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GRAVE: Interview mit Ola Lindgren

08.05.2008 | 14:13

Ende Mai wird das neue Album der Jungs von GRAVE in Europa erscheinen. Im Zuge dessen hatte ich nun - nach einigen Anlaufschwierigkeiten (der erste Termin musste verschoben werden) - den sympathischen Sänger, Gitarristen und Mitbegründer Ola Lindgren am Ohr.

Hagen:
Hallo Ola! Zuerst einmal, wie geht es dir? Alles okay soweit?

Ola:
Absolut. Momentan ist es zwar etwas stressig, aber läuft alles gut.

Hagen:
Okay, schön zu hören. Wenn's dir recht ist, würde ich gern ein paar Fragen zu eurem neuen Album stellen. Ich mag "Dominion VIII" wirklich gern. Ich mag es, dass man bei euch immer weiß, was man kriegt: oldschool Death Metal in Perfektion. "Dominion VIII" kickt wirklich. Möchtest du unseren Lesern etwas über euer neues Album erzählen?

Ola:
Ich denke, es ist sehr GRAVE-like. Wie du bereits gesagt hast, es ist sehr oldschool, es geht wesentlich mehr zurück zu unseren Wurzeln, als alles was wir in den letzten Jahren gemacht haben. Es ist sehr brutal, sehr roh. Ich mag es wirklich gern, es ist sehr aggressiv und kraftvoll. Es ist genauso geworden, wie wir es wollten. Jeder der unser vorheriges Zeug mochte, wird dieses Album genauso mögen, da bin ich mir sicher.

Hagen:
Das ist ungefähr das, was ich auch in dem Review zu "Dominion VIII" geschrieben habe.

Ola:
Oh cool. (lacht)

Hagen:
In welchen Studio habt ihr "Dominion VIII" aufgenommen?

Ola:
Wir haben die musikalischen Parts in unserem eigenen Studio aufgenommen, so wie wir es auch auf dem letzten Album getan haben. Die Vocals und das Mixing stammen aus einem Studio in Visby auf Gotland.

Hagen:
Kannst du mir etwas über das Songwriting erzählen? War es schwer neue Ideen zu finden und gleichzeitig am alten Material zu bleiben?

Ola:
Nicht wirklich, wir hatten einiges an Zusammenarbeit diesmal. Größtenteils ist dies eine Zusammenarbeit zwischen Ronnie, unserem neuen Drummer, und mir, der auch einige der Gitarrenparts geschrieben hat. Ronnie hatte einige frische Ideen, die sehr gut zu unserer Art Musik gepasst haben. Als wir zwei oder drei Songs zusammen hatten, haben wir sozusagen die Richtung gefühlt, in die wir das neue Album gehen lassen wollten. Der Rest ging dann wie von selbst, ich glaube, wir haben alles in etwa sechs Wochen durchgezogen.

Hagen:
Was du über Ronnie gesagt hast, war eine Frage, die ich sowieso stellen wollte. Also denkst du, Ronnie passt gut zu GRAVE?

Ola:
Absolut. Er ist eine tolle Ergänzung, sowohl als Songwriter als auch als Drummer, sowohl für das alte, als auch für das neue Material.

Hagen:
Eine andere Frage zu dem Thema, weil wir gerade über GRAVE-Mitglieder sprechen. Jonas Torndal hat GRAVE 2007 nach fünf Jahren verlassen. Außerdem war er einer der Gründer der Band im Jahre 1991. Hast du sein Ausscheiden als Rückschlag empfunden und wie hat es deine Arbeit mit GRAVE beeinflusst?

Ola:
Es war sehr traurig. Er kam einfach zu einem Punkt, an dem er aufgrund seiner Arbeit und seiner Familie eine Entscheidung treffen musste. Er musste sich entscheiden, ob er zu 100 Prozent hinter der Band steht, besonders was Konzerte und Touren und so weiter angeht, oder eben nicht. Er musste sich für Familie und Arbeit entscheiden. Es ist wirklich traurig, da wir uns schon so lange gekannt haben. Aber wir sind immer noch sehr gute Freunde und es gab keinerlei böses Blut oder ähnliches in der Band. Wir vermissen ihn natürlich, es ist immer toll, alte Freunde um sich zu haben, mit denen man spielt. Aber ich denke, das hat die Musik von GRAVE nicht sehr beeinflusst.

Hagen:
Schön zu hören, dass ihr immer noch Freunde seid und dass es keinen Streit gab.

Ola:
Ja, natürlich.

Hagen:
Wie würdest du "Dominion VIII" mit anderen GRAVE-Alben vergleichen?

