EXIT EDEN: Interview mit Anna Brunner

10.01.2024 | 18:26

Nach einem reinen Coveralbum sind die drei Gesangsakrobatinnen von EXIT EDEN mit ihrem Zweitwerk am Start, das neben Fremd- auch einige Eigenkompositionen zu bieten hat. Und die klingen richtig gut! Das Team Clémentine Delauney und Marina La Torraca zeigt auf "Femmes Fatales", was es drauf hat. Aber fehlt da nicht noch eine? Richtig, die gute Anna Brunner ist mit von der Partie und zeitgleich auch unser Interviewgast, mit der wir die aufregenden Zeiten rund um EXIT EDEN einmal aufrollen.

Liebe Anna, es sind spannende Zeiten, oder? Wie geht es dir und deiner EXIT EDEN-Crew?
Ja, es sind wirklich aufregende Zeiten, ist echt viel los gerade, aber uns geht es super, und wir können kaum erwarten, das neue EXIT EDEN-Album am 12. Januar endlich mit allen zu teilen.

Vor einem Jahr hast du mit Jim und LEAGUE OF DISTORTION euer Debütalbum veröffentlicht. Und nun bist du wieder mit EXIT EDEN am Start. Hand aufs Herz, wie viel LOD steckt denn in EXIT EDEN?
Hm… Hand aufs Herz? Vom Stil her sind die beiden Bands natürlich schon sehr verschieden, aber da ich beim Songwriting bei EXIT EDEN stark beteiligt war, kann ich sagen, dass hier auch ein bisschen LOD drin steckt, hehe! Vor allem bei den bestärkenden Lyrics und aufbauenden Messages, die bei EXIT EDEN auch sehr präsent sind.

Wie kamen denn Clémentine, Marina und du (und damals Amanda) zusammen? Wie habt ihr euch kennengelernt und wie entstand die Idee, EXIT EDEN zu gründen und markanten Songs der letzten Jahrzehnte einen symphonischen Metal-Schleier zu verpassen?
Diese Idee kam eigentlich von der Produktionsfirma, für die ich damals gearbeitet habe. Amanda war zuerst Teil von EXIT EDEN und hat mich und Marina ins Boot geholt, und dann kam auch Clementine dazu. Wir kannten uns damals noch gar nicht richtig und hatten keine Ahnung, was uns mit EXIT EDEN alles erwarten würde. Schon verrückt an diese Zeit zurückzudenken...

Nun steht mit "Femmes Fatales" euer Zweitwerk in den Startlöchern. War die Resonanz und die Nachfrage so groß nach dem Debüt, dass es euch in den Fingern gejuckt hat oder stand schon im Vorfeld fest, dass "Rhapsodies In Black" einen Nachfolger bekommt?
Für uns war das eigentlich klar, dass wir mit EXIT EDEN nicht nur ein einzelnes Album rausbringen wollen, aber es hat durch einige Veränderungen und Umbrüche etwas länger gedauert als erwartet, hehe.

Worin unterscheidet sich musikalisch denn die neue Scheibe von eurem 2017er Debüt "Rhapsodies In Black"?
Naja, zum einen natürlich dadurch, dass wir jetzt nicht nur Cover-Songs, sondern auch eigene Kompositionen auf dieser Platte haben. Und ein weiterer Punkt, würde ich sagen ist, dass die Cover-Versionen dieses Mal etwas gezielter gewählt sind, so dass alles mehr aus einem Guss kommt.

Du sagst es: Es sind auch sechs eigene Stücke auf dem Album vertreten, die du gemeinsam mit Hannes von KISSIN' DYNAMITE geschrieben hast. Woher habt ihr euch die Inspiration geholt und worüber handeln die Stücke und stehen sogar im konzeptionellen Zusammenhang zu den Coverversionen?
Es war nicht ganz einfach nach dem ersten Album mit nur Coversongs eigene Stücke zu schreiben. Ich erinnere mich, dass schon 2019 Marina und ich Songideen hin und her geschickt haben und nicht genau wussten, wohin die musikalische Reise gehen würde. Als dann aber der Startschuss für das zweite Album kam, und wir uns mit Hannes ernsthaft an die eigenen Songs gesetzt haben, kam der Flow von alleine. Hannes ist ein toller Songwriter und künstlerischer Produzent, und wir schreiben ja sehr viel zusammen, auch für andere Bands. Marina hat mit ihm auch einen Titel für EXIT EDEN komponiert: 'Dying In My Dreams'. Unser Anspruch war, dass die eigenen Songs auch zu den Covers passen, vom Grundvibe der Musik thematisch oder einfach vom Gefühl. Thematisch sind die Texte neben der Düsternis auch positiv und aufbauend, was eher untypisch ist für klassischen Symphonic Metal, aber genau das macht es auch wieder besonders, finde ich.

