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Gruppentherapie VANISHING POINT - "Distant Is The Sun"

19.02.2014 | 20:07

Musik aus Australien ist immer gut. Heute mal Melodic Metal, Olympia-Bronze im Februar-Soundcheck.

Schon wieder ne Progband aus Australien? Jetzt nichts Falsches denken. VANISHING POINT ist nämlich keine der jungen, hippen Alterna-Prog-Band und spielt einen ganz anderen Sound als die kunterbunten KARNIVOOLs und ihre Brüder. Guter alter, angeproggter Melodic Metal wird hier serviert und das schon seit 1997. "Tangled In Dreams" (2000) ist ein heißer Insidertip in der  Prog-Professorenschaft und auch die Nachfolger "Embrace The Silence" und The Fourth Season" darf man kennen. Ein super Einstieg für Newbies und Praktikanten ist aber sicher auch das fünfte Album "Distant Is The Sun", das im Februar-Soundcheck Platz drei erreicht. Und nicht nur unser Australien-Experte Peter ist hellauf begeistert. Martin van der Laan spricht in seiner Hauptrezi von der "derzeit besten Melodic-Metal-Band der Welt." Na, hier geht doch was. Lest selber!





Es ist tatsächlich Liebe aufs erste Ohr. Die Australier VANISHING POINT standen bereits seit ihrem Zweitwerk "Tangled In Dream" aus dem Jahr 2000 auf meinem (endlosen) Zettel, gehört aber hatte ich sie dennoch bisher nicht. Und dann kommt "Distant Is The Sun" und führt mir unbarmherzig vor, dass diese Ignoranz ein lange währender, großer Fehler war. "Distant Is The Sun" ist die Blaupause für ein mitreißendes Melodic-Metal-Werk. Mit jedem Durchlauf mehr entpuppt sich eine weitere Nummer als echte Melodieoase. Anfangs die offensichtlichen Hits 'Distant Is The Sun' oder 'Circle Of Fire', später dann das eindringliche 'Let The River Run' oder 'Denied Delieverance' und schließlich fährt einem 'Story Of Misery' so weit unter die Haut, dass man plötzlich die "Repeat one"-Taste drückt. Dazu kommt der wunderbare Gesang von Silvio Massaro, der in den tieferen Tonlagen gerne mal an Tom Englund (EVERGREY) erinnert. Überhaupt sind die Schweden als Referenz gut geeignet. VANISHING POINT ist so etwas wie der geradlinigere, optimistischere Bruder der Immergrauen. Anyway, wer melodischen Heavy Metal mag, muss hier zugreifen.

Note: 9.0/10

[Peter Kubaschk]

Tja Peter, dank eines Konzertbesuchs bei GAMMA RAY im Jahre 2001 habe ich VANISHING POINT tatsächlich seit besagtem, tollem "Tangled In Dream" in mein Herz geschlossen. Dabei hat sich der Stil der Truppe zwar minimal aufgehellt, ist aber nach wie vor vor allem eines, nämlich schön. Der Gesang von Silvio ist auch für mich das Highlight, ich möchte aber als besondere Qualität das angenehm dezente auftreten des Herren anführen, der sich immer songdienlich einbringt. Mein Highlight auf dem Album ist übrigens 'Circle Of Fire', das die Qualitäten der Band wunderbar auf den Punkt bringt.
Ansonsten bleibt eigentlich alles beim Alten, VANISHING POINT spielt den ausladenden, melodischen Metal mit bombastischen Arrangements und technischer Finesse nahe an der Perfektion. Die Jungs finden stets das Gleichgewicht zwischen instrumentaler Brillianz und eingängigen Melodien und haben deutlich mehr Aufmerksamkeit verdient, als ihnen bisher zuteil wurde.