Ola:
Ein bisschen habe ich dazu ja schon gesagt. Es ist einfach direkter als die letzten beiden Alben "Fiendish Regression" und "As Rapture Comes". Es ist brutaler, es geht wie gesagt mehr zurück zu unseren Wurzeln. Es klingt sowohl in der Produktion als auch in der Komposition sehr roh. Es gibt diesmal keine Blastbeats, nur das gute, alte Death-Metal-Drumming. Es klingt alt, aber gleichzeitig frisch und nach 2008.

Hagen:
Welches Lied gefällt dir persönlich am besten?

Ola:
Ich mag den zweiten Song 'Fallen (Angel Song)' gerne. Außerdem mag ich den letzten Track, '8th Dominion'. Er ist sehr lang, aber in seiner Art irgendwie episch.

Hagen:
(Lacht) Ich musste nur kurz lachen, weil ich über '8th Dominion' fast das gleiche im Review geschrieben habe.

Ola:
(Lacht) Oh gut.

Hagen:
Müssen wir jemals noch mal so lange auf ein neues GRAVE-Album warten, wie wir es in den späten Neunzigern mussten?

Ola:
Nein, das denke ich nicht. Diese Jahre waren sehr "langsam" für den Death Metal allgemein. Wir hatten damals einfach keine Energie mehr, etwas Neues zu tun. Momentan läuft es aber super. Falls wir jetzt aufhören sollten, glaube ich aber nicht, dass es irgendeinen Sinn machen würde, irgendwann wieder zu kommen. Wir werden natürlich auch älter. Heute haben wir aber ein sehr gutes Klima für Death Metal, viele alte Bands haben so etwas wie eine Wiederauferstehung. Es ist einfach ein gutes Feeling in der Szene momentan.

Hagen:
Möchtest du mir etwas zu den Lyrics auf "Dominion VIII" erzählen?

Ola:
Sie sind eigentlich in der gleichen Art, wie auf den neueren GRAVE-Veröffentlichungen. Erfundene Geschichten, etwas religionsfeindlich, viele Gedanken über sowohl das Leben als auch den Tod, das Leben nach dem Tod und der Phase zwischen Leben und Tod. Insgesamt ist das meiste rein erfunden, es gibt keine wirklich "Message" zwischen den Zeilen oder ähnliches.

Hagen:
Von eurer Promotionagentur weiß ich, dass ihr letzte Woche beim Dreh eines Videoclips wart. Was habt ihr dort für Erfahrungen gemacht, und für welchen Song habt ihr den Clip gedreht?

Ola:
Wir haben den Clip für den Song 'Bloodpath' abgedreht. Wir haben ihn in Visby auf Gotland aufgenommen, wo wir ursprünglich ja auch herkommen. Das Shooting hat drei Tage gedauert. Sehr viel Filmen, viele Stunden bis in die Nacht arbeiten. Es gibt dort ziemlich einzigartige Gegenden, es wird etwas Besonderes werden. Ich freue mich wirklich darauf, das fertige Teil zu sehen. Momentan wird der Clip bearbeitet und geschnitten, die Premiere wird dann nächste Woche sein. Am 15.5. werden wir so etwas wie eine Releaseshow hier in Stockholm veranstalten.

Hagen:
Da bin ich wirklich gespannt drauf. Kommen wir zum nächsten Thema, lass uns ein wenig über eure Touraktivitäten sprechen, wenn es dir recht ist.

Ola:
Klar.

Hagen:
Ihr werdet im September mit BELPHEGOR und NILE auf Europatournee sein. Freut ihr euch darauf, "Dominion VIII" auf der Bühne zu performen?

Ola:
Absolut. Wir haben einige Songs schon live gespielt, wir waren vor ein paar Wochen auf einer kurzen Tour in Russland. Wir haben dort zwei der neuen Lieder gespielt, was sehr gut gelaufen ist. Vor zwei Wochen haben wir außerdem eine Show in Hamburg gehabt, auf der wir drei der neuen Lieder gespielt haben. Dort lief es auch super. Wir haben uns für die Veröffentlichung etwas Besonderes überlegt. Auf den Releaseshows werden wir das komplette Album vom ersten bis zum letzten Song live spielen. Da können wir dann sehen, wie die Leute die Lieder live aufnehmen. Ich denke, das wird cool.

Hagen:
Leider spielt ihr nur in zwei Städten in Deutschland. Sind die Daten für eure Tour schon fest oder könnte da noch etwas dazu kommen?

Ola:
Die Daten sind schon fest. Wir haben aber geplant, eventuell eine Headlinertour zu machen. Deren Locations, so etwa acht bis zehn, wären dann hauptsächlich in Deutschland.

Hagen:
Im August werdet ihr in Wacken spielen, einem der größten Heavy-Metal-Festivals weltweit. Freut ich euch darauf und was erwartet ihr euch davon?

