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Gruppentherapie: HAMMERS OF MISFORTUNE - "Dead Revolution"

15.08.2016 | 17:42

Warum ist diese Band nicht erfolgreich?

Kollege Raphael hat in seinem Review die Frage aufgeworfen, warum HAMMERS OF MISFORTUNE keinen Erfolg hat. Zumindest keinen kommerziellen, denn Kritiker-Liebling war die Band schon immer. Und auch "Dead Revolution" erklimmt den Thron unseres Juli-Soundchecks. Ob es also am Namen liegt? Diese und noch ein paar andere Fragen beschäftigen uns in diesem therapeutischen Meinungsaustausch.

Eigentlich hat mein Kollege Raphael in seiner Rezension schon den Nagel auf den Kopf getroffen, denn die Amerikaner HAMMERS OF MISFORTUNE sind wirklich eine der Bands, die nie den Bekanntheitsgrad erreichen werden, der ihnen von der musikalischen Qualität her zustehen würde. Dafür sitzt die Truppe um Mastermind John Cobbett einfach zu sehr zwischen den Stühlen, woran sich auch mit dem neuesten Opus "Dead Revolution" nichts ändern wird. Auch hier gibt es nämlich wieder diese unwiderstehliche Mischung aus progressiven Klängen und klassischem Heavy Metal zu bestaunen, die das Sextett schon seit Jahren zu einer der interessantesten Bands der Szene macht. Egal ob bei 'The Velvet Inquisition', 'Sea Of Heroes' oder dem überragenden 'The Precipice (Waiting For The Crash ...)', die neue Platte groovt und rockt mit einer solchen Authentizität, dass sich so manche True-Metal-Kapelle da locker noch einmal eine ordentliche Scheibe abschneiden kann. Gleichzeitig überzeugen die Tracks aber auch mit ausgeklügeltem und überraschendem Songwriting, womit hier eine perfekte Mélange aus PINK FLOYD, PENTAGRAM und GRAND MAGUS entsteht. Eine durchaus kuriose Mischung, die sicher nicht jedem gefallen wird und die damit wohl auch weiterhin dem großen kommerziellen Erfolg im Weg stehen wird. Wer sich aber mit den sehr gegensätzlichen Polen der Amerikaner anfreunden kann, der wird mit einer sensationellen Platte belohnt, die sich vollkommen zu recht die Pole Position in unserem Soundcheck gesichert hat. Da wiederhole ich an dieser Stelle gerne auch noch einmal den Aufruf von Herrn Päbst: Ab in den Laden und sichert euch diese Scheibe, damit sich die Klasse dieser tollen Band auch einmal in den Verkaufszahlen ihrer Langspieler widerspiegelt!

Note: 9,0/10

[Tobias Dahs]

So ganz kann ich den Argumenten nicht folgen, die mir erklären sollen, warum HAMMERS OF MISFORTUNE keinen hohen Bekanntheitsgrad hat. Da gehört doch neben musikalischer Qualität noch so viel mehr dazu, und will man langfristig und nachhaltig als Musiker überleben, muss man dafür nicht nur sein letztes Hemd geben, sondern auch Kompromisse machen, und selbst dann reicht es für die allermeisten nicht. Nur, rein musikalisch fallen mir weitaus schrulligere Truppen ein, die Erfolg haben, RADIOHEAD zum Beispiel. Oder RUNNING WILD.
Wie dem auch sei, "authentisch rocken" - das schreiben sie sich derzeit alle schön dick auf die Fahne, das hilft sicher, ein paar Platten mehr zu verkaufen, und da ich die HAMMERS sehr mag, lese ich doch gerne, dass die Jungs im Authentizitäts-Schniedel-Vergleich gleich mehrere True-Metal-Kapellen abhängen könnten. Nur die BLUES PILLS, everybody's darling, das Ehrlichste seit Erfindung des Lügendetektors, die sind noch nicht in Reichweite. Die verkaufen aber auch mehr Platten.
So, jetzt mach ich mal ein ernstes Gesicht, und frage mich ehrlich ehrlich, ob die HAMMERS nicht Erfolg haben könnten? Man muss sie nur gescheit promoten, denn das ist doch erstklassige Musik, hat den nötigen Retro-Appeal, der heute immer noch mehr und mehr Leute anzieht, dazu jede Menge Spielwitz und sogar die hochgelobte Komponente Innovation kommt hier mit ins Spiel. Meine anti-authentischen Ohren hören zudem wie schon seit Jahren diesen latenten PROCOL-HARUM-Touch, der für mich die Musik nochmal besonders anziehend macht. Und die PROCOLs - meine allererste Lieblingsband ever - sind tatsächlich mal echt alt und in ihrem Altern echt. Und sie hatten Erfolg.

