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EXCELSIS: Interview mit Ädu, Küsu, Münngu, Rölu und Simu

23.01.2005 | 13:33

Die Schweizer von EXCELSIS erfreuen sich redaktionsintern großer Beliebtheit und haben auch allgemein im Underground einen hervorragenden Ruf, da sie durch die Vertonung schweizerischer Legenden und der häufigen Verwendung ihrer Berner Mundart einfach eine Band mit eigenem, unverkennbarem Charakter sind. Ädu, Küsu, Münngu, Rölu und Simu beantworteten gemeinsam Fragen zu den häufig geäußerten BLIND GUARDIAN-Vergleichen, zur schweizerischen Eigenart, Geschichte und Metalszene und vielem mehr.

Rüdiger:
"Legacy Of Sempach" ist euer viertes Album, das ihr mehr oder weniger in Eigenregie aufgenommen und veröffentlicht habt. Bekommt ihr von den renommierten Labels keine vernünftigen Angebote oder behaltet ihr lieber selbst die volle künstlerische Kontrolle und zeichnet bewusst nur Vertriebsvereinbarungen?

Excelsis:
Wir haben leider gar keine so große Auswahl, was Verträge angeht. Letztendlich springt für uns eigentlich immer nur ein Vertriebsvertrag raus. Es ist halt nicht gerade leicht einen Vertrag an Land zu ziehen und da sind wir schon froh, wenn jemand uns beim Vertrieb der CD hilft. Für uns würde sich aber auch durch einen Plattenvertrag nicht viel ändern, denn die Songs und die Aufnahmen von A bis Z selbst in der Hand zu haben, ist ein Muss für uns. Wir könnten das niemandem anderen überlassen, denn dann wären wir ja nicht mehr wir selbst.

Rüdiger:
Lobenswerte Einstellung. Habt ihr auf den damaligen Auftritt auf der IRON SAVIOR-CD hin viel positives Feedback von IRON SAVIOR- und GAMMA RAY-Fans bekommen?

Excelsis:
Im ersten Moment waren da sicher Reaktionen vorhanden, wir hatten durch diese Aktion auch die Möglichkeit recht viele Konzerte im Aus- und Inland zu spielen. Letztendlich wird man aber irgendwann wieder vergessen. Sicher war da auch das Pech nicht gerade beim besten Deal unterschrieben zu haben, denn mit ein wenig mehr Motivation wären sicherlich mehr CDs an denn Mann gebracht worden und hätten wir mit der dritten CD gleich einen Vertrieb gefunden, wären wir sicher einen Schritt weiter. Aber wichtig ist ja eigentlich nur der Spaß an der Sache.

Rüdiger:
Wie lässt sich die Entwicklung von EXCELSIS über die Jahre seit der Veröffentlichung des Debüts "Anduin The River" beschreiben? Ich würde sagen, ihr habt euren Stil bereits gefunden und verfeinert diesen kontinuierlich... großartige Umwälzungen im musikalischen Bereich sind nicht so euer Ding. Seht ihr das auch so?

Excelsis:
Wenn man die erste CD anhört, erkennt man noch eine Vielfalt von Stilen heraus, was sich bei der zweiten Scheibe dann schon ein wenig änderte. Wobei auch dort eher der kommerzielle, vielgehörte Power Metal im Vordergrund stand. Markenzeichen waren damals sicher die Berndeutschen Passagen und die Schweizer Geschichte als Hintergrund.
Bei der "Tales Of Tell" kamen wir dann endgültig in die Richtung, die sich auf dem Vorgänger schon andeutete. Da wir die Produktion dank eigenem Studio erstmals selbst in der Hand hatten, konnten wir frei tüfteln und ausprobieren und so entstand dann auch diese einzigartige Mischung aus Folklore und Metal. Leider war die Zeit damals etwas knapp und wir hatten recht viel Stress, was sich dann später auf dem Endmix bemerkbar machte.
Die aktuelle CD ist von der Produktion her sicher unsere Beste. Hier haben sich gegenüber der letzen die Gitarren und das Schlagzeug wieder etwas mehr in den Vordergrund gedrängt und auffallend sind die vielen berndeutschen Passagen. Zudem ist das Ganze etwas weniger folkloristisch ausgefallen und dadurch sicher auch eines unser kommerzielleren Alben geworden.
Wie die nächste CD klingen wird, wissen wir noch nicht, denn die Songs kristallisieren sich erst bei den Aufnahmen heraus und sind erst nach getaner Aufnahme endgültig fertig.

