top banner 156
side banner 157

Ein Interview mit den Stoner-Rock-Mitbegründern KYUSS LIVES

03.07.2011 | 22:49

Die Stoner-Rock-Urgesteine von KYUSS haben sich in 2010 unter dem Namen KYUSS LIVES reanimiert und sind seither ziemlich erfolgreich auf den Bühnen dieser Welt unterwegs. Am Dienstag, den 28.06.11 macht die Band um Sänger John Garcia im hannoverschen Klub Capitol Halt. Die Band stand in Form von Sänger John Garcia, Basser Nick Oliveri und Neuzugang Bruno Fevery für ein Interview zur Verfügung.

Nico Quendler:
Hallo zusammen. Vielen Dank, dass Ihr uns für ein Interview zur Verfügung steht. Wie geht's Euch?

John Garcia:
Wir haben zu Danken.

Nico Quendler:
Das ist Euer erstes Mal in Hannover, oder?

John Garcia:
Ja, soweit ich mich erinnere, ist es das. Ich hab in 2009 allerdings schonmal hier gespielt mit GARCIA PLAYS KYUSS.

Nico Quendler:
Einige der Band, die - genau wie Ihr - Anfang der Neunziger bekannt geworden sind, haben Comebacks. Beispielsweise SOUNDGARDEN, ALICE IN CHAINS und BUSH. Was haltet Ihr davon und wie seht Ihr das in Bezug zu KYUSS, die ja nun auch ein gewisses Comeback feiern.

Nick Oliveri:
SOUNDGARDEN? Ja, ich mag sie; sie gefallen mir sehr gut. Von den ganzen Seattle-Bands gehören sie zu den ganz Großen.

John Garcia:
Es ist grossartig, wenn Bands wie SOUNDGARDEN oder RAGE AGAINST THE MACHINE Comebacks haben. Ich haben solche Bands immer gemocht. Egal, ob sie nun in gleicher Besetzung zurückkommen oder beispielsweise mit einem neuen Sänger. Aber kann man KYUSS in einem Atemzug mit den besagten Bands nennen? Ich denke eher nicht. Wir hatten damals nie so einen grossen Erfolg wie diese Bands. Wir haben damals in viel kleineren Clubs gespielt und weniger Platten
verkauft. Aber wenn Du es von heute aus siehst, wo wir in zweimal oder dreimal so grosse Hallen spielen wie damals, dann erfüllt mich das schon mit Freude. Und wenn man dann noch die ganzen jüngeren Leute sieht, die auf unsere Shows kommen und uns wohl zum ersten Mal sehen, das ist dann ein gewisses Testament, welches KYUSS gezollt wird.

Nico Quendler:
Über die vergangenen 10 bis 15 Jahre hat sich das Musikbusiness massivst verändert. Früher hat jeder Cd/Vinyl gekauft; heute hingegeben wird die meiste Musik über den Download bezogen. Was haltet Ihr davon und habt Ihr darüber
überhaupt eine Meinung.

John Garcia:
Nun, ja, das ist eine Sache, die uns alle betrifft. Früher bist du in den Laden deines Vertrauens gegangen und hast dir das gute Stück Vinyl gekauft. Heute besorgst du dir es über amazon oder i-tunes. Ich denke, es ist eine grundsätzliche Einstellung, wie man mit Musik umgeht. Wenn du auf Vinyl stehst, dann kaufst du dir es im Internet. Auf einer der x Seiten, bei denen es angeboten wird. Wir sind allesamt ziemliche Vinyl-Befürworter und wenn unsere Fans das wollen, dann werden Nick, Bruno, Björn und ich schon dafür sorgen, dass KYUSS' Musik immer auf Vinyl erhältlich sein wird.

Nico Quendler:
Arbeitet Ihr eigentlich an neuem Material oder plant Ihr sogar ein neues Album?

Nick Oliveri:
Darüber denken wir momentan eher weniger nach. Es geht bei uns momentan darum, live zu spielen. Klar hat jeder mal Ideen und ich hab auch so manche Songidee, aber das ist noch nichts, was in irgendeiner Weise als fix gilt. KYUSS ist für mich eine Band für die Fans. Wir spielen, um die Fans da draußen zu begeistern.

Nico Quendler:
Wie seid Ihr wieder zusammengekommen? Wer hat wen zuerst angerufen?

Nick Oliveri:
Meine Band hat auf dem gleichen Festival gespielt wie Johns damalige Band. Wir sind uns praktisch auf einem Festival begegnet. Ich war sehr gespannt, wie John wohl nach all der Zeit klingen und performen würde. Schlussendlich standen wir dann für einige Songs gemeinsam auf der Bühne und die Idee, wieder gemeinsam Musik zu machen, war geboren.

Nico Quendler:
Bruno, Du bist neu in der Band. Wie fühlt es sich an, mit den anderen Dreien die Bühne zu teilen?

Bruno Fevery:
Oh, das fühlt sich gut an. Ich hab einen großen Bezug zu den alten KYUSS-Songs. Es ist ok und macht Spaß.

