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Gruppentherapie: KEEP OF KALESSIN - "Epistemology"

23.02.2015 | 22:37

Über astrein geschrubbte Harmonik, Philosophie und Insektenkunde berichtet die Gruppentherapie zum Soundcheck-Zweiten im Februar.

Fazit vorweg: "Epistemology" ist eine richtig gute, spannende Scheibe. Ich mag Geballer im Black Metal grundsätzlich gerne und insbesondere dann sehr, wenn entweder die Haubitze kompromisslos von der ersten bis zur letzte Sekunde zur Sache durchfeuert oder wenn eher moderne Klänge mit eingebunden werden. Im Falle der neuen Platte KEEP OF KALESSINs haben wir es mit letzterem Fall zu tun, bei dem gleich der Opener mit seinem Facettenreichtum nur so um sich wirft: Blast-Beats, klarer Gesang (I.C.S. Vortex lässt grüßen), Mid-Tempo, orchestrale Klänge, geschobene Harmonien, melodiöse Gitarrenleads - hier ist für jeden etwas dabei. Entsprechend ausladend ist auch das Arrangement, wobei sich dies mit einem Song wie 'Dark Divinity', der recht geradlinig nach vorne prescht, auch weitestgehend wieder relativiert. Was sich auf "Epistemology", im Übrigen meinem Erstkontakt mit dieser feinen norwegischen Kapelle, wie ein roter Faden durch das Werk zieht und die Platte von anderen Bands abhebt, ist eine sehr eigenständige, astrein-geschrubbte Harmonik, die nicht der alten norwegischen Schule entspringt und dennoch etwas sehr ursprüngliches in sich birgt: Schräg, interessant und doch nachvollziehbar. Was also fehlt bei all diesem Lob zum ganz großen Wurf? Meiner Meinung nach sind die Songs alle sehr "groß", d.h. vor allem zeitlich lang, angelegt und es gelingt KEEP OF KALESSIN dabei nur bedingt, diese Spannungsbögen zu einem runden Ende zu führen. Knackiger wäre hier vielleicht mehr gewesen - andererseits wäre uns dann ein Song wie 'The Grand Design' (der Name ist Programm) durch die Putzlappen gegangen. Ein verdienter zweiter Platz in unserem Februar-Soundcheck und für mich ein Einlass, mich mit der Diskographie der Band zu befassen!

Note: 8,0/10
[Oliver Paßgang]




"Kollosus", das zweite Album von KEEP OF KALESSIN, gehört zu meinen Alltime Favorites. Zu "Reptilian" habe ich trotz des ESC-Songs 'The Dragontower' bisher noch nicht den Zugang gefunden, das hat sich mit "Epistemology" wieder rasant geändert, hier hat es spätestens beim dritten Mal sofort gefunkt. Ich gebe Oliver Recht, dass die Songs teils sehr ausladend komponiert sind, doch KEEP OF KALESSIN weiß genau, wie lange ein Part oder ein Song erklingen darf, bevor Ungeduld aufkommt. Der Opener 'Spiritual Relief' ist mit einem großartigem, mächtigem Refrain gesegnet, den ich seit Tagen nicht mehr aus den Ohren bekomme. Dazu gesellt sich der typische Blast Beat-Overkill, herrlich! Sowieso trommelt sich Vyl die Finger wund, das ist richtig leckeres High Speed-Gemetzel ('Universal Core'!) und das, ohne monoton zu werden. Da tragen definitiv auch die sehr individuellen Riffs von Obsidian C. bei. Einzige Entspannung für Musiker und Hörer ist das stampfende 'Necropolis'. Auch fällt auf, dass mehr gesungen wird als zuvor, eine Entwicklung, die ich begrüße. Hier wird Extreme Metal im Breitwandformat geboten, besser geht es kaum!

Note: 8,5/10
[Jakob Ehmke]

