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GOODTIMES, THE: Interview mit Vegard Waske

01.01.1970 | 01:00

Die Schweinerock-Szene scheint in den letzten Jahren arg zu stagnieren, was vor allem daran liegt, dass ehemalige Genreanführer wie THE HELLACOPTERS und GLUECIFER ihre Rotzigkeit weitestgehend abgelegt haben und sich stattdessen klassischeren Hardrock-Sounds widmen. Da kommt eine Band wie THE GOODTIMES gerade recht, zimmert sie doch mal eben so das beste Rotzrock-Album seit TURBONEGRO's "Apocalypse Dudes" aufs Parkett. Da mussten wir natürlich mal nachhaken, quetschten Vegard Waske von THE GOODTIMES über die Geschichte der Band aus und fanden dabei heraus, dass wir es hier mit der modernen Version von SPINAL TAP zu tun haben:

Björn:
Hallo, wie geht's dir, Vegard?

Vegard:
Mir geht's gut, vielen Dank! Ich hatte gerade einige sonnige Tage, die ich am Strand mit einigen Drinks verbracht habe…

Björn:
Erst einmal muss ich dir sagen, dass wir dieses Interview für ein Heavy-Metal-Magazin machen. Stehst du selber auch auf den klassischen Metalstoff? Und was denkst du überhaupt über dieses Genre?

Vegard:
Nun, da ich selber bei THUNDERBOLT spiele, die ja bei Massacre Records unter Vertrag sind, fühle ich mich natürlich nicht als Außerirdischer. Andreas, der heute auch bei THE GOODTIMES aktiv ist, hat ebenfalls eine Zeit lang bei THUNDERBOLT gespielt und die anderen Jungs stehen auch alle auf klassischen Heavy Metal. Jeder von uns stieg Anfang der 80er mit Hardrock und Metal in die Musik ein. Das erste Album, oder besser gesagt die erste Kassette, die ich besaß, war "Dynasty" von KISS und ich selber war ein fanatischer KISS-Anhänger während meiner Grundschulzeit.

Björn:
Gibt es sonst noch einige Bands, die du dir gerne anhörst?

Vegard:
Klar! IRON MAIDEN, KISS, alte METALLICA, BLACK SABBATH, DIO, SLAYER, RATT, SKID ROW, QUEENSRYCHE (die habe ich übrigens letzte Woche in Oslo gesehen), JUDAS PRIEST, MÖTLEY CRÜE, TNT; W.A.S.P., QUIET RIOT, MOTÖRHEAD, ENSLAVED, ENTOMBED, DISMEMBER, CARCASS, MORBID ANGEL, HATEBREED und selbst so sleazigen Stoff wie DEF LEPPARD und WARRANT. Ich hasse hingegen Nu Metal, obwohl ich zugeben muss, dass die letzte SLIPKNOT-Platte wirklich Arsch tritt!

Björn:
Okay, dann kommen wir mal zu deiner eigenen Band THE GOODTIMES. Ich denke mal, dass nur die wenigsten unserer Leser etwas mit eurem Namen anfangen können. Kannst du mir vielleicht deshalb mal kurz erzählen, was in eurer Karriere bisher so passiert ist?

Vegard:
Wir starteten die Band gegen Ostern 1998, einfach nur, weil wir nichts anderes zu tun hatten. Wir spielten einige Shows hier und da in Norwegen, begannen ein komplettes Album einzuspielen, lösten uns 2000 dann zum ersten Mal auf, reformierten uns Ende 2001 dann wieder, nur um uns Mitte 2002 ein weiteres Mal zu trennen. Ende des Sommers 2002 versuchten wir es dann noch mal mit einem neuen Line-up , lösten uns aber zwischendurch 2003 erneut auf. Aber wir sind wieder da und sind wohl so etwas wie die Antwort auf SPINAL TAP!

Björn:
Wie würdest du eure Musik beschreiben?

Vegard:
Melodischer Punk mit Hardcore-Einflüssen und einer sehr positiven Ausstrahlung.

Björn:
Ich würde euch mehr in diese Schweinerock-Schublade stecken, aber natürlich mit einigen Punk-Elementen. Würdest du mir nicht zu stimmen, wenn ich behaupte, dass THE GOODTIMES viele Ideen aus dem Rock `n´ Roll verarbeiten?

Vegard:
Definitiv! Aber man darf diese Hardcore-Inspirationen nicht vergessen, angehäuft mit einer kleinen Dosis IRON MAIDEN in den Melodien.

Björn:
Ich habe euch unter anderem mit Bands wie TURBONEGRO, GLUECIFER und den BACKYARD BABIES verglichen, aber ebenso erwähnt, dass ihr von DOWN BY LAW beeinflusst zu sein scheint. Woher bezieht ihr denn eure Haupteinflüsse?

