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GOD DETHRONED: Interview mit Ariën van Weesenbeek

05.10.2006 | 12:35

Bei GOD DETHRONED hat sich auf kopositorischem Level so einiges getan. Nach der Ära der Blast Beats beginnt bei den Niederländern nun das Zeitalter der komplexeren Sounds. "The Toxic Touch", das neueste Geschoss von Henri Sattler und Co., ist das wahrscheinlich progressivste Album der bisherigen Bandgeschichte, mitunter aber gerade deswegen auch eines der besten. Schlagzeuger Ariën van Weesenbeek analysiert für Powermetal.de die jüngste Entwicklung innerhalb des Bandsounds und äußert sich mächtig stolz über die großen Fortschritte im Songwriting.


Björn:
Hi Ariën, alles klar bei dir?

Ariën:
Mir geht's gut. Ich bin gerade erst aufgewacht, nachdem wir gestern ein wenig Spaß im Pub hatten, haha.

Björn:
Erst einmal Gratulation zu eurem neuen Album. Obwohl es einige Zeit gedauert hat, bis ich zu den neuen Sachen Zugang gefunden haben, gefällt mir das Album richtig gut.

Ariën:
Vielen, vielen Dank! Es freut mich, dass dir die Scheibe gefällt. Ich kann gut verstehen, dass du nicht sofort mit dem Material vertraut warst, es passiert immerhin eine ganze Menge in den neuen Songs. Außerdem ist unser Sound anders als noch zuletzt. Wir sind ein ganzes Stück fokussierter zu Werke gegangen.

Björn:
Ihr habt einige recht progressive Elemente in die Songs eingepflanzt. Welche Idee steckt dahinter?

Ariën:
Es geht uns in erster Linie um Wachstum und Entwicklung hinsichtlich Sound und Songwriting. Wir wollten vielschichtigere Songs schreiben und die typischen GOD DETHRONED-Elemente effektiver zu nutzen. Es macht uns stolz, ein dynamisches und gleichzeitig aggressives, raues Album eingespielt zu haben. Bislang hatten wir immer einen Haufen schnelle Sachen mit vielen Blast Beats, doch für uns war es nun an der Zeit diese Momente zu reduzieren und sie nur noch dann zu verwenden, wenn der jeweilige Song einen solchen Blast erfordert.

Björn:
Würdest du die Komplexität der neuen Platte denn auch auf ein natürlichen Entwicklungsprozess zurückführen?

Ariën:
Das Riffing ist sicherlich melodisch und komplex zur gleichen Zeit, und es fühlt sich großartig an, sich selber als Musiker und Songschreiber voranzubringen. GOD DETHRONED haben schon immer Alben aufgenommen, die sich von ihrem jeweiligen Vorgänger unterschieden haben. Und das gilt auch für "The Toxic Touch", wenn man es mit "The Lair Of The White Worm" vergleicht, welches noch einen sehr Underground-lastigen Sound hatte. Ich denke übrigens auch, dass die neuen Songs niemals so gut wären, wenn wir sie mit dem Sound des letzten Albums aufgenommen hätten.

Björn:
"The Toxic Touch" ist auch nicht ganz so heavy wie die letzten Alben, was ja auch gar nicht tragisch ist. Glaubst du auch, dass Musik nicht unbedingt hart sein muss, um aggressiv zu klingen?

Ariën:
Da stimme ich dir vollkommen zu. Viele Leute halten Blast Beats und hohes Tempo für die einzigen Möglichkeiten, brutal zu sein. In gewisser Hinsicht mag das ja stimmen, aber wenn es dabei nicht wirklich aggressiv klingt und mit voller Energie gespielt wird, geht die Wirkung sofort verloren. Was wir erreichen wollten, waren eingängige Songs, die durch ihre energiereiche Darbietung aggressiv klingen. Und die Midtempo-Doublebass-Grooves sind ja auch verdammt heavy, haha! Zu solchem Stoff kann man prima headbangen!

Björn:
Was machst du denn für diese Entwicklung innerhalb der Band verantwortlich?