Note: 8,5/10
[Raphael Päbst]





Eine Gruppentherapie, die beinahe nur aus Lobeshymnen besteht. Langweilig? Hoffentlich nicht. Genauso wenig langweilig wie Melodic Metal, wenn die richtige Band ihn spielt. In trüben Tümpeln, in denen Schlager-Songs mit E-Gitarren und Double-Bass ausstaffiert werden, um "metallisch" zu klingen, fischen diese Australier nicht. Dabei gelingt es dem Gespann ohne Ausnahme, die zahlreichen schmalen Grate des Genres meisterhaft zu überqueren. Eingängigkeit ohne Schmalz? Check. Bombast ohne Kitsch? Check. Präsente Keyboards ohne Plastiksound? Ebenfalls check! Und so kann man noch eine Weile weitermachen, denn auf "Distant Is The Sun" stimmt einfach alles. Vierzehn Songs, kein Aussetzer. Jede Nummer catchy as fuck und mit einer Inbrunst dargeboten, als spiele man gerade im Vorprogramm einer großen Band und will das Publikum zum Kochen bringen. So ist das Album auch produziert und abgemischt: wie eine ordentliche Live-Packung, die einem beherzt den Schmalz aus den Ohren pustet. Scheiben wie die neue VANISHING POINT sind es, die uns Süchtige jeden Freitag in die Plattenläden treiben. Ein Erfolg auf ganzer Linie!

Note: 8,5/10
[Nils Macher]





Ich bin nicht bekannt dafür, mich bei Melodic Metal zu größeren Freudensprüngen hinreißen zu lassen. Daran wird auch "Distant Is The Sun" nichts grundlegend ändern. Und doch, der Drive und die Hooklines in Songs wie insbesondere 'When Truth Lies' (klasse Gitarrenspiel) und dem Titeltrack wirken durchaus ansteckend. Doch ehrlich gesagt wird dieses Niveau für mich eben nicht auf Albumlänge durchgehalten, wie einige Kollegen anerkennend meinen, und die süßlichen Synthies sind hin und wieder so präsent, dass sie zu viel der restlichen Instrumentierung schlucken (z.B. 'King Of Empty Promises'). Ich muss aber zugeben, dass das bei mir schon in Richtung generelle Stilkritik geht, andere finden die Band vermutlich genau wegen dieses Trademarks toll. Obwohl mich gerade im zweiten Teil der Platte einige Songs kalt lassen, weil sie zu sehr nach Standardschema klingen und der individuelle Charakter der oben gelobten Nummern fehlt, gilt es doch etliche gelungene Melodien und die angenehme Klangfarbe des Gesangs zu würdigen. Und vor allem die Tatsache, dass VANISHING POINT als eine der wenigen Melodic-Metal-Bands nicht mit schwülstigem Kitsch nervt. Das ist schon eine ganze Menge für "ungeübte" Ohren wie die meinen.

Note: 6,5/10
[Stephan Voigtländer]


Oft bin ich es ja, der alte Bands erst spät entdeckt und mit dem zu besprechenden Album Erstkontakt zugeben muss, doch hier ist es mal andersherum. Ich weiss schon seit langem, dass VANISHING POINT gut ist. Bezugsquellen zu feinem Prog sind im Hause Becker schon seit Urzeiten vorhanden. So mochte ich "Tangled In Dream" schon immer, und so ist "Distant Is The Sun" natürlich keine so große Überraschung mehr wie vielleicht für Peter. Die Band kehrt zurück zu ihrem Erfolgskonzept von "Tangled...", einfach gute Songs ohne zuviele Schnörkel, zu schreiben, dafür aber mit zuckrigen Melodien und Hitpotential. Das haben aber die Kollegen oben schon intensiv erörtert.
Bleibt mir also nur die Bitte, neben "Distant Is The Sun" gleich noch die "Tangled In Dream" einzupacken, die ein wenig weicher und abgerundeter klingt, was mir persönlich besser gefällt, als die schon arg auf modernen Metal getrimmten Drums und die tiefer gestimmten Gitarren auf "Distant Is The Sun". Da nagt der Zahn der Zeit leider auch bei VANISHING POINT, was dann eben einen Notenpunkt Unterschied zwischen zwei kompositorisch (fast) gleichwertigen Alben macht.

Note: 8,0/10
[Thomas Becker]



Mehr zu diesem Artikel:

Soundcheck 02/2014
Review von Martin van der Laan

Redakteur:
Thomas Becker

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