Rüdiger:
"Anduin" befasste sich mit Tolkien, während ihr ab "Kurt" anfingt schweizerische Themen zu verarbeiten, was ich sehr gut und originell finde. Was hat euch zu dem Sinneswandel bewogen?

Excelsis:
Eigentlich liegt das schon fast auf der Hand. Wenn man in der Schweiz lebt und auch in nächster Umgebung Geschichten findet, die sich mit der x-fach vertonten Arthus Saga messen lassen, warum dann nicht gleich vor der Haustür recherchieren? Denn diese Geschichten sind sicher noch von keinem vertont worden und bringen dem Hörer auch gleich ein paar Informationen über die Herkunft der Band mit, zudem können wir alle Schauplätze in kürzester Zeit besuchen.

Rüdiger:
Die Story hinter "Tales Of Tell" dürfte den meisten Deutschen schon bekannt sein. Die Mythen und historischen Ereignisse von "Kurt Of Koppigen" und "Legacy" sind dagegen hier eher unbekannt. Könnt ihr uns ein wenig über diese Geschichten erzählen? Zuerst über Kurt von Koppigen?

Excelsis:
"Kurt von Koppigen" entstand nach einer Sage aus unserem Heimatdorf. Er war ein Raubritter, der von seiner Mutter zum Bösen getrieben wurde, bis er in der Illusion lebte, dass das Töten etwas Gutes sei. Erst als er nach einem Hinterhalt bei Langenthal verletzt wurde, musste er flüchten und wurde auf seiner Flucht von den Geistern derer, die er getötet hatte, verfolgt. Von diesem Tag an wurde ihm klar, dass sein Raubzug nicht gut war und er besann sich zum Besseren.

Rüdiger:
Und was geschah dereinst zu Sempach?

Excelsis:
"Legacy Of Sempach" handelt ja nicht direkt von der Schlacht von Sempach. Es sind vielmehr die Erlebnisse eines dritten Zeitreisenden, der die ganzen kriegerischen und denkwürdigen Aktionen von außen beobachtet.
In der Schlacht bei Sempach vom 9. Juli 1386 schlagen die Eidgenossen Leopold den Dritten vom österreichischen Heer, dieser fällt dann auch an diesem Tag.
Bei einer kritischen Phase soll der tapfere Eidgenosse Arnold von Winkelried sich in die Spieße der Feinde geworfen haben, und diese so zu Fall gebracht haben.

Rüdiger:
Ich gehe davon aus, dass ihr dieses helvetisch-historische Konzept beibehalten werdet, schließlich ist es zu einer Art Trademark geworden. Welche schweizerischen Kulturgüter wollt ihr in Zukunft noch vertonen?

Excelsis:
Das steht bis jetzt noch nicht fest, denn wir möchten zuerst einmal die aktuelle CD livehaftig möglichst einer großen Bandbreite vorstellen und erst dann werden wir ein nächstes Thema wählen. Es wird sich sicher noch eine Geschichte aus der Schweiz finden.

Rüdiger:
Daran dürfte es keinen Zweifel geben. Ihr bezeichnet euren Stil als Helvetic Folk Power Metal. Wie viel Einfluss hat typisch schweizerische Folklore auf eure Musik? Welche Rolle spielen dabei Alphörner, Bäsechlopfe und Dachchänneli?

Excelsis:
Eigentlich bis auf das Einsetzen von diversen Instrumenten wie Alphorn oder Bäsechlopfe und Talerschwingen sehr wenig. Es haben sich zwar schon einige Melodien aus der Folkszene eingeschlichen und ein Jodlerchor war auch schon mal mit von der Partie auf der "Tales Of Tell", aber ansonsten belassen wir es schon bei der Instrumentierung.

Rüdiger:
Alphörner kennt man, aber die beiden anderen Instrumente werden bei vielen Lesern wenig bekannt sein. Was sind das für Instrumente?

Excelsis:
Bäsechlopfe ist ein eigentlich ganz etwas simples. Man nimmt einen Besenstil über die Schulter und schlägt abwechslungsweise auf das vordere und hintere Ende. Aber wer
wissen will, wie das aussieht, kann sich das auch live ansehen. Dachänneli kann man nicht wirklich erklären, aber man kann es live begutachten.

Rüdiger:
Der letzte Song ('Dr. Frosch') des neuen Albums fällt musikalisch und thematisch ein wenig aus der Reihe. Welche Rolle spielt der Song, warum ist er so anders, und warum fehlt der Text im Booklet?

