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EVILE: Interview mit Ol Drake

21.04.2021 | 22:12

Die UK-Thrasher EVILE mussten 2013 erst einmal den Abgang ihres kreativen Kopfes verdauen, doch 2018 kehrte Ol Drake in den Schoß seiner alten Weggefährten zurück und mit ihm gibt es wieder Bilderbuch-Geschremmel vom Allerfeinsten. Mit "Hell Unleashed" steht nach stolzen acht Jahren der "Skull"-Nachfolger in den Startlöchern, was wir zum Anlass nahmen, mit dem Rückkehrer ein paar Worte zu wechseln.

Ol ist trotz aktueller Pandemie guter Laune und frohen Mutes, natürlich auch in Anbetracht der kommenden, nunmehr fünften EVILE-Scheibe. "Die Stimmung ist großartig! Wir sind sehr gespannt auf das neue Album und haben ein tolles Gefühl dabei. Die Stimmung in der Band ist mit der neuen Besetzung viel entspannter und positiver." Innerhalb der Band tat sich etwas. Wir fragen Ol nach den Geschehnissen der letzten Jahre und baten ihn um ein kleines Update. "Ich bin 2013 gegangen und die Band machte ohne mich weiter, aber sie haben meistens nur geprobt und ein paar Shows gespielt. Es gab also kein neues Material. Als ich 2018 wieder dazu kam, fing ich an, das neue Album zu schreiben, aber wir hatten das Problem, dass Matt keine Zeit hatte, etwas beizutragen, und warteten ein Jahr, bis ich anfangen musste, die Texte und Demo-Vocals selbst zu machen. Matt hat später eh die Segel gestrichen und das Album wird endlich erscheinen." Und im selben Atemzug teilte uns Ol die Matt'schen Beweggründe seines Ausstiegs mit und ob der Neue an der Klampfe schon etwas zur neuen Platte beitragen konnte. "Matts Gesundheitszustand war nicht so gut und das machte ihm etwas Angst. Ich glaube, er hat es auch nicht mehr genossen und hat eine große Familie und einen Job. Adam, unser neuer Gitarrist, kam etwas zu spät für irgendwelche Beiträge zu den Songs, da wir praktisch fertig waren, als er dazukam, mit Ausnahme einiger Texte."

Und so steht "Hell Unleashed" in den Startlöchern, das sich doch ein wenig von seinem Vorgänger abzuheben weiß. ""Hell Unleashed" ist viel aggressiver und wesentlich straighter ausgefallen. Wir wollten, dass das Album, wie die Band und der Titel klingt – EVILE: böse und abscheulich, und ich denke, das haben wir damit erreicht. Wir wollten wieder etwas mehr back to the roots zu unserem ersten Album inklusive dieser speziellen Riffs zurückgehen, aber mit einer dunkleren, schnelleren, wütenderen Kante." Da stellt sich natürlich die Frage, ob die aktuelle Pandemie das Songwriting und die Lyrics der neuen Platte in irgendeiner Art und Weise beeinflusst hätte. "Das Album hätte wahrscheinlich genauso geklungen, da die Songs im Juli 2019 strukturell fertiggestellt wurden. Das Einzige, was noch getan werden musste, waren Vocals und Texte. Wir haben die Platte mit Chris Clancy in den Backstage-Studios von Andy Sneap aufgenommen. Corona beeinflusste die Aufnahme aufgrund sozialer Distanzierung, sodass wir nicht lange auf einmal dort sein konnten." Lieber Ol, enthält "Hell Unleashed" denn einen konzeptionell roten Faden? "Das Album enthält kein richtiges Konzept, sondern eher eine Sammlung von Songs mit unterschiedlichen Themen. Bei 'Disorder' geht es um den persönlichen Kampf mit der psychischen Gesundheit. 'Incarcerated' behandelt Menschen, die zu Unrecht wegen Verbrechen verurteilt wurden, die sie nicht begangen haben, und der Rest wurzelt mehr in den Fantasy-/Dark-Themen, mit denen sich der Metal oft befasst."

Darüber hinaus gibt es mit 'The Thing (1982)' einen ziemlich coolen Track auf der Platte. "Seit unserem ersten Album haben wir es immer genossen, Songs über spezielle Filme zu machen, und das hatten wir eine Weile nicht getan. "The Thing (1982)" [In der deutschen Fassung "Das Ding aus einer anderen Welt" - Anm. d. Red.] ist mein absoluter Lieblingsfilm und ich dachte, es wäre an der Zeit, dass wir es wieder tun. Es gibt wahrscheinlich viele Filme, die wir künftig darüber hinaus behandeln möchten, aber es gibt zu viele, um sie zu nennen." Zudem covern die Jungs 'Zombie Apocalypse' von MORTICIAN. Wir fragten nach den Hintergründen dieser Neuinterpretation. "Seit ich ein Teenager war, habe ich Death Metal geliebt. Ich mochte allerdings nur den alten Death Metal auf Riff-Basis wie OBITUARY, DEICIDE und CANNIBAL CORPSE, habe es aber auch immer geliebt, wie betonschwer MORTICIAN war und 'Zombie Apocalypse' war schon immer eines meiner Lieblingsriffs."

Kennt ihr eigentlich Brian Posehn? Auf seinem deutschsprachigen Wikipedia-Eintrag ist er mit einem DEATH ANGEL-Shirt zu sehen. Wir fragten Ol nach seinen Verbindungen zu Brian und "Hell Unleashed". "Brian ist ein US-amerikanischer Comedian und Schauspieler, er war in allen Bereichen von "The Big Bang Theory" bis "The Mandalorian" zu sehen, hat aber auch ein Metal-Album namens "Grandpa Metal" herausgebracht und ist ein ziemlich witziger Typ. Ich habe gesehen, wie Brian ein EVILE-Shirt in der "Sarah Silverman Show" trug, und daraufhin haben wir uns unterhalten. Er hat die Backing-Vocals zu unserem Song 'Cult' von der "Five Serpent's Teeth"-Scheibe gemacht und danach habe ich ihn gefragt, ob er es noch einmal zu 'Gore' machen möchte. Ich habe ihm den Song geschickt und er hat ihn geliebt und ja gesagt." Bleibt noch ein letztes Augenmerk auf das Artwork, das Michael Whelan entworfen hat. Auch hier fragten wir nach den Hintergründen. "Ich habe Michael einige neue Songs geschickt und gefragt, ob er irgendwelche Werke hat, die zum Musikstil passen könnten. Das Cover, das ihr seht, ist eines der Bilder, die er gesendet hat. Anfangs hat es uns nicht besonders gefallen, aber sobald wir hineingezoomt und das EVILE-Logo darüber platziert haben, ergab alles einen Sinn."

Wir dürfen uns also bei "Hell Unleashed" auf ein ziemlich bockstarkes Album mit vielen Überraschungen gefasst machen. Erscheinen wird es am 30. April via Napalm Records und verspricht speziell für Thrash-Metal-Fans ein Leckerbissen zu werden. Ol gebühren die letzten Worte. "Vielen Dank an alle, die unser neues Album probeweise schon gehört haben, und wir möchten alle, die es mochten, bitten, eine CD oder Vinyl vorzubestellen oder auf einen digitalen Download zurückzugreifen. Der Kauf des physischen Produkts hilft Bands mehr als die meisten Menschen wissen, auch über Merch und Tickets usw. hinaus. Danke!"

Redakteur:
Marcel Rapp

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