Vegard:
Wir, GLUECIFER und TURBONEGRO teilen sicherlich einige unserer Einflüsse, die da wären: BAD BRAINS, BLACK FLAG und MINOR THREAT. Vielleicht sollte ich noch kurz erwähnen, dass unser Bassist Mats der Bruder des TURBONEGRO-Drummers ist. Aber gut, während diese Bands viel mehr in Richtung Rock gehen, konzentrieren wir uns, nicht zuletzt aufgrund unserer Beteiligung an der norwegischen Straight-Edge/Hardcore-Szene, weitestgehend auf die Hardcore-Punk-Ecke. Ich würde sagen, die Haupteinflüsse reichen daher auch von den genannten Bands bis hin zu SAMIAM, LEATHERFACE, SNUFF, und den BUZZKOCKS.

Björn:
Vor einigen Jahren war die skandinavische Punk `n´ Roll-Bewegung auf ihrem Höhepunkt angelangt und solche Bands wie THE HELLACOPTERS, GLUECIFER und eben die BACKYARD BABIES etablierten einen völlig frischen Sound, welcher folgerichtig auch einige beachtliche Erfolge nach sich zog. Glaubst du, dass eine Band wie THE GOODTIMES auch von dieser Bewegung gezehrt hat?

Vegard:
Ja, ich würde sagen, dass Oslo eine gesunde und wachsende Umgebung für diese Art von Musik ist und diese uns auch über die Jahre hin stimuliert hat. Als wir aber begannen und uns zum ersten Mal auflösten, waren noch gar nicht so viele Bands bekannt, außer eben TURBONEGRO, GLUECIFER, HELLRIDE, RETARDOS, WONDERFOOLS und einige wenige andere. Heutzutage sind diese Rockbands überall.

Björn:
Andererseits ist es leider so, dass all diese Gruppen bei weitem nicht mehr so dreckig und pur klingen, sondern sich vielmehr klassischen Rocksounds gewidmet haben, ganz besonders THE HELLACOPTERS und GLUECIFER. Was hältst du von dieser Entwicklung?

Vegard:
Hm, für diese Bands denke ich einfach nur, dass es eine natürlich Entwicklung ist.

Björn:
Würde es denn für euch auch eine Option sein, einen ähnlichen musikalischen Weg einzuschlagen wie diese Truppen?

Vegard:
Das ist schwer zu sagen, zumal wir noch nie die Chance bekommen haben, uns großartig zu verbreiten. Aber es wäre im Falle des Falles in der Tat eine weitaus melodischere Veränderung, aber halt immer noch so hart wie möglich.

Björn:
Meiner Meinung nach haben nur noch TURBONEGRO diesen Spirit der mittleren Neunziger. Sie kommen ja direkt aus eurer Gegend, deshalb mal die Frage, was ihr so von ihrer Rückkehr haltet.

Vegard:
Wir alle lieben TURBONEGRO! Sie haben eine außergewöhnliche Karriere gehabt und wir freuen uns bereits jetzt sehr auf ihr neues Album.

Björn:
Auf der anderen Seite geht es bei TURBONEGRO aber auch zu einem großen Teil ums Image. Sie verkaufen ja nach außen hin dieses Homosexuellen-Image und möglicherweise hat ihnen das auch geholfen, erfolgreicher zu werden. Wie ist deine Meinung zu Images in der Musikszene? Glaubst du, sie sind notwendig, um groß herauszukommen oder findest du sie eher überflüssig?

Vegard:
Ich denke mal, dass TURBONEGRO ohne den Namen und vor allem ohne dieses Image heute nicht da wären, wo sie jetzt sind. Aber sie sind auch exzellente Songwriter und Musiker, und gute Musik wird immer die Aufmerksamkeit bekommen, die sie verdient. Ich glaube an die Gerechtigkeit.
Manchmal kommt man aber auch ohne ein Image durch, aber selbst dann ist es oft ein Image, nämlich das, keines zu haben. Rockmusiker sind immer dann am besten, wenn es nicht nur um die Musik geht. Alles, was zu einer Band dazugehört, wie zum Beispiel die Attitüde, die Plattencover oder auch die Produktion, macht schließlich das Gesamtbild aus. Das ist ja auch der Grund, warum KISS so erfolgreich geworden sind. Schau dir nur mal eine Band wie FUGAZI an, die seit jeher ein Image ablehnen, aber gerade deswegen auch wieder ein solches besitzen.

Björn:
Würdet du also auch sagen, dass es bei THE GOODTIMES ein Image oder gar mehrere gibt?

Vegard:
Ja. Da ist natürlich in erster Linie die Punk/Hardcore-Ästhetik, aber ich vermute mal, dass die Leute auch etwas verwirrt davon sind, dass wir mit so vielen verschiedenen Stilen experimentieren. Auf lange Sicht denke ich, dass wir unser Image sicherlich noch hätten verfeinern können, aber wir haben nie die Zeit gehabt, uns darum zu kümmern.

Björn:
Gut, dann lass uns mal über eure letzte Platte "Long Kept Secrets" reden. Welche Geheimnisse habt ihr denn so lange zurückgehalten?

Vegard:
Dieses Album ist ein lange verwahrtes Geheimnis. Es wurde ja schon 2000 aufgenommen und hätte vielleicht sogar niemals das Licht des Tages gesehen. Außerdem bin ich mir sicher, dass Arild's Texte eine ganze Menge Geheimnisvolles über ihn aussagen, aber ich bin mir nicht sicher, ob du wirklich hören möchtest, wovon sie handeln, haha!