Excelsis:
Der Text ist so nichtssagend, dass er nicht ins Booklet gehört. Der Song ist einfach die Art von uns zu zeigen, dass Heavy Metal nicht immer nur böse sein muss und eine ordentliche Portion Humor dabei sein kann. So hat jede CD von uns am Schluss einen Bonustrack, der nichts mit dem eigentlichen Konzept zu tun hat. Live machen diese Songs als Abschluss immer Riesenspaß.

Rüdiger:
Auch die Bonustracks von "Kurt..." waren sehr bizarr. 'Lamm am Hang' und 'Lämmer am Hänger'... wer ist bei euch für die abgedrehten Ideen zuständig?

Excelsis:
Die Ideen zu solch sinnlosen Aktionen kommen eigentlich immer während den Aufnahmen.

Rüdiger:
Warum durfte Küsu erst beim vierten Album mitsingen? Wollte, konnte oder durfte er vorher nicht?

Excelsis:
Wir konnten leider auf keine anderen Leute zurückgreifen, da mussten wir halt nehmen, was da war, haha. Nein, eigentlich hat er schon auf dem Vorgänger mitgesungen, denn in Wahrheit kann er nämlich wirklich gut singen, das Ganze geht halt dann live nicht so gut mit der Umsetzung, da er am Schlagzeug sitzt.

Rüdiger:
Na ja, Dan Beehler und Ventor können doch auch trommeln und singen...
Ich finde es ganz toll, dass ihr etliche Passagen in Schweizerdeutsch in die Songs einbaut. Das verleiht euch wirklich eine eigene Note, und als Schwabe hab ich das Glück, das auch weitgehend nachvollziehen zu können. Hättet ihr nicht mal Lust einen ganzen - regulären - Song in eurer Muttersprache zu machen?

Excelsis:
Das ist nicht das erste Mal, dass wir darauf angesprochen werden und es ist wirklich naheliegend mal einen Song ganz auf Schweizerdeutsch zu schreiben. Immerhin kommen ja aus den nördlichen Regionen massenhaft Bands, die sich nicht scheuen in ihrer Landessprache zu singen. Der einzige Knackpunkt sind die unzähligen Mundarttruppen in unserem Ländle.

Rüdiger:
Ich schaue oft Sendungen auf DRS, weil ich es gut finde, dass ihr Schweizer euch nicht für eure eigene Sprache schämt, während bei uns selbst die Regionalsender bestrebt sind alles auf Hochdeutsch zu machen. Was meint ihr, warum scheinbar der Schweizer ein viel ungezwungeneres Verhältnis zu seiner alemannischen Mundart hat, als die Schwaben und Badener? Warum macht z.B. keine deutsche Metalband Texte auf Schwäbisch oder Hessisch? Wo seht ihr den Mentalitätsunterschied?

Excelsis:
Der Schweizer ist halt einfach nicht für die deutsche Sprache geschaffen. Es ist manchmal zum Lachen, wenn man unseren Bundesräten oder Staatsvertretern zuhört. Deshalb belassen wir's halt bei dem, was der neutrale Schweizer am besten kann.

Rüdiger:
Gut so... wär schee wenn's bei eis au so wär. Weiter zur Eigenart der Schweizer: Findet die Schweiz irgendwann den Weg in die EU oder bleibt sie langfristig eine Insel mitten in EU-Europa?

Excelsis:
Das ist eine Frage, die keiner von uns beantworten will. Denn eigentlich geben wir in Interviews nicht gerne politische Statements ab, da wir ja auch keine politisch ausgerichtete Band sind.

Rüdiger:
Akzeptiert, ist ja auch nicht so wichtig. Zurück zur Musik: In der Bandinfo steht etwas davon, dass ihr auch vom alten US Power Metal beeinflusst seid. Da diese Elemente nicht so offensichtlich rauszuhören sind, würde mich interessieren, welche klassischen US-Metaller ihr denn besonders gerne mögt.

Excelsis:
Eigentlich ist der amerikanische Metal nicht so unser Ding. Es ist immer ein Phänomen, in was für Genre einen die Presse drücken kann, es gibt zwar da schon Bands wie METAL CHURCH, SAVATAGE und ICED EARTH, die wir zwischendurch gerne hören, aber hauptsächlich liegt unser Interessengebiet schon bei Bands wie BLIND GUARDIAN, SUBWAY TO SALLY, SKYCLAD oder IN EXTREMO.

