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Gruppentherapie EVOCATION-"Illusions Of Grandeur"

28.09.2012 | 21:08

Gruppentherapie zu einer weiteren faustdicken Überraschung auf dem September-Stockerl. EVOCATION punkten in der Soundcheck-Redaktion mit "Illusions Of Grandeur" und Elchtod-Sounds.

Ganz so häufig passiert es nicht, doch alle paar Monate tümmelt sich ein schmuckes Todesblei-Paket auf den Treppchen unseres legendären Soundchecks (Anm. TB: Welche Legenden ranken sich denn um unseren Soundcheck?). Befreit von etwaigen Scheuklappen und mit der nötigen Brutalität gesegnet, treffen die Schweden von EVOCATION mit ihrem vierten Hassprotzen in der Redaktion auf offene Ohren und haben auf "Illusions Of Grandeur" ein paar Stücke im Gepäck, die mir etwas genrefremdlich agierenden Burschen äußerst gut gefallen. Mit Wucht, Wut und einem leichten Hauch von Wahn sind es vor allem das klassische 'Perception Of Reality', 'Metus Odium' und das passenderweise abschließende 'Final Disclosure', bei dem Josefsson, Toresson und Co. erstklassig agieren. Speziell die Klampfenzusammenspiel zwischen Kenttäkumpu und Palmen weiß zu gefallen, wird vom Boden’schen Drumming stets nach vor gepeitscht, ohne dass nur ein Fitzelchen an Durchsetzungsvermögen flöten geht. Alles in allem ein geglücktes Werk, obgleich mir der Vorgänger "Apocalyptic" im direkten Vergleich besser zusagte.

Note: 7,5/10
[Marcel Rapp]

Cover

 

Jaaaaaaaahhhh - was für ein fettes Brett! Natürlich war ich erst skeptisch ob der stilistischen Ausrichtung , aber das schlug schnell in Begeisterung um. Denn das wichtigste ist, dass die Stimme hier nicht nur eintöniges Gegröle loslassen kann, sondern auch eine Melodie zu transportieren vermag. Röhrig genug für das Genre, aber melodisch genug für mich Weichei. Cool! Das zusammen mit flinken, abwechsungsreichen Gitarren, wie kann man das nicht mögen? Und da man auch nicht davor zurückschreckt, ein wirklich vielschichtiges Album abzuliefern, was man zum Beispiel in 'Well Of Despair' genießen kann, bleibt eine eindeutige Kaufempfehlung für Härtner, die auch mal über den berühmten Tellerrand spicken!

Note: 8,5/10
[Frank Jaeger]



Ja, Frank hat nicht Unrecht. Dass EVOCATION auch für nicht so Death-Metal-affine Menschen interessant sind, liegt - ähnlich wie bei UNLEASHED - an den deutlich artikulierten Growls von Thomas Josefsson sowie den immer melodischen Gitarrenleads des Duos Kenttäkumpu/Palmen. Dabei ist man eigenständig und abwechslungsreich genug, um nicht als Klon von ähnlichen Vertretern wie AMON AMARTH oder eben UNLEASHED zu gelten. Das Tempo wird äußerst geschickt variiert und sorgt so für eine angenehme Dynamik, und die Melodien fräsen sich ohne Umschweife ins Hirn. Songs wie das mit feinem Mittelteil ausgestattete 'Well Of Despair', das stampfende 'Divide And Conquer' oder das getragene 'Crimson Skies' sind die besten Beweise für diese Aussage und sorgen dafür, dass die Schweden demnächst verstärkt im heimischen Plattenschrank auftauchen. Prima Scheibe.

Note: 8,0/10

[Peter Kubaschk]

 

Band1


Nach der schicken Demo-Zusammenstellung "Evoked from Demonic Depths - The Early Years" geht es nun mit "Illusions Of Grandeur" zurück in die Zukunft. Im Vergleich zum letzten Studiowerk "Apocalyptic" (2010) fällt folgendes auf: Die Herren aus dem schwedischen Borås nehmen in Sachen Spieltempo des Öfteren das Tempo raus zugunsten hymnischerer Nummern, die Querverweise an AMON AMARTH ('Metus Odium’ und das sehr starke 'Divide And Conquer') besitzen. Der typische Schweden-Schredder ist natürlich weiterhin vorhanden. Traditionsbewusste EVOCATION-Abrissbirnen wie 'Perception Of Reality', 'Well Of Despair’ und der hit-verdächtige, schnelle Opener 'Illusions Of Grandeur' lassen den Puls jedes Old-School-Deathers in die Höhe schnellen. Recht neu hingegen sind dezente Annäherungen an die Melo-Death-Ecke, wie das gediegene, teilweise recht gemächliche 'Crimson Skies' verdeutlicht. Unterm Strich lassen EVOCATION ihr Klientel frohlocken und kredenzen zahlreiche Todesblei-Köstlichkeiten. Die Schweden treten jedoch alles andere als auf der Stelle, sondern sie bereichern ihren Sound um neue Facetten. Dank der teilweise hymnischen, melodischeren Stücke werden EVOCATION mit dieser vielschichtigen Scheibe sicherlich neue Anhänger hinzugewinnen. Zu erwähnen ist noch die amtliche Produktion, die die Öhrchen kräftig durchpustet. Die limitierte Auflage im Digipak enthält übrigens drei Bonus-Nummern. Klarer Fall: Besorgt euch diesen Brecher!


