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Gruppentherapie: BRAINSTORM - "Firesoul"

09.04.2014 | 00:43

Rang 2 im März-Soundcheck und damit hat man im innerdeutschen Vergleich der alten Power-Metal-Recken GAMMA RAY deutlich auf die Plätze verwiesen. Was also ist dran an "Firesoul", das in unserer Gruppentherapie zu 5/6 Lobeshymnen und volle Zustimmung einfährt und auch innerhalb der eigenen Discographie explizit hervorgehoben wird?

Machen wir es kurz und knackig: BRAINSTORM präsentiert sich auf "Firesoul" in Bestform. Und was bedeutet "BRAINSTORM in Bestform"? Ein Sound, der dich an die Wand drückt und wohlige Gefühle in der Magengegend verursacht. Ein Sänger, der wie einer der Giganten im Metalzirkus agiert: kraftvoll, druckvoll und stilvoll. Und an erster Stelle hymnische Songs; Stücke, die das Wohnzimmer in eine Festivalfläche verwandeln, mit Refrains, die man lauthals in den Himmel brüllen möchte. Egal, ob beim symphonischen Opener 'Erased By The Dark', dem kraftprotzigen Titeltrack oder der abschließenden Melodienbombe '...And I Wonder', hier möchte man wieder im Staub kriechen, mit 'ner Pulle Bier in der Hand die Fäuste recken und das Leben genießen. Es gibt kaum Geileres in der Metalwelt als BRAINSTORM-Konzerte, bei denen tausende Stimmen um dich herum die Chöre anstimmen. Jetzt garantiert auch mit "Firesoul"-Songs im Programm.

Note: 8,5/10
[Thomas Becker]

Irgendwie erinnert mich BRAINSTORMs "Firesoul" immer wieder an eine Mischung aus ICED EARTH zur Owens-Ära und SABATON. Beides finde ich jetzt nur bedingt toll. Es sind schon ein paar amtliche Riffs ('Descendants Of The Fire', 'What Grows Inside', 'The Chosen') und große Refrains wie beispielsweise im Titeltrack zu hören. Ja, BRAINSTORM möchte annno 2014 offenbar auf imposanten Refrains aufbauen, das misslingt aber größtenteils ganz gewaltig, da nicht daran gedacht wurde, dass ein Song auch einen anderen Höhepunkt haben kann und ein Chorus nicht dem anderen gleichen muss. Im Soundcheck-Kommentar habe ich u.a. was von "ausgenudelt" geschrieben und das trifft es auch nach relativ längerer Hörpause ziemlich genau. Nein, eine Band muss für mich das Rad nicht neu erfinden, um eine gute Note einzuheimsen, GAMMA RAY macht das ja beispielsweise in diesem Monat auch nicht und schneidet bei mir trotzdem besser ab. Aber die Melodien BRAINSTORMs faszinieren mich hier nicht, konkret: Sie langweilen, dümpeln uninspiriert durch die für meinen Gusto viel zu lange Scheibe. Das Songwriting überrascht kaum oder zumindest interessiert mich wenig bis gar nicht. Was BRAINSTORM mir auf "Firesoul" erzählen möchte, habe ich nach spätestens zwei Spins verstanden und abgehakt. Auch habe ich den Eindruck, dass manche (zu hohe) Tonlagen Sänger Andy B. Franck ehrlich gesagt nicht stehen. 'Recall The Real' nervt dann galore: Soll das episch, erhaben oder tiefgründig sein? Das ist echt lächerlich, sorry. 'Feed Me Lies' strapaziert weiter die Nerven. Auch harmonisch ist das Album sehr flach, alle zehn Tracks funktionieren nach gleichem Muster. Die süddeutschen gehen auf Nummer sicher und schreiben mit "Firesoul" ein Album, das zwar handwerklich (bis auf besagte Abzüge im Gesang) ordentlich, aber so spannend und unterhaltsam wie das abendliche Fernsehprogramm ist. '...And I Wonder' stimmt dann immerhin wieder etwas gefälliger. Dennoch: Mit sechs Punkten war ich in der Benotung noch sehr, sehr freundlich.

Note: 6,0/10
[Jakob Ehmke]

Ich glaube, es schlägt 13! Wenn man das aktuelle Album der deutschen Power-Metal-Helden BRAINSTORM als rückständig, uninspiriert und wenig überraschend beschreibt, geschenkt! Jedem seine Meinung. Aber dem meinen Ohren nach besten deutschen Metalsänger auch nur ein My seiner Großartigkeit abzusprechen, klingt für mich nach spontanem Hörsturz, mein lieber Jakob. Allen Fans der schwäbischen Großmeister sei hier klipp und klar gesagt: Andy B. Franck singt fantastisch wie schon während seiner gesamten Karriere (neben BRAINSTORM sei hier allen Lesern auch das etwas progressivere - und inzwischen leider aufgelöste - Pendant SYMPHORCE ans Herz gelegt). Ihr merkt sicherlich schon, mit wie viel Herzblut ich hier dabei bin, deshalb kurz zur Erläuterung: Ich liebe diese Band seitdem ich vor circa zehn Jahren einen fatalen Blindkauf namens "Ambiguity" tätigte. Die Alben der Band rotieren seither ständig. Auf "Firesoul" gelingt dem Fünfer nun ein famoser Rückgriff auf seine beste Bandphase Anfang des neuen Jahrtausends. Einige der zehn neuen Songs könnten tatsächlich auf "Soul Temptation", dem meiner Meinung nach besten Album der Band stehen. Die direkten, harten und kraftvollen Riffs, die auf den letzten beiden Werken etwas fehlten, sind nämlich wieder da. Ebenso vorhanden sind hymnische, zum Faustrecken animierende, dramatische Refrains und komplett klischeefreie Texte. Tatsächlich finde ich jeden einzelnen Song auf "Firesoul" grandios und gäbe es da nicht "Soul Temptation" und die oft zu Unrecht vergessene "Ambiguity", ich würde die Höchstnote zücken. Für die endgültige Befriedigung fehlt jetzt eigentlich nur noch eine anständige Tour. Ich warte.