Rüdiger:
Ihr werdet - meiner Ansicht nach nicht zu Unrecht - oft mit BLIND GUARDIAN verglichen. Nerven euch die ständigen Vergleiche mittlerweile oder seid ihr eher stolz darauf?

Excelsis:
Nein, von nerven kann da keine Rede sein! Wenn uns eines an der Geschichte stört, ist dies die Tatsache, dass wir die Krähfelder noch nie im Vorprogramm unterstützen durften, haha. Aber das ist halt schwierig, denn die Jungs touren ja im Schnitt nur alle vier Jahre und – wer weiß – vielleicht funktioniert es ja beim nächsten Mal.

Rüdiger:
Wo seht ihr die Hauptunterschiede zwischen EXCELSIS und BLIND GUARDIAN? Ich finde euch folkloristischer und direkter, weniger überladen als die neueren Werke der Krefelder.

Excelsis:
Eigentlich wissen wir gar nicht so genau, warum wir mit BLING GUARDIAN verglichen werden. Für uns ist das etwas Tolles, auch mal als Alpenblindguardian erwähnt zu werden, aber manchmal halt doch nicht ganz nachvollziehbar.

Rüdiger:
Wie sieht es an der Bühnenfront aus? Habt ihr in der Schweiz regelmäßig die Gelegenheit live aufzutreten? Wie ist der Publikumszuspruch bei den Konzerten? Spielt ihr eher als Headliner in Jugendclubs oder eröffnet ihr für größere internationale Acts?

Excelsis:
Ja, in diesem Jahr hatten wir wirklich ein paar tolle Konzerte in kleineren und größeren Clubs.
In kleineren Clubs kommt es oft vor, dass wir als Headliner angepriesen werden. Da trägt man aber dann auch die Verantwortung das Publikum zu überzeugen, deshalb ist es uns lieber bei internationalen Acts wie SCHANDMAUL, IN EXTREMO oder SKYCLAD zu eröffnen, zumal dann meist auch die Halle gefüllt ist.

Rüdiger:
Wie vital ist die Metalszene in der Schweiz? Seid ihr zufrieden mit der Unterstützung durch die nationale Rockpresse und die Fanbasis?

Excelsis:
Zwischendurch harzt das Geschäft in der Schweiz ganz gewaltig. Es ist leider so, dass im Moment ein riesiger Run auf Mundartbands herrscht und dadurch hat der Metal eigentlich überhaupt keine Chance im Radio gespielt zu werden. Zudem kommen noch so multiintelligente Shows wie Music Star dazu, die einem das Musikmachen auch nicht gerade erleichtern. Aber irgendwann wird das Volk sich wieder besinnen, dass Musik früher mal handgemachte Schwerstarbreit war, haha.

Rüdiger:
Welche anderen Bands aus eurem Heimatland findet ihr gut und empfehlenswert?

Excelsis:
Sicher empfehlenswert sind Bands, die in unserer Liga spielen und fernab von dem traditionellen Hard Rock sind. So sind ELUVEITIE, LUNATICA, INISHMORE MAJESTY OF SILENCE oder MOONDAWN ein paar Bands, die uns zu dem Thema einfallen.

Rüdiger:
Kann man in näherer Zukunft damit rechnen euch auch mal diesseits von Rhein und Bodensee live bewundern zu dürfen?

Excelsis:
Ja, an dieser Stelle möchten wir gleich mal darauf hinweisen, dass wir am 24. Juni 2005 in Slowenien am Metal Camp Open Air spielen werden. Was sonst noch im Ausland für Konzerte oder Open Airs anstehen, ist noch nicht bekannt. Aber ihr könnt euch über unsere Homepage http://www.excelsis.ch/ über die aktuellen Daten schlau machen.

Rüdiger:
Sonst noch etwas, das ihr unbedingt loswerden möchtet?

Excelsis:
Wir würden uns immer noch freuen einmal in unserer Laufbahn BLIND GUARDIAN zu supporten. Vielleicht liest das ja mal der Richtige und ansonsten ist das auch nicht so schlimm, haha. Der Versuch war's jedenfalls wert.

Rüdiger:
So, das war's. Danke für das Interview und viel Erfolg mit der Band in Zukunft.

Excelsis:
Der letzte Punkt des Interviews gehört, wie sollte es auch anders sein, der Redaktion von Powermetal.de. Wir möchten uns bedanken für die tolle Unterstützung und das Interview. Und last but not least grüßen wir natürlich alle, die uns die Jahre hindurch unterstützt und geholfen haben. Bleibt, wie ihr seid!

Redakteur:
Rüdiger Stehle

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