Note: 8,5 /10
[Martin Loga]

 

Meine Güte war ich aus dem Häuschen, als ich feststellen durfte, dass meine Kollegen EVOCATION den zweiten Platz in diesem Soundcheck verpasst haben - sollte den Schweden wirklich die längst überfällige Aufmerksamkeit zuteilwerden? Scheinbar ja, denn das Album wird auch in anderen großen Medien hoch gehandelt. So weit, so gut. Nun, zwei Wochen und viele Durchläufe von "Illusions Of Grandeur" später, bin ich, ein großer Fan EVOCATIONs, allerdings verwirrt - und enttäuscht. Verwirrt über die vielen positiven Reviews, enttäuscht vom Album. Schlecht ist zwar etwas anderes (wie man meiner Note auch entnehmen kann), aber nahezu alle zehn neuen Tracks können den Hymnen der letzten Platten nicht ansatzweise das Wasser reichen. Was man hier serviert bekommt, klingt wie AMON AMARTH mit einem Schuss mehr Geknüppel (passend dazu gibt es Johan Hegg als Gastsänger). Der Unterschied dabei ist jedoch, dass die Chef-Wikinger zu eigentlich jedem Zeitpunkt ihrer Karriere fesselnder komponiert haben als EVOCATION das hier tun. Zwar sind die Melodien fein und gehen gut und schnell ins Gehör (jedoch teilweise auch genau so schnell wieder hinaus), die Band hat ihren melodischen Tobesblei allerdings schon wesentlich räudiger, schneller und einfach packender erklingen lassen. Vom mitreißenden Charakter der letzten drei Alben ist hier nicht mehr viel zu spüren. Was bleibt somit? Eine gute, ordentliche Platte - mehr nicht. Und ich muss für meinen Seelenfrieden nun wohl zum 54. mal "Dead Calm Chaos" auflegen. Schade.

Note: 7,5/10

[Oliver Paßgang]


Band2

 

Da ich klassischen Elchtod sehr schätze, rennen EVOCATION bei mir auch mit ihrem vierten Studioalbum offene Türen ein. Dabei sollte man nicht vergessen, dass diese Band im Grunde zu den Protagonisten der Szene gehörte, sich aber Anfang der Neunziger selbst ein Bein stellte, bevor das erste Album im Kasten war. Ich stimme dem Kollegen Paßgang zu, wenn er feststellt, dass "Illusions Of Grandeur" vermutlich nicht das beste EVOCATION-Album ist; vor allem das offizielle Debüt "Tales From The Tomb", aber auch der direkte Vorgänger "Apocalyptic" sind einen Tick spritziger und kompromissloser. Das liegt wohl vor allem daran, dass den Herren Kenttäkumpu die temporeichen, bösen Nackenbrecher klar am besten gelingen, während sie für eingängige Schlachtenhymnen nicht so das Händchen haben. Man vergleiche nur mal den großartigen Opener und Titeltrack mit dem recht hüftsteifen Midtempo-Stamper 'Divide And Conquer' oder lausche der UNLEASHED-mäßigen Walze 'Into Submission" und weiß hoffentlich, wovon ich rede. Glücklicherweise gibt es auch auf "Illusions Of Grandeur" immer noch überwiegend den Hintern voll. Genre-Afficionados dürfen sich also auf einen wohl schmeckenden Death-Metal-Eintopf aus "Like An Everflowing Stream" und "Once Sent From The Golden Hall" mit etwas "Where No Life Dwells" und einer Messerspitze HYPOCRISY-Ästhetik freuen. Im Death-Metal-Jahrespoll ziehen EVOCATION allerdings gegenüber "Odalheim" deutlich den Kürzeren.

Note: 8,0/10
[Martin van der Laan]

Redakteur:
Thomas Becker

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