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Gruppentherapie: 40 WATT SUN - "The Inside Room"

17.03.2011 | 14:46

Beim "Album des Monats" im Monat März herrschte dieses Mal große Einigkeit. Gleich zwei Mal gab es die Höchstnote, daneben (wenn auch nicht ausschließlich) noch Noten im Bereich von 8.5 - 9.5. Was also ist dran an 40 WATT SUN? Welche Knöpfe drückt Bandkopf Patrick Walker bei den Hörern? Diese Fragen werden in unserer Gruppentherapie beantwortet.

Schon mit WARNING (UK) hat Patrick Walker dafür gesorgt, dass ich völlig ergriffen dieser düsteren, schweren, traurigen Musik lausche und kaum fähig bin, irgendetwas anderes nebenher zu tun. Musik, die mich derart gefangen nimmt, ist ziemlich selten. Mit dem Nachfolger 40 WATT SUN schafft es Patrick nun sogar die Atmosphäre noch zu verdichten, die Texte noch persönlicher zu gestalten, den Gesang noch eine Spur verzweifelter klingen zu lassen, so dass "The Inside Room" noch intensiver wirkt. So sitze ich wieder wie paralysiert da, wenn die fünf überlangen Nummern erklingen und bin tatsächlich den Tränen nahe, wenn 'Carry Me Home' mit den Textzeilen 'And what would I not say - If we were in that room again - If only for one lifetime - you would take me - in your tiny hand, to a place - where I know that I can find you - to a place - where everything I've done and I've done has gone away - If just to show me something I don't konw' in einem herrlichen Gitarrenstrudel endet. Das ist das größte für mich vorstellbare Emotionskino. Danke, Patrick Walker.

Note: 10/10
[Peter Kubaschk]


Kollege Rüdiger ist ein Mensch, der sich gerne begeistern lässt. Da hat er die Releases, die er für den Soundcheck hören muss, und lässt sich von der Begeisterung über ein Album wegtragen, so dass er sich dann regelrecht losreißen muss. Manchmal beneide ich ihn darum, schaffe ich es doch, eine gewisse Distanz zu wahren, selbst bei Alben, die ich richtig toll finde. In diesem Monat allerdings war das anders. Gleich die erste(!) Scheibe, die ich für den Soundcheck hörte, ließ mich nicht mehr los. Zwei Tage lang rotierte nichts anderes als 40 WATT SUN. Der Vergleich mit WARNING, die ich sehr schätze, hinkt allerdings gewaltig. Denn WARNING ist eine starke Doomband, während 40 WATT SUN ein ganzheitlich mitreißendes Musikerlebnis ist, das subtil und ganz sicher nicht sofort den Eingang in alle Sinne findet, aber schon bei der ersten Begegnung feine Widerhaken setzt, die einen entweder nicht los- oder schnell wieder zurückkehren lassen. Das hier ist tongewordene Emotion, ein Album, das mich mitnimmt wie es zuletzt ANATHEMAs "A Natural Disaster" getan hat (nicht musikalisch, sondern emotional! Nur bevor ich erboste Mails ob meiner offensichtlichen Ahnungslosigkeit bekomme). Es ist erst wenige Tage her, dass ich das Album benotet habe, aber ich glaube, ich habe zu wenig Punkte gezückt. Ich konnte mir einfach nicht vorstellen, dass das Album immer noch wachsen kann.

Note: 9,0/10

[Frank Jaeger]

Soll ich nun unisono einstimmen in das Konzert der Lobeshymnen der Herren Kollegen? Nun, ob ich will oder nicht, ich muss, denn was der gute Herr Walker mit seiner neuen Band 40 WATT SUN zelebriert, ist schlicht und ergreifend die höchste Schule mit einfachen Mitteln große Kunst zu schaffen und große Emotionen zu transportieren. Warm und sehnsuchtsvoll erklingt die Gitarre, dahinter getragen und langsam das Schlagzeug und alles krönend der elegische, leidende, aber niemals weinerliche oder gar kitschige Gesang des Bandleaders, der dich in der tiefsten Seele berühren kann. Doch all das ist noch nicht genug des Lobes, denn das größte soll noch kommen: Das Besondere an 40 WATT SUN ist für mich in letzter Konsequenz, dass diese Band trotz der klar definierten Stilelemente für mich einfach nur schöne, aufrichtige, ehrliche und unverkrampfte Musik macht. Doom Metal, der nicht danach schreit gehört und gekauft zu werden, weil er eben Doom ist. Musik, die es nicht nötig hat, mit Genrebezeichnungen und Attitüden hausieren zu gehen, weil sie einfach so wirken kann - die Seele öffnen und schweben lassen kann.

