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Gruppentherapie: PORTRAIT - "Crimen Laesae Majestatis Divinae"

26.05.2011 | 15:42

Lieber ein guter Klon als ein inaktives Original? PORTRAIT perfektionieren auf "Crimen Laesae Majestatis Divinae" ihr MERCYFUL FATE-Worshopping.

Es ist augenscheinlich die Zeit der MERCYFUL FATE-Revivals, beschert uns der Monat Mai 2011 doch gleich zwei neue Veröffentlichungen von Bands, die sauber im Fahrwasser der Herren Sherman, Denner und Diamond schippern. Beide kommen aus Schweden, die eine habe ich für euch in Langform besprochen, und die andere folgt hier in der Gruppentherapie. Die zweite PORTRAIT zeigt die Band gereift und handwerklich gewachsen. Wo das Debüt noch die Frage aufwarf, ob das Gebote nun ungeschliffen und charmant oder doch holprig und schräg ist, da ist der Zweitling fraglos eine blitzsauber dargebotene Huldigung an ein übergroßes Vorbild. Der neue Sänger mag weniger kultig sein als sein Vorgänger, aber dafür auch weniger oft neben der Spur. Dass er in den hohen Passagen nur mit Hilfe von etwas mehr Effekt königliche Ebenen tangiert, fällt auf Konserve nicht negativ ins Gewicht. Dazu gibt es flotte Songs, scharfe Riffs, coole Hooklines. Ja, da gibt es kaum etwas zu meckern, außer eben, dass die Eigenständigkeit eben effektiv und bewusst gegen Null tendiert. So lange der König und sein Gefolge sich aber nicht anschicken, das Original wieder an den Start zu bringen, da kann man es den Fans nicht verdenken, wenn sie auch an der Ersatzdroge einen Heidenspaß haben.

Note: 7,5/10
[Rüdiger Stehle]


Um ehrlich zu sein, habe ich nichts anderes als ein starkes Album von jener Truppe erwartet, die mich vor drei Jahren mit ihrem selbst benannten Debüts derart verzückte. Speziell die Gitarrenfraktion konnte mich damals als begeisterten Anhänger hinzugewinnen. Jedoch gibt es im Hause PORTRAIT eine elementare Änderung, wodurch man sich anno 2011 doch ein wenig in den Vordergrund drängeln kann. Die acht Songs von "Crimen Laesae Majestatis Divinae" wurden mit gänzlich neuen Gesangslinien verziert. Per Karlsson heißt der Neuzugang im Mikrofon, der dem Zweitwerk der Schweden mit nicht ganz so schrillen, aber dennoch markanten Vocals das gewisse Extra verleiht. So hievt das Quintett den Geist und das Charisma alter, bahnbrechender MERCYFUL FATE-Veröffentlichungen gekonnt ins neue Jahrtausend. Stücke wie das eröffnende 'Beast Of Fire', das bärenstarke 'Der Todesking' oder auch das instrumentale 'The Wilderness Beyond' lassen mich vor Ehrfurcht erstarren und erzeugen eine meterdicke Gänsehaut. Mit welcher Hingabe und Spielfreude PORTRAIT hier arbeiten ist ähnlich eindrucksvoll wie das Kunststück, die ausnahmslos starken Melodien wieder aus dem Großhirn zu katapultieren. Denn das, meine Freunde, ist bei Weitem nicht so einfach, wie es sich anhört. "Crimen Laesae Majestatis Divinae" ist ein epischer Geniestreich, der sich vor den anderen starken Alben in diesem Monat nicht verstecken braucht. Ein absoluter Geheimtipp für alle Traditionalisten und Freunde des berühmten KING DIAMOND-Charmes.