Nico Quendler:
Was geht Euch durch den Kopf, wenn Ihr die Songs wie beispielsweise Euren wohl bekanntesten Song "Green Machine" (1992) live spielt?

Nick Oliveri: Es ist ok, die Songs von damals so zu spielen, wie wir sie schon damals gespielt haben. Es macht Spaß, die Idee von damals auf die heutige Bühne zu transportieren. Ob du nun die Songs von damals bei einer Party deinen Freunden vorspielst oder sie in einer Konzerthalle spielst, macht für mich keinen zu großen Unterschied. Zudem macht es viel Spaß, zuzusehen, wie die Songs die Leute immernoch ansprechen, speziell bei den Kids.

John Garcia:
Ja, es ist definitiv gut, so wie es momentan ist. Wir sind sehr dankbar dafür, dass wir immernoch die Leute mit unserer Musik ansprechen und beispielsweise heute hier auf der Bühne in so einer schönen Stadt spielen dürfen. Die Songs von damals, die wir mit Josh (Homme) geschrieben haben, haben die Zeit überstanden. Das Material von damals ist Teil von uns allen.

Nico Quendler:
KYUSS ist somit lebendig.

John Garcia:
(lacht) Oh ja, Mann!

Nico Quendler:
Lasst uns etwas über die sogenannten "Generator Parties" sprechen.

Nick Oliveri:
Mit den "Generator Parties" haben wir im Grunde den Kids damals eine Möglichkeit gegeben, abzuhängen während wir und die anderen Musik dabei gemacht haben. Weißt Du, viele Kids wissen nicht, was sie machen sollen; sie hängen irgendwo ab, und betrinken sich. Wir haben damals den jungen Leuten eine gewisse Plattform gegeben, um eine gute Party mit Freunden und einigen Bierchen zu haben.

Nico Quendler:
Ist soetwas wie die "Generator Parties" für Euch in gewisser Weise noch aktuell oder ist das was Abgeschlossenes?

Nick Oliveri:
(lacht) Nun, ja, wir könnten ja mal versuchen, soetwas auf dem Coachella Festival durchzuziehen. Nein, ich denke, das gehört der Vergangenheit an.

Nico Quendler:
Die meisten von Euch haben Familie und Kinder. Wie geht ihr mit der Situation um, auf Tour zu sein und eine Familie zu führen.

John Garcia:
Bruno hat zwei Töchter, Björn hat einen wunderbaren Sohn, ich selbst hab einen Sohn und eine Tochter. Wir sind allesamt ziemliche Familienmenschen. Das Tourleben ist für uns eine Art Job und obwohl wir unsere Kinder nicht täglich zur Schule bringen können und sie beim Heranwachsen in der Zeit nicht begleiten können, sind wir irgendwo immer bei ihnen. Weißt Du, im Grunde, haben sie genau die gleiche Situation wie wir. Sie haben ihren "Job" in Bezug auf Alltagsbewältigung zu erledigen. Aber ganz grundsätzlich hat das schon vieler Diskussionen und Gesprächen bedurft. Es hat ungefähr ein Jahr an Gesprächen von mir und dem Management gebraucht, bis meine Familie und ich uns einig waren von wegen "ok, wir gehen auf Tour und halten das gemeinsam durch. Es wird Realität." Im Grunde hat meine Familie den "harten Job", sie arbeiten doppelt so hart wie ich, um den Alltag zu bewältigen und ohne deren Unterstützung wäre ich heute nicht hier. Und genau das wissen wir als Band. Insofern ist die Familie und deren Unterstützung von elementarer Wichtigkeit.

Nico Quendler:
Wie man sieht, seid Ihr allesamt online unterwegs. Ist das vielleicht eine Alternative, um den Kontakt mit Freunden und Familie während einer Tour aufrechzuerhalten?

Nick Oliveri:
Ja definitiv. Ich benutze viel Skype, um in Kontakt zu bleiben.

John Garcia:
Ich benutze auch viel Skype. Neulich saßen wir in einer Bar und ich hab mit meiner Frau über Skype geschrieben. Das bietet eine wirklich gute Lösung während einer Tournee. Ich hatte sozusagen einen Cyberdrink mit meiner Frau.

Nico Quendler:
Was sind Eure Einflüsse? Habt Ihr besondere Vorbilder oder ähnliches?

Nick Oliveri:
Ja Mann, es gibt so viele tolle Rock'n'Roll-Bands. Die Liste ist so unendlich lang. Es gibt auch so viele gute Bassisten, Gitarristen und Songschreiber. So aus dem Stehgreif fällt mir MOTÖRHEAD mit 'Ace Of Spades' ein. BLACK SABBATH sind auch großartig; genau wie BLACK FLAG. Mir geht es dabei auch nicht so sehr um das Genre, egal ob es nun Rock'n'Roll, Punk, Metal oder was auch immer ist. Wenn eine Sache gut gemacht ist, dann ist sie einfach gut gemacht!

Nico Quendler:
Ok, vielen Dank. Alles gute auf Tour weiterhin.

John Garcia:
Vielen Dank.

Redakteur:
Nico Quendler

Login

Neu registrieren