Ariën:
Es war einfach der richtige Zeitpunkt, um diesen Schritt zu wagen. Es war nötig, die Blast Beats einzuschränken und Sachen auszuprobieren, die wir bislang nicht versucht hatten. Auf diesem Album gibt es jede Menge Grooves und Breaks, die das Album von den anderen deutlich unterscheiden. Für uns selber wäre es ja auch langweilig gewesen, ein weiteres Hyperspeed-Album aufzunehmen. In uns steckt einfach noch viel mehr Musik.

Björn:
Könntest du dir denn trotzdem vorstellen, irgendwann ein weiteres Album wie "Bloody Blasphemy" aufzunehmen? Verglichen mit dem neuen Werk scheinen ja Welten zwischen diesen beiden Releases zu liegen.

Ariën:
Hm, schwer zu sagen. Im Grunde genommen kann alles passieren, doch diese Scheibe ist mittlerweile acht Jahre alt, und in dieser Zeit haben wir als Band enorme Fortschritte gemacht. Außerdem betrachten wir die Musik heute aus einer gänzlich anderen Perspektive. Doch wie gesagt, ich möchte nichts prophezeien. Jedes Album ist ziemlich spontan zusammengestellt worden, und wir orientieren uns einzig und allein an unseren Gefühlen, wenn wir neues Material komponieren.

Björn:
Wofür stehen GOD DETHRONED demnach im Jahr 2006?

Ariën:
Herausfordernde Musik mit Atmosphäre und mit viel Energie dargeboten.

Björn:
Reden wir mal über die Texte des neuen Albums, von denen ich den Eindruck habe, dass sie ziemlich negativ sind. Gibt es einen roten Faden, der die Songs inhaltlich zusammenhält?

Ariën:
Die Texte sind tatsächlich ziemlich krank und depressiv. Es geht darum, den Willen zu leben zu verlieren, um die Zerstörung der Welt und den Drang zu morden. Weiterhin erzählen wir die Geschichte von Mary, die den Typhus-Virus in sich trug und die tödliche Krankheit verbreitete, sowie von den trügerischen Gedanken, die einem vorspielen, in einer sehr makabren Welt zu leben. All diese Texte haben diesen "Toxic Touch" und eine sehr kranke Atmosphäre. Der Albumtitel hält die Texte zusammen, obwohl es sich nicht um ein typisches Konzeptalbum handelt.

Björn:
Als ich mir den Song 'Away From Emptiness' angehört habe, glaubte ich, eine sehr persönliche Note zu spüren. Ist der Inhalt der Texte denn zu einem gewissen Maße auch ziemlich persönlich?

Ariën:
Henri hatte den Gitarrenpart, der den Song eröffnet, schon seit geraumer Zeit im Kopf. Wir alle mochten dieses Arrangement, und im Studio schrieben Henri und Isaac den Song dann gemeinsam fertig. Was die Texte anbelangt: Die meisten Geschichten sind komplett imaginär und niemals zu persönlich.

Ariën:
Dieser Song ist sowieso recht ungewöhnlich für GOD DETHRONED. Er ist so ruhig und düster, aber absolut genial. Was kannst du mir über diese Seite von GOD DETHRONED erzählen?

Ariën:
Haha, ziemlich soft, he? Es ist eines dieser typischen GOD DETHRONED-Trademarks, diese Art Atmosphäre innerhalb eines Songs zu kreieren. Mir persönlich geben diese düsteren Sounds immer noch das beste Gefühl, wenn ich Musik höre. Bands wie SLAYER und MORBID ANGEL haben dieses Feeling in ihren Sounds und vereinen es mit einigen kribbeligen Skalen auf ihren Gitarren, die wiederum sehr bedrohlich klingen. Wenn ich mir so etwas anhöre, habe ich eine finstere, grünlich aussehende Welt vor Augen. Das ist einfach die beste Musik: Lieder, die einen wie ein Hammer treffen und einem gleichzeitig ein enorm starkes Gefühl geben.

Björn:
Könntest du dir also schon vorstellen, auch auf euren nächsten Alben mit solch düsteren Sounds zu arbeiten?