Note: 9.0/10
[Marcel Rapp]

Die Schweden von PORTRAIT sind so etwas wie die legitimierte MERCYFUL FATE/KING DIAMOND-Ersatzdroge, so lange der König höchstselbst nicht wieder auf die Füße kommt. Die Jungs versuchen daher auch gar nicht erst, ihre Vorbilder zu verheimlichen und liefern exakt das ab, was Fans der Originale haben wollen. Zwar sind die Spitzen beim neuen Sänger Per Karlsson nicht ganz so hoch wie beim Original, aber das wird so manchen Hörer eher freuen als stören. Der Autor gehört sicher in diese Gruppe. Dass man hier und da schon beinahe dreist bei "Melissa" klaut, mag zwar frech sein, aber ist auch konsequent. Die Riffs, die komplexen Songstrukturen, das alles ist mehr als nur an MERCYFUL FATE angelehnt. Aber das macht so lange nix wie man Songs wie den griffigen Opener 'Beast Of Fire', das treibende 'Bloodbath' oder das epische 'Der Todesking' im Köcher hat. Ein Klon. Aber ein sehr guter.

Note: 8,0/10
[Peter Kubaschk]



PORTRAIT kehren mit ihrem lange angekündigten Album zweiten Album zurück und können dieses Werk gleich noch über das Major-Label Metal Blade der Öffentlichkeit präsentieren. Im Vorfeld stand bei mir eine wenig Skepsis im Raum. Passt die Stimme des seit einiger Zeit in den Reihen der Schweden am Mikro agierenden Per Karlsson (früher bei OVERDRIVE) zum Sound der Band, oder sind die PORTRAIT nun in der Version 2.0 angetreten? Nun: Die Band hat mit Per Karlsson, der eindeutig stimmgewaltiger und vielseitiger als der zweitklassige King-Diamond-Kopist Phillip Svennefelt (ex-Sänger) klingt, eine gute Wahl getroffen. Karlsson shoutet kraftvoller, Powermetal-orientierter in seiner Stimmfarbe und dennoch erreicht er die Höhen des Diamantenkönigs bei Songs vom Kaliber 'Darkness Forever' oder dem grandios gesungenen 'The Nightcomers'. Knackige Riffs und Tempo bestimmen Kracher vom Schlage 'Bloodbath' während das letzte Stück 'Der Todesking' vielschichtiger denn je klingt und gitarrentechnisch feinsinniger ausgearbeitet wurde als fast alles, was PORTRAIT zuvor eintüteten. Alle Stücke der Scheibe sind auch mindestens gutklassigem, oft sogar sehr gutem Niveau. Ich stelle mir selbst die Frage, weshalb ich vor knapp über zwei Wochen so knauserig bei der Bewertung dieses starken Zweitwerks im Mai-Soundchecks war. Nein, hier will ich Manns genug sein und mich revidieren. "Crimen Laesae Majestatis Divinae" ist in jeder Hinsicht stärker als das Debüt der Schweden. Tolles Songwriting, ein starker Sänger und eine verbesserte Produktion machen diese Scheibe zu einer Pflichtübung für Traditionalisten. Daher achteinhalb Punkte und ein anerkennend auf die imaginäre Schulter klopfendes "Well done, guys"!

Note: 8,5/10
[Martin Loga]

Die Schweden sind eindeutig meine Überraschung des Monats, denn dem im Untergrund hoch gelobten Vorgänger konnte und kann ich nur wenig abgewinnen, was auch und vor allem an dem doch ziemlich scheußlich-schrägen Sänger lag. Aber an dieser Front haben PORTRAIT extrem zugelegt und quasi einen Quantensprung gemacht. Karlsson ist nämlich ganz phan-tas-tisch! Dazu die virtuose Gitarrenarbeit, altmodisch nach vorne preschende Lieder und ein nicht angelehnter, nicht imitierter sondern absolut frech geklauter Sound und Stil. Aber, wie heißt es so schön: Lieber gut geklaut, als schlecht selbst gemacht. Und das trifft hier absolut zu, ich bin versucht, meine selbst gemachte "Best Of MERCYFUL FATE" einfach um 'Beast Of Fire', 'Der Todesking' und 'Infinite Descension' zu erweitern. Merkt kaum jemand. Aber die 10, die eine "Melissa" von mir heute bekommen würde, kann ich in Anbetracht dessen natürlich nicht zücken, und nach Abzug eines Unoriginalitätspunktes und eine halben Zählers, weil der Fluss des Albums durch ein Instrumental gestört wird, bleibt eine große Kaufempfehlung.

Note: 8,5/10
[Frank Jaeger]

Redakteur:
Peter Kubaschk

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