Note: 8,0/10
[Thomas Becker]

Die Amis von HAMMERS OF MISFORTUNE sind wieder da - und finden nach ein paar eher durchwachsenen Werken mit "Dead Revolution" zurück in die Erfolgsspur. Nach "The Locust Years" blieb eigentlich nichts wirklich prägend in meinen Ohren hängen, so dass ich mich schon mit den artverwandten SLOUGH FEG zufrieden geben wollten, aber "Dead Revolution" ist definitiv ein Schritt in die richtige Richtung. Wie ist das gelungen? Aus meiner Sicht besinnt sich die Band auf ihre Stärken und spielt wieder schrulligen Metal mit deutlicher 70er Hard-Rock-Schlagseite. Damit verabschieden sie sich wieder ein wenig vom ruhigeren Prog Rock und erinnern wieder stärker an die großartigen SLOUGH FEG. Dazu gebe man eine Mischung aus DEEP PURPLE, URIAH HEEP, GENESIS, MANILLA ROAD und IRON MAIDEN, und heraus kommt eine der eigenständigsten Bands im Metal-Universum.
Zum ganz großen Wurf reicht es aber auch 2016 nicht. Zwar ist die Band fraglos formverbessert, aber die ganz großen Hits sind nicht dabei. Klar fasziniert ein Song wie das sehr orgel-lastige, mehrstimmig eingesungene 'Sea Of Heroes', aber zumindest bisher habe ich nicht das Gefühl, dass es an die frühen Großtaten heranreicht. Das ist aber auch kein Drama - keine Band veröffentlicht quasi nur Klassiker. Eine gute Scheibe ist auch in Ordnung. Und damit haben wir es hier aus meiner Sicht zu tun. Für alle, denen die normale Metal-Szene zu austauschbar ist, die aber die Pfade der Tradition auch nicht verlassen wollen, ist die Band Pflicht. Als Einstieg würde ich aber weiter die ersten drei Alben empfehlen.

Note: 8,0/10

[Jonathan Walzer]

Ich muss hier leider etwas den Spielverderber geben. Aber wirklich nur so ein bisschen, denn eigentlich mag ich die HAMMERS OF MISFORTUNE ja gern. Wirklich. Deshalb gefällt mir auch "Dead Revolution" im Grunde, ist ja nichts großartig anders als zuvor. Das eigenartig Eigenbrötlerische steht immer noch im vollen Glanz und ist damit ein Garant für ein spannendes Hörerlebnis. Und trotzdem bin ich ein wenig enttäuscht. Fünf Jahre sind seit dem tollen, aber nicht überragenden "17th Street" vergangen und irgendwie habe ich da schon ein bisschen mehr erwartet. Erschreckenderweise klingt es zwischenzeitlich beinahe so, als sei die bunte Truppe aus San Francisco müde! Allen voran Sänger Joe Hutton säuselt und seufzt teils mehr, als dass er singt. Klar, ist auch irgendwo ein Alleinstellungsmerkmal, aber nicht nur im Titelsong geht es für den guten Mann hörbar ans Limit. Wirklich schlimm wird es bei 'Sea Of Heroes', das so lustlos wirkt, dass mir wirklich der ganze Spaß vergeht. Mal ganz davon abgesehen, dass der Song auch rein instrumental eher niederschlagend langweilig daher kommt. Zum Glück gibt es aber ja noch eine ganze Menge andere Stücke, die deutlich überzeugender sind. Das famose 'The Precipice' ist da nur ein Beispiel. Von alten Glanztaten ist man aber weit entfernt. Und so könnte es am Ende vielleicht doch ganz einfach sein und die nicht uneingeschränkte musikalische Qualität ist (neben Faktoren wie dem unsteten Output und dem Fehlen richtiger Tourneen) ein Grund für den ausbleibenden Erfolg.

Note:7,0/10
[Marius Lühring]

Redakteur:
Thomas Becker

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