu lassen. Außerdem gehen die gern sprunghaft variierenden Songstrukturen ein wenig zu Lasten der Geradlinigkeit. Dafür gibt es am Gesang Ray Alders gar nichts zu mäkeln. Seine warmen, einschmeichelnden Vocals sorgen für den ein oder anderen wohligen Schauer. Insgesamt bevorzuge ich dennoch deutlich die aktuelle DREAM THEATER - da wird zwar ebenfalls gern gegniedelt, bis der Arzt kommt, aber als großes Plus kommt man mit einigen packenden, ohrwurmeligen Passagen um die Ecke, die ich bei REDEMPTION dieses Mal einfach vermisse.

Note: 7,0/10
[Stephan Voigtländer]



Chefredakteur Peter Kubaschk hat eine ausführliche Rezension zum neuen Werk von REDEMPTION verfasst.

Redakteur:
Martin Loga

Login

Neu registrieren