Björn:
Warum denn nicht? Wie auch immer, meiner Meinung nach ist diese Platte eine der besten ihres Fachs seit den glorreichen Tagen von GLUECIFER und den HELLACOPTERS, da die immer noch richtig rotzig klingen und diese unbändige Energie besitzen. Wie habt ihr diesen speziellen Sound hinbekommen?

Vegard:
Wow, vielen Dank! Das ist wirklich ein sehr großes Kompliment. Wie ich bereits sagte, wir sind mehr von der Hardcore-Szene beeinflusst, aber es ist wohl so, dass wir aufgrund unseres Standorts Oslo eine Menge Einflüsse dieser Musik in unsere Songs aufgenommen haben, daher eben auch dieser spezielle Sound.

Björn:
Ein Freund hat sich "Long Kept Secrets" letztens bei einer Autofahrt angehört und ist danach direkt mal ins Internet zu eBay gegangen, um sich das Album dort zu besorgen. Was ist also so magisch an der Musik von THE GOODTIMES?

Vegard:
Das ist cool zu hören. Ich denke, da ist eine Ehrlichkeit und Leidenschaft auf diesem Album und wir versuchen halt dieses ganze Hardcore/Punk/Rock-Erbe weiterzubringen und somit einige positive Energie an die Leute zu vermitteln. Und ich hoffe mal, dass diese Platte als Inspiration für die Leute dienen kann.

Björn:
"Long Kept Secrets" wurde über Beniihana veröffentlicht, ein kleines Label, das sich jedoch nicht nur auf ein bestimmtes Genre konzentriert. Wie seid ihr mit dieser Firma in Kontakt gekommen und was hat dazu geführt, dass ihr schlussendlich dort unterschrieben habt?

Vegard:
Nach jahrelangen Problemen mit einzelnen Plattenfirmen bin ich glücklicherweise mit diesen Leuten in Kontakt gekommen. Als wir uns dann einmal richtig ausgetauscht hatten, ging alles ganz schnell.

Björn:
Seid ihr zufrieden mit ihrer bisherigen Arbeit?

Vegard:
Auf jeden Fall! Sie sind sehr gut, arbeiten sehr hart für ihre Bands und ich bin sehr dankbar, dass wir mit ihnen zusammenarbeiten dürfen.

Björn:
Vor einigen Jahren – ich weiß, ich stelle eine Menge Vergleiche auf – gab es ein sehr populäres skandinavisches Label namens White Jazz. Hast du eine Ahnung, was mit dieser Firma passiert ist? Gibt es sie immer noch?

Vegard:
Ich bin nicht wirklich sicher. Meines Wissens hatten sie eine Menge Eigentümerwechsel und Probleme, die sehr viel ruiniert haben.

Björn:
White Jazz waren ja eigentlich mehr als nur ein Label, sondern mehr eine Art Markenzeichen für diese ganze Punk `n´ Roll-Bewegung. Meiner Meinung nach seid ihr eine der wenigen neueren Bands, die es geschafft haben, diesem Trademark White Jazz gerecht zu werden. Weißt du, was ich damit meine? Wie siehst du das?

Vegard:
Oh, ich sehe da ganz bestimmt eine Verbindung und fühle mich sehr von diesem Vergleich geehrt, vielen Dank!

Björn:
In den letzten Monaten habe sich unzählige dieser THE...-Bands an die Spitze gespielt. Ich nenne hier solche Gruppen wie THE DATSUNS oder THE HIVES. Was hältst du von diesen ganzen Bands und glaubst du, sie können gegen die oben angeführten skandinavischen Klassiker anstinken?

Vegard:
Ich glaube, dass die ganze Szene sich in den letzten Jahren selbst ins Bein geschossen hat. Da sind mittlerweile so viele THE...-Bands und nur wenige bringen auch etwas wirklich Neues. Es gibt so wenige Visionen und kaum Innovation und der Großteil dieser Bands wird in ein oder zwei Jahren auch wieder von der Bildfläche verschwunden sein.

Björn:
Einer eurer Songs heißt `We Are Coming´. Wann macht ihr denn dieses Versprechen wahr und lasst euch hierzulande mal auf der Bühne blicken?

Vegard:
Nun, das wird die Zeit zeigen, ich kann es dir nicht sagen.

Björn:
Was passiert denn, wenn THE GOODTIMES die Bretter betreten?

Vegard:
Mayhem!!!

Björn:
Hui, ja dann wollen wir mal hoffen, dass wir das schon bald mit eigenen Augen und Ohren erleben dürfen. Hast du den Rock- und Metalfans noch etwas zu sagen?

Vegard:
Im Metal geht es in erster Linie um Toleranz. Checkt also einfach mal die neue Platte von THE GOODTIMES an!

Björn:
Ich sage vielen Dank für dieses Gespräch und dein Interesse an unserem Magazin. Wir sehen uns auf Tour!

Vegard:
Auch vielen Dank für dieses Interview, es hat mir wirklich Spaß gemacht. Stay metal!

Redakteur:
Björn Backes

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