Ariën:
Ich denke, dass wir unsere Platten immer auf eine sehr spontane und frische Art und Weise komponieren, und mit dieser Arbeitsweise ist es sehr wahrscheinlich, dass wir hier und dort ein wenig experimentieren. Aber es wird definitiv immer atmosphärisches, oder meinetwegen episches Material auf unseren CDs geben, genauso war das schon immer. Der ursprüngliche GOD DETHRONED-Sound wird immer intakt bleiben, allerdings immer mit Freiräumen für einige Extras.

Björn:
Das kann man bei eurem neuen Album ja dann auch wieder unterstreichen. Schließlich habt ihr auch wieder einige Hymnen auf "The Toxic Touch" versammelt wie beispielsweise '2014', 'Hating Life' und ganz besonders 'On Wings Of Pestilence' mit diesen großartigen Melodien. Meiner Meinung nach beschreiben diese Nummern den grundlegenden Charakter eurer Musik: heavy, direkt, melodisch und kompromisslos aggressiv. Wie denkst du darüber?

Ariën:
Du hast Recht. 'On Wings Of Pestilence' enthält in weitestem Sinne alles, was die Musik von GOD DETHRONED ausmacht. Ich liebe diese melodischen Parts mit den Doublebass-Rhythmen, weil es so majestätisch klingt. Danach kommen dann diese geilen Blasts, bis es irgendwann "bamm" macht. Und schließlich dann die Melodien und die Grooves - und das alles in einem Song!

Björn:
Werden diese Songs auch im Live-Set erscheinen?

Ariën:
Möglicherweise. Während der Sommer-Festivals spielten wir bereits den Song 'Hating Life', und ich denke, dass dieser auch im Set bleiben wird. Der Rest ist sowohl für uns als auch für unsere Fans eine Überraschung, haha!

Björn:
Über die Live-Situation möchte ich als nächstes zu sprechen kommen. Könnt ihr euch vorstellen, auch einige von den komplexeren Songs zu spielen, oder wird es auf der Bühne vorwiegend die Hymnen zu hören geben?

Ariën:
Ich würde sagen, dass wir uns in erster Linie auf die Hymnen konzentrieren werden, doch selbst diese haben immer noch einige ziemlich komplexe Parts, gerade bei den neuen Stücken. Wir möchten in unserem Set eine sehr ausgewogene Mischung aus eingängigen, schnellen, langsamen, sphärischen und Songs mit Singalongs präsentieren.

Björn:
Was mir bei euren Shows sehr gut gefällt, ist die Tatsache, dass ihr auch immer noch viele ältere Songs spielt. Das ist für eine Band, die bereits sechs Alben veröffentlicht hat, schon ziemlich ungewöhnlich. Werdet ihr daran auch in Zukunft festhalten?

Ariën:
Ja, auf jeden Fall! Es gibt einige Songs, die wir einfach spielen müssen, weil es unsere "Hits" geworden sind und manche Fans enttäuscht wären, wenn sie nicht mehr auftauchen würden. Die würden uns glatt lynchen, wenn wir nicht 'Boiling Blood' oder 'The Warcult' spielen würden. Diese Songs gehören unwiderruflich zu unserer Konzert-Performance.

Björn:
Aus diesem Grund ist es sicherlich auch ziemlich schwierig, das Live-Set zusammenzustellen. Gibt es da auch schon mal Unstimmigkeiten?

Ariën:
Für gewöhnlich entscheidet Henri nach einigen Gesprächen, welche Songs wir live spielen werden. Doch um ehrlich zu sein, im letzten Jahr hatten wir gar kein echtes Set mehr. Wir kannten lediglich die Songs, mit denen wir die Show starteten, und später beratschlagten wir uns dann meistens vor jedem weiteren Song, wie es weitergehen soll. Das hält für beide Seiten die Spannung aufrecht und bewahrt uns davor, zu routiniert aufzutreten.

Björn:
Eure nächste Tour wird im Vorprogramm von VADER stattfinden. Was erwartet ihr von dieser Tournee?

