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Gruppentherapie: BLOODBATH - "Grand Morbid Funeral"

21.12.2014 | 03:10

Gruppentherapie des lang erwarteten Death-Metal-Infernos.

Mit BLOODBATH kehrt eine Band zurück, die in den 1990er Jahren als Spass-Projekt damals eher unbekannter Musiker gegründet wurde, um ihrer Leidenschaft für frühe schwedische Hassbrocken der ENTOMBED-Richtung freien Lauf zu lassen. Einige Jahre später waren aus den unbekannten Musikern die Köpfe von Bands wie KATATONIA, OPETH und heute auch PARADISE LOST geworden. Es versteht sich bei so viel Prominenz von selbst, dass wir hier ausgiebig nachhören mussten. Ring frei!

Sogenannte "Supergroups", wie BLOODBATH eine ist, schreiben meistens Songs, denen man die Handschrift jedes einzelnen Musikers anhört. Nicht so bei BLOODBATH. Hier habe ich nicht den Eindruck, dass sich fünf Leute zusammen getan haben und alles daran versuchen trotz unterschiedlicher musikalischer Herkunft ein möglich homogenes Ergebnis abzuliefern. Hier spielt eine Band, eine Einheit, die einen ganz eigenen, unverkennbaren Sound hat. Anfangs tat ich mich etwas schwer mit Nick Holmes, aber ich muss attestieren, dass es wohl keinen besseren Sänger für "Grand Morbid Funeral" geben kann. Sein raues Organ verleiht der Musik die nötige Würze und transportiert die Stimmung perfekt. "Grand Morbid Funeral" zelebriert Death Metal auf spieltechnisch- und atmosphärisch hohem Niveau, wie kaum ein anderes Todesblei-Album diesen Jahres. Der rohe und doch druckvolle Klang rundet den Hörspaß endgültig ab. Die Todesparty des Jahres!

Note: 8.0/10
[Jakob Ehmke]

Nee, Leute, das wird leider doch nichts mehr mit mir und dieser Gruppentherapie. Death Metal ist eben nicht mein Zuhause, jedenfalls nicht, wenn er jünger als zwanzig Jahre alt ist oder nicht zumindest starke Anleihen am Oldschool Death nimmt, oder nicht wenigstens die progressive Schiene fährt. Tagelang habe ich es versucht. Nick Holmes war der Grund. Mir war klar, es würde dauern, bis sich aus dem allgemeinen Rauschen wiedererkennbare Passagen herausschälen würden, Lieblingssongs vielleicht sogar irgendwann. Aber eine Woche ist hierfür offenbar viel zu kurz. Knappes Fazit: Erkennbare Passagen ja, berührende Songs nein. Diese Klangmauern lassen mich weitgehend kalt, was daran mein Metal ist bzw. sein könnte, klingt merkwürdig schablonen- bis geistherhaft, tote, fast schon sterile Schemen, die vorüberhuschen und sich in nichts auflösen, oder zumindest in nichts Besonderes. Oder in hier und da mal ein wenig leicht psychotisch aufkreischendes Flitzefingersolo. Das ist soweit nette Hintergrundbeschallung zum nebenbei Zocken am PC, aber keine Musik zum abgedunkelten Lauschen. Ja, damit tue ich der Musik sicherlich unrecht. Aber ich mag nicht mehr. Ich brauche mehr gefährliches Chaos und böses Grunzen, oder lieber noch wildes Keifen in "meinem" Death Metal; das hier gebotene Präzisionsgeschrote mit Röchelorgan und generischem Nebelwandgeschwofe dazwischen hingegen ist einfach nicht meins. Ich kapituliere davor, ziehe mich ins Banauseneckchen zurück, und höre da lieber wieder etwas ATHEIST, BORGIA, CATARRHAL, DEATH - ...weil mein Death-Metal-ABC leider kaum weiter reicht. BLOODBATH kann daran zumindest mit "Grand Morbid Funeral" auch nichts ändern.

Note: 4.0/10
[Eike Schmitz]

Vermutlich ist meine schwere Kindheit schuld daran, dass ich gar nicht anders kann als dieses Album zu lieben. Ein zweites musikalisches Erweckungserlebnis war für mich Anfang der 1990er die erste Begegnung mit den Debüt-Werken von ENTOMBED, GRAVE, DISMEMBER und UNLEASHED. Genau dieses unvergleichliche Feeling verströmt "Grand Morbid Funeral" mit jeder Note. Auch wenn ich mit Death-Metal in den vielen Jahren nach dem ersten Begeisterungsschub nicht mehr sonderlich viel am Hut hatte, fixt mich dieses ganz große Kaliber gleich wieder so richtig an. Mit strahlenden Augen höre ich wieder dieses herrlich knurrende, alles niedermähende Gitarren-Massaker, immer auf die 12 aber mit ganz feinen Harmonien. Das bedrohlich herausgepresste Geröhre von Nick Holmes passt ganz hervorragend zu diesem Sound. Der ungebändigten Energie und Frische dieses Albums entnehme ich, dass die All-Star-Riege eine Menge Spaß beim Eintrümmern dieses Hammerteils gehabt haben muss. Und die Freude ist verdammt ansteckend. Das liegt vor allem daran, dass es den Blutbadenden gelungen ist so gigantische Hymnen wie 'Let The Stillborn Come To Me' (Hellyeah!!), 'Mental Abortion' und 'My Torturer' zu komponieren. Mit dieser fett rockenden und groovenden, brettharten Sverige-Todesblei-Granate ist BLOODBATH das beste und unterhaltsamste Death-Metal-Album des Jahres 2014 gelungen. Das übertrifft höchstens noch ein Klassiker wie "Left Hand Path" - und genau den höre ich jetzt als Nächstes!