Note: 9,5/10
[Marius Lühring]

Zugegeben, die Auflösung von SYMPHORCE fand ich äußerst schade, doch das Endprodukt seiner anderen Kapelle entschädigt für Vieles. So bündelt "Firesoul" sämtliche Stärken, für die Frontmann Franck und seine Mannen von BRAINSTORM bis dato standen: Heftige Gitarrenläufe, ein ordentliches Tempo und Ohrwürmer in Hülle und Fülle. Das Album ist Power Metal in Reinkultur, deutscher Kraftstahl, wie er eben anno 2014 zu klingen hat. Keine unnötigen Schnörkel, eine druckvolle Produktion und die Energie machen auf "Firesoul" den Unterschied aus. BRAINSTORM hat sich in den letzten Jahren stets als absolute Bank im Bereich der härteren Gitarrenkultur etabliert, sodass sich, und das hat mein Kollege Martin im Review gut erkannt, auf "Firesoul" beinahe ausschließlich Killer versammeln. Einzelne Songs herauszupicken ist sinnlos, da die Qualität fast kontinuierlich an der 9-Punkte-Marke kratzt, obgleich neun oder zehn Stücke auch ausgereicht hätten. Dennoch weiß BRAINSTORM eben, wie der Hase läuft. Es tut gut, verlässliche Größen zu haben.

Note: 8,5/10
[Marcel Rapp]

BRAINSTORM spielt Power Metal, egal, nach welcher Definition man es sieht. Die Schwaben hatten schon immer einen Sound, der wie die Faust auf's Auge zu der Genrebezeichnung passt. Das unterstrichen lange Zeit auch die Produktionen, die ordentlich knallten und den straighten, rifflastigen Metal mit mächtigen Refrains deutlich heftiger aus den Boxen drückten, als bei der nationalen Konkurrenz. Als dann mit "Downburst" ein Produzentenwechsel zum damals angesagten, orchestraleren und weicheren Wolfsburg-Sound mit deutlich schwächerem Songwriting einherging, bewegte sich die Band, dem Albumtitel entsprechend, steil bergab. Erst mit "Firesoul" hat sich BRAINSTORM in meinen Ohren von diesem tiefen Fall endgültig erholt und wieder auf das Niveau der Bandklassiker "Metus Mortis", "Soul Temptation" und "Liquid Monster" zurückgekämpft. Dass der Aufstieg auch mit einer Rückkehr zum alten Produzenten Achim Köhler einhergeht, ist da nur folgerichtig. Machen wir es also kurz: Die Gitarren krachen endlich wieder richtig, die Songs folgen dem bewährten Muster aus straighten Strophen und pathetischen, stadiontauglichen Refrains; vorgetragen von einem der eigenständigsten und besten deutschen Sänger, hier und da angereichert mit ein paar Keyboards, die aber nie auf Kosten der Grundhärte gehen. Da lässt mich die Freude über die Rückkehr auch über den einen oder anderen nur guten, Song hinwegsehen und Kracher wie 'Entering Solitude' oder '...And I Wonder' schreibt so einfach niemand außer BRAINSTORM.

Note: 8,5/10
[Raphael Päbst]

Kennt ihr das? Schon eine ganze Weile ist euch ein Name durchaus bekannt und ihr wisst auch, dass ihr eigentlich voll zur Zielgruppe der Band gehört, aber bislang habt ihr es verpasst euch mit ihrem Schaffen auseinanderzusetzen? Natürlich kennt ihr das. Genau so erging es mir bis vor kurzem mit BRAINSTORM und was hab ich da bislang Großartiges verpasst! Den lobenden Worten meiner Vorrezensenten kann ich mich deshalb nur anschließen: "Firesoul" glänzt mit einem wuchtigen, aber angenehm lebendigen Sound, Sänger Andy B. Franck holt mit seinem melodischen, aber kraftvollen Organ in den seltenen Fällen, wenn eine Melodie mal nur gut und nicht herausragend ist, die Kastanien verlässlich aus dem Feuer und hievt die Wackelkandidaten wieder auf Hymnen-Niveau. Das ist aber glücklicherweise nur selten der Fall, denn mit 'Erased By The Dark', 'Descendants Of The Fire', 'Entering Solitude', 'Feed Me Lies' und dem Titelsong (um nur einige der stärksten Ohrwürmer zu nennen) hat man genug Material am Start, das bereits aus sich selbst heraus Hitqualitäten aufweist. Neben memorablen Melodien und zahlreichen Refrains mit starkem Faustfaktor regiert erfreulicherweise die Riffgewalt, sodass sich schlussendlich drei wichtige Erkenntnisse für mich herauskristallisieren:
1. "Firesoul" ist ein wunderbares Album.
2. Ich will BRAINSTORM live sehen, aber fix.
3. Vorher habe ich wohl einige Alben nachzukaufen.

Note: 9,0/10
[Arne Boewig]


Mehr zu diesem Artikel:
Soundcheck 03/2014
Review von Martin van der Laan

Redakteur:
Stephan Voigtländer

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