Norwegisch, schwarzmetallisch, melodiös, bombastisch, ausladend komponiert: eigentlich müsste ich das mögen, lieben. Aber es gibt auf “Epistemology” doch so ein paar Dinge, an die ich mich zumindest während des Soundcheck-Zeitfensters nicht wirklich gewöhnen kann. Das Album wirkt auf mich zeitweise ganz seltsam flatterig, als wäre man in einem Raum voller Motten eingesperrt, die panisch umher schwirren, wenn man das Licht anmacht. Oder wie ein Bienenschwarm, wenn die Königin in Gefahr ist. Beispiel für so eine flirrige Passage ist der Anfang von ‘Dark Divinity’. Schuld daran ist zum Großteil das von Jakob so gelobte Schlagzeug und die ständigen Blast-Beats, von denen das Album in der Tat voll ist. Ich mochte das noch nie. Das raubt mir auch die Konzentration auf die ganzen coolen Riffs, feinen Soli und die choralen Arrangements. Diese wirken auf mich allerdings immer stark verschwaschen und verschwommen, wie zähflüssiger Honig, den der nervöse Bienenschwarm in aller Eile noch produziert hat. Bei ‘The Grand Design’ wird mir dann wieder total kribbelig ob der sich durch den gesamten Song ziehenden "Hummelflug"-Riffs. Herrje, mich juckt's schon wieder.
Klar ist KEEP OF KALESSIN (“Epistemology” ist mein Erstkontakt) eine spannende und interessante Band und damit den meisten Vertretern des Februar-Soundcheck um einiges voraus. Dennoch überlasse ich diesen Insect Metal auf “Epistemilogy” gerne den Entomologen unserer Redaktion, hihi…

Note: 6,5/10
[Thomas Becker]





Hier geht es dem Albumtitel nach zu urteilen, um "große" philosophische Fragen (Epistemologie = Erkenntnistheorie) und dem (sonst so) geschätzten Kollegen Becker flirren Gedanken an Motten, Bienen und Hummeln durch den Kopf. Vielleicht hat er ja zu viel auf das Cover gestarrt, auf dem man mit etwas Phantasie durchaus Geschwirre und Gefleuch erkennen kann. Im Ernst, ein wenig "mächtiger" als Insekten-Geflatter ist der episch-schwarze Extreme Metal der Norweger dann doch. Vor allem klopft man sich nicht nur stupide durch die reichlichen 50 Minuten Lauflänge, sondern agiert wunderbar vielseitig. Sowohl die rohe schwarzmetallische Raserei ('Dark Divinity', 'Universal Core') als auch der untergemischte monumentale Epic Metal ('The Spiritual Relief', 'The Grand Design') haben ihren Charme - nur wenn sich die Band nicht so richtig zwischen den Extremen entscheiden kann (wie zu Beginn des fast schon thrashigen 'Necropolis', das aber in der zweiten Hälfte noch gehörig in Fahrt kommt) fehlt das Begeisternde. Okay, den Black-Metal-Parts (insbesondere im Drum-Bereich) fehlt ein bisschen klangliches Volumen - das ist ein sicherlich unnötiger Makel. Aber mit geschickt eingesetzten Melodiebögen und der majestätischen Epik, die sich nie plakativ zu Lasten der recht ordentlichen Grundhärte aufdrängt, kriegt mich die Band dann doch. Wo mir Norweger-Black-Metal in der musikalischen Bandbreite oft etwas zu limitiert ist, präsentiert sich KEEP OF KALESSIN stilistisch angenehm offen, wie zum Schluss auch nochmal das Gitarrenfeuerwerk des Titeltracks beweist. Die Scheibe werde ich sicher noch häufiger hören.

Note: 9,0/10

[Stephan Voigtländer]

Ich muss gestehen, dass ich von KEEP OF KALESSIN bisher absolut nichts gehört habe. Zwar ist mir der Bandname schon lange ein Begriff, doch habe ich es nie geschafft mich mit der Band zu befassen. Die Veröffentlichung vom neuen Werk "Epistemology" ist für mich somit eine gute Gelegenheit die norwegischen Black Metaller endlich näher kennenzulernen. Nach dem ersten Durchlauf ist meine sofortige Assoziation, dass das Album wie eine Keyboard- und Orchester-arme Version von DIMMU BORGIRS "Death Cult Armageddon" klingt. Die sehr melodischen und dennoch schwarzen Riffs könnte man so auch bei den Musikern von der dunklen Burg hören. Jedoch benutzt KEEP OF KALESSIN wesentlich mehr klaren Gesang. Eben jener stört mich bei den sonst eigentlich guten Songs. Primär mag ich die klare Stimmfarbe von Gitarrist und den zum ersten Mal auf einem Album auch als Sänger tätigen Arnt Grønbech nicht besonders. Erschwerend kommt hinzu, dass mir das Gesinge an manchen Stellen zu prominent ist. Ich hätte mir insgesamt mehr Schwärze und etwas weniger Epik gewünscht. Auch nach mehreren Hördurchgängen bleibt dieser Eindruck bestehen, allerdings gewöhne ich mich an den klaren Gesang und empfinde ihn nicht mehr als all zu störend. Unter dem Strich bleiben acht Songs, die im Grunde ordentlich bis gut sind, mich dennoch eher unter- als überwältigen.

Note: 7/10
[Sebastian Berning]

Redakteur:
Thomas Becker

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