Note: 9,0/10
[Martin van der Laan]

Selbst für mich war es eine faustdicke Überraschung, als BLOODBATH im September diesen Jahres Nick Holmes ins eigene Boot holte. Ich hatte mit dem schwedischen Blutbad in der Vergangenheit zwar wirklich viel am Hut, was wohl hauptsächlich an OPETH's Mikael lag, doch der PARADISE LOST-Fronter war einer der Hauptgründe, "Grand Morbid Funeral" eine Chance zu geben. Und siehe da, der Versuch hat sich bezahlt gemacht. So kredenzen die Jungs ein hübsches Stück Tod, oder, anders ausgedrückt, verschmelzen eine pechschwarze Aura mit einer heftig deftigen Prise Donnergeröll und einer morbiden Grundstimmung, sodass selbst Zombies aus den Latschen fallen. "Grand Morbid Funeral" macht mit all seiner Schwere und Stücken wie 'Beyond Cremation', 'Total Death Exhumed', 'His Infernal Necropsy' oder dem teuflisch guten 'Unite In Pain' seinem Namen alle Ehre und dürfte für Genre-Fans in den letzten Atemzügen des diesjährigen Schaffens wohl die beste Kost sein, die in den vergangenen Monaten eintrudelte. Ein tolles, in sich stimmiges Album mit tollen Songs, einem tollen Sänger und einem tollen...ehm...tödlichen Augenzwinkern.

Note: 8/10
[Marcel Rapp]

Puh, ist das langweilig hier. Ne neue BLOODBATH und plötzlich ist sich die traditionell geprägte Belegschaft beinahe einig darin, diesen Death-Metal-Dampfhammer abzufeiern. Ist die Platte also zu glatt für extremen Metal? Nicht verstörend genug, um die zartbesaiteten Redakteure aus der Reserve zu locken? Nun, wir bewegen uns trotz allerlei Änderungen im BLOODBATH-Lager noch lange nicht im verstörenden Bereich der Todeskunst, aber dass "Grand Morbid Funeral" so breitbandig akzeptiert wird, muss ja seine Gründe haben. Von Sterilität kann ich im Gegensatz zu Kollege Schmitz erst einmal gar nichts hören. Nur weil die Produktion drückt und man verhältnismäßig artikuliertes Geröchel hört, ist BLOODBATH noch lange nicht im klinischen Bereich angekommen. Death Metal muss nicht bedeuten, Instrumente nicht auseinanderhalten und kein einziges Wort verstehen zu können. Vom Hörspaß und Songwriting ist "Grand Morbid Funeral" ganz sicher ein Jahreshighlight geworden. Wer auf den Metal in Death Metal steht, kommt auch bei der neuen BLOODBATH auf seine Kosten. Freunde des blutigen Death Metals kaufen lieber weiter DEAD CONGREGATION, TEITANBLOOD und Co.

Note: 8,5/10
[Nils Macher]

Ja, ich möchte Teil einer Bewegung sein. Ich will Traditionalist sein. Ich will wissend und erlebend sagen: ja, das ist Death Metal, wie er in seinen Hochzeiten in den frühen Neunzigern war. Und ich war dabei. Das kann ich sagen, denn ich war dabei. Die Bewegung, von der ich oben sprach, ist die der BLOODBATH-Kenner und -gutfinder. Die, die von den rasselnden Gitarrensalven schwedischer Gitarristenfronten beseelt werden und einen aggressiven guten Gesang auch von einem aggressiven Gesang unterscheiden können. Kollege Haris hat an der neuen lang erwarteten Scheibe der Allstarband nichts finden können, was es zu kritisieren gilt, er war und ist euphorisch. Gut so. Denn das Album hat diese Lobesworte sehr verdient. Ich kann mich hier gern einreihen in all die zu erwartenden weiteren Hymnen auf dieses Werk, welches vom Überraschungsprofi Holmes von PARADISE LOST mehr als toll besungen wird. Mich persönlich muss eine Death Metal-Platte auf dem guten Fuss erwischen, manchmal bin ich durchaus geneigt, auch mal nur die Hälfte der Knüppler am Stück zu konsumieren. So schwankt mein Verhältnis zu diesem Anwärter auf das Album des Jahres 2014 durchaus zwischen euphorischem Gesamtkonsum und Lust auf Einzelstücke oder kleinere Brisen. So bin ich eben Teil der BLOODBATH-Gutfinder-Bewegung, wobei ich bei der derzeitigen Krisenherdsumme auf dieser Welt mit dem Namen ein größeres Problem habe. So ist halt Metal.

Note: 8,0/10
[Mathias Freiesleben]

Mehr zu diesem Album:

Interview mit Nick Holmes

Soundcheck 12/2014

Review von Haris Durakovic

Redakteur:
Simon Volz

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