Wie erfolgte eigentlich die Auswahl der Songs, die ihr covern wolltet?
Wir hatten, glaube ich, alle lange Listen von möglichen Covers für EXIT EDEN. Aber als es dann wirklich um den kreativen Prozess ging, wurde uns klar, dass wir dieses Mal nicht die verschiedensten Songs aus verschiedensten Genres kombinieren wollten, sondern auch die Cover-Auswahl mehr aus einem Guss stammen sollte. So fühlt sich diese Platte für mich irgendwie erwachsener an.

Bei 'Run!' habt ihr tatkräftige Unterstützung von Marko Hietala. Wie kam denn die Kollaboration mit dem ehemaligen NIGHTWISH-Bassisten zustande?
Das ist eigentlich eine lustige Geschichte, weil es nicht von Anfang an geplant war. Als wir im Studio unsere Parts eingesungen hatten und bei dem Breakdown/C-Part waren, sagte Hannes zu mir:  Sing das mal so wie Marko Hietala von NIGHTWISH es singen würde. Und in dem Moment, schauten wir uns mit einem großen Lächeln an und dachten: Oh, Marko... das wäre ja auch eine mega gute Feature-Idee.

Mit 'Separate Ways' habt ihr auch einen meiner All-Time-Favourites generell gecovert. Welche Bedeutung haben für euch JOURNEY, ALICE COOPER und HEART? Vor allem bei HEART kann ich mir vorstellen, dass die Musikerinnen euch als musikalisches Vorbild dienten.
Das freut mich, dass wir mit 'Separate Ways' bei dir ins Schwarze getroffen haben. Natürlich haben uns auch viele dieser Bands musikalisch beeinflusst. Als Female-Rock-Vorbild waren es bei mir persönlich aber weniger Ann oder Nancy Wilson von HEART, sondern Lzzy Hale von HALESTORM.

Mir gefällt 'Hold Back Your Fear' auch unheimlich gut. Auf die Gefahr hin, dass die Frage etwas zu persönlich wird, aber wovor hast du Angst?
Tatsächlich hat dieser Song gar nichts mit meinen persönlichen Ängsten zu tun, haha. Das sind die einzigen Lyrics mit einem historischen Hintergrund, es geht hier um Jeanne d’Arc, die Jungfrau von Orléans, die um 1400 der französischen Armee in Orléans zum Sieg über die Engländer verhalf. Das ist eine total spannende Geschichte, vor allem hat es mich berührt, weil es ja damals sehr untypisch war, dass Frauen so eine starke Rolle übernehmen konnten.

Bestehen Pläne, euer Dreigestirn auch in den kommenden Monaten auf die Bühne zu bringen? Wie sind die Pläne seitens EXIT EDEN nach der Veröffentlichung des Albums?
Dazu kann ich leider noch nichts Offizielles sagen. Wir sind erstmal total gespannt auf die Reaktion zu dem Album und werden dann hoffentlich auch bald Live-Pläne mit euch teilen.

Wohin man auch schaut, hört man den Begriff "Supergroup". Wie stehst du persönlich zu dem Terminus Supergroup auch im Zusammenhang mit EXIT EDEN?
Ich finde es super, hehe. Und um ehrlich zu sein finde ich den Begriff hier auch sehr schmeichelhaft. Aber ich denke, dass man diesen Terminus so häufig liest, unterstreicht auch, dass es etwas Besonderes ist, wenn drei Frauensängerinnen von anderen erfolgreichen Bands sich für ein weiteres Band-Projekt zusammentun.

Liebe Anna, damit wäre ich mit meinen Fragen auch durch und danke dir nochmal sehr für die Beantwortung. Was möchtest du unseren Lesern und euren Fans noch mit auf den Weg geben?
Super gerne! Es ist wirklich toll, dass bei so vielen noch Interesse für EXIT EDEN da ist, auch wenn jetzt fast acht Jahre nichts Neues mehr kam. Das berührt mich um ehrlich zu sein sehr – gerade in dieser schnelllebigen Zeit – und ich freue mich dadurch umso mehr jetzt bald endlich dieses Album mit allen zu teilen! Viel Spaß beim Hören und hoffentlich sieht man sich auch bald live mit EXIT EDEN oder LEAGUE OF DISTORTION.

Fotocredits: Stephan Heilemann

 

Redakteur:
Marcel Rapp

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