Ola:
Ich denke, das wird etwas Besonderes für uns. Ich persönlich war da noch nie, weder als Musiker, noch als Zuschauer. Es wird sehr, sehr groß dort. Ich bin sicher, es wird eine coole Show. Wir spielen relativ früh am Freitag glaube ich. Wir werden aber auf der Black Stage spielen, die ja eine der beiden großen Bühnen ist. Es wird schon eine tolle Erfahrung werden, auch wenn es tagsüber ist. Da spielen ja wirklich sehr viele Bands, und man muss halt die Zeit nehmen, die man kriegt. Es wird auf jeden Fall interessant, ich bin mir sicher, es wird cool.

Hagen:
2006 wart ihr mit ENTOMBED, DISMEMBER und UNLEASHED auf der Masters Of Death-Tour. Leider hab ich diese Tour verpasst. Da bin ich ziemlich traurig drüber, ich glaube diese Kombination war wirklich großartig. Möchtest du mir etwas über eure Erfahrungen auf der Tour erzählen? Besonders in Hinblick darauf, dass ihr ja alle wirklich klassischen Death Metal macht und gut zusammen passt.

Ola:
Das war wirklich etwas Besonderes. Ich meine, wir kennen uns alle schon wirklich sehr lange. Es war ein tolles Gefühl! Gute alte Freunde, die zusammen eine gute Zeit haben. Wir haben die Headliner-Position jeden Abend gewechselt, so dass wir jeden Abend eine andere Running Order hatten. Das war wirklich eine coole Sache. Wir hatten auch tolle Rückmeldungen vom Publikum, viele Leute haben uns gesagt, dass das eine coole Idee sei. Wir hoffen, dass wir so was irgendwann noch mal machen können, das wäre wirklich toll. So etwas wie einen zweiten Teil der Masters Of Death.

Hagen:
Das fände ich auch toll, ich versprech' dir, diesmal verpass ich das nicht.

Ola:
(Lacht) Ja dann sehen wir uns da.

Hagen:
Weil wir vorhin über den oldschool Death Metal geredet haben und du selbst schon das "Wiederaufleben" dieser Musik angesprochen hast, hätte ich dazu noch eine Frage. Meinst du, das wird anhalten, oder wird der klassische Death Metal wieder in der Versenkung verschwinden. Besonders in den Neunzigern haben das ja viele Kritiker behauptet.

Ola:
Ich denke nicht, dass das passiert. Wir haben momentan sozusagen die zweite Generation an Fans. Die Leute kaufen die Alben, gehen auf die Shows und sind insgesamt sehr aktiv in der Szene, beispielsweise in Foren und so weiter. Es ist ein schönes Feeling in der Szene momentan, und es ist schön zu sehen, dass auch jüngere Menschen in Bands eintreten, die diese klassische Musik schon seit fünfzehn oder zwanzig Jahren machen. Heute gibt es auch nicht mehr so viele Abgrenzungen zwischen den Musikstilen wie früher in den Neunzigern. Heute gibt es Leute, die hören sowohl Black Metal als auch Death Metal, zum Beispiel. Damals war man halt der Black-Metal-Typ, wenn man Black Metal gehört hat, und mochte Death Metal nicht. Heute sind die Menschen aufgeschlossener und hören die Musik wegen der Musik und nicht wegen dem ganzen Scheiß, der zu einem Musikstil dazugehört.

Hagen:
Sooo, wenn es dir nichts ausmacht, würde ich gern noch ein paar kurze Fragen zu dir selbst stellen.

Ola:
Okay.

Hagen:
Welche sind deine drei Lieblingsalben aller Zeiten?

Ola:
Wow, das ist schwer. Also... (denkt nach) Ich würde sagen, "Dimension Hatröss", VOIVOD. Ahhh... "South Of Heaven", SLAYER. Und dann ... ich würde sagen, ich würde sagen ... puhh ... ich denke, ein wichtiges Album für mich war dann noch "Morbid Tales", CELTIC FROST. Ja.

Hagen:
Welche bereits tote Person würdest du gern auf ein Bier treffen?

Ola:
Schon tot? Ich würde sagen Elvis.

Hagen:
Gute Antwort, tolle Partys glaub ich.

Ola:
Ja, das denk ich auch (lacht).

Hagen:
Möchtest du zum Abschluss noch etwas zu unseren Lesern sagen?

Ola:
Ja klar. Erstmal danke an alle für die tolle Unterstützung all die Jahre. Ich hoffe euch zu sehen, wenn wir endlich zurück auf der Straße sind, um das neue Zeug live zu spielen. Und haltet die Augen offen nach unserem Video auf unserer Homepage.

Hagen:
Danke für deine Zeit. Und ich hoffe wir sehen uns auf Tour.

Ola:
Absolut. Bye bye.

Hagen:
Bis bald.

Redakteur:
Hagen Kempf

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