Note: 9,5/10

[Rüdiger Stehle]


Es gibt eben hoch gelobte Platten, die nicht von Anfang an zünden und für jene man enorm viel Zeit, sowie Mühe investieren muss, um mit ihnen warm zu werden. Dieses permanente Gefühl habe ich bei unserem Soundcheck-Sieger. Obwohl 40 WATT SUN mit "The Inside Room" innerhalb unserer Redaktion für mächtig Furore und viele offene Münder gesorgt hat, kann ich diese Begeisterungsstürme nur bedingt teilen. Zwar stellt das Werk im Doom-Sektor eine mehr als bewegende, beinahe schon perfekte Platte da. Jedoch gibt es schlicht und ergreifend Alben, die mich im Monat März mehr vom Sockel gerissen haben. Dies soll die Ausdrucksstärke und besondere Atmosphäre der insgesamt fünf Songs jedoch nicht schmälern, im Gegenteil. Man erkennt auf Anhieb, dass die Truppe mit diesem Werk etwas Besonderes geschaffen hat und die Hörergemeinde definitiv spalten wird. Es kann sich eben nicht Jeder mit progressivem Doom-Metal auf höchstem künstlerischem Niveau anfreunden. Speziell bei 'Carry Me Home' und 'This Alone' kommt man jedoch an der obligatorischen Gänsehaut nicht vorbei. Dadurch, dass Geschmäcker jedoch bekanntlich unterschiedlich sind, bekommen 40 WATT SUN von mir "nur" 75% der möglichen Punkte. Die Soundprobleme an manchen Stellen ignoriere ich hier gekonnt, sodass "The Inside Room" unterm Strich auch für mich, in dieser Sparte Uninteressierten ein gelungenes, kompaktes Paket darstellt.


Note: 7,5/10

[Marcel Rapp]


Wenn man 8,0 Punkte für ein Album zückt, sind die positiven Aspekte natürlich in der Überzahl. Da die aber schon zur Genüge zur Sprache kamen, interessiert es den Leser bestimmt brennend, warum man der Meinung sein kann, dass "The Inside Room" keine 9,0 oder gar 10 Punkte wert ist. Zunächst einmal ist die Gleichförmigkeit der Songs auffällig, die selbst für Doom-Verhältnisse bemerkenswert ist und nur selten einmal durchbrochen wird. Und wenn man nicht total auf diesen etwas weinerlichen Gesang abfährt, dann kann man sich durchaus daran stören, dass drumherum einfach relativ wenig passiert. Spannende Riffs sind eher die Ausnahme, jedoch gibt es immerhin einige packende Melodien, die das Ganze deutlich aufwerten. Trotz (oder wegen?) der Monotonie entfaltet sich aber eine bedrückende Atmosphäre, in der man - wenn sie einen in der richtigen Stimmung erwischt - schön versinken kann. Dann wächst das Album mit zunehmender Dauer immer mehr und kann den Hörer durchaus in seinen Bann ziehen. Aber wehe, man ist justament frohgemut gestimmt und gerade nicht empfänglich für solch zähe Düsterkeit. Dann lässt "The Inside Room" völlig kalt und rauscht komplett emotionslos durch. In solch einem Fall trotzdem durch packendes Songwriting begeistern zu können - dieses Potenzial haben 40 WATT SUN (im Gegensatz zu einigen anderen Trauerweiden-Bands wie die für mich unvermeidlichen und eigentlich immer hörbaren ANATHEMA) offensichtlich nicht.

Note: 8,0/10
[Stephan Voigtländer]

Redakteur:
Peter Kubaschk

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