Ariën:
Ich erwarte eine Menge Spaß, tolle Konzerte mit vielen Leuten, die alle Bands sehen wollen. Außerdem hoffe ich, dass den Leuten die neuen Songs gefallen werden. Ich erwarte viele großartige Momente während dieser Tour, und natürlich, dass es eine echte Herausforderung wird, weil es unsere bis dato längste Tournee sein wird. Wir werden 41 Konzerte in etwas mehr als sechs Wochen spielen. Wow... heavy!

Björn:
Glaubst du denn, dass das Package für euch in Ordnung ist? Verstehe mich bitte nicht falsch, aber gerade im Fall von VADER ist es ja so, dass sie wirklich immer und überall präsent sind und die Fans unter Umständen sogar ein wenig von ihren Shows übersättigt sind – ganz gleich wie stark die Band auf der Bühne auch sein mag. Glaubst du, dass so etwas sich auf diese Tour auswirken könnte?

Ariën:
VAER spielen tatsächlich unheimlich viele Konzerte, das stimmt wohl. Doch auf der kommenden Tour haben sie wieder ein neues Album zu promoten und stellen außerdem einen neuen Schlagzeuger vor. Ich denke, dass dies einige erfrischende Vibes für die VADER-Fans sind, denn sie werden mit Sicherheit viele neue Stücke spielen. Das sollte es dann auch sein, was die Neugier des Publikums erneut wecken wird.

Björn:
Ich werde mir wahrscheinlich das Konzert in Eindhoven anschauen, das gleichzeitig auch das Tourfinale sein wird. Außerdem ist es euer Heimatland – wer wird also den Headliner abgeben?

Ariën:
VADER. Wer weiß, vielleicht dürfen wir ja ein wenig länger spielen, das wird sich noch herausstellen. Aber VADER werden auch in Eindhoven als letzte von der Bühne gehen.

Björn:
Als Letztes noch einmal zurück zu eurem neuen Album. "The Toxic Touch" wird als Bonus einen Mitschnitt vom vorletzten Summer Breeze Open Air enthalten. Was kannst du mir über dieses Extra sagen?

Ariën:
Weißt du was? Ich habe es bisher noch gar nicht gesehen. Es wird also auch für mich eine totale Überraschung. Henri hatte aber schon einige Einblicke und meinte, dass Sound und Auftreten absolut in Ordnung sind, nachdem der Sound im Studio erneut gemastert wurde. Ich erinnere mich aber daran, dass dieser Gig einer unsere besten und energiereichsten überhaupt war, nicht zu vergessen das großartige Publikum. Vielen Dank an all jene, die das Ganze zu einem sehenswerten Ereignis gemacht haben. Das waren nämlich nicht nur unsere hässlichen Gesichter, haha!

Björn:
Glaubst du auch, dass solche Specials notwendig sind, damit die Fans die Alben regular erwerben und nicht aus dem Internet ziehen?

Ariën:
Unglücklicherweise ist die Entwicklung dahingegangen, dass solche Sachen notwendig geworden sind. Es hat den Anschein, als würden die Leute, die CDs herunterladen, sich überhaupt nicht um das komplette Produkt scheren: das Artwork, die Texte und auch die CD selber. Außerdem ist der Sound der Downloads in der Regel furchtbar. Andererseits: Die richtigen Fans werden nun dafür entschädigt, dass sie sich das Original kaufen.

Björn:
Wie schaut's denn mit einer regulären DVD aus? Wird ein solches Projekt nun von diesem Bonus ersetzt?

Ariën:
Eine unabhängige Live-DVD wäre natürlich super, und ich hoffe inständig, dass wir einen solchen Release eines Tages verwirklichen können. Bis dahin ist das Material vom Summer Breeze – Augenzeugen zufolge – eine gute Überbrückung.

Björn:
Last words?

Ariën:
GOD DETHRONED liebt euch. Danke für das Interview, es hat eine Menge Spaß gemacht. Lass uns in Eindhoven ein Bierchen heben. Alles Gute für euer Webzine, wir sehen uns im November!

Björn:
Das will ich ja wohl hoffen!

Redakteur:
Björn Backes

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